II
Inhaltsverzeichnis
Seite
Inhaltsverzeichnis. II
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abk ürzungs- und Symbolverzeichnis VI
1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen der Direktinvestitionen. 3
2.1 Begriffe und Klassifizierung 3
2.2 Grundlegende Theorien der Direktinvestitionen 6
2.2.1 Die erweiterte Außenhandelstheorien. 7
2.2.2 Standorttheorien 9
2.2.3 Industrieökonomische Theorien 10
2.2.4 Internalisierungstheorien. 12
2.2.5 Sonstige Theorien 13
2.2.6 Der eklektische Ansatz von Dunning 14
2.3 Motive für Direktinvestitionen 16
2.4 Formen des Markteintritts 18
3 Deutschland als Investorland. 20
3.1 Exportland Deutschland 20
3.2 Motive der deutschen Direktinvestitionen 23
3.3 Zielregionen und Branchen der Auslandsinvestitionen. 25
3.4 Staatliche Investitionsgarantien 26
4 Russland als Investitionsland. 27
4.1 Volkswirtschaftliches Kurzporträt. 27
4.2 Russland als Außenhandelspartner 30
4.3 Russland als Investitionsstandort 32
4.3.1 Notwendige Voraussetzungen für die Direktinvestitionen. 32
4.3.2 Investitionsklima in Russland 32
4.3.3 Motive für Direktinvestitionen in Russland 35
4.3.4 Verteilung der Investitionsvolumina 36
5 Investitionen der deutschen Unternehmen in die Russische Föderation. 38
5.1 Die Rolle deutscher Unternehmen unter den ausländischen
Investoren in Russland 39
5.2 Eintrittsformen der deutschen Unternehmen auf dem russischen
Markt 41
III
5.3 Interessenverteilung deutscher Unternehmen nach Gebieten und
Regionen 44
5.4 Branchenstruktur der deutschen Investitionen in Russland. 50
5.4.1 Handel. 50
5.4.2 Grundstoffindustrie. 53
5.4.3 Maschinenbau und Elektrotechnik 54
5.4.4 Kfz-Industrie 55
5.4.5 Chemische Industrie 57
5.4.6 Bauwirtschaft und Baustoffindustrie. 58
5.4.7 Zwischenfazit 61
6 Perspektiven wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und
Russland 62
Zusammenfassung. 68
Literaturverzeichnis 71
IV
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Exporte und Importe Deutschlands 1950-2004.............................. 21 Abbildung 2: Kapitalverkehr Deutschlands mit dem Ausland: Direktinvestitionen.
...................................................................................................................... 22 Abbildung 3: Verteilung der deutschen Investitionen nach Regionen ................ 25 Abbildung 4: Deutsche Direktinvestitionen in Russland, in Milliarden Euro . ...... 41 Abbildung 5: Föderale Verwaltungsbezirke......................................................... 46 Abbildung 6: Russische Regionen im Focus deutscher Unternehmen . ............. 49
V
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 1: Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung
in Model von Dunning . ................................................................................. 15 Tabelle 2: Entwicklung des russischen Außenhandels im Jahren 1998 - 2005. 31 Tabelle 3: Wichtige Kenngrößen der deutschen Unternehmen in Russischer
Föderation. ................................................................................................... 43 Tabelle 4: Die wichtigsten Aktivitäten der Firma KNAUF in Russland . .............. 60
VI
Abkürzungs- und Symbolverzeichnis
ADI ausländischen Direktinvestitionen AG Aktiengesellschaft AI Auslandsinvestitionen API ausländischen Portfolioinvestitionen AWG Außenwirtschaftsgesetz AWV Außenwirtschaftsverordnung BDI Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. BFAI Bundesagentur für Außenwirtschaft BIP Bruttoinlandsprodukt BMF Bundesministerium der Finanzen BMWi Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie bzw. beziehungsweise ca. circa DI Direktinvestitionen DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag EU Europäische Union F.B. Föderaler Bezirk FDI foreign direct investment GfW NRW Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Nordrhein-Westfalen GUS Gemeinschaft unabhängiger Staaten i.d.R. In der Regel IAS-16 International Accounting Standard 16 IMF International Monetary Fund (Internationaler Währungsfond) Kfz Kraftfahrzeug Lkw Lastkraftwagen M & A Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen) Mio. Million MOE Mittelosteuropäische Mrd. Milliarde OECD Organisation for Economic Co-operation and Development PKW Personenkraftwagen Rbl. Russische Rubel rd. rund RF Russische Föderation
