Freie Universität Berlin Osteuropa-Institut / FB Politik Wintersemester 2001/02 15023 PS: Moderne Imperialismustheorien
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eingereicht von:
Andrea Friemann Politikwissenschaft
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Die politische Emanzipation der Bourgeoise .....................................................5 Das Bündnis zwischen Kapital und Mob ...........................................................8
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Die vorimperialistische Entwicklung des Rassebegriffs.....................................9 Die Bürokratie ................................................................................................11 Der völkische Nationalismus...........................................................................14
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Arendt, Hannah (1951): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus,
Imperialismus, totale Herrschaft. München: Piper Verlag GmbH, 8. Auflage 2001,
275-625
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Hannah Arendt wurde 1906 bei Hannover geboren. Sie wuchs in einem sozialdemokratischen jüdisch-assimilierten Elternhaus in Königsberg auf und studierte Philosophie, Theologie und Griechisch u. a. bei Martin Heidegger und Karl Jaspers, deren Ansichten zur Existenzphilosophie sie maßgeblich prägten. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten erlebte sie den politischen Zustand der Staatenlosigkeit, den sie später ausführlich beschrieb. Sie heiratete Heinrich Blücher, dem sie ihr Hauptwerk widmete. 1941 emigrierte Arendt nach einer mehrwöchigen Internierung im Auffanglager Gurs in die USA, wo sie 1951 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Im gleichen Jahr erschien nach über zehnjähriger Arbeit ihr erstes großes politisches Werk „The Origins of Totalitarianism“ (in der deutschen Ausgabe „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, die britische Ausgabe „The Burden of our Time“) als eine umfangreiche historisch-politische Untersuchung. Nach mehreren Gastvorlesungen in Princeton und Harvard u. a. erhielt sie 1953 eine Professur am Brooklyn College in New York, wo sie 1975 starb.
Hannah Arendt hat als politische Philosophin einen ganz eigenen Denkweg beschritten. In ihren Werken verbindet sie politische Geschichte, Geistesgeschichte und systematisch-philosophische Betrachtungen. Dabei ist einer ihrer wichtigsten Leitgedanken alles zu vermeiden, was eine Entartung des Politischen begünstigen könnte. Sie plädiert daher für eine Sphäre des öffentlichen Diskurses und erstrebt politische Entscheidungen unabhängig vom jeweiligen privaten Interesse der Person.
Das Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ etabliert Hannah Arendt als bedeutende gesellschafts- und politikwissenschaftliche Theoretikerin. Ihrer Meinung nach stellt die totale Herrschaft eine der wichtigsten Tatsachen der modernen Geschichte und eine wesentlich neue Staatsform dar. In diesem Werk versucht sie zu verstehen und gedanklich zu durchdringen, worauf die meisten mit Verdrängung reagieren: die unglaublichen Greuel des Nationalsozialismus und des Stalinismus. Dabei werden beide Systeme als verwandte Herrschaftstypen und Folgeerscheinungen von Antisemitismus, völkischem Nationalismus und Imperialismus betrachtet. Entsprechend folgt der Untersuchung des Antisemitismus als erstem Buch, die des Imperialismus und anschließend analysiert sie im dritten Buch die Charakteristika der Totalen Herrschaft. Im Zustand des Misstrauens
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gegenüber der Vergangenheit, der Ablehnung der Gegenwart, in der die alte Gesellschaftsordnung zerfällt, worauf Desorientierung, zerstörte Sozialstrukturen und die Atomisierung der Gesellschaft folgen, ist die Ideologie die Reaktion auf die Angst vor einer unberechenbaren, anarchischen Zukunft. Sie beschreibt das Bedürfnis des modernen atomisierten Menschen nach Zugehörigkeit, das mittels „ wissenschaftlicher Beweise“ und einer Ideologie bedient wird. Mit diesem Buch hat Hannah Arendt unter dem Eindruck des Holocaust die Bestandsaufnahme einer ruhe-und heimatlosen Frau und zugleich eine Geschichte und Theorie des Totalitarismus geschrieben, dessen unverminderte Aktualität nicht allein die zahlreichen Auflagen und Übersetzungen (Dezember 1999: 11) beweisen.
