Der Tod Alexanders des Großen Seite 2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Gesandtschaften vor dem Tod Alexanders 4
3. Weissager prophezeien das Ende 5
4. Der Tod Alexanders des Großen 8
5. Abschließende Betrachtungen 12
6. Quellenverzeichnis 13
7. Bibliographie für die vergangenen zehn Jahre 13
8. Literaturverzeichnis 14
Der Tod Alexanders des Großen Seite 3
1. Einleitung
Im Juni 323 vor unserer Zeitrechnung 1 stirbt Alexander der Große. Schon wenig später entstehen die ersten Legenden um seinen Tod. Bereits in den ältesten, der wenigen erhaltenen, antiken Quellen zu Alexander dem Großen wird der Versuch gemacht, den Makedonenkönig zu mystifizieren, die Wochen vor seinem Tod und sein Hinscheiden besonders dramatisch zu beschreiben. In dieser Arbeit möchte ich die Darstellung Alexanders vor seinem Tod, die Todesprophezeiungen und sein Sterben untersuchen. Aus der antiken Literatur sind dazu Texte von Diodor, Plutarch, Arrian, Curtius und Justin erhalten. Obgleich die hier angegebene Reihenfolge der Autoren auch die Reihenfolge des Erscheinens ihrer Werke ist, wird über den historischen Wert der Texte des erstgenannten Diodor besonders häufig gestritten. 2 Diodor hat seine Informationen, vermutlich ähnlich wie Justin und Curtius, über eine Zwischenquelle von Kleitarch. 3 Dieser aber hat am Alexanderzug wahrscheinlich nicht teilgenommen, sondern seine Informationen aus mündlicher Überlieferung und anderen Darstellungen. 4 Diodor, Justin und Curtius sind in der Beschreibung des Todes von Alexander dem Großen ähnlich, wobei von Curtius nur noch die Schilderung der Ereignisse am Sterbebett erhalten ist. Plutarch, der nach eigenen Angaben Lebensbilder zeichnen will 5 , gibt wie Arrian eine sehr detaillierte Beschreibung der letzten Tage Alexanders wieder. Beide berufen sich dabei auf die Ephemeriden Alexanders. Ihre Darstellung ähneln einander stark und ich halte sie für relativ glaubwürdig. Arrian wie Plutarch haben ihre Informationen vermutlich von Aristobul, der sich auf Nearch, einem Flottenführer Alexanders stützt. Arrian beruft sich zudem auf Ptolemaios, der ebenfalls am Alexanderzug teilgenommen hat und den König aus nächster Nähe kannte. 6 Alle erhaltenen Autoren wurden zudem von Kalisthenes beeinflußt, der aber von Alexander hingerichtet wurde und nichts über seinen Tod überliefert haben kann. 7
Da es kaum Forschungsliteratur über den Tod Alexanders gibt, habe ich mich ergänzend zu dem wenigen Material auch auf Biographien und Gesamtdarstellungen gestützt. Hier seien insbesondere Wolfgang Will und Siegfried Lauffer genannt. Meine Betrachtungen beginnen mit den Gesandtschaften, die Alexander auf seiner letzten Reise nach Babylon getroffen haben soll. Denn mit diesen Gesandtschaften fangen laut Wolfgang Will die sagenhaften Beschreibungen an, die Alexanders Tod in einem besonderen Licht erscheinen lassen sollen.
1 Alle folgenden Datumsangaben im Text beziehen sich, sofern nicht anders vermerkt, auf die Zeit vor unserer Zeitrechnung.
2 Will, Geschichte Makedoniens, Band 2, Seite 20
3 Will, Geschichte Makedoniens, Band 2, Seite 22
4 Lauffer, Alexander der Große, Seite 219
5 Plutarch 1
6 Will, Geschichte Makedoniens, Band 2, Seite 22
7 Lauffer, Alexander der Große, Seite 219
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2. Gesandtschaften vor dem Tod Alexanders
Anfang des Jahres 324 zieht Alexander mit seinem Heer nach Babylon. In Ekbatana war sein bester Freund Hephaistion gestorben und Alexander hatte nach seiner Trauer über dessen Tod im Winter 325/24 in seiner letzten Schlacht die Kossaier besiegt. Arrian berichtet, daß Alexander auf dem Weg nach Babylon zahlreiche Gesandte trifft. Libyer, Brutier, Lukaner, Tyrrhener, Karthager, Äthiopier, Skythen, Kelten und Iberer - sie alle seien gekommen, um Alexander zu ehren und um mit ihm Freundschaft zu schließen. 8 Nach seiner Ankunft in Babylon habe er zudem Gesandte aus Griechenland und Makedonien empfangen. 9 Auch Diodor und Justin berichten über Gesandte. Allerdings werden sie nach deren Darstellung alle erst in Babylon und nicht schon auf dem Weg dorthin empfangen. Diodor schreibt, es seien Gesandte beinahe aus der ganzen Welt gewesen, die Freundschaft und Bündnisse schließen oder Geschenke überbringen wollten. 10 Konkret nennt er Karthager, Libyphönicier, alle Bewohner der Küste bis zu den Säulen des Hercules, die Städte der Griechen und die Macedonier, Illyrer und Anwohner an der Adria, die thracischen Völkerschaften und die benachbarten Gallier. 11 Bei Justin bitten Spanier, Sizilier, Gallier, Sardinier, die Staaten Afrikas und einige Gesandte aus Italien um Audienz. 12 Ob sich tatsächlich all diese Völkerstämme aufgemacht haben, um Alexander zu treffen, wird von Wolfgang Will bezweifelt. Er ist der Ansicht, daß lediglich Staaten und Städte der griechischen Welt Anlaß hatten, mit Alexander zu verhandeln, weil das Dekret über die Rückführung der Verbannten geeignet war, viele Poleis in eine Wirtschaftskrise zu stürzen. 13 Die Gesandten der andern Völker hält er für ein Produkt der Mystifizierung Alexanders. „Ihr Sinn ist allein, den König zum Zeitpunkt seines Todes als Weltherrscher zu präsentieren. Nachdem er bereits im Osten am Indus den Rand der Welt erreicht hatte, sollten nun die Völker der noch nicht eroberten Gebiete [...] das Weltreich Alexanders zumindest symbolisch komplettieren ...“ 14 Die Argumentation Wills findet scheinbar auch in den Quellen Rückhalt. Arrian begnügt sich nicht damit, die Gesandtschaften zu erwähnen, sondern weist auch auf deren Bedeutung hin: „Und es sei gerade damals gewesen, daß er selbst [Anm. d. V.: Alexander] und seine Getreuen den Eindruck hatten, er sei der Herr über alle Länder und Meere geworden.“ 15 Es bleibt dennoch zweifelhaft, ob Arrian die Gesandten erfunden hat, um kurz vor Alexanders Tod diese Feststellung zu treffen. Siegfried Lauffer und A. B. Bosworth sind beide der Ansicht, daß es für alle Gesandte gute Gründe gab, Alexander aufzusuchen.
