Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen
in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Germanistisches Seminar
Hausarbeit zum Seminar "Phraseologie/Idiomatik der deutschen Gegenwartssprache"
Wintersemester 1994/95
Autor Klaus Geyer
Inhaltsverzeichnis
1 Zu dieser Arbeit
2 Vorüberlegung 1: Zur Aufklärung
2.1 Grundsätzliches
2.2 Die Bedeutung der Aufklärungsbögen im Aufklärungsprozeß
3 Vorüberlegung 2: Funktionsverbgefüge
4 Die Funktionsverbgefüge in den Aufklärungsbögen
4.1 Überblick über die Funktionen der FVG allgemein
4.2 Zwei wichtige Eigenschaften der FVG
4.2.1 Die Zweiteiligkeit des Verbs
4.2.2 Die Tendenz zur Nominalisierung
4.3 Allgemeinsprachliche, fachsprachliche und textsortenspezifisch besonders interessante Funktionen
4.3.1 Allgemeinsprachliche Funktionen
4.3.1.1 Schließen lexikalischer Lücken
4.3.1.2 Ausdrücken allgemeiner Bedeutungen
4.3.1.3 Stilistische Variation
4.3.2 Fachsprachliche Funktionen
4.3.2.1 Veränderung der Mitteilungsperspektive
4.3.1.2 Ausdrücken allgemeiner Bedeutungen
4.3.2.3 Vereinheitlichung von Rektion
4.3.3 Textsortenspezifisch besonders interessante Funktionen
4.2.3.1 Passivausdruck
4.3.3.2 Fachtermini
5 Kritik an Deagentivierung und Nominalstil in den Aufklärungsbögen
5.1 Deagentivierung
5.2 Nominalstil
6 Resümee und offene Fragen
7 Literatur
Anhang: Übersicht über die verwendeten Aufklärungsbögen
1 Zu dieser Arbeit
Diese Arbeit knüpft an ein Seminar über Phraseologie/Idiomatik der deutschen Gegenwartssprache an. Besonders interessant finde ich dabei eine Art von Ausdrücken, die sicherlich an der Peripherie des gesamten Bereichs Phraseologie/Idiomatik anzusiedeln ist: die Funktionsverbgefüge (FVG); und zwar nicht so sehr deren grammatische Form, sondern v.a. die Funktionen, die sie in einem Text erfüllen.
Die FVG sind eine Art von Ausdrücken, die zum einen überwiegend in der geschriebenen Sprache, zum anderen überwiegend in den Fachsprachen und in der Sprache der Verwaltung vorkommen. Die Idee, Aufklärungsbögen, wie man sie als PatientIn vor Untersuchungen bzw. Behandlungen zum Lesen und Unterschreiben bekommt, auf den speziellen Aspekt der FVG hin zu analysieren, liegt darin begründet, daß ich aus meiner früheren beruflichen Praxis als Krankenpfleger im Krankenhaus diese Bögen, und insbesondere auch den gesamten Aufklärungsprozeß als ziemlich zweifelhaft und unbefriedigend in Erinnerung habe: eine genauere Untersuchung liegt dann nahe, weil es sich bei den Aufklärungsbögen um geschriebene Sprache handelt, die ganz sicher fachsprachliche Züge aufweist; aber es handelt sich nicht um geschriebene Sprache zur fachsprachlichen Kommunikation, sondern zur Kommunikation zwischen Fachleuten und Laien. Diese ist m.E. nicht nur besonders interessant, sondern auch im Fall der Aufklärung vor einem Eingriff überaus wichtig - zumindest für den Patienten/die Patientin.
Die Frage, ob PatientInnen gut, d.h. v.a. umfassend und ihren Voraussetzungen entsprechend aufgeklärt werden, wird diese Arbeit selbstverständlich nicht beantworten können. Ich hoffe aber, daß ich einige Erkenntnisse über die Tauglichkeit eines der "Werkzeuge" zur Aufklärung, eben die Aufklärungsbögen, gewinnen kann.
Die Textgrundlage meiner Arbeit besteht aus 46 Aufklärungsbögen, vorwiegend aus dem Bereich der Therapie und Diagnostik innerhalb der Inneren Medizin, d.h. aus dem Bereich, in dem ich selbst als Krankenpfleger mehrere Jahre gearbeitet habe. Die Bögen stammen teils aus dem Klinikum der Stadt Nürnberg, teils aus der Universitätsklinik Kiel und werden in den beiden Kliniken aktuell zur Aufklärung verwendet. Eine Übersicht über die Aufklärungsbögen findet sich im Anhang.
Bevor ich die verschiedenen Funktionen oder "Leistungen" der Funktionsverbgefüge in den Aufklärungsbögen diskutiere, möchte ich zwei Vorüberlegungen anstellen: Vorüberlegung 1 beschäftigt sich dabei mit der Aufklärung von PatientInnen sowohl allgemein als auch speziell mit der Rolle der Aufklärungsbögen im Aufklärungsprozeß. Ich beziehe mich in allem, was Aufklärung betrifft, ausschließlich auf die Aufklärung im Krankenhaus und nicht auf die Aufklärung, wie sie bei niedergelassenen ÄrztInnen in der Praxis erfolgt. In Vorüberlegung 2 versuche ich ein- und abzugrenzen, welche Ausdrücke in dieser Arbeit zweckmäßig unter den Begriff FVG fallen und welche außerhalb stehen: es geht also um eine Arbeitsdefinition.
Bei der Besprechung der Funktionen, die die FVG in unseren Texten erfüllen, stehen zwei Funktionen im Mittelpunkt, die sich als besonders wichtig erweisen: die FVG als Ersatzform des Passivs/Mittel zur Deagentivierung und als Möglichkeit, substantivische Fachtermini einzusetzen. Diese beiden Funktionen werden nicht isoliert, sondern im engen Zusammenhang mit wesentlichen Eigenschaften der FVG besprochen. Andere Funktionen der FVG werden kürzer abgehandelt.
2 Vorüberlegung 1: Zur Aufklärung
2.1 Grundsätzliches
[...]
Quote paper:
Dr. Klaus Geyer, 1995, Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Ihre Abgrenzung zu syntaktisch...
Termpaper, 16 Pages
Aspekte der Beschreibung von Funktionsverbgefügen
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Wortbildung bei Verben - Aspekt und Aktionsart
Scholary Paper (Seminar), 10 Pages
Klaus Geyer has published the text Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen
Klaus Geyer has uploaded a new text
Die Arzt-Patient-Beziehung in der modernen Medizin
Die Kunst der Beziehungsgestal...
Hans-Christian Deter
Grundrechtsschutz im Arzt-Patienten-Verhältnis. (Bd. 920)
Eine Untersuchung zur Umsetzun...
Axel Hollenbach
Das Haftungsdreieck Pharmaunternehmen - Arzt - Patient
Verschulden und Mitverschulden...
Adem Koyuncu
Narrative-based Medicine - Sprechende Medizin
Trisha Greenhalgh, Brian Hurwitz, Karin Beifuss
Kommunikation - Erfolgsfaktor in der Medizin
Teamführung, Patientengespräch...
Patric P. Kutscher, Helmut Seßler
0 comments