VII
Rosstat Russische Statistikbehörde u.a. unter anderem UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development USD US-Dollar VDW Verband der Deutschen Wirtschaft Vgl. Vergleich WTO World Trade Organisation (Welthandelsorganisation) z.B. zum Beispiel
1
1 Einleitung
Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der führenden Exportnationen. Eine starke außenwirtschaftliche Verflechtung bedeutet aber auch hohe Abhängigkeit deutscher Unternehmen vom Export. Um die Marktanteile auf fremden Märkten zu sichern oder sogar die eigene Position auszubauen, engagieren sich die deutschen Unternehmen mittels Auslandsinvestitionen direkt vor Ort. 2004 investierten deutsche Unternehmen 41,26 Mrd. Euro im Ausland 1 . Ein kleiner Teil davon floss in die Russische Föderation. Der russische Markt lockt mit ca. 143,5 Millionen Konsumenten. Russland verfügt über reiche Rohstoffvorkommen, ein großes Potential an Forschungseinrichtungen und über hoch qualifizierte und relativ billige Arbeitskräfte sowie preiswerte Energieversorgung. Schrittweise wurde die russische Gesetzgebung dem westlichen Standard angenähert, damit der Gründung von hundertprozentigen Tochtergesellschaften ausländischer Investoren nichts mehr im Wege steht.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Ausmaß der Investitionstätigkeit der deutschen Unternehmen in der Russischen Föderation sowie die Gründe für die Direktinvestitionen zu untersuchen.
Am Anfang (Kapitel 2) wird der Begriff der Direktinvestitionen analysiert, indem zunächst eine Begriffsdefinition sowie eine Klassifikation von Direktinvestitionen vorgenommen werden. Nach einem Überblick über die Vielfalt von theoretischen Erklärungsansätzen für das Zustandekommen von Direktinvestitionen wird dieses Kapitel mit der Betrachtung der Motive der Direktinvestitionen und Formen des Markteintritts abgeschlossen.
Bevor im Einzelnen auf die Direktinvestitionen der deutschen Unternehmen in Russland eingegangen wird, soll die heutige Wirtschaftslage in beiden Ländern beschrieben werden. Im Folgenden werden Deutschland als Investorland (Kapitel 3) sowie Russland als Investitionsstandort (Kapitel 4) dargestellt.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf Kapitel 5, in welchem einführend die Rolle deutscher Unternehmen unter den ausländischen Investoren in Russland erörtert wird. Danach werden Eintrittsformen deutscher Unternehmen und deren Ver-
1 Vgl. Deutsche Bundesbank (2005a), S. 5.
2
teilung nach Gebiete und Regionen analysiert. Anschließend werden die Verteilung der Investitionsvolumina nach Wirtschaftssektoren sowie ausgewählte Beispiele von in Russland investierenden deutschen Unternehmen dargestellt.
Abschließend wird in Kapitel 6 ein Überblick über Perspektiven der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland vorgenommen. Die Zu- sammenfassung bildet den Abschluss.
3
2 Theoretische Grundlagen der Direktinvestitionen
Die Direktinvestitionen (im Folgenden DI) rückten in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die starke Zunahme der grenzüberschreitenden Direktinvestitionsströme und das Wachstum multinationaler Konzerne spielen insbesondere in der Diskussion über die Globalisierung der Weltwirtschaft und deren Folgen eine große Rolle.
Der Begriff Auslandsinvestitionen (im Folgenden AI) wird in der Volkswirtschaft anders als in der juristischen Auslegung verstanden. Während die Ökonomen vor allem die Transferströme und den Bestand von AI schätzen werden in den internationalen Investitionsverträgen schützenswerte Vermögens- und Eigentumswerte definiert. Im Folgenden wird die ökonomische Definition von DI dargestellt. Obwohl Daten über die Direktinvestitionen häufig für wissenschaftliche Untersuchungen und wirtschaftspolitische Debatten verwendet werden, scheint doch nicht immer klar zu sein, was sich hinter ihnen verbirgt und welche Aussagekraft die Zahlen besitzen 2 .