8 Arrian, 7, 15, 4
9 Arrian, 7,19, 1-2
10 Diodor 17, 113
11 Diodor 17, 113, 3
12 Justin 12, 13, 1
13 Will, Geschichte Makedoniens, Band 2, Seite 173
14 Will, Geschichte Makedoniens, Band 2, Seite 174
15 Arrian, 7.19.1-2 und 7.23.2
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Lauffer argumentiert, daß die Völker von den Plänen Alexanders nichts wußten. Sie mußten annehmen, daß er sich nun nach Westen wendet. „Seine Absichten zu erfahren oder schon jetzt ein gutes Verhältnis zu ihm herzustellen, mußte daher den Völkern im Westen zweckmäßig erscheinen.“ 16 Bosworth nennt sogar für mehrere Gesandtschaften einen speziellen Grund. So wären die Karthager offensichtlich das erste Ziel einer westlichen Eroberung gewesen, die Etrusker hätten wegen ihrer Plünderungen in der Adria Streit mit Athen gehabt und die Balkanstaaten hätten alle ihre eigene Version der Ereignisse darstellen wollen, um die Wut des Königs auf den anderen lenken. 17 Bosworth nennt noch einige andere Gründe, die ich hier nicht alle aufzählen will. Eine reine Erfindung können die Gesandtschaften nicht sein. Die Vermutung von Will ist zwar naheliegend, allerdings tauchen die Gesandtschaften in drei verschiedenen Quellen auf. Einmal in Arrian, der sich selbst auf Aristobul und Ptolemaios beruft und zum zweiten in Justin und Diodor, die vermutlich beide auf Kleitarch zurückzuführen sind. 18 Es war den Völkern sicher bekannt, daß Alexander siegreich im Osten gekämpft hatte und alle hatten ein Interesse daran, sich mit dem König gut zu stellen. Es war anzunehmen, daß Alexander nun nach Westen ziehen würde. So kann man über die Gesandtschaften zusammenfassend sagen, daß es die in allen drei Quellen Erwähnten sicher gegeben hat. Es mag aber sein, daß Arrian, Justin und Diodor oder deren Informanten einige hinzugedichtet haben, um das Bild Alexanders vor seinem Tod abzurunden.
3. Weissager prophezeien das Ende
Vor seinem Tod soll Alexander zahlreiche Prophezeiungen erhalten haben, die sein nahes Ende ankündigten. Arrian, Plutarch, Diodor und Justin berichten, daß Alexander auf seinem Marsch nach Babylon den Rat der Chaldäer erhalten habe, die Stadt nicht zu betreten. 19 Diodor schreibt, daß diese durch Sterndeutung erkannt hätten, daß Alexander in Babylon sterben würde. 20 Schon Arrian hatte allerdings seine Zweifel, ob die Chaldäer die Wahrheit gesagt haben. „Darüber hinaus bestand freilich bei ihm [Anm. d. V.: bei Alexander] gewisser Verdacht, die Chaldäer wollten damals den Einzug in die Stadt nicht auf göttliches Geheiß hin, sondern eher zum eigenen Vorteil verhindern.“ 21 Die Chaldäer verwalteten damals die Gelder des Gottes Bel. Alexander hatte bereits bei seinem vorhergehenden Auszug aus Babylon befohlen, den Tempel dieses Gottes wieder aufzubauen. Da die Arbeiten bislang nur langsam vorwärts gegangen waren, mußten die
16 Lauffer, Alexander der Große, Seite 179
17 Bosworth, Conquest and Empire, Seite 166-167
18 zu den Quellen siehe: Will, Geschichte Makedoniens, Band 2, Seite 19-23
19 Arrian 7.16.5-6, Plutarch 73.1, Diodor 17.112.2-3, Justin 12.13.3
20 Diodor 17.112.3
21 Arrian 7.17.1
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Ralf Geissler, 1998, Der Tod Alexanders des Großen, München, GRIN Verlag GmbH
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