Das Schreiben als Methode des interkulturellen Lernens ist in vielerlei Hinsicht noch ein weitgehend unerforschtes Feld.
„Writing Across Culture“ von K. Wagner und T. Magistrale ist das erste bekannte Werk, dass sich speziell mit dem Schreibprozess im Zusammenhang mit dem interkulturellen Lernen und der Bewältigung des Kulturschocks befasst. Nichts desto weniger oder vielleicht gerade aus diesem Grund, handelt es sich um ein sehr interessantes Thema, dass ansatzweise bereits in die unterschiedlichsten wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Disziplinen Einzug gefunden hat.
Um dem interdisziplinären Charakter dieser Methode des interkulturellen Lernens gerecht zu werden, wurden auch in dieser Arbeit Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen herangezogen. So wurden Beiträge aus der Linguistik und Germanistik zum Thema Schreibprozessforschung und Textproduktion herangezogen, wie auch Aufsätze zur Psychologie des Tagebuchschreibens und des Journalschreibens. „Expressives Schreiben“ und „Writing Across the Curriculum“ sind Ansätze, auf denen das Buch von Wagner und Magistrale basiert und sollen deshalb nicht vernachlässigt werden. Der Prozess des Kulturschocks und die Theorien zur Erklärung einer fremden Kultur gehören zum Kerngebiet der IKK und bilden an vielen Stellen die Basis der Überlegungen.
Nachdem zu Beginn die wissenschaftlichen Grundlagen für die Anwendung der Methode des Schreibens für das interkulturelle Lernen erörtert werden, wird im zweiten Teil der Arbeit ein praxisorientiertes Konzept entwickelt, wie sich die Methode des Schreibens in einen interkulturellen Workshop integrieren lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schreiben als Methode des interkulturellen Lernens
2.1. (Interkulturelles) Lernen durch Schreiben
2.2. Das Schreiben als „Coping“- Strategie gegen den Kulturschock
2.3. Schreiben, aber wie ? Typologien des Schreibens
2.3.1. Expressives Schreiben – „Etwas persönlich Bedeutsames mitteilen.“
2.3.2. Transaktionales Schreiben
2.3.3. Vom persönlichen zum öffentlichen Schreiben: „Analytical writing“
2.4. Die Form des analytischen Notizbuchs
3. Einbindung des „Kulturtagebuchs“ in ein interkulturelles Training für Studierende
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Schreiben als methodisches Instrument für interkulturelles Lernen, insbesondere zur Bewältigung des Kulturschocks während eines Auslandsaufenthalts. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie durch ein strukturiertes „Kulturtagebuch“ oder analytisches Notizbuch kognitive Erkenntnisse über fremde Kulturen mit emotionalen Erfahrungen verbunden und durch den Trainer moderiert werden können, um den interkulturellen Lernerfolg zu fördern.
- Schreibprozessforschung und ihre Relevanz für das interkulturelle Lernen
- Integration von Coping-Strategien zur Bewältigung des Kulturschocks
- Typologien des Schreibens: Expressives versus transaktionales Schreiben
- Didaktische Konzepte für interkulturelle Trainings
- Rolle des Trainers als Vermittler und Moderator
Auszug aus dem Buch
2.1. (Interkulturelles) Lernen durch Schreiben
Um das Konzept des (interkulturellen) Lernens durch die Methode des Schreibens zu verdeutlichen, werden in einem kurzen Umriss die Grundlagen der Schreibprozessforschung dargestellt.
Das Schreiben im universitären und schulischen Kontext wird heute noch immer primär als Reproduktion von Wissen verstanden. Seit den 80er Jahren setzten sich aber vornehmlich in den USA zunehmend prozessorientierte Theorien zur Schreibforschung durch, die die Wissensaneignung und -erweiterung als wichtigen Bestandteil des Schreibprozesses sehen. Wenn in der früheren Schreibforschung das „Endprodukt“, also der geschriebene Text im Mittelpunkt stand, war im neuen Ansatz der Schreibprozessforschung besonderes Augenmerk auf den Prozess des Lernens während des Schreibens und auf das „Subjekt der Schreibhandlung“, also auf den Schreibenden gerichtet.
