Franz Kafka: Jäger Gracchus
von: Eva Galova
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Jäger Gracchus 4
2. 1. Entstehungsgeschichte, die Fragmente 4
2. 2. Motive, Quellen und Inspiration für die Entstehung 5
2. 3. Kafka und Riva 7
3. Arbeit mit Text 10
3. 1. Die Erzählstruktur 10
3. 2. Namen im Text 12
3. 3. Spiel mit biblischen Motiven 14
3. 4. Spiel mit weiteren Motiven 16
4. Ist das etwa eine Schuld? 20
4. 1. Gemse oder Julia, ist das etwa eine Schuld? 20
4. 2. Schreiben, ist das etwa eine Schuld? 22
4. 3. Erlösung, Tod 24
5. Zusammenfassung 25
Literaturverzeichnis 26
Werke und Quellen 26
Forschung 26
Internet 27
1. Einleitung
Franz Kafka zählt zu einem der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gehört zu der Prager Deutschen Literatur. Es handelt sich um Literatur, die von den in Prag lebenden Autoren auf Deutsch verfasst wurde. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf sein Fragment Der Jäger Gracchus, das zu dem Spätwerk Kafkas gehört. Für den Zweck dieser Arbeit bezeichne ich den Jäger Gracchus als Fragment, weil es sich um einen unvollendeten Text mit offenem, plötzlich abgebrochenem Schluss handelt, der Fragen hinterlässt.
Zu den Schwerpunkten dieser Arbeit gehören drei Themen, die in diesem Fragment eine zentrale Rolle spielen. Es handelt sich um: Tod, Erlösung und Strafe. Um diese Themen richtig verstehen zu können ist es nötig, sich mit der Entstehungsgeschichte, Erzählstruktur, Personen und einzelnen Motiven sowie mit dem Begriff der Schuld und der biografischen Lage Kafkas auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht die Arbeit mit dem Text dieses Fragments (B 40 – 43)1 und mit einigen biografischen Werken Kafkas (BM, BW, RA, T). Somit soll das Ziel erreicht werden, dieses Fragment und vor allem den Schuldbegriff und die drei Hauptthemen im Lichte Kafkas Lebenssituation zu sehen und zu verstehen.
2. Der Jäger Gracchus
2. 1. Entstehungsgeschichte, die Fragmente
Zum ersten mal wurde der Jäger Gracchus in dem Band Beim Bau der Chinesischen Mauer veröffentlicht. Es handelte sich um zuvor ungedruckte Erzählungen und Prosa aus dem Nachlass, herausgegeben von Max Brod und Hans Joachim Schoeps beim Gustav Kiepenheuer Verlag in Berlin, im Jahr 1931. Das Fragment wurde im Winter 1916/17 geschrieben und ist im Oktavheft B überliefert (B 40 – 43). Der Titel stammt von Max Brod. In der Entstehungszeit wohnte Kafka in einer stillen Wohnung in der Goldenen Gasse. Ende November setzte bei ihm eine produktive Phase ein, entstanden sind u. a. ein Textstück Auf dem Dachboden, das eine Vorfassung der Gracchus-Fragmente darstellt, und das Drama Gruftwächter. Diese Texte sind in dem Oktavheft A niedergelegt. Man kann also ziemlich genau die Anfangsphase des Jäger Gracchus bestimmen.
Es ist noch eine zweite Variante der Erzählung bekannt. Der Beginn dieser Variante ist in der Tagebuchniederschrift vom 6. April 1917 erhalten. Nach Max Brod gehört dieser Anfang zu einem Dialogstück, das Max Brod als Fragment zum Jäger Gracchus bezeichnet hat und das in dem Oktavheft D überliefert ist (B 96 – 100). Diese zweite Variante präzisiert vor allem das Gespräch zwischen dem Jäger und dem Bürgermeister von Riva. Um die Datierung der Manuskripte zu präzisieren und die Phasen der Entstehung dieser Erzählung zu schildern führt Frank Möbus (Sünden-Fälle, S. 12) eine Übersicht zur Textgeschichte des Jäger Gracchus ein. Er unterscheidet sechs Fragmente oder Schreibversuche. Der erste Versuch (T 452), datiert 21. 10. 1913, fängt mit den Wörtern „Im kleinen Hafen eines Fischerdorfes[...]“ an. Hier wird die Topographie des Hafens geschildert, jedoch wird der Jäger nicht erwähnt.
