Gliederung
Einleitung S. 3
1. Die Bedingungen des Mediensystems 5
1.1. Funktions-und Produktionsweisen des Fernsehens 5
2. Public Relations und Journalismus 7
2.1. Begriffsklärung Public Relations 7
2.2. PR im System der Massenmedien 7
3. Politische Public Relations 9
3.1. Strategien politischer PR 10
3.1.1. Strategie der Themensetzung 11
3.1.2. Symbolische Politik 11
3.1.3. Personalisierungsstrategie 12
4. Konsequenzen und ethische Probleme 13
4.1. Politische Inszenierung und die Medienlogik des Fernsehens 13
4.1.1. Ereignis- und Personeninszenierung 14
4.1.2. Entpolitisierung des Wahlkampfes 16
4.2. Probleme inszenierte Politik und die Frage nach journalistischer
Verantwortung S. 17
4.2.1. Gefahren inszenierter Politik 17
4.2.2. Probleme und Konsequenzen für den Journalismus 18
4.2.3. Probleme und Konsequenzen für die Politik 20
5. Fazit 21
Literatur 22
Einleitung
Die moderne Gesellschaft, in der wir heute leben, ist ohne Zweifel immer komplexer geworden und befindet sich in einem ständigen Wandel. Auf diese immer komplexer und differenzierter werdenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Teilsysteme muss demzufolge die Politik reagieren und ihr politisches Handeln danach gestalten.
Drei Faktoren sind für diese neuen gesellschaftlichen Bedingungen entscheidend, welche in der Konsequenz auch massgeblich politisches Handeln und die Vermittlung der Politik bestimmen. Zunächst sei auf die steten gesellschaftlichen Modernisierungprozesse zu verweisen. Diese Prozesse sind vor allem durch eine wachsende Enttraditionalisierung, Individualisierung und Pluralisierung der Lebensstile charakterisiert. Damit einhergehend ist aber auch die Auflösung ehemals fester Bindungen von Wählergruppen an Parteien zu erklären. Stammwähler wurden zu Wechselwählern, die letzlich bei der Stimmenabgabe an der Wahlurne mehr oder weniger nach situativen Faktoren entscheiden. 1
Ein weiteres Merkmal der modernen Gesellschaft unserer Zeit ist der gestiegene Medienkonsum. Massenmedien, allen voran das Fernsehen bestimmen einen großen Teil des menschlichen Alltags. 2 Dabei war und ist das System der Massenmedien ebenfalls einem permanenten Wandel unterlegen. In diesem Zusammenhang muss geklärt werden, dass die Medienpolitik zunehmend an Einfluss verloren hat, so dass das Mediensystem, insbesondere das des Fernsehens durch eine immer größere Selbst- und Eigensteuerung gekennzeichnet ist, vor allem durch die Entwicklung des dualen Fernsehsytems. 3 Mit dem sich daraus ergebenden Kampf um Quoten, haben sich die Sendeformante, auch die der öffentlich-rechtlichen Sender, immer mehr dem vom Publikum nachgefragten Unterhaltungformaten zugewendet.
Die beiden aufgezeigten Entwicklungsmerkmale haben auch Konsequenzen für die Politik. Durch den bereits erwähnten Rückgang der interpersonalen Kommunikation zwischen Bürger und Partei, sind letztgenannte immer mehr auf die Massenmedien, vor allem auf das Fernsehen als Vermittler ihres Parteiprofils angewiesen. Gleichzeitig gestaltet es sich für Parteien immer schwieriger, aufgrund der hohen Kommunikationsintensität und Informationsdichte, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erreichen. 4
In der vorliegenden Arbeit soll nun erläutert werden, mit welchen Maßnahmen und Strategien, die Politik versucht, in den Medien öffentlichkeitswirksam präsent zu sein. Der Fokus liegt dabei auf dem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Politik und Mediensystem, wobei hier insbesondere
1
Andreas Dörner: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main 2001, S. 112.
2 Ebd. S. 40.
3 Vgl. Rezzo Schlauch: Politik unter den bedingungen der Mediengesellschaft. In: Politik als Inszenierung. Zur
Ästhetik des Politischen im Medienzeitalter. Baden-Baden 2000, S. 69.
4 Claudia Schweda/Rainer Opherden: Journalismus und Piblic Realtions. Wiesbaden 1995, S. 56.
die Rolle politischer Public Relations geklärt werden muss. Weiterhin soll geklärt werden, welche Folgen sich daraus für die Darstellung von Politik ergeben haben und inwiefern sich daran anschließend (medien-) ethische Probleme aufzeigen lassen.
