Wechselkursregime für Emerging Markets I
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis. II
Abk ürzungsverzeichnis. II
1. Einleitung 1
2. Feste Wechselkurssysteme („hard peg regimes“) 2
2.1 Definition „hard peg regimes“ 2
2.2 Vorteile fester Wechselkurssysteme 2
2.3 Nachteile fester Wechselkurssysteme 5
2.4 Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung fester
Wechselkurssysteme 7
3. Flexible Wechselkurssysteme („floating exchange rate regimes“) 8
3.1 Definition „floating exchange rate regimes“ 8
3.2 Vorteile und Voraussetzungen flexibler Wechselkurssysteme 8
3.3 Mögliche Nachteile flexibler Wechselkurssysteme 11
4. Mischformen („intermediate exchange rate regimes“ oder „soft peg
exchange rate regimes“) 13
4.1 Definition der Ausgestaltungen von intermediate regimes 13
4.2 Vor- und Nachteile von intermediate exchange rate regimes 13
5. Fazit 14
Literaturverzeichnis 19
Wechselkursregime für Emerging Markets II
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Wechselkursregelungen........................................................15 Tabelle 2 Exchange Rate Classification over the Years……………...16 Tabelle 3 Vielfältige Wechselkurspolitiken EU-Beitrittsländer...........17
Abkürzungsverzeichnis
ECB European Central Bank EU Europäische Union EUR Euro EZB Europäische Zentralbank JPY Japanischer Yen USD US-Dollar
Wechselkursregime für Emerging Markets 1
1. Einleitung
Von den Auswirkungen starker Wechselkursänderungen bleiben selbst große, als stabil geltende Wirtschaftsräume wie die EU oder die USA nicht verschont. Der Euro (EUR) ist von Februar 2002 bis Februar 2004 gegenüber dem US-Dollar (USD) um 45 % gestiegen, der japanische Yen (JPY) dagegen nur um 25 %. Im gleichen Zeitraum haben sich die Währungen ostasiatischer Schwellenländer gegenüber dem USD kaum bewegt. 1 Jedoch deuten Wechselkurs- und Schuldenkrisen, die speziell „Emerging Market“-Länder 2 in jüngster Zeit erleiden mussten, darauf hin, dass Länder mit bestimmten volkswirtschaftlichen Merkmalen empfänglicher für externe Schocks sind als andere. Schwellenländer können mit der von ihnen verfolgten Wechselkurspolitik Parameter für ein stetiges, gesundes Wirtschaftswachstum, angemessene Inflationsraten, eine Übertragung von Stabilitätsvorteilen der Industrieländer sowie das Vertrauen der Marktteilnehmer in Ihre Wirtschaftsregion beeinflussen. Sie haben dabei die Wahl zwischen den zwei Extrema: vollkommen festen oder flexiblen Wechselkursen sowie dazwischen angesiedelten Wechselkurspolitiken. Diese Wechselkurssysteme stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit, welche einen theoretischen Überblick über die möglichen Ausgestaltungen und Wirkungsweisen der verschiedenen Regime gibt. Aus der Praxis abgeleitete Beispiele werden den Einstieg in die Materie veranschaulichen.
Ich werde in Kapitel 2 die Voraussetzungen, Vorzüge und Probleme von festen Wechselkursregimen („hard peg regimes“) erörtern; Kapitel 3 beschäftigt sich mit flexiblen Wechselkursregimen („floating rate regimes“). Kapitel 4 beinhaltet die möglichen Mischformen („intermediate regimes“ oder „soft peg regimes“). Bei der Begriffsverwendung orientiere ich mich an der Einteilung der Wechselkursregime durch die Europäische Zentralbank (EZB). 3
1 Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 102.
2 Also Länder mit starkem Wirtschaftswachstum von geringerem Niveau ausgehend als
Industrieländer und oftmals großer Abhängigkeit von internationalem Handel.
