Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Zur Biologie von Regenwürmern 5
2.1 Charakterisierung der Familie und der einheimischen Arten 5
2.1.1 Systematische Einordnung 5
2.1.2 Fortbewegung. 5
2.1.3 Ernährung 6
2.1.4 Äußere Atmung. 7
2.1.5 Sinne. 7
2.1.6 Fortpflanzung und Entwicklung. 8
2.1.7 Feinde. 10
2.2 Ökologische Nische des Tauwurms 10
2.3 Bodenbiologische Bedeutung des Regenwurms 14
2.3.1 Bedeutung der Regenwürmer in der Geschichte der Erde. 14
2.3.2 Der Regenwurm und der Kreislauf der Stoffe. 15
2.3.3 Entstehung und Eigenschaften von Humus. 16
2.3.4 Menschliche Eingriffe in den Boden und deren Auswirkungen auf den
Regenwurm 17
3. Theoretische Vorüberlegungen zum Einsatz von Regenwürmern im Unterricht 20
3.1 Verankerung im Bildungsplan für die Grundschule. 20
3.2 Lebende Tiere im Unterricht 21
3.3 Beschaffung und Haltung der Regenwürmer. 23
3.4 Das exemplarische Prinzip 24
3.5 Das Arbeiten in Gruppen 26
3.6 Fachgemäße Arbeitsweisen im Unterricht 27
3.6.1 Beobachten. 27
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Inhaltsverzeichnis
3.6.2 Untersuchen 28
3.6.3 Experimente am lebenden Tier. 28
3.6.4 Protokollieren. 29
3.6.5 Zeichnen 30
3.6.6 Bestimmen. 31
4. Praktische Umsetzung der Thematik im Unterricht. 32
4.1 Didaktische Analyse 32
4.2 Lernziele und deren Überprüfung 33
4.3 Methodische Überlegungen 34
4.4 Medien 36
4.5 Der Unterrichtsverlauf 37
5. Auswertung der Fragebögen 42
6. Abschließende Überlegungen auf Grundlage der Fragebogenergebnisse und
der Unterrichtserfahrungen. 47
7. Zusammenfassung 50
8. Literaturverzeichnis. 51 Toc117012486
Anhang 54
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Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Borsten.
Abb. 2: Körperbau
Abb. 3: Fortpflanzung
Abb. 4: Tätigkeit des Regenwurms.
Abb. 5: Achtung Lebewesen
Abb. 6: Bildkarten.
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Einleitung
Der Regenwurm mit seinen Lebensgewohnheiten und die daraus resultierende außer-ordentliche Bedeutung für die Güte eines Bodens sowie die Nützlichkeit für Pflanze, Tier und Mensch bietet sich zur Behandlung in der Grundschule an. Aufgrund der enormen Leistungen, welche dieses Tier trotz seines unscheinbaren Auftretens vollbringt und die nur durch seine perfekte Anpassung an den Lebensraum möglich sind, kann man ihn durchaus als Lebenskünstler bezeichnen. Obwohl jedes Kind schon einmal irgendwo auf einen Regenwurm gestoßen ist, wissen doch die Wenigsten Genaueres über ihn. Mit der Behandlung im Unterricht kann also grundlegendes biologisches sowie ökologisches Wissen vermittelt werden, ohne die Schülerinnen und Schüler zu langweilen. Ganz im Gegenteil wird es sogar mehrere Aspekte geben, welche ein Staunen auslösen, da sich das Thema gut für Schülerexperimente eignet und dabei unvermutete Sachverhalte aufgedeckt werden können.
Zunächst werden in dieser Arbeit die biologischen Aspekte des Regenwurms geklärt. Darauf folgt der didaktische Teil, in dem die theoretischen Vorüberlegungen zum Unterricht und deren praktische Umsetzung in der Schule erläutert werden. Zum Schluss kommt es zur Auswertung der von den Schülerinnen und Schülern ausgefüllten Fragebögen und den abschließenden Überlegungen zum Unterricht.