1. Die Bedingungen des Mediensystems
Um sich adäquat mit der Darstellung und Vermittlung von Politik im System der Massenmedien auseinandersetzen zu können, müssen zunächst einmal die Funktionsweisen und Produktionsbedingungen innerhalb dieses Systems geklärt werden. In dieser Arbeit soll sich diesbezüglich verstärkt auf das Medium Fernsehen bezogen werden, da es seit Ende der 70er Jahre einen großen Bedeutungszuwachs erhalten hat und demzufolge als "Leitmedium" verstanden werden kann. 5
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dies belegen verschiedene empirische Studien 6 , dass dem Medium Fernsehen, gerade im Bezug auf die politische Berichterstattung, ein höheres Maß an Glaubwürdigkeit zugesprochen wird, als anderen Medien. Dieser Zusammenhang lässt sich in erster Linie dadurch erklären, dass Informationen im Fernsehen durch den Einsatz von Bildmaterial visuell verstärkt werden, wodurch schließlich eine höhere Glaubwürdigkeit erzielt wird. Inwieweit allerdings Bilder auch zu manipulativen oder wirklichkeitsverzerrenden Zwecken eingesetzt werden, soll an anderer Stelle dieser Arbeit betrachtet werden. Prinzipiell muss für das Medium Fernsehen konstatiert werden, dass sich innerhalb dieses Systems ein Struktur- und Funktionswandel vollzogen hat. Dieser Aspekt hängt zunächst einmal mit der Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 zusammen. Dadurch ergab sich wiederum ein quantitativer Zuwachs an Fernsehsendern, so dass dem Nutzer neben den öffentlichrechtlichen auch immer mehr privatwirtschaftliche Sender zur Verfügung stehen. Somit hat sich im Bereich des Fernsehens eine Dynamik entwickelt, welche stark durch den Kampf um Quoten und Marktanteile bestimmt ist. 7 Daraus erfolgt wiederum ein permanenter Wandel der Anbieter-, Angebots-und Vermitllungsformen, d.h. neue Sender, neue Programmformen und neue Formate stehen nun in einem immer härter werdenden Wettbewerb.
1.1.Funktions-und Produktionsweisen des Fernsehens
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt wurde ist die moderen Gesellschaft durch eine enorme Komplexität gekennzeichnet. Das verfügbare Wissen und das Angebot an Informationen wächst immer schneller an, so dass die Notwendigkeit nach Strukturierung und Selektion besteht. Journalisten leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag, indem sie Daten und Informationen sammeln, selektieren, bearbeiten und präsentieren. Die primäre Aufgabe des Journalismus ist es
5
Otfried Jarren/Patrick Donges: Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Wiesbaden 2002, S. 206.
6 Vgl. Ebd.
7 Andreas Dörner: Politainment Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main 2001, S. 42.
dabei, an der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung mitzuwirken bzw. diese zu ermöglichen. 8
Bezieht man allerdings die Tatsache mit ein, dass es aufgrund der wachsenden gesellschaftlichen Komplexität und Ausdifferenzierung immer mehr Themen und Probleme gibt, die der Journalismus berücksichtigen kann, so ergibt sich für das journalistische System ein permanenter Zeit- und Selektionsdruck, da auch die Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit des Publikums knapp ist. 9 In den Redaktionen haben sich daher Kriterien entwickelt, nach denen Themen und Informationen selektiert werden. Nach diesen sogenannten "Nachrichtenfakoren" entscheiden Redaktionen schließlich, welche Ereignisse als Themen Eingang in eine Sendung finden, ob es sich also lohnt, darüber zu berichten. Zu nennen wären hier zum Beispiel Prominenz, Publikumsnähe, Krisen-und Konfliktsituationen oder Überraschungseffekte. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass diese Art der Nachrichtenfaktoren die Auswahl an Informationen und Themen immer stärker dominiert, was sich in der Folge auch auf die Politikvermittlung auswirkt. In diesem Sinne lassen sich aber auch einige Tendenzen in der Programmstruktur von Fernsehsendern, vor allem bei privaten Anbietern, erklären. Verschiedene Studien 10 haben gezeigt, dass sich im Bereich der Nachrichtensendungen ein verstärkter Trend zur Personalisierung von Politik, Dominanz politischer Eliten, gestiegener Prominentenanteil, sowie eine Sensationalisierung und Emotionalisierung in der politischen Berichterstattung feststellen lässt. 11
Des weiteren konnte festgestellt werden, dass beim Fernsehen Unterhaltungsthemen die politische Information immer mehr verdrängt. So entstanden, insbesondere bei privaten Fernsehsendern, Formate, die Informationen in Unterhaltungsform präsentieren. Dazu zählen Boulevardsendungen und "soft news". An dieser Stelle zeigt sich, im Unterschied zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, wie in privaten Sendeformaten eine Art "Entpolitisierung" stattfindet, indem politische Informationsleistungen immer mehr zurückgehen und durch Unterhaltung ersetzt werden. Dies hat vor allem damit zu tun, dass "der Großteil des Publikums" im Medium Fernsehen vor allem "Entspannung durch Unterhaltung" sucht. 12 Dieser dargestellte Strukturwandel im Medium Fernsehen stellt damit auch neue Anforderungen an die Politik und ihre Präsentation in der Öffentlichkeit. Da Parteien und einzelne politische Vertreter immer stärker auf die Massenmedien, vor allem auf das Fernsehen, als Vermittler angewiesen sind, müssen sie sich den Bedingungen des Mediensystems anpassen, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden bzw. um ihre politischen Ziele erreichen zu können.
8
Martina Becher: Moral in der PR? Eine empirische Studie zu ethischen Problemen im Berufsfeld
Öffentlichkeitsarbeit. Berlin 1996, S. 43.
9 Claudia Schweda/Rainer Opherden: Journalismus und Public Relations. Wiesbaden 1995, S. 37
10 Otfried Jarren/Patrick Donges: Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Wiesbaden 2002, S. 209ff.
11 Vgl. Ebd.
12 Andreas Dörner: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main 2001, S. 44.
Arbeit zitieren:
Melanie Koehler, 2006, Politische PR - Inszenierte Politik im Massenmedium Fernsehen, München, GRIN Verlag GmbH
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