Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Gerhard Richter 2
2.1 Biographische Angaben 2
2.2 Was malen? Die Frage nach dem „Sujet“ 3
2.3 Stilbruch als Stil? 4
3. Werkanalysen 6
3.1 „Fenster“ (1968) 6
3.1.1Bildbeschreibung 6
3.1.2 Bildanalyse 6
3.2 „Fenster“ (1985) 8
3.2.1 Bildbeschreibung 8
3.2.2 Bildanalyse 9
3.3 „11 Scheiben“ (2004) 12
3.3.1 Bildbeschreibung 12
3.3.2 Bildanalyse 12
3.4 Vergleich 14
4. Alberti und Narziss 16
4.1 Einführung in die Thematik 16
4.2 Albertis These bezogen auf Gerhard Richters Werke 18
5. Literaturverzeichnis 21
6. Anhang: Werke
1
In dieser Arbeit steht die Analyse dreier Werke Gerhard Richters im Vordergrund. Trotzdem möchte ich zu Beginn der Arbeit auf Richters Überlegungen hinsichtlich seiner Werke eingehen, damit zu verstehen ist, warum er das malt, was er malt, und warum sein Oeuvre so viele unterschiedliche Werkreihen enthält. Dies ist nämlich nicht unwesentlich für die Analyse seiner Werke, gerade weil jedes der drei Werke, auf die ich mich beziehe, einer anderen „Stilrichtung“ zuzuordnen ist.
Nach der Analyse der drei Werke und deren Vergleich versuche ich zu belegen inwieweit man Richters Oeuvre, beziehungsweise die drei Werke oder ihre Werkgruppen auf die These von Alberti über die Erfindung der Malerei anzuwenden ist.
2.1 Biographische Angaben
Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren. Ab 1952 besuchte er die Dresdner Akademie und absolvierte dort eine Ausbildung als freier Maler. 1961 verließ Richter die DDR. Er ging nach Westdeutschland, was einen radikalen Bruch mit seinem Frühwerk bedeutete. 1983 zog Richter nach Köln und war von 1971 bis 1994 an der Kunstakademie Düsseldorf tätig. 1996 zieht er mit seiner dritten Frau und seinen zwei Kindern von der Kölner Innenstadt in den Stadtteil Hahnwald, wo er auch arbeitet. 1
1 Kasper, Astrid: Gerhard Richter. Malerei als Thema der Malerei. Berlin 2003, S.18f.
2
2.3 Was malen? Die Frage nach dem Sujet
Heutzutage gilt Gerhard Richter als „einer der bedeutendsten Maler unserer Zeit, hat [er doch] in den vergangenen Jahrzehnten ein umfangreiches und komplexes Oeuvre geschaffen.“ 2 Man vermag nicht nachzuvollziehen bei dieser Vielfalt an Werken, mit welchen Frage sich Gerhard Richter am Beginn seines Oeuvre beschäftigte: „Was soll ich malen?“ 3 fragte er sich. „Welcher Gegenstand war es wert, gemalt zu werden? […] Welcher Gegenstand war noch nicht abgegriffen, war frisch, neu, überraschend genug, um sich an ihm malerisch zu messen?“ 4 Richter befand sich in einem Dilemma, aus dem ein Ausweg gefunden werden musste. Es musste ein Sujet gefunden werden, damit er überhaupt malerisch tätig werden konnte. „Richters Stärke war es [nun] dieses Dilemma zu thematisieren, [und] es zu seinem Gegenstand zu machen:“ 5 „Ich habe nichts zu sagen und das sage ich auch.“ 6 Er begann nach Fotos zu malen und konnte so die Aufgabe umgehen, ein Sujet für seine Werke zu wählen. 7 Er sagt, er wolle nichts Greifbares abbilden, deshalb findet man in seinen Werken so viele banale Sujets. Das Banale wurde zu einer Art Flucht für ihn, 8 jedoch auch zu einer Art Markenzeichen, zu einem Erkennungsmerkmal.
Indem er sich von bedeutungsvollen Inhalten distanziert und auf eine emotionale Interpretation verzichtet, rückt der Malvorgang selbst in den
2 Handzettel: Gerhard Richter. K20. Kunstsammlung Nordrhein - Westfalen. 12.Februar - 16.Mai 2005
3 Brehm, Margit: Über das Konstruieren visuelle Wahrheit beim Malen. Ostfildern 1996, S.34
4 Rosenthal, Norman (Hg. u.a.): Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1905 - 1985. München 1986, S.61
5 Rosenthal, Norman (Hg. u.a.): Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1905 - 1985. München 1986, S.61
6 Armin Zweite: Sehen, Reflektieren, Erscheinen. Düsseldorf 2005, S.46
7 Vgl.: Brehm, Margit: Über das Konstruieren visuelle Wahrheit beim Malen. Ostfildern 1996, S.34
8 Vgl.: Armin Zweite: Sehen, Reflektieren, Erscheinen. Düsseldorf 2005, S.17
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Vordergrund. Richter setzt den Malvorgang und die Malkultur in Kontrast zu seinem Sujet. 9 Das Malen selbst wird wichtig. 10 Man kann sagen, dass Richters Malerei in den frühen Jahren „die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit des Malerischen und dem Malerischen der Wirklichkeit thematisiert. […] Richters Übersetzung in Malerei [verleiht] den banalen Motiven eine Aura, ohne damit jedoch ein mehr an Erkenntnis zu bieten.“ 11 Die Motive bleiben inhaltlich banal, doch sie erzielen eine Wirkung auf den Betrachter. „So gesehen hat sein Werk auch nichts Mysteriöses. Es sperrt sich gegen Irrationales und Phantastisches [….]“ 12
