Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Begriff des Willens 4
3. Identität von Leib und Wille 5
4. Kritik 6
5. Schluss 9
2
1. Einleitung
Im zweiten Buch seines Werkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“ betrachtet Arthur Schopenhauer die Vorstellung nicht mehr auf abstrakte Weise, wie er es im ersten Buch getan hat, sondern untersucht sie auf ihren Inhalt, versucht die Bedeutung der Vorstellung, der Objekte, zu verstehen. Dieser Frage versucht er mit Hilfe der Mathematik und der Naturwissenschaften auf den Grund zu gehen. Das Problem hierbei ist allerdings, dass diese Wissenschaften immer nur Relationen zwischen Objekten angeben können. Sie können niemals die wirkliche Bedeutung der Objekte aufzeigen. Durch Beobachtungen können also Gesetzmäßigkeiten erkannt werden, jedoch der Grund für diese Gesetzmäßigkeiten bleibt verborgen, da der Mensch diesen Objekten nur gegenübersteht, ihr inneres Wesen also nicht begreifen kann. Nun ist jedem Menschen aber ein Objekt gegeben, dem er nicht bloß gegenübersteht, sondern mit dem er verbunden ist: das unmittelbare Objekt, der Leib. Dadurch ist der Mensch Teil dieser Welt als Vorstellung, betrachtet sie nicht nur von außen, sondern „wurzelt […] in jener Welt“ (S.156/157 1 ). Das erkennende Subjekt und der Leib bilden gemeinsam das Individuum. Dadurch besteht für den Menschen die Möglichkeit, sich die Bedeutung von Objekten zu erschließen, indem das Individuum die Bedeutung des eigenen Leibes enträtselt. Und dies zu tun ist er imstande aufgrund des Willens, der ihm „den Schlüssel zu seiner eigenen Erscheinung“ (S. 157) gibt. Dieser Wille drückt sich aus in jeder Bewegung des Individuums, die Bewegungen des Leibes sind der so genannte objektivierte, in Erscheinung getretene Wille.
Schopenhauer erklärt im Zweiten Buch, dass also nicht nur jede Bewegung des Leibes, sondern der ganze Leib selbst nichts anderes sei als objektivierter Wille. Daher verwendet er statt des Begriffs des unmittelbaren Objekts in diesem Buch den Begriff Objektität des Willens. Er behauptet weiter, dass nun auch die „auf bloße Reize erfolgenden, unwillkürlichen“ Bewegungen des Leibes als objektivierter Wille anzusehen seien. Dies erscheint auf den ersten Blick sehr fragwürdig, da dies ja keine Bewegungen sind, von denen ein Mensch sagen würde, dass er sie wirklich will, sondern dass sie einfach geschehen. Des Weiteren schließt er im Folgenden einige Eindrücke auf den Leib aus diesen Affektionen des Willens aus: Die rein objektiven Sinne, also Hören, Tasten, Sehen, seien unter bestimmten Umständen, auf welche ich später eingehen möchte, als reine Vorstellung zu betrachten. Wie kommt Schopenhauer zu diesen Aussagen? Wenn er begründen kann, dass auch alle Reflexe Akte des Willens sind, wie schließt er dann die genannten Affektionen der rein objektiven
1 Alle Seitenzahlen beziehen sich auf: Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Frankfurt am Main:
Inselverlag 2003.
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Sinne aus? Und wo liegt genau die Grenze zwischen Affektion der objektiven Sinne und Affektion des Willens? Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich im Folgenden zunächst die Definition des Begriffs „Wille“ nach Schopenhauer erläutern. Auf dieser Grundlage möchte ich die notwendigen Folgerungen schließen und somit zeigen, dass Schopenhauers Argumentation meiner Meinung nach einige Mängel aufweist. Ich behaupte, dass er seine eigene dem Werk zugrunde liegende Theorie nicht konsequent verfolgt, indem er einige Eindrücke auf den Leib aus den Einwirkungen auf den Willen ausnimmt und als bloße Vorstellungen betrachtet.
2. Der Begriff des Willens
Der Begriff des Willens, wie Schopenhauer ihn versteht, muss deutlich abgegrenzt werden von dem allgemeinen Verständnis des Begriffes. Im historischen Wörterbuch der Philosophie 2 wird der Wille definiert als die „Fähigkeit eines Akteurs, sich überlegtermaßen Ziele zu setzen und diese planmäßig zu verfolgen.“ Hierbei sind drei Teilaspekte des Willens zu erkennen: rationales Streben, Dezisionsvermögen und psychisches Antriebspotential. Schopenhauer verwendet den Begriff jedoch in einer völlig anderen Art und Weise. Er bezeichnet als den Willen das, was uns den Leib von innen erkennen lässt. Der Wille ist das Ding an sich, die Verbindung des erkennenden Subjekts mit dem unmittelbaren Objekt. Diese Verbindung gibt uns, wenn wir sie betrachten, die Möglichkeit, Rückschlüsse zu ziehen auf die Bedeutung auch der mittelbaren Objekte.
Die Akte des Willens und die Aktionen des Leibes sind eben nicht zwei Dinge, sondern ein und dasselbe, nur von einem anderen Standpunkt betrachtet: schauen wir auf das Subjekt, bezeichnen wir den Akt als Willensakt, in Bezug auf das unmittelbare Objekt wird der gleiche Vorgang Aktion des Leibes genannt. Schopenhauer bezeichnet die Aktion des Leibes dementsprechend als den „objektivierten“ oder „in Erscheinung getretenen Akt des Willens“ (S.158).
Der Einwand, man könne doch auch etwas wollen, bevor man dies tatsächlich durchführt, stützt sich eben auf eine andere Definition des Begriffes „Wille“: diese Beschlüsse, etwas zu einem späteren Zeitpunkt zu tun, sind nach Schopenhauer nur Überlegungen, erst der tatsächliche Akt ist auch der Wille. Denn diese Überlegungen könnten stets revidiert werden,
2 Ritter/Gründer/Gabriel: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 12: Basel 2004
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Arbeit zitieren:
Silke Eckerleben, 2006, Schopenhauer, Affektionen des Willens und des Leibes, München, GRIN Verlag GmbH
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