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2 Einleitung S.03
3 Gewaltakzeptanz, Gewaltbereitschaft und Gewalthandeln S.05
3.1 Familie, Persönlichkeit, Schule und Peers S.05
4 Fernsehen und Gewalt S.07
4.1 Visueller Analphabetismus S.07
4.2 Langeweile, Sehzwang und kollektive Abwehrversuche S.09
4.3 Psychische Wurzeln von Gewalt S.12
5 Entstehung von Feindbildstrukturen S.13
6 Abschlussbetrachtung S.17
7 Literaturverzeichnis S.19
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Die Individuen, die sich benachteiligt fühlen, geschlagen, misshandelt werden, lassen häufig ein Verhaltensmuster erkennen. Sie treten oder schlagen ihrerseits irgendwann zurück, üben sich in Drohgebärden, verletzen andere ohne Rücksicht und Nachsicht. Der Gewalt- Exzess gibt oft den letzten, ultimativen „Kick“ als euphorisierende Zerstörung der Normen (vgl. Thomson 1999, vgl. hierzu das Verbrechen in der US-amerikan. Stadt Littleton/Denver im April 1999, das die amerikanische Nation aufrüttelte und bezüglich der Verbreitung von Waffen neu nachdenken ließ; vgl. FAZ vom 26.04.99: zwei Todesschützen hatten 12 Mitschüler und 1 Lehrer auf brutale Weise erschossen).
Große Aufmerksamkeit genießen Medienberichte über jugendliche Gewaltaktionen. Diese sind jedoch Reportagen, die sensationalisierend auf die Verbrauchergunst abzielen. Hierbei wird aber kein Beitrag dazu geleistet, das diffuse, vielschichtige Phänomen „Jugendgewalt“ zu erklären. Ein Grund für dieses Defizit ist mit Sicherheit, dass die Medien mit Vorliebe Gewaltakte Jugendlicher gegen Asylbewerber und Ausländer thematisieren. Folglich werden Gewalttaten gegenüber anderen Bevölkerungsminderheiten vernachlässigt. Dies vermittelt wiederum den Eindruck, dass Jugendgewalt vornehmlich auf politische Intentionen basiert und zum größten Teil von „politisch motivierten“ Tätern extremistischer Gruppen verübt wird.
Die Erklärung von Jugendgewalt allein als Ausdruck gesellschaftlicher Basismechanismen (z. B. Geschlechterverhältnis oder Konkurrenz) und Krisen oder geschichtlicher Umbruchsituationen (z. B. Beitritt der DDR zur BRD) wird den oft trivialen Gewaltaktionen in der Jugendszene nicht gerecht. Was aus der Perspektive der pädagogisch- psychologischen Jugendforschung im Vordergrund stehen muss, ist die Tatsache, dass es sich bei den Tätern um Jugendliche handelt, die in einer entscheidenden Phase ihrer Identitätsbildung stehen und Entwicklungsaufgaben mit altersspezifischen Mitteln zu bewältigen haben.
Wie kann man die Perspektive von jugendlichen Gewaltakteuren und Gewaltopfern begreifen? Das breite Spektrum von Jugendgewalt muss jedoch stets im Auge behalten werden. Welche Lebens- und Erfahrungskontexte bei Jugendlichen tragen zur Entwicklung von Gewaltakzeptanz und Gewaltbereitschaft bei und unter welchen Bedingungen führt Gewaltbereitschaft zur Beteiligung an Gewaltaktionen?
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Inwiefern trägt das Fernsehen zur Gewaltbereitschaft und -entwicklung bei? Wie können Filme die menschliche Psyche und somit das Handeln der Menschen beeinflussen? Besonders hilfreich war bezüglich dieser Fragestellung das Buch von Ute Benz: Jugend, Gewalt und Fernsehen – Der Umgang mit bedrohlichen Bildern. 1
1 Ausführlichere Angaben bezüglich der Verwendeten Literatur sind im Literaturverzeichnis zu finden.
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3 Gewaltakzeptanz, Gewaltbereitschaft und Gewalthandeln
Falls möglich, sollen also Gewaltakzeptanz, Gewaltbereitschaft und Gewalthandeln differenziert betrachtet werden. Gewaltakzeptanz und Gewaltbereitschaft stellen jedoch keine hinreichenden Bedingungen für gewaltsames Handeln dar. Ferner hängt die Beteiligung an Gewaltaktionen von antizipierten Folgen, Gruppennormen und affektiven Bedingungen ab. Die Beteiligung an Gewaltaktionen setzt nicht einmal eine Gewalt akzeptierende Einstellung voraus. Gewalthandeln ist nämlich stark an situative Bedingungen gebunden. Dazu zählt Alkoholkonsum oder die soziale Dynamik von „Mutproben“. Einstellungskonsistentes Handeln ist demnach keine zwingende Vorraussetzung an der Teilnahme einer Gewaltaktion (vgl. Sturzbecher, 1997).