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Zur Biologie von Regenwürmern
In diesem Kapitel wird näher auf die biologischen Aspekte des Regenwurms eingegangen. Neben der Charakterisierung der Familie und der einheimischen Arten wird sowohl die ökologische Nische des Tauwurms, als auch die bodenbiologische Bedeutung der Regenwürmer allgemein beschrieben.
1.1 Charakterisierung der Familie und der einheimischen Arten
Hier wird neben der systematischen Einordnung die typische Lebensweise der Familie der Regenwürmer und der einheimischen Arten dargestellt.
1.1.1 Systematische Einordnung
Die Regenwürmer gehören zum Stamm der Gliederwürmer (Annelida; vom lat. anulus = Ring → Ringelwürmer), unter diesem wiederum zur Klasse der Gürtelwürmer (Clitellata), was auf das sogenannte Clitellum oder den Gürtel der geschlechtsreifen Regenwürmer zurückzuführen ist. Weiterhin zählen sie zur Ordnung der Wenigborster (Oligochaeta) und zur Familie der Lumbriciden. (vgl. Kaestner 1969: 476ff) Die Regenwürmer (Lumbriciden) teilen sich in viele verschiedene Gattungen und den darunter vorkommenden Arten auf, die sich über die ganze Welt verbreiten. Allein in Deutschland gibt es schon rund 40 Arten, die sich sechs Gattungen zuordnen lassen. Der davon bekannteste, am häufigsten vorkommende und untersuchte Regenwurm ist der Lumbricus terrestris, der sogenannte Tauwurm oder auch Gemeine Regenwurm. (vgl. Hentschel, Wagner 1990: 320) Andere häufige Arten sind der Mist- oder Kompostwurm (Eisenia foetida), der Rote Laubfresser (Lumbricus rubellus) und der Kleine Wiesenwurm (Allolobophora caliginosa). (vgl. Graff 1984: 18)
1.1.2 Fortbewegung
Um den Ablauf der Fortbewegung zu verstehen, muss man Teile des Körperbaus eines Regenwurms kennen. Wie der Name des Stammes (Gliederwürmer) schon verrät, besteht der Wurm aus mehreren Gliedern, die hier Segmente genannt werden. Bei einem mitteleuropäischen Regenwurm kann man je nach Art zwischen 60 und 200 solcher Segmente zählen. (vgl. Graff 1984: 86) An jedem Segment befinden sich acht Borsten, welche in vier Paaren angeordnet sind. Sie werden in den Borstensäcken gebildet und bei Abnutzung nachproduziert. Wie auf der Abbildung 1 zu sehen ist, liegt je ein
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Borstenpaar links und rechts neben der Bauchmitte (ventrale Borsten) und die anderen zwei Paare jeweils an der Seite (laterale Borsten). (vgl. Graff 1984: 27)
Ouelle: Kaestner 1969: 537
Nicht nur die Borsten, sondern auch die Muskulatur des Regenwurms spielt eine ganz wichtige Rolle bei der Fortbewegung. Die Oberhaut (Epidermis) wird von der farblosen Kutikula, einem von der Oberhaut ausgeschiedenen Häutchen, nach außen abgeschlossen. Unter der Epidermis befindet sich sowohl eine zirkulär verlaufende Ringsowie eine dahinter liegende Längsmuskelschicht. Alles zusammen wird Hautmuskelschlauch genannt. Bei der Fortbewegung werden nun zuerst die Borsten in die umliegende Erde gedrückt, was dem Wurm einen festen Halt gibt. Anschließend zieht sich die Ringmuskulatur an einer Stelle zusammen, der Körper wird hier dünner und schiebt automatisch den davor liegenden Teil nach vorn. Danach wird der hintere Teil des Wurmes durch das Zusammenziehen der Längsmuskulatur nachgezogen. Nun werden die Borsten eingezogen, etwas weiter vorne erneut in den Boden gepresst und der Vorgang beginnt von Neuem. Dieser Prozess findet nicht nur an einer Stelle des Körpers statt, sondern passiert an mehreren gleichzeitig. (vgl. Kaestner 1969: 549)
1.1.3 Ernährung
Der natürliche Lebensraum der Regenwürmer ist der Boden. Natürlich muss der Boden verschiedene Voraussetzungen erfüllen, damit die Würmer überhaupt dort leben können. Es muss genügend organisches Material vorhanden sein, der Wasserhaushalt stimmen und die klimatischen Bedingungen in Ordnung sein. (vgl. Grass 1991: 14) Jede Art ist an ihren speziellen Lebensraum, das heißt an die Beschaffenheit des Bodens und des Umfeldes, angepasst. So brauchen die Bewohner des Ackerlandes erheblich weniger Nahrungsangebot, als die des Waldes oder der Wiese. Für alle ist jedoch die Aufnahme von Kohlenhydraten und Eiweißen unerlässlich. Sie fressen Humus, abgestorbene Pflanzenteile oder Kot anderer Pflanzenfresser. (vgl. Graff 1984: 64) Alle diese Substanzen sind mehr oder weniger von kleinsten Lebewesen, den Mikroben, besiedelt.
