Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Quellenkritik 3
2.1 Quellenbeschreibung 3
2.2 Äußere Quellenkritik 4
2.3 Innere Quellenkritik 5
3. Quelleninterpretation 7
3.1 Inhaltsangabe 7
3.2 Interpretation 8
4. Fazit 10
5. Anlage 12
6. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Diese Quellenkritik beschäftigt sich mit dem Aufruf „An mein Volk.“ von Friedrich Wilhelm III., König von Preußen.
Nach einer kurzen Quellenbeschreibung, kläre ich zunächst die Gegebenheiten von Ort, Zeit, Verfasser und Adressat. Es folgt die sachliche Aufschlüsselung, die Erklärung historischer Anspielungen in der Quelle. Diese führt dann zur Inhaltsangabe und einer anschließenden Interpretation des Aufrufs. Letztlich erfolgt im Fazit die Reflexion der gewonnenen Ergebnisse. Nach der Sichtung von Quelle und Literatur stellten sich Fragen, die ich mit Hilfe der Quellenkritik beantworten möchte. Ist diese Proklamation der Startschuss in eine bessere Zeit, der Beginn der Befreiungskriege? Ist es entweder die Befreiung des Volkes oder aber die des Königs vom Joch der napoleonischen Unterdrückung?
2. Quellenkritik
2.1 Quellenbeschreibung
Der Aufruf „An mein Volk.“ ist eine Primärquelle, die als Überrest einzustufen ist. Sie ist auf den 17. März 1813 datiert und erschien am Samstag, den 20. März 1813, sowohl als Flugblatt 1 als auch in der „Schlesisch privilegierten Zeitung“.
Diese Zeitung wurde 1742 erstmalig unter dem Namen „Schlesische privilegierte Staats- Kriegs- und Friedens-Zeitung“ in Breslau publiziert. 2 Ihr Herausgeber ist der Buchhändler Johann Jacob Korn. 3 Den Titel „Schlesische privilegierte Zeitung“ hatte das Blatt seit 1766. 4 Seit 1806 unter französischer Zensur stehend, beginnt die Zeitung, immer noch von der Familie Korn verlegt,
1 Spies, Hans Bernd (Hg.), Die Erhebung gegen Napoleon 1806-1814/15 (=Quellen zum
politischen Denken der Deutschen im 19. und 20. Jahrhundert Freiherr von Stein-
Gedächtnisausgabe, Bd. 2), Darmstadt 1981. S. 254.
2 Lindemann, Margot, Deutsche Presse bis 1815. Geschichte der deutschen Presse Teil I,
(=Abhandlungen und Materialien zur Publizistik, Bd. 5), Berlin 1969, S. 165.
3 Ebd.
4 Ebd., S. 166.
3
im Frühjahr 1813 Bekanntmachungen zur preußischen Rüstung zu drucken. 5 Sie erschien dreimal wöchentlich: Um 1800 in einer Auflage von 1200-1300 Exemplaren und 1845 in einer Stückzahl von 3000. 6 Besagte Ausgabe kann heute unter anderem in der Universitätsbibliothek Würzburg oder der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden eingesehen werden. Eine Kopie des, in Friedrich Meineckes Monographie „Das Zeitalter der deutschen Erhebung 1795 - 1815“ erschienen Faksimiles, befindet sich im Anhang.
2.2 Äußere Quellenkritik
Nach fast sechseinhalbjähriger Fremdherrschaft durch die Franzosen erscheint am 20. März 1813 der Aufruf „An mein Volk.“: vier Tage nach der preußischen Kriegserklärung an Frankreich.
Ort der Veröffentlichung ist Breslau. Zu dieser Zeit ist die schlesische Hauptstadt nicht nur Sitz der Schlesisch privilegierten Zeitung, sondern auch Residenz des Königs. Nach der Konvention von Tauroggen, und den damit einsetzenden geheimen Unterhandlungen mit Russland, befürchtet Preußen einen „französischen Handstreich“ 7 , worauf Friedrich Wilhelm III. sich entschließt nach Breslau zu verlegen, wo er am 25. Januar eintrifft. 8 Somit wurden die Worte an seine Untertanen sowohl in Breslau unterzeichnet, als auch verlegt.