Um dem oben erwähnten Anspruch auf eine differenzierte Untersuchung Folge zu tragen, wird Jugendgewalt auf drei unterschiedlichen Ebenen abgebildet: 1. Akzeptanzebene („Was halte ich von Gewalt als Interaktionsform?“) 2. Ebene der Verhaltensintentionen („Bin ich bereit, Gewalt zur Durchsetzung von Interessen oder zum Freizeitvergnügen einzusetzen?“) 3. Handlungsebene („Habe ich bereits an Gewaltaktionen aktiv teilgenommen?“). (ebenda)
3.1 Familie, Persönlichkeit, Schule und Peers
Zunächst sind das Mikrosystem „Familie“ und die darauf bezogenen Indikatoren von Interesse. In Bezug auf die Herkunftsfamilie existieren zum einen interaktionale Variablen und zum anderen ökonomische Variablen. Diese kann man, wie folgt, näher beleuchten, wie zum Beispiel beim Projekt „Jugend in Brandenburg 1996“ (ebenda). Da sich die Gewaltbereitschaft von Jungen und Mädchen unter quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten unterscheidet (Maccoby & Jacklin, 1980), wird zwischen Jungen und Mädchen differenziert.
Es wurde festgestellt, dass die beruflichen Bindungen der Eltern oder aber kritische Lebensereignisse der Jugendlichen in der Familie kaum mit gewaltbezogenen Einstellungen der Jugendlichen oder deren Beteiligung an Gewaltaktionen korrespondieren. Folglich bedarf es bei diesen Indikatoren keiner näheren Vorstellung. Andererseits korrespondiert die
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Einschätzung des relativen familiären Lebensstandards in Bezug zur Umgebung deutlich mit der Bereitschaft Gewalt auszuüben (vgl. Sturzbecher, 1997).
Das Aggressionsmodell beinhaltet jedoch noch einen zweiten Indikator. Persönlichkeitsmerkmale sind ebenfalls zu untersuchen. Dies geschah mit Hilfe von Selbstbeurteilungen. Vier inhaltliche Dimensionen sind an dieser Stelle zu nennen (ebenda). Zunächst befasste man sich mit dem Aggressivitätspotential („Erregbarkeit“). Dies ist ein vom situativen und vor allem sozialen Kontext unabhängiger Indikator, der eventuell auch genetisch-biologische Gewaltursachen miterfasst und stark habitualisierte aggressive Verhaltensmuster beleuchtet. Zweitens interessierte der Grad an „Selbstvertrauen“, bzw. Selbstwirksamkeitserfahrungen und –erwartungen. Weiterhin versuchte man die „Soziale Kompetenz“ zu erfassen, die das Selbstkonzept der Befragten bezüglich ihrer sozial- kommunikativen Fähigkeiten entschlüsseln sollte, zu denen folgende Kategorien gehören: Kontakte aufnehmen, Perspektiven übernehmen, Zuhören, Erklären, Überzeugen, Organisieren. Letztendlich wollte man die vorwiegend „politisierenden“ Ansätze berücksichtigen, die Gewalt als Reaktion auf politische Enttäuschung und Ohnmacht bzw. als Bestandteil eines Rechtsextremismus- und Fremdenfeindlichkeitssyndrom ansehen (ebenda). Das System „Schule“ ist ebenfalls von Bedeutung bei der Frage nach der Entstehung von Gewaltbereitschaft. Wie sehen die schulische Motivation und die Schulleistungen der Schüler sowie das „Gewaltklima“ der Schule aus? Wichtig war, inwiefern die Jugendlichen schulisches Lernen, seine Inhalte und Organisationsformen als nützlich für die eigene Entwicklung und Lebensbewältigung empfinden. Diese Teilanalyse fasst die „Lehrerzufriedenheit“, den „Schulspaß“ und „Schulschwänzen“ ins Auge (ebenda).
Zusätzlich widmete man sich den sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen und dem Freizeitverhalten. Wie groß ist die Bedeutsamkeit von sexuellen Kontakten und Partnerschaft und Stärke 2 als vermutetes Attraktivitätskriterium? Man musste herausfiltern, was Jungen darüber denken, was Mädchen an Jungen als attraktiv erachten (ebenda).
Welche Rolle spielt die Gewaltakzeptanz im Gleichaltrigenkontext? Die Aussage „Gewalt findet die Mehrheit in der Gruppe nicht so schlimm.“ wurde erörtert (ebenda). Abschließend wurde die Zufriedenheit mit dem Freizeitangebot berücksichtigt (ebenda).
2 Stärke ist hier als Zurschaustellung von Kraft und Durchsetzungsvermögen als Renommierverhalten definiert.
Quote paper:
Simon Ratz, 2005, Adoleszenz - Gewalt bei Jugendlichen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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