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Die Regenwürmer sind also Mikrophagen. Sie nehmen das pflanzliche mitsamt dem tierischen Material auf und verwerten das darin enthaltene Eiweiß sowie den Zellsaft der Blätter. Je höher der Stickstoffgehalt der abgestorbenen Pflanzensubstanz ist, desto lieber wird sie von den Würmern gefressen. In Frage kommen nur ausreichend feuchte, aufgeweichte Materialien, welche in Form von saugenden und schlingenden Bewegungen aufgenommen werden. Der Lumbricus terrestris sammelt in der Dunkelheit an der Erdoberfläche durch Ansaugen sogar verschiedene Stoffe pflanzlicher und tierischer Herkunft, die er durch seine Röhre mit nach unten nimmt, wo eine schnellere Zersetzung stattfinden kann. (vgl. Meinhardt 1986: 39)
1.1.4 Äußere Atmung
Regenwürmer besitzen keine Lungen oder Kiemen, sondern atmen über ihre Haut. Dazu muss diese aber stets feucht sein, denn der Sauerstoff wird auf der schleimigen Körperoberfläche gelöst und kann direkt durch die Haut in das Blut gelangen, wo er sich mit dem Blutfarbstoff Hämoglobin verbindet. (vgl. Grass 1991: 14) Das Kohlendioxid wird auf demselben Wege, nur umgekehrt, aus dem Körper befördert. Die Epidermis des Regenwurms besitzt viele Schleimdrüsen, so dass er sich in gewissem Maße selbst vor der Austrocknung schützen kann, doch zu viel Sonneneinstrahlung, oder nur schon trockene Luft, führen unweigerlich zum Tod durch Ersticken. (vgl. Graff 1984: 19) Erstaunlicherweise muss sich der Wurm ebenso vor zu viel Regenwasser in seinen unterirdischen Gängen schützen. Die Feuchtigkeit an sich beeinträchtigt ihn nicht, aber das Wasser, das im Boden versickert, ist zu sauerstoffarm, um überleben zu können. Viele Bodenorganismen wie zum Beispiel Wurzeln und andere wirbellose Tiere haben eine hohe Stoffwechselaktivität und entziehen diesem Wasser den Sauerstoff. Das erklärt auch, warum Regenwürmer in Oberflächenwasser erheblich länger überleben können, während sie bei Regen relativ schnell aus ihren Röhren flüchten müssen. (vgl. Graff 1984: 19)
1.1.5 Sinne
Ein Regenwurm besitzt weder Augen, Ohren noch eine Nase. Trotzdem verfügt er über verschiedene Sinne. So ist nachgewiesen, dass er sowohl einen Drucksinn, einen Tastsinn und einen Lichtsinn, als auch einen chemischen Sinn hat. (vgl. Graff 1984: 86) Mit dem Drucksinn, der vor allem Bodenerschütterungen wahrnehmen lässt, ist es möglich, rechtzeitig vor Feinden zu flüchten. Der Tastsinn hilft beim Orten von Hindernissen und Zurechtfinden im Erdreich. Die für den Druck- und Tastsinn verantwortlichen freien Nervenendigungen sind über die ganze Haut verstreut. Die
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Lichtsinneszellen am Vorder- und Hinterende des Wurmkörpers ermöglichen die Unterscheidung zwischen hell und dunkel. Die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichtes können wahrgenommen werden. Dementsprechend reagiert der Regenwurm auf rotes Licht sehr gelassen, auf blaues wiederum höchst empfindlich, während ultraviolettes ihn tötet. (vgl. Graff 1984: 55) Einzelne Sinneszellen und Sinnesknospen für den chemischen Sinn befinden sich hauptsächlich in der Mundhöhle. Damit kann der Wurm Gerüche verschiedener Pflanzen identifizieren und so zwischen denen, die er mehr oder weniger mag, unterscheiden. Zudem erkennt er Flüssigkeiten mit scharfem Geruch, welche seiner Haut schaden könnten, und meidet diese. (vgl. Kaestner 1969: 550)