Die Proklamation ist mit „Friedrich Wilhelm“, womit Friedrich Wilhelm III., König von Preußen gemeint ist, unterschrieben. Entworfen wurde es vom Staatsrat Theodor Gottlieb von Hippel, der von 1775 bis 1843 gelebt hat, und Neffe des gleichnamigen Schriftstellers ist. 9 Mit leichten Abänderungen von Staatskanzler Hardenberg und dem König wurde sie gedruckt.
5 Ebd.
6 Klawitter, Willy, Die Zeitungen und Zeitschriften Schlesiens. Von den Anfängen bis
zum Jahre 1840 bzw. bis zur Gegenwart (1930), (=Darstellungen und Quellen zur
Schlesischen Geschichte, Bd. 32), Aalen 1978, S. 25.
7 Mehring, Franz, 1813 bis 1819 Von Kalisch nach Karlsbad, Stuttgart 1913, S. 11.
8 Ebd.
9 Forstreuter, Kurt, s.v. Hippel, Theodor Gottlieb, in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S.
203. Vgl. auch Stamm-Kuhlmann, Thomas, König in Preußens großer Zeit. Friedrich
Wilhelm III. der Melancholiker auf dem Thron, Berlin 1992, S. 373.
4
Die Worte richten sich in erster Linie an das preußische Volk, wie die Überschrift und die Anrede „Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern, Litthauer!“ 10 , die alle Landstriche des preußischen Königreichs beinhaltet, zeigen.
Außerdem spricht er alle Deutschen an. Dies geschieht jedoch nur indirekt, indem er Formulierungen verwendet wie: „So wenig für Mein treues Volk, als für Deutsche (...).“ 11 , „(...) wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu seyn.“ 12 und „(...) weil ehrlos der Preuße und der Deutsche nicht zu leben vermag.“ 13 . .
2.3 Innere Quellenkritik
Bei der Schlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 „erlagen [die Preußen] unter der Uebermacht Frankreichs“ 14 . Am 27. Oktober wurde Berlin besetzt und am 9. Juli 1807 wurde der Frieden von Tilsit geschlossen. „Der Frieden, der die Hälfte Meiner Unterthanen Mir entriß (...)“ 15 , wie Friedrich Wilhelm III. sagt, bedeutet für Preußen den Gebietsverlust aller linkselbischen Gebiete, sowie derer, die durch die polnischen Teilungen 1772, 1793 und 1795 hinzugekommen waren. 16 Ebenso fordert das Friedenstraktat den Beitritt zur Kontinentalsperre: Das Verbot mit England zu handeln. 17 Des Weiteren verlangt Napoleon Entschädigungszahlungen von gut 154 Millionen Franken für die Aufhebung der Besetzung. 18 „Die Freiheit des Handels ward [somit] gehemmt (...).“ 19 und „die Hauptfestungen blieben vom Feinde besetzt (...).“ 20 , da man diese Summe vorerst nicht zahlen konnte. Während der gesamten Zeit von 1807 bis 1813 ist Napoleon kein zuverlässiger Verhandlungspartner, da der Strom an Forderungen nach Geld und Truppen nicht abreißt und sich die
10 Friedrich Wilhelm III., An mein Volk, in: Schlesische privilegirte Zeitung 34 (1813), S. 1.
11 Ebd.
12 Ebd., S. 2.
13 Ebd.
14 Ebd., S. 1.
15 Ebd.
16 Mehring, Franz, 1807 bis 1812 Von Tilsit nach Tauroggen, Stuttgart 1913, S. 14.
17 Klöden, Karl Friedrich von, Lebens= und Regierungsgeschichte Friedrich Wilhelm des
Dritten Königs von Preußen, Berlin 1840, S. 121.
18 Ebd., S. 125. Vgl. auch Mehring, Tilsit, S. 43 ff.
19 Friedrich Wilhelm III., Volk, S. 1
20 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Daniel Hitzing, 2006, Quellenkritik zu "An mein Volk" von Friedrich Wilhelm III., München, GRIN Verlag GmbH
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