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Bereits Goethe beschrieb die Spannung des Lebensabschnitts zwi- schen„Kind sein“ und „Erwachsen sein“ und wünschte sich in diese Zeit zurück. Gemeint ist die Zeit, in der ein Mensch versucht, einen generationsspezifischen Lebensstil zu entwickeln, um individuelle Verhaltensweisen und Ausdrucksformen und spezielle Werte und Normen zu entwickeln und sich somit von der „Erwachsenenwelt“, auch von der restlichen Gesellschaft, zu unterscheiden. „Ein subkultureller Stil drückt sich nicht nur symbolisch als Selbstverständnis der stilbildenden Gruppe aus, er lässt sich auch als eine chiffrierte Ausdrucksform von Klassenbewusstsein und als eine symbolische Kritik an der herrschenden Ordnung ‚lesen‘.“ 2 Aus Untersuchungen und ihren Auswertungen ergibt die Situation der Jugendlichen, dass sie die Prinzipien und Vorstellungen eines Erwachsenenanspruchs verkörpern müssen, andererseits gibt und gab es immer Gruppierungen, die sich diesem Einfluss entzogen haben und eigenständig und unabhängig von Erwachsenennormen
1 Aus: PUNTSCH, E. (1997): Das große Handbuch der Zitate, Berlin, S. 166.
2 Zitiert nach R. Lindner in: CLARKE, J. u.a. (1979): Jugendkultur als Wider- stand. Milieus, Rituale, Provokationen, Frankfurt am Main, S. 11.
handelten (z. B. die Wandervogelbewegung und die folgenden Or-ganisationsformen und heute die Hip Hop-Bewegung, die Chaostage oder die Loveparade).
Der Ursprung war zunächst eine eigenständige Jugendkultur, die jedoch dann teilweise ihre Unabhängigkeit verlor, wenn Erwachsene sie in kommerzielle Strukturen einpassten und daraus eine Kontrollfunktion ableiteten. Jürgen Reulecke (1986) 3 geht sogar soweit, dass Jugend als eigenständige Kultur gar nicht existiert, sondern von Erwachsenen bzw. der Gesellschaft inhaltlich bestimmt wird. John R. Gillis (1974) 4 stellte jedoch zwölf Jahre vorher die These auf, dass „ Jugend“ eine eigenständige Kultur mit einem ihr immanenten Bewusstsein ist und somit ihre eigene Geschichte macht. Um dem Phänomen „ Jugend“ auf die Spur zu kommen, sollen weitere Autoren zu Wort kommen.
In dem ersten Teil der folgenden Diskussion um die Identitätsprägung der Jugend, soll mit Hilfe eines geschichtlichen Überblicks, auf die Entwicklung der Jugendkulturen seit den 50er Jahren eingegangen werden. Dabei werden verschiedenen Sichtweisen unterschiedlicher Autoren betrachtet, die sich zu diesem Thema geäußert haben.
In einem Exkurs soll die Rolle der Medien dargestellt werden, die oftmals entscheidend die Inhalte der Jugendkulturen bestimmten und bestimmen.
In der verwendeten Literatur wurden meist die Begriffe „ Jugendkultur“ und „ Subkultur“ synonym verwendet. Diesem Gebrauch möchte ich mich im Nachfolgendem anschließen.
3 REULECKE, J.: Jugendprotest - ein Kennzeichen des 20. Jahrhunderts? In: DOWE, D. (Hrsg.) (1986): Jugendprotest und Generationskonflikt in Europa im 20. Jahrhundert, Braunschweig, Bonn.
4 GILLIS, J. R. (1974): Youth and History, New York, London.
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Die Situation der Jugendlichen während der Hitlerdiktatur war weitgehend fremd bestimmt. Nicht die nur Jugendorganisationen des Regimes, sondern auch die paramilitärischen Einrichtungen ließen so etwas wie eine eigenständige Jugendkultur in keinster Weise aufkommen.
Die steigende Produktivität nach dem 2.Weltkrieg und der beginnende Wohlstand in der Bundesrepublik in den 50er Jahren, führte dazu, dass „ sich mehr oder minder von den Mustern der umgreifenden Gesamtkultur abweichenden Gesellungen Jugendlicher ohne Erwachsenendominanz von unterschiedlicher Intensität - von der latenten Subkultur bis hin zu delinquenten oder rebellierenden Gruppierungen oder zum Versuch der bewussten Konstituierung einer radikalen ` Gegenkultur´ unter Verneinung der herrschenden Werte und Normen der Gesellschaft“ bildeten. 5 Die deutsche Jugend - die bislang nicht als eigene Generation wahrgenommen und akzeptiert wurde - entwickelte sich zu einer autonomen Teilkultur, die sich aus Gleichaltrigen zusammensetzte und die Definition LK UHU Werte, Haltungen, Sitten und Normen vornahm.
Der immer stärker anwachsende Generationskonflikt zwischen Heranwachsenden und Erwachsenden bewirkte, dass die Jugendlichen sich zunehmend in altershomogenen Gruppierungen („ peer groups“ ) trafen, die sie als Stabilisierungs- und vor allem Orientie-rungsfaktor ansahen und damit ihre Abgrenzung von den Erwachsenen ausdrückten. „ Die Gruppe scheint heute die entscheidende Sozialform zu sein, die Bedürfnisse nach Kontakt und Nähe, Orientierung und Einheitlichkeit, Spannung und Dynamik in gleicher Weise befriedigt“ 6 und „ das verletzliche Ich der einzelnen Jugendlichen mit einem schützenden Mantel umgibt“ 7 . Dadurch erfuhren
5 Zitiert nach G. Wurzbacher & H. Grau in: CREMER, G. (1984): Jugendliche Subkulturen, München, S. 12.
6 Zitiert nach D. Baacke in: ebenda, S. 13.
7 Zitiert nach J. Zinnecker in: ebenda, S. 25
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Arbeit zitieren:
Gesa Mann, 2001, Wer macht Jugendkulturen? Eine Diskussion um die Identitätsprägung der Jugend, München, GRIN Verlag GmbH
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