Dem Aufbau des Buches „ Imperialismus“ wird bei der vorliegenden Rezension nicht gefolgt. Ziel des Aufsatzes ist vielmehr den Imperialismusbegriff bei Hannah Arendt, dessen Entstehungsbedingungen und besondere Merkmale herauszuarbeiten. Entsprechend wird nach einer kurzen Einordnung ihres Verständnisses von „ Imperialismus“ in den ersten zwei Kapiteln die politische Emanzipation der Bourgeoisie und das Bündnis zwischen Kapital und Mob besprochen. Anschließend werden als Charakteristika die vorimperialistische Entwicklung des Rassebegriffs, der völkische Nationalismus und die Bürokratie näher betrachtet. Der letzte Abschnitt ist dem Vorwort von 1967 gewidmet, in dem Arendt ein über den kolonialen Imperialismus hinausgehendes Verständnis anspricht.
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Hannah Arendt bezieht sich auf das spezifische Verständnis der Politik der europäischen Kolonialmächte und der ODWHFRPHUV Deutschland, Italien und Belgien
in den drei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg zwischen 1884 und 1914 1 , wenn sie im Vorwort schreibt: 6HOWHQ OLH VLFK GHU %HJLQQ HLQHU JHVFKLFKWOLFKHQ (SRFKH PLW JOHLFKHU *HQDXLJNHLW GDWLHUHQ XQG NDXP MH ]XYRU ERW VLFK ]HLWJHQ|VVLVFKHQ %HREDFKWHUQ HLQH HEHQVR JXWH &KDQFH LKU HLQGHXWLJHV (QGH PLW]XHUOHEHQ ZLH LP )DOOHGHVLPSHULDOLVWLVFKHQ=HLWDOWHUV[a.a.O., S. 275]
1 Nohlen, Dieter (2001): Imperialismus. in: Nohlen, Dieter (Hg.): Kleines Lexikon der Politik.
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Ziel der europäischen Kolonialmächte und der ODWHFRPHUV war die Aufteilung der
noch nicht unter Kolonialherrschaft gefallenen Territorien. Nach Meinung Arendts charakterisierte nichts deren Machtpolitik im imperialistischen Zeitalter besser als der Umschwung, GD PDQ MHW]W QLFKW PHKU ORNDOLVLHUWH EHJUHQ]WH XQG GDKHU YRUKHUVDJEDUH =LHOH GLH LP QDWLRQDOHQ ,QWHUHVVH ODJHQ YHUIROJWH VRQGHUQ LP JUHQ]HQORVHQ 6WUHEHQ QDFK 0DFKW XQG PHKU 0DFKW GHQ JDQ]HP (UGEDOO GXUFKVWUHLIHQXQGYHUZVWHQNRQQWHRKQHHLQHEHVWLPPWHQDWLRQDORGHUWHUULWRULDO YRUJH]HLFKQHWH=LHOVHW]XQJXQGGDKHURKQHYRUKHUVDJEDUH5LFKWXQJ.[a.a.O., S. 277]
Zur Bedeutung des Begriffs stellt sie fest: $OV6FKLPSIZRUWZLUGGHU,PSHULDOLVPXV QRFKJHEUDXFKWVRQVWVFKHLQWHUKDOEYHUJHVVHQ]XVHLQXQGGDVLVWYRUDOOHPGHVKDOE ]XEHGDXHUQZHLOZLUIU'LQJHGLHKHXWHJHVFKHKHQDXVLKPOHUQHQN|QQWHQUm anschließend den philosophischen Zeigefinger zu heben und einzuschränken: :LHYLHO ZLUDXFKDXVGHU9HUJDQJHQKHLWOHUQHQP|JHQVLHZLUGXQVQLFKWOHKUHQGLH=XNXQIW ]XOHVHQ[a.a.O., S. 283]
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Bei der Untersuchung der Entstehungsbedingungen des kontinentalen Imperialismus unterscheidet man zwischen machttheoretischen und politökonomischen Theorien. Bei den machttheoretischen Theorien entsteht Imperialismus als Folge des Nationalstaats und der Herrschaftsstabilisierung in seinem Inneren. Während bei den politökonomischen Theorien von den Problemen der Kapitalverwertung imperialer Staaten ausgegangen wird. Arendt betrachtet vorrangig die politökonomischen Theorien, deren frühzeitige Entdeckung sie Hobson zuschreibt, dem Hilferding und Lenin später folgten. 'HUHQJOLVFKH+LVWRULNHU+REVRQZDUGHUHUVWHGHUGDV:RUW ,PSHULDOLVPXVJHEUDXFKWH[a.a.O., S. 302]
Die ökonomischen Entstehungsbedingungen des kontinentalen Imperialismus liegen bereits vor dem Jahre 1884, das allgemein als der Beginn europäischer Imperialpolitik angesehen wird. Die Sache begann völlig unpolitisch mit einer tiefgehenden Wirtschaftskrise Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts, die
München: Verlag C. H. Beck oHG, 198f.
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Andrea Friemann, 2002, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Imperialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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