1.1.6 Fortpflanzung und Entwicklung
Alle Regenwürmer sind Zwitter, besitzen also sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsorgane. Sie können sich jedoch nicht selbst befruchten, sondern müssen sich mit einem anderen Wurm paaren. (vgl. Kaestner 1969: 542) Dies geschieht wenn es dunkel ist und je nach Art entweder über der Erde (z.B.Lumbricus terrestris), oder im Boden (z.B. Eisenia foetida). Treffen sich zwei paarungswillige Tiere, so betasten sie sich vorerst und legen sich dann mit der Bauchseite, die nun eine längliche Einkerbung bis zum Clitellum gebildet hat, in entgegengesetzter Richtung aneinander. Der vordere Teil des Gürtels (s. Abb. 2) liegt jeweils den Öffnungen der Samentaschen (s. Abb. 2) gegenüber. Die ersten Segmente und die, welche hinter dem Clitellum liegen, bleiben frei. Mit speziell dafür vorgesehenen Borsten an den Geschlechtsteilen können sich die Würmer aneinander festhalten. Zusätzlich wird von beiden eine Schleimhülle um die betroffene Stelle gebildet, die mit der Zeit fester wird und die Körper der Regenwürmer somit noch stärker verschmelzen lässt (s. Abb. 3). Der Samen wird durch Bewegungen von der männlichen Geschlechtsöffnung über die Samenrinne Richtung Clitellum transportiert, von wo er nun vom Partner in dessen Samentasche aufgenommen werden kann. (vgl. Meinhardt 1986: 20) Dieser Vorgang dauert oft mehrere Stunden, bevor sich die Würmer wieder voneinander trennen. Bald darauf kommt es zur Eiablage. Dabei sondert der Regenwurm wieder Schleim, der in der Gürtelregion gebildet wird, ab. Ist dieser fest geworden, bleibt eine Art Ring, aus dem der Wurm rückwärts hinauskriecht. Dabei legt er in diesen Ring ein Ei, das er anschließend mit der gespeicherten Samenflüssigkeit befruchtet. Der feste Schleim verklebt an den Rändern und umschließt so das Ei. Dieses Gebilde nennt man Kokon. Je nach Jahreszeit variiert die Anzahl dieser Kokons zwischen 20 und 90 Stück. Im Frühling und Herbst ist sie erheblich höher, als im Sommer und Winter. In der Regel schlüpft bei den meisten Arten nur ein Wurm pro Kokon. Die Entwicklung erfolgt direkt, ohne ein dazwischenliegendes Larvenstadium. Der
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Embryo ernährt sich von der Nährflüssigkeit des Kokons, da das Ei selber sehr dotterarm ist. Nach vier bis zwölf Wochen schlüpfen die Jungtiere und beginnen zu fressen. Viele Regenwürmer umgeben ihre Brut zusätzlich mit Kot, der den kleinen Würmern später als erste Nahrung dient. Nach ungefähr drei Monaten ist der Wurm erwachsen. (vgl. Meinhardt 1986: 22) Er hat stark an Größe und Gewicht zugenommen und zeigt nun die ersten Pubertätsmerkmale am Bauch. Das sind „streifen-, wall- oder punktförmig gestaltete, drüsenreiche Abschnitte, die Pubertätsstreifen, -wälle oder -tuberkel genannt werden.“ (Graff 1984: 77) Das Clitellum schwillt an und die Geschlechtsorgane produzieren Eizellen und Samen, der Regenwurm wird also geschlechtsreif.