Als erstes soll der Begriff der ausländischen DI zur Verständnisförderung näher erklärt werden. DI werden als ein Indikator für das Ausmaß der Tätigkeit ausländischer Unternehmen in einem Land verwendet. Dieses Merkmal erlaubt auch verschiedene Länder im Hinblick auf Investitionsentscheidungen zu vergleichen 3 . Im Weiteren wird dargelegt aus welchen Motiven sich die Unternehmen zu dieser Form des Auslandsengagements entscheiden.
2.1 Begriffe und Klassifizierung
Eine international verbindliche Definition von ausländischen Direktinvestitionen (im Folgenden ADI) gibt es bisher nicht. Der Begriff der Direktinvestition wurde maßgeblich vom Internationalen Währungsfonds (IMF = International Monetary Fund) und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD = Organisation for Economic Cooperation and Development) geprägt.
2 Vgl. Jost (1999), S. 129.
3 Vgl. Krüger (2004), S. 12.
4
IMF und OECD bezeichnen als DI eine grenzüberschreitende Investition, bei der ein Investor das Ziel verfolgt, eine dauerhafte Beteiligung (lasting interest) an einem Unternehmen im Ausland aufzubauen. Eine dauerhafte Beteiligung, insbesondere durch die Bereitstellung von Kapital, Technologie, Marketingkonzepten und Managementwissen 4 , beinhaltet eine langfristige Beziehung zwischen dem Investor (direct investor) und dem Investitionsobjekt (direct investment enterprise) sowie einen nicht unerheblichen Einfluss des Investors auf die Leitung des Beteiligungsunternehmens 5 . Eine weitgehend identische Definition der Direktinvestitionen findet sich in der Rechtsgrundlage für die Erstellung der Zahlungsbilanz und des Auslandsvermögensstatus der Bundesrepublik Deutschland. Im Außenwirtschaftsgesetz 6 und der Außenwirtschaftsverordnung 7 gelten als Direktinvestitionen Anlagen von Vermögen in fremden Wirtschaftsgebieten zur Schaffung dauerhafter Wirtschaftsverbindungen.
Die Definition von ADI umfasst im Wesentlichen internationale Begriffe: another economy, lasting interest und influence sowie control. Ein entscheidendes Merkmall dabei ist eine Beteiligung am Eigenkapital. Eine Beteiligung wird dann als DI bezeichnet, wenn der Anteil an beteiligten Unternehmen eine bestimmte festgelegte Höhe überschreitet, so dass der Investor über die Kontrolle des Unternehmens verfügt. Ab einem Anteil von mindestens 10% gilt in der Regel eine Beteiligung eines ausländischen Unternehmens als DI 8 . Im Jahre 1999 wurde auch in Deutschland diese Grenze eingeführt. Allerdings bei den bestimmten Eigentümerkonstellationen ist eine effektive Kontrolle auch bei Beteilungen unter 10% möglich.
Ein weiteres entscheidendes Merkmall der DI ist die Absicht des Investors dauerhaft Einfluss auf die unternehmerische Tätigkeit auszuüben 9 . Sonst wird von ausländischen Portfolioinvestitionen (im Folgenden API) gesprochen, bei denen die kurzfristigen Renditeabsichten im Vordergrund stehen 10 . Zu API zählen typi-
4 Vgl.Jahrmann (1995), S. 61.
5 Vgl. IMF (1993), S. 86, UNCTAD (2000), S. 267.
6 Vgl. AWG, § 26, S. 12.
7 Vgl. AWV, § 56a., S. 38.
8 Vgl. IMF (1993), S. 86, UNCTAD (2000), S. 267.
9 Vgl. Krüger (2004), S. 14 f., Wagner / Kaiser (1995), S. 206, Plum (1995), S. 5 und Raizner (1993), S. 13.
10 Vgl. Arai (2002), S. 1.
5
scherweise Aktien, Anleihen, Schuldscheine und Derivate, sofern die zehnprozentige Schwellengrenze nicht überschritten wird. API können auch einen langfristigen Charakter haben. Bank- und Handelskredite sowie von Ausländern gehaltene Geldeinlagen und Bargeld werden nach der Empfehlung von IMF als „sonstige Investitionen“ ausgewiesen 11 .
