Inhalt:
1. Zielsetzung
2. Die sprachliche Situation in Schweden
2.1 Überblick
2.2 Schweden als sprachlich homogenes Land bis ca. 1965
2.3 Vier Migrationsbewegungen nach Schweden
2.3.1 Arbeitsimmigration Mitte der 60er Jahre
2.3.2 Aufnahme von Flüchtlingen
2.3.3 Adoption von Kindern
2.3.4 Zuzug von Angehörigen
2.4 Geographische Verteilung und Altersstruktur
2.5 Herkunftsländer
2.6 Unterschiede sowohl zwischen als auch innerhalb der Einwanderergruppen
2.7 Interkulturelle Ehen
2.8 Bildungspolitik für Einwandererkinder
3. Das schwedische Schulsystem
3.1 Vorbemerkung
3.2 Allgemeines zur ungdomskola
3.3 Die grundskola
3.4 Die gymnasieskola
3.5 Politische Steuerung und Verwaltung
3.6 Finanzierung
4. Sprachunterricht in der ungdomsskola
4.1 Mutter , Zweit- und Fremdsprachen
4.2 Formen des Spracherwerbs
4.3 Muttersprachlicher Unterricht
4.3.1 Schwedisch
4.3.2 Hemspråk
4.3.2.1 Großer Bedarf an hemspråk-Unterricht
4.3.2.2 Hemspråk sind ca. 160 verschiedene Sprachen
4.3.2.3 Verschiedene Unterrichtsformen für Einwandererkinder
Rückblick
4.3.2.4 Hemspråk für die Mehrheit der Minderheiten
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Die vorliegende Arbeit handelt von den bilingualen und den Fremdsprachenkonzepten innerhalb der schwedischen Schule. Dabei werde ich mich besonders auf diejenigen Konzepte konzentrieren, die von dem in Deutschland Bekannten abweichen. Dies ist zum einen das hochgesteckte Ziel einer "aktiven Zweisprachigkeit" für Einwandererkinder, d.h. daß diese sowohl die Sprache ihres Herkunftslandes als auch Schwedisch auf muttersprachlichem Niveau erlernen sollen, zum anderen der verhältnismäßig frühe Unterrichtsbeginn in der obligatorischen ersten Fremdsprache Englisch.
In zwei vorbereitenden Abschnitten wird zuerst die allgemeine, gesellschaftliche Sprachsituation in Schweden kurz skizziert, danach folgen einige Erläuterungen zum schwedischen Schulsystem. Bei der Diskussion der verschiedenen Sprachunterrichte beschränke ich mich auf den Unterricht in der Primarschule. Der Deutlichkeit halber habe ich mich entschlossen, nach mutter- und fremdsprachlichem Unterricht zu unterscheiden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch über diese Grenze hinweg auf einer kritischen Überprüfung der Verwirklichung des Konzeptes der aktiven Zweisprachigkeit, sowohl im Hinblick auf den Unterricht in der Muttersprache als auch in der Zweitsprache Schwedisch.
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Schweden ist ein monolinguales Land insofern, als in der gesamten öffentlichen Sphäre die schwedische Sprache verwendet wird. Durch sowohl frühzeitigen und intensiven Schulunterricht als auch durch die starke Präsenz in den Medien, v.a. im Fernsehen, sind die Englischkenntnisse i.a. sehr gut. Weitere häufig beherrschte Fremdsprachen sind besonders Französisch und Deutsch, aber auch Spanisch und Russisch. Betont wird z.Zt. besonders die Notwendigkeit von Fremdsprachenkenntnissen im Hinblick auf eine künftige EG-Mitgliedschaft. Die Bedeutung internationaler Kontakte aller Art über den engen EG-Rahmen hinaus scheint darüber manchmal in Vergessenheit zu geraten.
Schweden verfügt neben dem Potential erlernter Fremdsprachen über etwa 160 (!) Sprachen, die von Einwanderergruppen oder den ansässigen Minderheiten auf Erstsprachniveau gesprochen werden.
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Von den etwa 8 Millionen Einwohnern Schwedens waren 1989 mehr als 758.000 Einwanderer, deren Muttersprache also eine andere als Schwedisch ist.
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Noch vor 30 Jahren, bis in die Mitte der 60er Jahre, ist das Land sprachlich gesehen außerordentlich homogen, weniger als 1% der Bevölkerung haben eine andere Muttersprache als Schwedisch. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um zwei Sprachminderheiten im Norden des Landes, zum einen um die finnische Bevölkerung im Tornedal an der Grenze zu Finnland, zum anderen um die Samen. Gegenüber beiden Minoritäten (ca. 30.000 Finnen und 15.000 -20.000 Samen) wird vom Schwedischen Staat zu dieser Zeit eine strikte Assimilationspolitik praktiziert. Da andere, vor Jahrhunderten eingewanderte Sprachgruppen wie z.B. (nieder)deutsche Hansekaufleute ab dem 12. Jh. 2 oder belgische Eisenarbeiter im 17. Jh. längst vollständig in der schwedischsprachigen Mehrheit aufgegangen sind, stellt sich das Land bis zu o.g. Zeitpunkt in der Tat nahezu völlig einsprachig dar. Andererseits begeben sich nur relativ wenige Schweden, vorübergehend oder für immer, außer Landes - abgesehen von den großen Auswanderungswellen in die USA im 19. Jh., wobei die Auswanderer jedoch nur in sehr beschränktem Umfang längerdauernde Kontakte mit ihrem Mutterland unterhalten. G. Tingbjörn resümiert: "As a result, we had very little experience of immigration and multilingual and multicultural societies in Sweden when immigration on a large scale began during the second half of the 1960s." 3
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Um 1965 also setzt eine signifikante Einwanderung nach Schweden ein, die bis heute andauert und die die schwedische Gesellschaft nachhaltig verändert hat. Es lassen sich vier Migrationbewegungen unterscheiden, die größtenteils parallel, wenn auch mit zeitlich wechselnder Bedeutung ablaufen.
