Inhaltsverzeichnis
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Einf ührung 3
Einf 3
1. Der Forschungsstand zur Gewalt im Helmbrecht 3
1. 3
1.1. Gewalt gegen die Ordnung - verdeckte Gewalt 4
1.1. 4
1.2. Gewalt gegen Mensch und Besitz - offene Gewalt 7
1.2. 7
2. Meier Helmbrecht und der Büttelmythos 8
2. 8
3. Identifikationsangebote an den Adel im Helmbrecht 11
3. 11
4. Gewalt als integraler Bestandteil der Kultur 13
4. 13
5. gerechtfertigte und ungerechtfertigte Gewalt im Helmbrecht 15
5. 15
Literaturverzeichnis 16
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Einführung
In der folgenden Hausarbeit möchte ich mich mit dem Phänomen der Gewalt im Helmbrecht Wernhers des Gartenaers beschäftigen. Dazu werde ich zunächst zusammentragen, was in der Forschungsliteratur zum Thema geschrieben wurde. Da es zwar viel Literatur über den Helmbrecht gibt, deren Aufgabenstellungen aber teilweise in eine völlig andere Richtung weisen, habe ich nicht nur Argumentationen aus den unterschiedlichen Teildisziplinen der Literaturwissenschaft sondern auch der Jura herangezogen. Ergänzt um eigene Überlegungen möchte ich den Versuch unternehmen die Gewaltdarstellungen in der Erzählung zu ordnen und zu kategorisieren. Am Ende soll ein Überblick über die einzelnen Gewaltelemente und insbesondere eine Erklärung für die jeweilige Motivation für die Anwendung von Gewalt stehen. Gewalt soll dadurch aus dem ihr oft anhaftenden Status des „unfassbaren“ gehoben und als Bestandteil der Gesellschaft, in der Wernhers Erzählung handelt, verstehbar werden.
1. Der Forschungsstand zur Gewalt im Helmbrecht
In der Forschungsliteratur finden sich zahlreiche Spuren dafür, dass die Gewaltdarstellungen im Helmbrecht polarisieren und wurden bisweilen als äußerst brutal empfunden. Betrachtet man die Gewalt im Helmbrecht, ist festzustellen, dass diese in zwei grundlegend unterscheidbare Formen zerfällt: Die physische Gewalt zum einen, die Helmbrecht seiner Umwelt während seiner Räuberkarriere in Form von Plünderung, sadistischer Gewalt und Mord antut. Diese Kategorie der Gewalt im Helmbrecht nenne ich offene Gewalt. Zum anderen die Gewalt, die durch Helmbrechts Handlungen der Ordnung und damit seiner gesellschaftlichen Umwelt antut. Diese nenne ich im Folgenden verdeckte Gewalt. Zunächst möchte ich den letztgenannten Aspekt eingehender untersuchen.
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1.1. Gewalt gegen die Ordnung - verdeckte Gewalt
Die Verstöße, mit denen der Protagonist der Geschichte sich gegen die Ordnung seiner Gesellschaft wendet, richten sich auf mehreren Ebenen gegen die Welt‐ und Rechtsvorstellungen seiner Zeit: Zum einen bricht Helmbrecht die Ordnung des Hauses bzw. der Familie. Darüber hinaus stört er als Bauernsohn, der ein Leben als Ritter führen will, die ständischen Ordnung seiner Zeit. Beide Ebenen der Störung stehen in enger Beziehung mit einer dritten: Der Rechtsordnung im Sinne weltlicher Gerichtsbarkeit. 1 Dabei sind die einzelnen Ebenen der Ordnungsverletzung durch Helmbrecht in lexikalischer Ordnung voneinander abhängig und eng miteinander verknüpft.