Dieckheuer definiert Ziele der DI folgendermaßen: „Mit Direktinvestitionen verfolgt ein Investor das Ziel, durch eine Beteiligung maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik einer ausländischen Unternehmung zu gewinnen und auszuüben oder durch Gründung und Ausbau einer eigenen Unternehmung im Aus-land selbst unternehmerisch tätig zu werden“ 12 .
Je nach der Sichtweise aus der Investor- oder Empfängerperspektive werden die DI klassifiziert. Auf der Investorseite ist zwischen der horizontalen, der vertikalen und diagonalen DI zu unterscheiden 13 . Unter horizontalen DI versteht man Investitionen auf der gleichen Produktionsebene und dem gleichen relevanten Markt (z.B. die Investition eines deutschen Baustoffunternehmens in eine russische Gipsplattenfabrik). Unter vertikalen DI sind Investitionen in die vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen gemeint (z.B. die Übernahme einer russischen Gipsgrube durch einen deutschen Baustoffproduzenten). Diagonale DI sind Investitionen in für ein Unternehmen neue Marktsektoren 14 (z.B. die Übernahme eines Trinkwasserversorgers durch einen Energiekonzern).
Auf der Empfängerseite ist zwischen den importersetzenden, Exporterhöhenden und regierungsinitiierten DI zu unterscheiden. Die importersetzenden DI werden in die Produktionsstätte im Empfängerland getätigt. Durch die damit erzeugten Produkte werden bisherige Importe substituiert. Zusätzlich werden mögliche Handelshemmnisse (z. B. Schutzzölle) überwunden und die Transportkosten wesentlich gesenkt. Durch die exporterhöhenden DI werden Produktionsmengen eines Exportprodukts sowie seine Wettbewerbsfähigkeit erhöht, so dass das gesamte Exportvolumen des Empfängerlandes gesteigert werden kann. Die regierungsinitiierten DI dienen zum Abbau bestehender Zahlungsbilanzdefizite des
11 Vgl. IMF (1993), S. 95 ff.
12 Dieckheuer (2001), S. 362 ff.
13 Vgl. Pfaffermayr (1996), S. 32-60.
14 Vgl. Braun (1988), S. 19.
6
Empfängerlandes durch die dem Investor gewährten Steuersubventionen oder der Überlassung von Bauland oder Bodenschätzen 15 .
Außerdem ist zwischen den Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen im Inland (passive DI) und Direktinvestitionen inländischer Unternehmer im Ausland (aktive DI) zu unterscheiden. In dieser Arbeit wird die letztgenannte Form der Investitionsaktivitäten untersucht.
2.2 Grundlegende Theorien der Direktinvestitionen 16
Im Folgenden soll ein Überblick über die theoretischen Grundlagen der DI gegeben werden. Die Direktinvestitionstheorien werden in der wissenschaftlichen Literatur in erweiterte Außenhandelstheorien, Standorttheorien, industrieökonomische und Internalisierungstheorien gegliedert. Der gängige eklektische Ansatz von Dunning vervollständigt diese Darstellung.
Die Theorie der Direktinvestitionen ist an die Beantwortung zweier Fragen gerichtet, und zwar, warum ein ausländisches Unternehmen, welches sein Produkt auf den lokalen Markt einbringt, gegenüber einem inländischen Unternehmen einen komparativen Vorteil besitzt und ob es in diesem Land sein Tochterunternehmen errichten soll? Eine einheitliche Direktinvestitionstheorie wurde bis jetzt noch nicht entwickelt 17 . Es gibt eine fast unübersichtliche Vielzahl von Direktinvestiti-onstheorien. Oft bildeten sie sich aus anderen Theorien heraus. In den Theorien werden überwiegend folgende Aspekte der DI behandelt: die wechselseitige Beziehung zwischen DI und internationalem Handel, die Erklärung der Bestimmungsgründe von DI und die Auswahl unter gängigen Internationalisierungsformen. Erst Dunning ist es gelungen in seiner eklektischen Paradigma mehr als eine Partialanalyse zuliefern.