3 Vgl. ECB (2003), S. 52.
Wechselkursregime für Emerging Markets 2
2. Feste Wechselkurssysteme („hard peg regimes“)
2.1 Definition „hard peg regimes“
Die Literatur unterscheidet zwischen Currency Board Arrangements und der einseitigen offiziellen Einführung einer fremden Währung als gesetzliches Zahlungsmittel (im weiteren „Dollarisierung“ oder „Euroisierung“ genannt). 4 Die Abschaffung der eigenen Währung und Einführung des USD wurde bspw. in Panama und Ecuador vorgenommen. 5 In einem Currency Board bindet ein Land seine einheimische Währung fest an eine einzelne Ankerwährung oder einen Währungskorb. Es wird ein Leitkurs festgelegt, zu welchem sich die monetären Autoritäten 6 verpflichten, die Ankerwährung gegen eigene Währung zu tauschen. Currency Boards werden heute z. B. von Hong Kong mit Bindung an den USD, von Estland und Litauen mit Bindung an den EUR praktiziert. 7
2.2 Vorteile fester Wechselkurssysteme
Allgemein wird von zwei Hauptvorteilen fester Wechselkurssysteme ausgegangen: Erstens reduzieren sie Transaktionskosten und Wechselkursrisiken, insbesondere bei der Dollarisierung. Ziel ist eine Beschränkung der Volatilität des realen Wechselkurses, dessen direkte Determinanten der nominale Wechselkurs sowie das aus- und inländische Preisniveau sind. Dies gibt den Marktteilnehmern mehr Sicherheit und soll Handel mit und Investitionen in das Land fördern.
Zweitens werden durch die Einführung fester Wechselkurssysteme tendenziell die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik und die geld- bzw. fiskalpolitische Disziplin des Landes gestärkt. Dies gilt insbesondere für ein durch schwache politische Instanzen und hohe Inflationsraten gekennzeichnetes Land. Wenn es nicht aus eigener Kraft niedrigere Inflationsraten durch eine probate, glaubwürdige Geldpolitik erreichen kann, dann soll dies durch
4 Analog zu der Darstellung der Europäischen Zentralbank betrachte ich eine Währungs-
union nicht als eigenständiges Wechselkursregime. Die teilnehmenden Länder übernehmen
eine gemeinsame Währung. Deshalb müssen sie theoretisch die gleichen Eigenschaften
erfüllen und Konsequenzen tragen wie Länder, die eine Dollarisierung bzw. Euroisierung
erwägen.
5 Vgl. Deutsche Bundesbank (April 2004), S. 50 f.
6 In der Regel die Zentralbank des jeweiligen Landes.
7 Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 50 f.
Wechselkursregime für Emerging Markets 3
die Anbindung an einen stabileren Wirtschaftsraum über den Anker einer „harten“ Währung erreicht werden. 8 Die Zusammenhänge, wie feste Wechselkurse zu mehr Glaubwürdigkeit und Disziplin der Politik führen können, werde ich in den nächsten Absätzen näher erläutern. Ich halte für besonders wichtig, auf den Stabilisierungseffekt einer verminderten Seignorage-Finanzierung 9 , den Effekt auf das Zinsniveau und die Möglichkeit der gesetzlichen Verankerung des Leitkurses näher einzugehen sowie den Disziplinierungsprozess genau zu schildern.
Um bei einem Currency Board die Verpflichtung des Festkurses einhalten zu können, muss die Zentralbank für jede Einheit eigener Währung, die im Umlauf ist, den entsprechenden Gegenwert in der Ankerwährung als Reserve halten. Dadurch kann Geldschöpfung zwangsläufig nur über den Ankauf der Reservewährung geschehen - mit der Folge, dass das Land die Möglichkeit aufgibt, eine eigene, autonome Geldpolitik zu betreiben. Bei Dollarisierung wird die Entscheidung über eine Geldmengenausweitung direkt an eine übergeordnete Instanz abgegeben (z. B. in der Europäischen Währungsunion an die Europäische Zentralbank). Daraus resultiert eine verminderte Möglichkeit zur Seignorage-Finanzierung 10 und somit größere monetäre Stabilität.
Mit der Sicherstellung der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik wird primär eine Anpassung der Inflationsrate und des Zinsniveaus an die entsprechenden Größen im Wirtschaftsraum der Ankerwährung angestrebt. Als Indiz für die tatsächliche Anpassung der Zinssätze gelten die sich in der Probezeit der Europäischen Währungsunion angleichenden Zinsniveaus der teilnehmenden Länder. 11
In Currency Boards kann die Glaubwürdigkeit in das System durch eine gesetzliche Festschreibung des Leitkurses verstärkt werden. Damit sollen eine plötzliche Abwertung, eine Anpassung der Parität oder die Abschaffung des hard peg regimes in einer aufkommenden Krise unwahr- 8 Vgl.Larrain/Velasco (2001), S. 19.
9 D. h. eine Finanzierung von öffentlichen Ausgaben über eine Erhöhung der Geldmenge.
10 Diese ist nur in einem Currency Board in Höhe eines Zinsgewinns möglich, wenn der
Ankauf der ausländischen Währung über den Kauf von in dieser Währung denominierten
Staatstiteln getätigt wird.
11 Vgl. Larrain/Velasco (2001), S. 5.
Arbeit zitieren:
Diplom-Kaufmann Tobias Brechtel, 2004, Wechselkursregime für Emerging Markets, München, GRIN Verlag GmbH
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