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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Darstellung von Bewusstseinszuständen und deren Bedeutung für eine Interpretation der
Novelle 4
2.1 Triumphale Stimmung beim Ritt durch Mailand 4
2.2 Begegnung mit der Vuic und Durst nach unerwartetem Erwerb 5
2.3 Aufgeregte Einbildung beim Ritt durchs Dorf 9
2.4 Die Erbeutung des Eisenschimmels und die symbolische Befriedigung 12
2.5 Zorn, Befehlsverweigerung und das Ende 13
3 Schlussbemerkung 16
4 Literaturverzeichnis 18
Prim ärliteratur 18
Sekund ärliteratur 18
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der Bewusstseinzustände des Protagonisten Anton Lerch in der „Reitergeschichte“ von Hugo von Hofmannsthal. Es soll untersucht werden, welche Bedeutung die dargestellten Bewusstseinszustände für eine Interpretation der Novelle haben. Hierbei soll insbesondere herausgearbeitet werden, inwieweit die Bewusstseinsveränderungen Lerchs im Laufe der Geschichte, ausgelöst durch bestimmte Ereignisse und Begegnungen, die Befehlsverweigerung am Ende des Textes erklären können. Zu diesem Zweck werden auch einige Arbeiten zur Interpretation der Reitergeschichte, soweit sie in Zusammenhang mit der gewählten Betrachtungsweise stehen, im Rahmen der Untersuchung unterstützend bzw. kontrastierend aufgegriffen.
Eine zu einseitige Interpretation der geschilderten Bewusstseinsphänomene (im Sinne einer bestimmten psychologischen Theorie) soll vermieden werden, die Unbestimmtheit und Irrationalität der geschilderten bewussten und unbewussten psychologischen Motive soll auch im Rahmen einer Interpretation nicht auf eindeutige, rational vollkommen verstehbare Beweggründe im Sinne eines bestimmten Interpretationsschemas reduziert werden.
Es wird die These aufgestellt, dass die komplexe Gesamtheit der im Laufe der Geschichte bei Lerch geweckten Empfindungen, Gefühle, Wünsche und Triebe zu der Befehlsverweigerung führt, die ihm am Ende den Tod bringt.
2 Darstellung von Bewusstseinszuständen und deren Bedeu-
tung für eine Interpretation der Novelle
2.1 Triumphale Stimmung beim Ritt durch Mailand
Die Novelle „Reitergeschichte“ von Hugo von Hofmannsthal schildert einen Tag einer Reiterschwadron in der damals noch österreichischen Lombardei im Krieg gegen Italien und spielt im Revolutionsjahr 1848.
Am Anfang der Novelle wird berichtet, wie die Schwadron in feindliches Territorium vordringt, welches von italienischen Freischärlern besetzt ist. Diese italienischen Widersacher sind allerdings eine kaum ernst zunehmende Gefahr und werden vom Kollektiv, der Schwadron, in kleineren Gefechten schnell besiegt:
„Zu Beginn der Geschichte stellt uns der Erzähler das Prinzip der Gewalttätigkeit im Kollektiv der idealisiert weißgetünchten Schwadron vor. Ihre Einheit ist Norm - eine gut geölte, ‚schöne’ Kriegsmaschine, als wäre sie dem Reißbrett eines Generals entsprungen, der mit Zinnsoldaten spielt.“ 1
Nach diesen drei siegreichen Gefechten, bei denen diese Kriegsmaschine lediglich einen Toten zu beklagen hat, aber zig Feinde gefangengenommen hat, will die Schwadron unter Rittmeister Baron Rofrano in die Stadt Mailand „in der Pose des überlegenen Siegers laut triumphierend“ 2 in die Stadt Mailand einziehen:
„Nachdem laut übereinstimmender Aussagen der verschiedenen Gefangenen die Stadt Mailand von den feindlichen sowohl regulären als auch irregulären Truppen vollständig verlassen, auch von
1 Mollenhauer, Peter: Wahrnehmung und Wirklichkeitsbewusstsein in Hofmannsthals ‚Reitergeschichte’. In: GQ 50, 19, S. 285. Im Folgenden zitiert als Mollenhauer.
2 Mollenhauer, S.286.
allem Geschütz und Kriegsvorrat entblößt war, konnte der Rittmeister sich selbst und der Schwadron nicht versagen, in diese große und schöne, wehrlos daliegende Stadt einzureiten.“(122) 3
Die Reiter ziehen unter dem Geläute der Mittagsglocken ein, strahlend im Glanze des sich in den Waffen und Rüstungen spiegelnden Mittagslichts, in gehobener Stimmung im Bewusstsein der vorangegangenen Siege. Es herrscht eine triumphale Stimmung vor. „Unter dem Geläute der Mittagsglocken, der Generalmarsch von den vier Trompeten hinaufgeschmettert in den stählern funkelnden Himmel, an tausend Fenstern hinklirrend und zurückgeblitzt auf achtundsiebzig Kürasse, achtundsiebzig aufgestemmte nackte Klingen; Straße rechts, Straße links wie ein aufgewühlter Ameishaufen sich füllend mit staunenden Gesichtern; fluchende und erbleichende Gesichter hinter Haustoren verschwindend, verschlafene Fenster aufgerissen von den entblößten Armen schöner Unbekannter; (...) so ritt die schöne Schwadron durch Mailand“(122f)
2.2 Begegnung mit der Vuic und Durst nach unerwartetem Erwerb
Von dieser triumphalen Stimmung wird auch der Wachtmeister Anton Lerch ergriffen, der nun in den Mittelpunkt der Novelle rückt. Sein Erleben und Verhalten wird von nun an detailliert geschildert, beginnend damit, dass er ein ihm bekanntes Gesicht zu erblicken meint:
„Nicht weit vom letztgenannten Stadttor, wo sich ein mit hübschen Platanen bewachsenes Glacis erstreckte, glaubte der Wachtmeister Anton Lerch am ebenerdigen Fenster eines neugebauten hellgelben Hauses ein ihm bekanntes weibliches Gesicht zu sehen.“(123)
Unter einem Vorwand löst er sich von der Schwadron und reitet zu dem Haus, in dem er das Gesicht wahrgenommen hat, wobei die Erzählperspektive sich auf Lerchs Bewusstsein konzentriert, indem seine Wahrnehmungen und Empfindungen genauer beschrieben werden.
3 Die Zahlen in Klammern bezeichnen Seitenzahlen in Hofmannsthal, Hugo von: Reitergeschichte. In: Ders.: Erzählungen, Erfundene Gespräche und Briefe. Reisen. Frankfurt am Main: Fischer 1979.
Arbeit zitieren:
Vanessa Lichtsinn, 2003, Darstellung von Bewusstseinszuständen in Hugo von Hofmannsthals "Reitergeschichte" und deren Bedeutung für eine Interpretation der Novelle , München, GRIN Verlag GmbH
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Macht und Ohnmacht in Hugo von Hofmannsthals "Reitergeschichte&qu...
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