Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Die Familie 2
2.1 Definition 2
2.2 kurzer geschichtlicher Überblick. 2
3. Soziologische Thesen über den „Zerfall der Familie“ 4
3.1 Der Staat als Ursache für den „Zerfall der Familie“ 4
3.2 Die Gesellschaft fordert den „Zerfall der Familie“ 4
3.3 Durch Modernisierungsprozesse verliert Familie an Bedeutung 5
4. Theoretische Erklärungsansätze des familialen Wandels im 6
Zuge der Zweiten Modernisierung 6
4.1 Der Prozess der Deinstitutionalisierung 6
4.2 Die Theorie der sozialen Differenzierung 7
4.3 Die Pluralisierungsthese 7
4.4 Die Individualisierungstheorie 8
5. Veränderung und Kontinuität in der Familie. 10
5.1 innerfamiliäre Strukturen 10
5.2 materielle und immaterielle Unterstützung 10
5.3 Die neue Rolle der Frau 11
5.4 Bedeutungswandel der Ehe 11
5.5 Geburtenrückgang 12
5.6 weniger Eheschließungen, höhere Scheidungsquote. 13
6. Ausblick 14
7. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Die folgende Ausarbeitung soll einen Überblick darüber schaffen, was sich an der Familiensituation bis heute verändert hat.
Wichtig ist zunächst, sich darüber ein Bild zu machen, was man heute unter dem Begriff Familie versteht. Betrachtet man nämlich die heutige Vielzahl der Formen des Zusammenlebens oder die Unübersichtlichkeit von Verwandtschaftsbeziehungen in Adoptiv-, Stief- oder Inseminationsfamilien (Paare, deren Nachwuchs mit einer Samen- oder Eispende künstlich gezeugt wurde) ist gar nicht mehr so eindeutig zu erkennen, wer alles zur Familie gehört. Um die Begriffsklärung zu vervollständigen, habe ich einen groben geschichtlichen Überblick beigefügt.
Im Anschluss daran beschreibe ich drei geschichtliche Phasen, in denen Zerfall beziehungsweise Veränderung der Familie unter Soziologen besonders diskutiert wurde. Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf die heutige Zeit. Verschiedene Ansätze liefern unterschiedliche Erklärungen über den Wandel der Familie. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Alle sprechen von einem Bedeutungswandel. Der oft prognostizierte Zerfall der Familie wird in keiner der Untersuchungen bestätigt. Im Gegenteil: Vor allem Nave-Herz (1989) aber auch andere Soziologen betonen, dass die Familie in der heutigen Gesellschaft noch immer von großer Bedeutung ist und von den meisten Menschen früher oder später angestrebt wird - auch wenn die Anforderungen des Arbeitsmarktes, die finanzielle Belastung durch Kinder und das immer schwieriger werdende Aufeinanderabstimmen zweier Biographien, Lebensträume und -ziele eher gegen Familiengründung sprechen. Neben wenigen traditionell gebliebenen Eigenschaften hat sich bezüglich Struktur und Bedeutung der Familie viel verändert, was hauptsächlich mit gesellschaftlichem Wandel zusammenhängt. Das „ganze Haus“ beispielsweise hätte in der heutigen Zeit wenig bestand. Die Rolle der Frau und die Arbeitsteilung im Haus haben sich gewandelt, Generationen leben nicht mehr unter einem Dach zusammen. Die heutigen Arten des Zusammenlebens haben vorher noch nie in dieser Form existiert.
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2. Die Familie
2.1 Definition
Das normative Familienmodell basiert auf dem bürgerlichen Familienbegriff. Es wird nur die Lebensform als Familie betrachtet, die die Merkmale Haushalt, Elternschaft und Verwandtschaft aufweist (vgl. Schneider 1994, S. 15). Hinzu kommen dauerhaftes Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, Nähe, Sexualität und gegenseitige Fürsorge. Ehe zählt heute nicht mehr notwendigerweise dazu.
Parson bezeichnet die Konstellation Vater, Mutter und Kind als Kernfamilie (vgl. Tyrell 1998, S.146-148), dies war jedoch lediglich in den 50er und 60er Jahren das meist verbreitetste Modell. Seit Mitte der 70er wurden dann auch unvollständige Familien zu dem Familienbegriff gezählt.