2.4 Stilbruch als Stil?
Richter hat ein Oeuvre erschaffen, das viele unterschiedliche Stilrichtungen beinhaltet. Es gibt abstrakte, sowie gegenständliche Werkgruppen, die sich innerhalb der Werkgruppen noch weiter differenzieren lassen. Besucht man eine seiner Ausstellungen, könnte man meinen sich auf einer Ausstellung mehrerer Künstler zu befinden. Die Verschiedenartigkeit scheint zunächst unvereinbar: „figurative Malerei nach Fotos, Farbtafeln, Graue Bilder, Romantische Landschaften, Spiegel und große abstrakte Bilder.“ 13 Befragt man Gerhard Richter zu dieser Ansammlung scheinbar nicht zusammenhängender Werke, äußert sich dieser folgendermaßen: “Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung, ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen.“ 14 Richter will sich nicht
9 Vgl.: Thomas, Karin: Bis heute: Stilgeschichte der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert. Köln 1986, S.303f.
10 Vgl.: Thomas, Karin: Bis heute: Stilgeschichte der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert. Köln 1986, S.303
11 Armin Zweite: Sehen, Reflektieren, Erscheinen. Düsseldorf 2005, S.43f.
12 Armin Zweite: Sehen, Reflektieren, Erscheinen. Düsseldorf 2005, S.13
13 Brehm, Margit: Über das Konstruieren visuelle Wahrheit beim Malen. Ostfildern 1996, S.33
14 Elger, Dietmar: Gerhard Richter, Maler. Köln 2002, S.206
4
festlegen. Er sagt es wäre ihm unerträglich immer dasselbe machen zu müssen. 15
Will man alle Werke als Ganzes betrachten, wird oft davon gesprochen, dass Richters Stil der Stilbruch selbst ist. 16 Doch es gibt Gemeinsamkeiten in allen Werken von Richter, insofern man nicht mehr von einem wirklichen Stilbruch sprechen kann. Er verwendet die Kunststile nur als Vorlage, um den Malvorgang zu untersuchen. 17 Er reflektiert die Möglichkeiten von Malerei. Richter sieht „Malerei als Konzept, nicht als Stil. Gerhard Richters Malerei demonstriert in all ihren Wandlungen nur eines: […] [dass] die Malerei unter allen Bedingungen weitergehen wird und […][dass] ihr Sinn in diesem Weitergehen und in nichts sonst besteht.“ 18 Gemeinsam ist auch allen Werken dieselbe subjektive Haltung und dieselbe Leidenschaft. Richter erprobt die Möglichkeiten, was Malerei überhaupt kann und darf. 19 Im Weiteren wird außerdem an drei Werken, aus unterschiedlichen Zeiträumen und Stilrichtungen dargestellt, dass es auch inhaltliche Gemeinsamkeiten gibt, die sich über die Stilrichtungen hinwegsetzen. Die Arbeiten Richters befassen sich, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick sind, mit demselben Themengebiet. Sie zeigen so auf, dass es, Trotz der banalen Sujets, die Richter bevorzugt, auch tiefere Themen in seinen Werken gibt. Dies soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit dargestellt werden.
15 Vgl.: Brehm, Margit: Über das Konstruieren visuelle Wahrheit beim Malen. Ostfildern 1996
16 Vgl.: Brehm, Margit: Über das Konstruieren visuelle Wahrheit beim Malen. Ostfildern 1996, S.33
17 Vgl.: Elger, Dietmar: Gerhard Richter, Maler. Köln 2002
18 Rosenthal, Norman (Hg. u.a.): Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1905 - 1985. München 1986
19 Vgl.: Buchloh, Benjamin (Hg. u.a.): Gerhard Richter. Band II. Ostfildern - Ruit 1993,S.109
5
3.1 „Fenster“ (1968)
3.1.1 Bildbeschreibung
Dieses Werk von Gerhard Richter zeigt ein Fenster, das in vier nebeneinander stehende längliche Teilstücke eingeteilt ist. Jedes der Teilstücke hat einen beinahe weißen Rahmen und besitzt zwei Querverstrebungen. Setzt man nun diese vier Teile nebeneinander, entsteht der Eindruck eines Gitters, das ein Flügelfenster darstellen könnte, dem jedoch jede Möglichkeit zum Öffnen fehlt. Das Gitter wirkt außerdem wenig räumlich, wie es bei einem gewöhnlichen Fenster ja der Fall sein müsste. Es erscheint flächig und ohne jeden Hinweis auf das Material, aus dem es bestehen soll.
Direkt hinter dem Gitter liegt eine graue, sehr leicht bläuliche Wand auf die der Schatten des Gitters fällt. Es muss also außerhalb des Bildes eine Lichtquelle geben. Der Schatten ist ebenfalls grau mit einem leichten Blaustich, nur ist er einige Nuancen dunkler. Die Lichtquelle muss sich links oben neben dem Bild befinden, denn der Schatten des Gitters wird nach rechts unten geworfen. Dadurch sind die drei rechten Teilstücke exakt die Gleichen. In den zwei unteren Dritteln hat jeweils ein Gitterkreuz seinen Schatten geworfen, während in dem oberen Dritteln der Rahmen und eine längliche Verstrebung seinen Schatten wirft. Auf das linke obere Teilstück wirft der obere, sowie der linke Rahmen seinen Schatten, während in den unteren zwei Teilstücken, der Schatten des linken Rahmens und zweier Querverstrebungen zu sehen ist.
3.1.2 Bildanalyse
Dieses Werk von Gerhard Richter ist nach klassischen Ordnungsprinzipien aufgebaut, wobei die Symmetrieachsen sehr stark
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Arbeit zitieren:
Manuela Trapp, 2005, Gerhard Richter - Das Fenster als Bildmotiv und Bildmetapher , München, GRIN Verlag GmbH
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