Abb. 2: Körperbau
Quelle: Kaestner 1969: 537
Abb. 3: Fortpflanzung
Quelle: Kaestner 1969: 543
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1.1.7 Feinde
Die Feinde des Regenwurms lassen sich in zwei Bereiche einteilen. Zum Einen ist das der Bereich der Fressfeinde. Hier sind beispielsweise Vögel, Mäuse, Ratten, Igel, Kröten, Frösche, Ameisen und Maulwürfe zu nennen. Es ist möglich, die Würmer im eigenen Garten in einem gewissen Maße zu schützen, indem man Hühner nicht frei herumlaufen lässt, Maulwürfe fängt oder spezielle Produkte ausstreut, die Ameisen fernhalten. (vgl. von Heyer 1974: 18) Jedoch hat die Natur eine eigene Regel, nach der es heißt „fressen und gefressen werden“. Ob es sinnvoll ist, als Mensch in diese Nahrungskette einzugreifen, ist fraglich. Der Maulwurf frisst neben dem Regenwurm auch noch andere Weichtiere wie Schnecken, die in unseren Gärten oft Schaden anrichten. Entfernt man also den Maulwurf, so bleiben einem nicht nur die Regenwürmer, sondern gleichzeitig auch die lästigen Schnecken erhalten. Ähnlich verhält es sich mit anderen Fressfeinden des Wurmes. Es sollte also gut zwischen Schaden und Nutzen abgewogen werden, bevor man eingreift.
Ungünstige Witterungen und die Bedrohung durch den Menschen zählen zum zweiten Bereich der Feinde. Bei Trockenheit, Feuer oder Frost kann der Regenwurm genauso wenig überleben, wie bei starken Regenfällen und Überschwemmungen. Doch viel stärker als von der Natur, sind die Arten durch menschliche Eingriffe in den Boden bedroht. Verschiedene landwirtschaftliche Tätigkeiten wie Tiefpflügen oder das Düngen mit giftigen Pestiziden und Herbiziden sowie Monokulturen schaden den Regenwürmern. (vgl. von Heyer 1974: 18)
1.2 Ökologische Nische des Tauwurms
Der Tauwurm (Lumbricus terrestris) ist über die ganze Welt verbreitet und zählt in Mitteleuropa zu den größten Vertretern der hier vorkommenden Regenwurmarten. Die einheimischen Tiere sind auf verschiedene Stockwerke verteilt. Das heißt, sie bewohnen je nach Art vorzugsweise eine bestimmte Bodenschicht. Der Lebensraum des Tauwurms ist lehmiger Boden, wo er vor allem vertikale Gänge gräbt, die er bewohnt. Diese Gänge können eine Tiefe von mehreren Metern erreichen. Diese variiert je nach Beschaffenheit der Erde. „Der Tauwurm geht in lehmigen Sandböden bis zu 3 m, in Lößböden Südwestdeutschlands bis 7 m hinab.“ (Graff 1984: 96) Die Würmer bohren sich durch den Boden, drücken also die Erde beiseite. Sie können dabei einen enormen Druck ausüben, doch selbst dieser reicht nicht in jeder Bodenschicht aus, um voranzukommen. Dann kommt es durchaus vor, dass sich ein Regenwurm durch die Erde frisst. Weiter oben in
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der Humusschicht, hat er häufig noch zusätzlich mehrere waagerechte Schächte, in denen er sich jedoch nur bei guten Bedingungen aufhalten kann. Gute Bedingungen sind für den Regenwurm ausreichende Feuchtigkeit, mittlere Temperaturen (um 15° C) und ein entsprechendes Angebot an Nahrung. (vgl. Schaller 1962:49) Das heißt bei starker Trockenheit oder Frost zieht er sich in die Tiefe seiner senkrechten Röhren zurück. Diese Schicht ist den Witterungen weniger stark ausgesetzt, als die obere. In unseren Breiten