15 Vgl. Mossa (2002), S. 5.
16 Bei der Darstellung der Theorien wurde eine Auswahl getroffen, die für den weiteren Argumentationsgang von Bedeutung sind. Das bedeutet nicht, dass die weiteren Theorien nicht relevant sind.
17 Vgl. Schulte-Mattler (1988), S. 9.
7
2.2.1 Die erweiterte Außenhandelstheorien
Klassische und neoklassische Außenhandelstheorien basieren auf der Annahme der internationalen Immobilität der Faktoren. Dadurch werden DI implizit ausgeblendet. In der Weiterentwicklung des Heckscher-Ohlin-Theorems 18 wie die Kapital- oder Zinssatztheorie wurden wenigstens Erklärungsansätze für API in Betrachtung gezogen. Erst Hirsch und Corden ist es in ihren theoretischen Ansätzen gelungen, die DI explizit in die außenhandelstheoretischen Modellbetrachtungen einzubeziehen 19 .
Zinssatz- und Kapitaltheorie
In den 30er-Jahren wurde innerhalb der Außenhandelstheorie eine prinzipielle Modifikation des Heckscher-Ohlin-Theorems vorgenommen. Die Annahme der internationalen Immobilität des Kapitals wurde verworfen. DI sollen durch den Kapitaltransfer in die Länder mit einer hohen Kapitalverzinsung entstehen 20 . Die inländischen Renditen sind gleich den Opportunitätskosten der DI. Die erweiterte Zinssatztheorie betrachtet außer Renditedifferenzen und Transaktionskosten noch Wechselkurse und andere relevante Auslandsrisikofaktoren 21 .
Die Zinssatz- und Kapitaltheorie besitzt niedrige Aussagekraft, da sie die unternehmerischen Motive nur auf Gewinnmaximierung durch Ausnutzung von Renditedifferenzen reduzieren, was höchstens internationale Portfolioinvestitionen erklärt. In Beschreibung der ausländischen DI müssen nicht nur Bewegungen von Kapital sondern auch von anderen Faktoren wie Technologie, Marketing und Management einbezogen werden 22 .
Der Ansatz von Corden
Cordens Ansatz basiert auf folgenden Annahmen: Die Nachfragebedingungen nach den Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Wissen seien in allen Ländern gleich, wobei der Faktor Arbeit in Gegensatz zu zwei anderen Faktoren, völlig
18 Vgl. ECOCHRON (o. D.), o. S.
19 Vgl. Schulte-Mattler (1988), S. 29 ff.
20 Vgl. Stein (1991), S. 52 f., Stehn (1992), S. 18 f., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 25 f.
21 Vgl. Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 25, Stein (1991), S. 53.
22 Vgl. Stein (1991), S. 53 f., Stehn (1992), S. 20 ff., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 26.
8
immobil wäre. Die Produktionsfunktionen seien in allen Ländern identisch. Die Produktionsfunktionen besitzen die konstanten Skalenerträge und unterlägen zusammen mit den Faktorausstattungen keinen zeitlichen Veränderungen. Zölle, Steuern und Transportkosten seien für die Standortentscheidungen ohne Bedeutung 23 . So fügte Cordens Ansatz die DI dem neoklassischen Außenhandelsmodell bei.
Die konsequente Aufhebung der aufgezählten Prämissen sorgt für eine Annäherung an das reale internationale Wirtschaftsleben. Der Ansatz von Corden analysiert nur die länderspezifischen Standortfaktoren ohne Berücksichtigung von unternehmensspezifischen oder oligopolistischen Faktoren, und erklärt nicht wann und warum ein Unternehmen statt den Export eine DI tätigt 24 .
