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• Einleitung
• Geschichtlicher Hintergrund zur Entstehungszeit • Kulturelle Voraussetzungen zur Entstehungszeit • Historischer und biographischer Hintergrund des Lustspiels • Das Ehrprinzip
• Die unterschiedlichen Auffassungen der beiden Protagonisten • Der Geschlechterkampf • Resümee
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Ehre, was ist Ehre? Gibt es heutzutage noch Ehre? Würde ein Mann seiner Geliebten das „Ja-Wort“ verweigern, nur weil er momentan finanziell und gesellschaftlich minder bemittelt ist? Eine Frage, die in der Gegenwart wohl kaum noch auftaucht, doch zu Lessings Zeit hatte die Ehre noch eine ganz andere Bedeutung.
In dieser wissenschaftlichen Analyse soll der Verblendung Tellheims durch das von Minna so schön bezeichnete „Gespenst der Ehre“ auf den Grund gegangen werden. Damit man den Ehrekonflikt in Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ oder „Das Soldatenglück“ und seine Wirkung überhaupt begreifen kann, erfolgt zunächst die Darstellung des historischen Kontextes. Um später in die genaue Analyse des Ehrbegriffs einzusteigen, sind die kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen (in Deutschland entsteht ein neues bürgerliches Bewusstsein) zur Entstehungszeit (1763-1767) eine wichtige Verständnisgrundlage. Neben den kulturellen Voraussetzungen ist der historische und biographische Kontext der „Minna von Barnhelm“ natürlich unerlässlich, denn ohne Lessings Anstellung als Gouvernement-Sekretär beim General von Tauentzien, hätte es eine „Minna von Barnhelm“ wohl nie gegeben. Nach der Aufdeckung des biographischen, historischen und kulturellen Hintergrundes erfolgt die Analyse des zeitgenössischen Ehrprinzip und der Ehrauffassung der beiden Protagonisten. Gerade in diesem Zusammenhang wird ersichtlich, wie unterschiedlich die Ehrauffassungen von Mann und Frau in Lessings Lustspiel und somit auch im 18.Jahrhundert sind. Sie reichen bis hin zum Geschlechterkampf, den auch Minna und Tellheim austragen müssen.
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Deutschland erholt sich langsam von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Preußen tritt in die Reihe der die Politik Europas bestimmenden Mächte ein. Friedrich II., der Große (1740-1786) erkämpft im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) Preußen einen ebenbürtigen Platz neben dem Österreich Maria Theresias und fördert durch seine Persönlichkeit in ganz Deutschland das Entstehen eines nationalen Bewusstseins.
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Am Ende des 17. Jahrhunderts entsteht, zunächst in Frankreich und England, die geistige Bewegung der Aufklärung, die das Leben in Staat, Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft mit Hilfe der natürlichen Vernunft und des gesunden Menschenverstandes neu begründen will. Von beiden Seiten wird das deutsche Geistesleben entscheidend beeinflusst.
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Die Zeit des Aufgeklärten Absolutismus, die man etwa ab Mitte des 18.Jahrhunderts datiert, gilt als Zeit der Reformen auf fast allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens.
Sie ging vom französischen Rationalismus und vom englischen Empirismus aus. Die Gedanken der Aufklärung werden durch das aufblühende Zeitschriften- und Zeitungswesen in weite Kreise verbreitet und fördern im Bürgertum eine freiere, selbstbewusste Haltung, die sich im zunehmenden Protest gegen absolutistische Willkür äußert. Auch Gotthold Ephraim Lessing überwindet durch die Kraft seiner dynamischen Persönlichkeit die Einseitigkeit des Rationalismus. Durch seine Kritik (Briefe die neueste Literatur betreffend, Lakoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie, Hamburgische Dramaturgie) und seine Dramen (Minna von Barnhelm, Emilia Galotti, Nathan der Weise) kämpft er für die Erneuerung der deutschen Dichtung aus dem Geiste der Humanität.
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Die Handlung des ersten großen Lustspiels, Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück (1767) beruht auf den Ereignissen aus der damaligen Gegenwart. Goethe nannte es die „ wahrste Ausgeburt des Siebenjährigen Krieges von vollkommenem norddeutschem Nationalgehalt“ . Diese Beziehung auf eine aktuelle Wirklichkeit war etwas völlig Neues und Gewagtes. Die Realitätsnähe unterstreicht Lessing bereits auf dem Titelblatt, indem er den Vermerk hinzufügt: „ Verfertigt im Jahre 1763“ . 1763 ist das Jahr des Hubertusburger Friedens (geschlossen am 15.Februar), der zeitgeschichtliche Hintergrund des Stückes ist der Siebenjährige Krieg, der biographische der Breslauer Lebensabschnitt: Lessing hat 1760 bis 1764 das Amt eines Gouvernements-Sekretärs beim General von Tauentzien inne, er beobachtet die Kriegsereignisse aus der Nähe, kommt in Kontakt mit der „ Politik der Großen“ , hat geselligen Umgang mit Offizieren. Hätte Lessing diesen Posten nicht angenommen, ist zu zweifeln, ob wir von ihm eine Minna von Barnhelm hätten. So auch eine zeitgenössische Aussage seines Bruders Karl.
Lessing erfindet die Handlung seines Lustspiels so, dass zwei historische Ereignisse stofflich verarbeitet erscheinen, die jeweils den Beginn und das Ende des Krieges markieren. Der Beginn: Am 29.August marschieren preußische Truppen in Sachsen ein, das mit Österreich verbündet ist. Sachsen bleibt bis zum Friedensschluss in preußischer Hand. (Minna lernt Tellheim als Offizier der „ Besatzungsarmee“ kennen.) Das Ende: Lessing erlebt mit, welches Schicksal die Auflösung der sogenannten „ Freibataillone“ (Regimenter mit Freiwilligen aus nicht-preußischen Staaten) für manche Soldaten und Offiziere bedeutet., Friedrich II. hatte die
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Arbeit zitieren:
Nina van Gemmern, 2002, Das Ehrprinzip in Lessings Minna von Barnhelm, München, GRIN Verlag GmbH
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