gefriert der Boden durchschnittlich nur bis zu 50 cm tief. Der Wurm ist also nicht betroffen, wenn er sich 1,5 m - 7 m unter der Erde befindet. Ebenfalls dringt die Trockenheit weniger bis in diese Tiefe vor, welche dem Regenwurm erheblichen Schaden zufügen würde. Um ungünstige Witterungen zu überstehen, kann der Lumbricus terrestris, sowie viele andere Arten, in ein Ruhestadium übergehen. Diese Diapausen werden im Sommer und Winter, wenn Hitze und Kälte und die damit verbundenen erschwerten Lebensbedingungen drohen, angetreten. Dazu stellt der Wurm seine Nahrungsaufnahme ein, gräbt sich am unteren Ende eines vertikalen Ganges eine Art Mulde und entleert seinen gesamten Darm. Mit dem Kot, der durch seine lehmigen Bestandteile in erhärtetem Zustand für eine gewisse Stabilität sorgt und vor zu großem Wasserverlust schützt, kleidet er die Wände seiner Höhle aus, um einen Einsturz zu verhindern. Während der Ruhephase knotet sich der Wurm zusammen. Dabei liegt der Körper in zwei Spiralen übereinander, das Kopfende wird von oben in die Mitte hineingesteckt. (vgl. Meinhardt 1986: 19)
Vor allem im Frühjahr und Herbst sind die Regenwürmer besonders aktiv, paaren sich und legen ihre Kokons ab. Sie sind hauptsächlich nachts tätig, was sie vor den Fressfeinden, die nur bei Tage nach Nahrung suchen, und vor allem vor den austrocknenden Sonnenstrahlen schützt. Der Tauwurm ist die einzige einheimische Art, die hin und wieder auch bei Helligkeit an der Erdoberfläche gesehen wird. Dort bleibt er jedoch, ebenso wie in der Dunkelheit, mit dem Hinterende in seiner Röhre. So sucht er dann mit dem freien vorderen Körperteil den Boden ringsherum nach geeignetem Futter ab. Er sammelt die abgefallenen Blätter mittels Ansaugen ein und zieht sie, meist an der spitzen Seite, in die Öffnung seines Ganges. (vgl. Darwin 1983: 36) Der Vorteil daran, das Blatt in dieser Richtung hinabzuziehen ist, dass es sich nur so sehr eng zusammenrollen kann und damit besser in die enge Öffnung passt. Im Erdboden geht die mikrobielle Zersetzung der Blätter, welche der Regenwurm abwarten muss bevor er sie verzehren und den Zellsaft heraussaugen kann, schneller voran, als an der Oberfläche. Nicht alle Pflanzenreste werden tief in den Boden gezogen, sondern der Tauwurm nutzt diese ebenfalls, um seine Röhre zu verschließen. Dann lässt er die oberen Teile mit den Blattstielen über die Öffnung hinausragen. Ein weiteres Vorgehen, durch welches der
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Tauwurm seine Röhrenöffnungen verschließt ist die Kotablage an der Oberfläche. Mit einem Teil seiner Exkremente kleidet er die Wände seiner Gänge aus. Das bringt Stabilität und der Durchmesser des Ganges kann so optimal auf den Wurmkörper abgestimmt werden. Das ist deshalb notwendig, weil die Borsten zur Fortbewegung einen guten Halt im umliegenden Boden finden müssen, was durch diese Anpassung gewährleistet ist. Die Auskleidung mit dem Kot oder der Losung, wie es beim Regenwurm genannt wird, heißt auch Tapete, da der Vorgang dem Tapezieren sehr nahe kommt. Was das Tier nicht dafür benötigt, scheidet es an der Erdoberfläche aus. Dort entstehen dann die Losungshäufchen, die man gut von der übrigen Erde unterscheiden kann.