Der Ansatz von Hirsch
Auf der Suche nach den Entscheidungskriterien für die Internationalisierungsstrategien, Export oder DI, fügt Hirsch dem Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell weitere Annahmen zu. Zusätzlich zu Cordens Annahme der internationalen Kapitalmobilität betrachtet Hirsch firmenspezifische Wettbewerbsvorteile sowie Informations-, Kommunikations- und Transaktionskosten. Als firmenspezifische Vorteile ergeben sich aus den Aufwendungen des Unternehmens für Forschung, Entwicklung und Marketing die entsprechenden überlegenen Technologien und Marketing. Zusätzlich betrachtet Hirsch die Vertriebskosten in unterschiedlichen Fällen des Exportes oder der DI. Falls Kosten der DI (Produktionskosten im Ausland und Kontrollkostendifferenz) geringer als die Exportkosten (inländische Produktionskosten und Vertriebskostendifferenz) sind, wird sich ein Unternehmen statt für den Export für eine DI entscheiden.
Der Verdienst von Hirsch besteht in weiterem darin, dass seine Theorie durch eine Erweiterung auf Mehr-Produkt-Unternehmen die Komplementärbeziehungen zwischen Außenhandel und DI erklärt. So können DI die weiteren Exporte von Vorprodukten in das Gastland initiieren 25 .
23 Vgl. Stein (1991), S. 80 ff, Stehn, J. (1992), S. 49 f.
24 Vgl. Stein (1991), S. 82, Stehn (1992), S. 50 f., Efler (2005), S. 44.
25 Vgl. Stein (1991), S. 77 ff., Stehn (1992), S. 51 f., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 33 f.
9
Die Annahme von der Notwendigkeit firmenspezifischer Vorteile auf dem ausländischen Markt zeigt die größte Schwäche in Hirschs Ansatz. Damit wird nur die reine Kostenabwägung in Betrachtung gezogen und das Motiv des Unternehmens, DI zu tätigen, um auch den Markt des Herkunftslandes des Investors zu bedienen, außer Acht gelassen 26 .
2.2.2 Standorttheorien
Die Standorttheorien umfassen einen unfangreichen Katalog von Standortfaktoren, deren Bedeutung je nach Investitionstyp und Motiv des Investors unterschiedlich bewertet wird. So richten sich die kostenorientierten DI an Faktorkosten, während die absatzorientierten DI sich mehr nach dem Marktpotenzial des Investitionslandes richten. Die bedeutendste Theorie in dieser Gruppe ist die standortbedingte Wettbewerbsvorteilstheorie von Tesch.
Zitiert nach Tesch, sind Direktinvestitionen „… in der Regel vielmehr Ausdruck der Bestrebungen, standortbedingte Wettbewerbsnachteile, die durch Handelshemmnisse, durch häufig weitere Transportwege, durch Wechselkurseinflüsse, durch unterschiedliche Produktionsbedingungen usw. entstehen, zu vermeiden und die Wettbewerbsvorteile anderer Standorte zu erlangen“ 27 .
Tesch berücksichtigt auch eine Lizenzvergabe, falls andere Internationalisie-rungsformen aufgrund von Standortnachteilen nicht mehr vorteilhaft oder nicht möglich sind 28 . Im Weiteren beschäftigt sich Tesch ausführlich mit der Entwicklungsfähigkeit der Standortbedingungen und entwickelt dafür den Begriff der Produktivkraftentwicklung. Damit ordnet Tesch die Aufgaben der Bildung, Wissenschaft- und Infrastrukturentwicklung dem Staat zu 29 .
Als einen weiteren Innovativansatz bringt Tesch die Untersuchung der Standortspaltungen, die in der Aufteilung eines Unternehmens auf mehrere räumlich getrennte Betriebseinheiten bestehen, in die Direktinvestitionstheorie ein. Standort-
26 Vgl.Stein (1991), S. 80, Stehn (1992), S. 52 f., Efler (2005), S. 44 f.
27 Tesch (1980), S. 334.
28 Vgl. Tesch (1980), S. 328 ff., Stein (1991), S. 122 ff., Efler (2005), S. 45.
29 Vgl. Tesch (1980), S. 469 ff.
10
spaltungen setzen sich aus drei verschiedenen Produktionstypen zusammen. Parallele Produktion des gleichen Produkts wird aus Absatzgründen (Marktnähe) an verschiedenen Standorten vorgenommen. Substituierende Produktion eines Produkts wird aus Kostengründen im Ausland zum Zwecke des Reimports organisiert. Komplementäre Produktion ist schließlich eine Verteilung einzelner Teilprozesse an verschiedenen Standorten 30 .