„Das inoboedientia‐Prinzip, das die Familienordnung zerstört hat, erweitert, wie eine Pest sich
ausbreitend, sich allzu leicht zur superbia, die nun auch die Ständeordnung zu zersetzen
beginnt.“ 2 Die superbia mündet in eine iniuria, die ihrerseits die höchste irdische Ordnung, die
allgemein verbindliche Rechtsordnung angreift 3
Interessant ist jedoch, dass der versuchte Aufstieg des jungen Helmbrecht allein nicht ausreicht, ihn zu kriminalisieren, da es ständische Mobilität, wenn auch sehr selten, durchaus gab. Diese wurde jedoch von Theoretikern der mittelalterlichen Ständelehre vehement zurückgewiesen, da es ein starkes Interesse des Adels gab die alte Ordnung zu erhalten. 4 Inwieweit das Übertreten der Standesgrenzen als gesetzeswidrig empfunden wurde, spielt im Helmbrecht jedoch nur eine untergeordnete Rolle, da er nie mit allen Konsequenzen in den Ritterstand aufsteigt,
1 Vgl. Hüpper, Dagmar. Familie Helmbrecht in der Krise. Rechtsnormen und ihre Kontrafaktur in der Sprachhandlung des Maere. In: Symbole des Alltags - Alltag der Symbole. Hrsg. Blaschitz, Gertrud. Hundsbichler, Helmut. Jaritz Gerhard und Vavra, Elisabeth. 1992. S.642
2 Fischer, Hanns. Gestaltungsgeschichten im „Meier Helmbrecht“. In: Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur 79 (1957). S 103 3 Hüpper, Dagmar. S.642 4 Ebd. S. 643
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sondern lediglich die Privilegien dieses Standes beansprucht um seiner Räuberkarriere nachzugehen.
Allerdings beruft sich Helmbrecht/Slintezgeu auf einen (ritterlichen) Paten (V. 483 und V. 1132), der zu einer besonders armen Schicht Ritter gehört haben muss, die, um überleben zu können, ihre Felder selbst bestellten. 5 Petra Menke spricht vom so genannten Einschildritter. Zwischen der obersten Schicht Bauern und der untersten Schicht Ritter gab es also eine gewisse Verwischung der Grenzen. Für den Helmbrecht ist aber entscheidend, dass es nie zu einer den mittelalterlichen Vorstellungen entsprechenden Schwertleite kam. Das Schwert wird ihm nicht vom nächsten männlichen Verwandten, sondern von der Mutter umgelegt:
dar nâch gap daz getriuwe wîp / ir lieben sune an sînen lîp / ketenwambîs unde swert
(V. 147‐150)
Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass Helmbrecht/Slintezgeu weder eine aus mittelalterlicher Sicht akzeptable Schwertleite empfangen, noch von ritterlicher Geburt ist und auch die Normen seines Wahlstandes nicht anerkennt. Aus diesem Verhalten heraus bleibt der Bruch mit Familie und Stand nicht folgenlos für die Ebene der Rechtsordnung. Aus der für die mittelalterliche Gesellschaft gerade noch akzeptablen Lösung von der Familie durch die vermögensrechtliche Verselbständigung Helmbrechts, der nach der stiure verlangt (V. 227‐231), und dem freiwilligen Ausscheiden aus der Familie, indem er seinen Namen verleugnet und sich Slintezgeu nennt (V. 1235‐1237) ergibt sich aufgrund der Raubzüge Helmbrechts ebenfalls ein Ausschluss aus der Gesellschaft, der durch das Gericht vollzogen wird.
5 Vgl. Menke, Petra. Recht und Ordo‐Gedanke im Helmbrecht. In: Germanistische Arbeiten zu Sprach und Kulturgeschichte Frankfurt am Main. 1993. S. 73, S. 189
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Arbeit zitieren:
Markus Voigt, 2006, Gewalt im Meier Helmbrecht Wernhers des Gartenaere, München, GRIN Verlag GmbH
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Zu: Johann Wolfgang von Goethe: "Die Leiden des jungen Werther&qu...
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