Abb. 4: Tätigkeit des Regenwurms
Quelle: Graff 1984: 76
Abbildung 4 zeigt ein solches Häufchen, das die Öffnung des Ganges ursprünglich verschlossen hat und vom Regenwurm zur Seite gestoßen wurde, als dieser später an die Oberfläche wollte. Zudem zeigt die Zeichnung das Verhalten bei der Nahrungssuche, das Ansaugen von Blättern und deren Einziehen in die Röhre. Durch sein Fress- und Ausscheidungsverhalten hat der Regenwurm eine große Bedeutung für die Güte des Bodens. Seine unterirdischen Gänge durchlüften diesen und lassen Regenwasser besser absickern. Dadurch können sich Bakterien entwickeln, welche die Verwesung verschiedener Substanzen und zugleich das Gedeihen der Pflanzen fördern. Zudem lagert der Regenwurm den Boden um. Er frisst nicht nur die
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abgestorbenen Pflanzenteile, die er an der Oberfläche sammelt, sondern ernährt sich ebenfalls von Humus und anderen nährstoffreichen Substanzen aus der Tiefe. Durch die Ablage der Losung an der Erdoberfläche sowie im Innern seiner Röhren, durchmischt er die verschiedenen Bodenschichten. (vgl. Kaestner 1969: 547) Beim Tauwurm wurde beobachtet, dass er in seinem Schacht häufig dicht unter der Oberfläche liegt, was aber höchstens etwas mit der angenehmen Sonnenwärme, die dort in kälteren Zeiten herrscht, zutun haben kann. Auf den Sauerstoff an der frischen Luft ist er nämlich nicht angewiesen. Obwohl unter der Erde erschwerte Lebensbedingungen herrschen, kann sich der Wurm dort durch seine funktionellen Eigenheiten bestens aufhalten. Die meisten Oligochaeten leben im Wasser, brauchen also keinen Verdunstungsschutz und sind in Mitteleuropa von Dürre und Frost sehr selten bedroht. Nur die Regenwürmer leben in der Erde. Sie halten mittels ihrer Diapausen gefährliche Hitze- und Kältezeiten aus und überleben einen starken Wasserverlust, wenn dieser nicht zu lange andauert und wieder ausgeglichen werden kann. Ebenso müssen sie dazu fähig sein, den in der Tiefe des Bodens absinkenden Sauerstoffgehalt und den ansteigenden Kohlendioxidgehalt zu ertragen. (vgl. Kaestner 1969: 546) Die Drüsen an ihrem Vorderdarm, welche Kalk speichern und absondern können, werden von vielen Forschern als Voraussetzung für die CO2 - Resistenz angesehen, indem sich das Gas mit dem Kalk verbindet und beides zusammen ausgeschieden wird. Andere sehen die Funktion der Kalksäckchen wiederum in der Neutralisierung der Säuren, die der Wurm durch den Humus aufnimmt. (vgl. Schaller 1962: 50)
Der Regenwurm hat besondere Sinne oder Instinkte, die ihn automatisch von ungünstigen Bedingungen weg- und zu besseren hinleiten. Diese sind seine negative Phototaxis, die Thigmotaxis und die Hydrotaxis. (vgl. Schaller 1962: 49) Taxis wird als „auf Sinnesreize hin eintretende aktive Bewegung von Tieren oder Pflanzen zur Reizquelle hin oder von ihr weg“ (Ciba, Henss, Langkavel, Wigand 1975: 316) definiert. Der Wurm zieht sich also gezielt vom Licht zurück, reagiert empfindlich auf Berührungen und zeigt eine Reizreaktion auf Feuchtigkeit. Er wird regelrecht von feuchter Umgebung angezogen und hält sich, wenn immer es möglich ist, von trockener Erde fern. Wie oben schon erwähnt, ist das Tier offensichtlich gut an die erschwerten Bedingungen im Boden angepasst. Andererseits ist es auf eben diese Bedingungen angewiesen. Auf Grund seiner wasserdurchlässigen Haut braucht der Regenwurm eine bestimmte Luftfeuchtigkeit, um nicht auszutrocknen. Das versickerte Wasser verdunstet zwar auch unter der Erde, bleibt aber länger in den Bodenpartikeln enthalten, da es nicht sofort in die Atmosphäre entweichen kann.
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2005, Der Regenwurm - ein Lebenskünstler: Eine Einführung in die Bodenökologie in der 3. Klasse, München, GRIN Verlag GmbH
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