Als Nachteil Teschs Theorie ist seine einseitige Betrachtungsweise der Beziehungen zwischen der Wahl der Internationalisierungsformen. Tesch konzentriert sich auf Substitutionseffekte und übersieht dabei in der heutigen Zeit wichtige Komplementärbeziehungen zwischen dem Export, der Lizenzvergabe und der DI 31 .
Aliber beschäftigt sich in seiner Währungsraumtheorie mit einem weiteren stand-ortbedingtem Wertbewerbsvorteil, der auf der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Währungsraum basiert. Demzufolge seien die Unternehmen in Hartwährungsländern gegenüber Unternehmen aus Weichwährungsländern im Vorteil. Auch diese Theorie ist monokausal und fügt nur einen weiteren kleinen Teil der allgemeinen Theorie der DI hinzu 32 .
2.2.3 Industrieökonomische Theorien
Im Unterschied zu den oben beschriebenen Theorien gehen industrieökonomische Theorien auf firmenspezifische Determinanten für DI ein. Industrieökonomie als ein Teilgebiet von Wettbewerbstheorie untersucht die Marktstruktur und das Marktverhalten. Als wichtigste Theorien dieser Gruppe werden die Theorie der internationalen Operationen (Theorie des monopolischen Vorteils) und die Theorie des oligopolistischen Reaktionsverhaltens beschrieben.
30 Vgl. Tesch (1980), S. 535 ff.
31 Vgl. Stein (1991), S. 127, Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 32 f..
32 Vgl. Stein (1991), S. 62 ff., Stehn (1992), S. 33 ff., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 26 f.
11
Theorie des monopolischen Vorteils von Hymer
Die Theorie der internationalen Operationen erklärt, warum sich multinationale Unternehmen auf internationalen Märkten durchsetzen können. Diese Theorie ist eng mit den Namen von Stephen H. Hymer (1960, 1976) 33 und Charles P. Kindleberger (1969) verbunden.
Hymer untersuchte, aus welchen Motiven Firmen international tätig sind, dabei standen DI im Zentrum seiner Analyse 34 . Hymer ging von der Annahme aus, dass hinsichtlich der Informationen über die Gesetzgebung, die Sprache, Politik und die Wettbewerbsstrukturen, ausländische Unternehmen auf fremden Märkten gegenüber inländischen Unternehmen zunächst benachteiligt sind. Zusätzlich tragen die ausländischen Unternehmen bei der Gewinnrückführung das Wechselkursrisiko und rechnen zudem mit dem Risiko diskriminierender politischer Entscheidungen 35 . Durch die Ausnutzung bestimmter firmenspezifischer Wettbe-werbsvorteile, wie überlegene Technologie, bessere Produktionsfunktionen und Vertriebssysteme, würde das Unternehmen die oben genannten Nachteile gegenüber inländischen Unternehmen kompensieren, sowie den Wettbewerb reduzieren 36 .
Als erster brach Hymer mit neoklassischer Annahme der vollkommenen Konkurrenz. Zu dem trennte Hymer der DI von API definitorisch klar ab und entwickelte dabei für die DI das Merkmal der Kontrolle der Unternehmenstätigkeit. Seine Bedeutung erlangte Theorie von Hymer hauptsächlich durch Einbeziehung der Wettbewerbsaspekte in die DI-Theorie 37 .
Kindleberger ging noch ein Stück weiter und bewies, dass unternehmensspezifische Vorteile in Verbindung mit Marktunvollkommenheiten den zur Internationalisierung notwendigen monopolistischen Vorteil schaffen, wenn sie grenzüberschreitend übertragbar sind 38 .
33 Es handelt sich um eine Dissertation aus dem Jahr 1960, die erst im Jahr 1976 veröffentlicht wurde.
34 Vgl. Hymer (1976), S. 22.
35 Vgl. Hymer (1976), S. 24, 34.
36 Vgl. Hymer (1976), S. 46.
37 Vgl. Elfer (2005), S. 48.
38 Vgl. Kummer / Schramm (2001), S. 12.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Ing., Dipl.-Wirt.-Ing. Alexander Gromov, 2006, Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Russland und Perspektiven wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, München, GRIN Verlag GmbH
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