1 vgl. Tingbjörn 1992a.
2 auf diese einflußreiche Gruppe geht der heute noch sichtbare deutliche deutsche Einfluß auf das Lexikon des Schwedischen zurück.
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Die Einwanderung in größerem Maßstab beginnt mit einer heftigen Arbeitsimmigration in der Mitte der 60er Jahre, v.a. aus Finnland, Jugoslawien, der Türkei, Italien und Griechenland. Schon 1967 wird diese Einwanderung per Gesetz begrenzt, lediglich Bürgern und Bürgerinnen der anderen nordischen Staaten (Dänemark, Norwegen, Finnland, Island) bleibt es gestattet, sich innerhalb des freien nordischen Arbeitsmarktes uneingeschränkt niederzulassen.
Diese Regelung hat ihre Gültigkeit bis heute.
$XIQDKPHYRQ)OFKWOLQJHQ Die Aufnahme von Flüchtlingen spielt eine wichtige Rolle im Rahmen der Immigration nach Schweden. Die Flüchtlingswellen sind auf das engste verknüpft mit den lebensbedrohenden Konflikten weltweit und mit der geographischen Entfernung zwischen dem Konfliktort und dem aufnehmenden Land Schweden, wobei das Kriterium der Entfernung in den letzten Jah-
ren immer weniger bedeutsam wird und somit zunehmend auch kleine Flüchtlingsgruppen aus entlegeneren Ländern nach Schweden gelangen. Natürlich werden schon vor 1965 in Schweden politische Flüchtlinge aufgenommen, es sind jedoch nur bestimmte kleinere Gruppen innerhalb bestimmter Zeiträume, weshalb hier noch nicht von einer die Gesellschaft verändernden Immigration gesprochen werden kann. So kommen während des Zweiten Weltkrieges Esten nach Schweden (Deutsche nur in sehr beschränktem Umfang) und nach 1956 Ungarn. Bereits in die Zeit nach der ersten großen Ein-wanderungswelle fällt die Aufnahme von Tschechen und Slowaken nach 1968. In den 70er Jahren sind es v.a. Flüchtlinge aus Lateinamerika, besonders aus Chile, die in Schweden aufgenommen werden, außerdem eine größere Anzahl an assyrischen Christen aus der Türkei wie auch Vietnamesen und andere Gruppen aus Fernost. Im letzten Jahrzehnt überwiegen Flüchtlinge aus dem Iran, Irak und Libanon und aus den afrikanischen Ländern Uganda, Somalia und Äthiopien. Aktuell kommen Flüchtlinge weiterhin aus dem Irak und aus Somalia sowie zum überwiegendsten Teil aus dem früheren Jugoslawien, v.a. aus Bosnien und dem
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gen Sowjetunion wird eine große Herausforderung gesehen. Diese Migrationsbewegung ist jedoch gerade erst am Beginnen.
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Jährlich werden etwa 2000 Kinder aus Ländern der sog. Dritten Welt von Schweden adoptiert, v.a. aus Indien, Sri Lanka und Kolumbien. Nicht alle Kinder kommen noch als Babies nach Schweden, etwa ein Viertel ist drei Jahre oder älter 4 , und manche Kinder haben sogar schon
die ersten Schuljahre in ihrem Mutterland absolviert.
=X]XJYRQ$QJHK|ULJHQ Der Zuzug von Angehörigen sowohl der "ersten Einwanderergeneration" aus den 60er Jahren als auch von Flüchtlingen stellt heute einen bedeutenden Einwanderungsfaktor dar. Eltern
sowie Ehepartner/in und Kinder unter 18 Jahren, zusammen die sog. Kernfamilie, sind zu-
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zugsberechtigt, bei anderen Angehörigen erfolgt eine Einzelfallprüfung. Die eingewanderten Minderheiten insgesamt verteilen sich geographisch keinesfalls gleich- mäßig über das ganze Land. Die Großzahl konzentriert sich v.a. in den und um die drei größten Städte Stockholm, Göteborg und Malmö, während im Norden nur wenige Einwanderer anzutreffen sind. Innerhalb der großstädtischen Bereiche wohnen jedoch überdurchschnittlich viele Einwanderer(familien) in Vororten bzw. Trabantenstädten, wo ihrerseits innerhalb der
schwedischen Bevölkerung speziell junge Familien mit Kindern deutlich unterrepräsentiert sind. Bezüglich der Altersstruktur zeigt sich, daß die Mehrzahl der Einwanderer aber genau zu die-
ser Gruppe der jungen Familien gehört. Die Anzahl an Personen im Rentenalter ist verschwindend gering.
4 Die Festsetzung des Alters von 3 Jahren als Grenze zwischen Erst- und Zweitspracherwerb ist in dieser Schärfe
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Dr. Klaus Geyer, 1993, Bilinguale und Fremdsprachenkonzepte in der schwedischen Schule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Ausarbeitung zum Referat "Hypothesen zum Zweitspracherwerb"
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