In der Literatur einhellig als das am meisten beachtete Modell der prozessorientierten Schreibdidaktik beschrieben, ist das Modell von Linda Flower und J.R. Hayes. In einem sequenziellen Modell (setzt sich aus verschieden Sequenzen zusammen) differenzieren sie verschiedene Prozesse im Schreibverlauf: „Prozess des Planens (planning), Prozess des Formulierens (translating) und Prozess des Überarbeitens (reviewing). Der Schreibprozess wird durch eine ‚Kontroll- und Steuerungsinstanz“ – dem sogenannten ‚Monitor’ reguliert.“ Eine Weiterentwicklung dieses Modells stellt die Untersuchung von Janet Emig da. Sie stellt den Schreibverlauf als einen zirkulären anstatt eines linearen Verlaufes da, auf dem die Phasen auf verschiedenen Ebenen (Gedanklichkeit, Gefühl, Mündlichkeit und Schriftlichkeit) durchlaufen werden und sich wiederholen. In Ihrem Modell sind folgende Phasen, Bestandteile des Schreibprozesses: Planen, Zweifeln, Entwerfen, Inspirieren, Überdenken, Überarbeiten, Verwerfen, Planen etc..
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Schreibens für interkulturelles Lernen ein und skizziert die methodische Basis der Arbeit.
2. Schreiben als Methode des interkulturellen Lernens: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Schreibens als Prozess und dessen Nutzen für die Bewältigung interkultureller Erfahrungen.
3. Einbindung des „Kulturtagebuchs“ in ein interkulturelles Training für Studierende: Hier wird ein praxisorientiertes Konzept entwickelt, wie die Methode in ein interkulturelles Training integriert werden kann.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Der Autor resümiert die Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung der Vernetzung von Schreibdidaktik und Interkultureller Kommunikation.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Lernen, Kulturschock, Schreiben, Schreibprozessforschung, Analytisches Notizbuch, Kulturtagebuch, Expressives Schreiben, Transaktionales Schreiben, Analytical writing, Interkulturelle Kommunikation, Bewältigungsstrategien, Coping Strategies, Fremdkultur, Studierende, Interkulturelles Training
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial des Schreibens als methodisches Werkzeug, um den Prozess des interkulturellen Lernens und die Bewältigung eines Kulturschocks während eines Auslandsaufenthalts gezielt zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Schreibprozessforschung, die psychologischen Aspekte des Kulturschocks, die Unterscheidung zwischen expressivem und transaktionalem Schreiben sowie die praktische didaktische Einbindung in interkulturelle Trainings.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Nutzen des Schreibens (insbesondere des analytischen Notizbuchs) für die kognitive und emotionale Verarbeitung von interkulturellen Erfahrungen darzulegen und Wege für die Implementierung in die Ausbildung von Studierenden aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse interdisziplinärer Ansätze aus der Schreibdidaktik, Psychologie (Schreibtherapie) und Interkulturellen Kommunikation, die in ein didaktisches Konzept überführt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung des Lernens durch Schreiben, der Typologie des Schreibens nach Britton, der spezifischen Form des analytischen Notizbuchs und der praktischen Rolle des Trainers bei der Betreuung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interkulturelles Lernen, Kulturschock, Analytisches Notizbuch, Schreibprozess und Bewältigungsstrategien charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das analytische Notizbuch vom Tagebuch?
Während ein privates Tagebuch primär der Dokumentation von Erlebnissen dient, zielt das analytische Notizbuch auf eine kritische Reflexion, Interpretation und die Verknüpfung persönlicher Erfahrungen mit theoretischem Wissen ab.
Welche Rolle nimmt der Trainer bei dieser Methode ein?
Der Trainer fungiert als Moderator und Begleiter des Schreibprozesses, der durch konstruktives Feedback die Reflexionsfähigkeit der Studierenden stärkt und sie bei der kulturellen Interpretation ihrer Erfahrungen unterstützt.
Warum ist eine Trennung in "privates" und "öffentliches" Schreiben sinnvoll?
Das private Schreiben schafft einen geschützten Raum zur Exploration eigener Gedanken, während die spätere Überführung in ein öffentliches (analytisches) Format dazu zwingt, die Erkenntnisse zu objektivieren und zu strukturieren.
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- Susanne Dietrich (Author), 2005, Schreiben als Methode des interkulturellen Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64922