Das zweite Fragment (B 40 – 43) entstand im Januar/Februar 1917. Es handelt sich um das erste Hauptfragment, mit dem Erzähleingang: „Zwei Knaben saßen auf der Quaimauer[...]“ Es handelt sich um eine personale Erzählung, in der die Ankunft des Jägers geschildert wird, weiter findet das Gespräch mit dem Bürgermeister statt. Das dritte Fragment (B 44 f.) fängt mit den Wörtern „Niemand wird lesen, was ich schreibe[...]“ an und stellt eine Variante zum Gespräch mir dem Bürgermeister aus dem zweiten Fragment. Er entstand ebenfalls im Januar/Februar 1917. Der vierte Versuch (T 627) steht im Tagebuch am 6. April 1917 und stellt eine Variante des Beginns vom zweiten Fragment dar. Der Erzähleingang lautet: „Im kleinen Hafen, wo außer Fischerbooten [...]“
Das fünfte Fragment (B 96 - 100) wird als zweites Hauptfragment oder Fragment zum Jäger Gracchus bezeichnet. Dieses entstand im Mai/Juni 1917 und es stellt eine rein dialogische Variante zu dem ersten Hauptfragment dar. Es beginnt mit der Frage „Wie ist es Jäger Gracchus, [...]?“
Die Entstehung des letzten Fragments (E 125 f.) wurde erst im Dezember 1922 datiert. Es handelt sich um eine Ich-Erzählung, um eine Variante der Erzähleingänge der Fragmente eins und vier. Dieses fängt mit den Wörtern „Wir legten an [...]“ an. Die großen Unterschiede der zwei Hauptfragmente, deren stark fragmentarischer Charakter und große Anzahl der Schreibanläufe, sind die Ursache für die Uneinigkeit in der Forschung. Eine andere Einteilung in Fragmente führt Binder (Kafka-Handbuch, Bd. 2, Das Werk und seine Wirkung S. 336 f.) ein. Er unterscheidet vier Fragmente.2 In der vorliegenden Arbeit konzentriere ich mich an den, von Möbus wie auch von Binder3 bezeichnete Fragment Nummer Zwei (B 40 – 43), der mit dem Erzähleingang „Zwei Knaben...“ beginnt.
2. 2. Motive, Quellen und Inspiration für die Entstehung
[...]
1 Zitate aus den Werken, Briefen, Tagebüchern oder Reiseaufzeichnungen Franz Kafkas, sowie weitere Verweise an diese werden innerhalb der vorliegenden Arbeit durch folgende Abkürzungen belegt: B Kafka, Franz: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Nach der Kritischen Ausgabe hg. v. Hans-Gerd Koch, Frankfurt am Main. 1994. Bd. 6: Beim Bau der chinesischen Mauer und andere Schriften aus dem Nachlaß. BM Kafka, Franz: Briefe an Milena. Hg. v. Willy Haas. Frankfurt am Main 1952 BW Brod Max Kafka Franz: Eine Freundschaft. Bd. II. Briefwechsel, hg. v. Malcolm Pasley. Frankfurt am Main 1989 E Kafka, Franz: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Nach der Kritischen Ausgabe hg. v. Hans- Gerd Koch. Frankfurt am Main. 1994. Bd. 8: Das Ehepaar und andere Schriften aus dem Nachlaß. H Kafka, Franz: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem Nachlaß RA Brod Max Kafka Franz: Eine Freundschaft. Bd. I. Reiseaufzeichnungen, hg. unter Mitarbeit von Hannelore Rodlauer von Malcolm Pasley. Frankfurt am Main 1987 T Kafka, Franz: Tagebücher 1909 – 1923. Kritische Ausgabe, hg. v. Hans-Gerd Koch, Michael Müller und Malcolm Pasley. Frankfurt am Main. 1997
2 Für die genaue Einteilung und Beschreibung der vier Fragmente siehe Binder 1979, S. 336 f.
3 Vgl. Möbus 1994, S. 12, Binder 1979 S. 336
Arbeit zitieren:
Eva Galova, 2005, Analyse des Fragmentes "Der Jäger Gracchus" von Franz Kafka, München, GRIN Verlag GmbH
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