Viele Soziologen nutzten Parsons Kernfamilie als Vergleichsvariable, wenn sie Thesen über den Wandel in der Familie aufstellten. Jedoch ergaben diese Untersuchungen nur, dass sich seit der Phase des sogenannten ‚golden age of marriage’ der 50er und 60er Jahre etwas verändert hat. Dass dieses Familienmodell in früheren Zeiten wie auch heute viel weniger verbreitet war und ist, und es eher als eine Form des Zusammenlebens neben anderen galt und gilt, wird hier kaum beachtet. Generalisierungen führten dann zu verfälschten Ergebnissen.
2.2 kurzer geschichtlicher Überblick
In der Zeit vor der industriellen Revolution war die weitverbreitetste Familienform die des „ganzen Hauses“. Für die Partnerwahl waren ökonomische Faktoren ausschlaggebend, charakteristisch dafür war die Einheit von Produktion und Familienleben. Kinder galten als Gesinde und wurden als Arbeitskräfte eingesetzt. Emotionen spielten keine große Rolle.
Mit der Industrialisierung entwickelte sich eine Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte, die „bürgerliche Familie“ entstand. Die Produktion fand nun meistens außerhalb der Familie statt und Gesinde und Dienstboten wurden ausgegliedert und bekamen Angestelltenstatus. Emotionen gewannen enorm an Bedeutung, d.h.
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Ehen ergaben sich jetzt aus Liebe. Außerdem wurden den Familienmitgliedern ab jetzt wurden Rollen zugeschrieben. Der Vater war für die Ernährung, die Mutter für die Kinder verantwortlich und Kindheit wurde zu einer anerkannten Lebensphase. War es aufgrund der ökonomischen Lage der Familie nicht möglich, dieses Leitbild nachzuleben, wurde die „vernünftige Ehe“ eingegangen. Hier wurden die materiellen Vor- und Nachteile einer Beziehung genau abgewägt. Oftmals war Erwerbstätigkeit der Frau notwendig.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, diese Formen des Zusammenlebens seien ausschließlich gelebt worden und jede abweichende Konstruktion sei verpönt gewesen, spricht die Tatsache, dass schon vor und zu Beginn der Industrialisierung eine außerordentlich große Vielfalt familialer Lebensformen gegeben hat, die heutige Situation ist demnach nichts Außergewöhnliches. Wie bereits erwähnt, bildete sich dann in den 50er und 60 Jahren die „moderne Kleinfamilie“ (Parsons „Kernfamilie“), die von dem größten Teil der Bevölkerung bis Mitte der 60er unhinterfragt gelebt wurde. Sie bestand aus einer lebenslangen, monogamen Ehe, deren Sinn die Gründung einer Familie war. Der Vater wurde zur Autoritätsperson und war für Außenbeziehungen zuständig, die Mutter kümmerte sich um emotional-affektive Bedürfnisse der Familie und um Haushalt und Kinder. Alle anderen Lebensformen, wie zum Beispiel Geschiedene, Alleinlebende und nichteheliche Lebensgemeinschaft, galten als Notlösung und wurden in der Gesellschaft diskriminiert. Jeder Erwachsene war also mehr oder weniger gezwungen, zu heiraten. Diese Phase gilt als Höhepunkt der modernen Familienentwicklung.
In Verbindung mit den Frauen- und Studentenbewegungen der 60er kamen Zweifel an der Möglichkeit einer lebenslangen monogamen Ehe auf. Man fühlte sich in den Traditionen gefangen. Familiengründung war nicht mehr unbedingt notwendig, die Emanzipation der Frau stand im Vordergrund und andere Formen des Zusammenlebens wurden nicht mehr als negativ angesehen. Beispielsweise einwickelte sich von 1972 bis 1996 eine Zunahme der Einpersonenhaushalte um 84 Prozent und die Zahl der unverheirateten Paare mit Kindern hat sich verzehnfacht (vgl. Peukert 1999, S.32).
Mehr zu Wandel und Kontinuität in der Familie seit Mitte der 60er folgt in Kapitel 6.
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Arbeit zitieren:
Anne-Sofie Held, 2003, Identitätskonstruktionen der Gegenwart - Die These vom Ende der Familie, München, GRIN Verlag GmbH
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