Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung, Definitionen, Beschreibung methodologischer Individualismus 3
2. Die Logik der Situation 5
3. Die Logik der Selektion. 7
3.1 Pro-Gründe Emigration von Japan nach Deutschland. 8
3.2 Contra-Gründe zur Auswanderung. 9
4. Die Logik der Aggregation. 11
5. Wie sieht der japanische Auswanderer nach Deutschland aus? Das kollektive Explanandum
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6. Fazit. 13
7. Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung, Definitionen, Beschreibung methodologischer Individualismus
‚Manga trifft Loriot’, unter dieses Motto könnte der japanisch-deutsche Humankapitalaustausch, also die Migration, gestellt werden. Insgesamt 29 236 (vgl. Statistisches Bundesamt 2005a: 1) Menschen aus dem Kaiserreich Japan haben in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Den Prozess und die Motive ihrer Emigration zu untersuchen ist das Ziel dieser Hausarbeit. Auch wenn die japanische Gemeinschaft lediglich ca. 1% der Zuwanderer nach Deutschland ausmacht (Migrationsbericht 2003: 111), ist sie von großem Interesse: Migration aus Japan ist nicht als Flucht vor Armut zu verstehen. Dadurch ist eine differenzierte Betrachtung der Migrationsgründe ohne die alles beeinflussende Variable ‚wirtschaftliche Not’ möglich. Ähnlichkeiten der beiden Staaten hinsichtlich Historie, Wirtschaft, Demografie und Freiheit machen eine Untersuchung zudem interessant, da unabhängig von etablierten Migrationsgründen wie beispielsweise der Arbeitsmarktsituation unbekannte Motive zu Tage treten. Anhand von Hartmut Essers Modell des ‚methodologischen Individualismus’ soll das Makrophänomen der Emigration von Japan nach Deutschland auf die Mikroebene transformiert, dort mit Hilfe des Rational Choice Ansatzes handlungstheoretisch beleuchtet werden und schließlich als kollektives Explanandum wieder auf der Makroebene zur Aggregation gelangen. Ausgangsfrage der Arbeit ist: Warum emigrieren Menschen von Japan nach Deutschland? Im ersten Schritt sollen fünf zentrale Kontexte implementiert werden: Der politische Kontext, der demografische Kontext, der ökonomische Kontext, der soziale Kontext (vgl. Müller-Schneider 2000: 60 f.) und der geografische Kontext. Sie geben dem Thema eine grobe Strukturierung und sind zugleich Ausgangspunkt für die Bedingungen der Emigration. Unter Punkt drei werden die mikrotheoretischen Entscheidungsprozesse untersucht. Mit Hilfe der Handlungstheorie Rational Choice und einer paradigmatischen Aufstellung von Gründen pro und contra Emigration soll eine Beantwortung der Ausgangsfrage vorbereitet werden. Unter 4. werden die empirischen Daten zur Zuwanderung von Japan nach Deutschland vorgestellt. Mit einem Rückgriff auf die oben erwähnten Kontexte sollen unter 5. die Erklärungskomponenten gesammelt werden und ein Bild des klassischen Emigranten gezeichnet werden. Im abschließenden Fazit werden die einzelnen Schritte der Arbeit pointiert aufgezeigt. Aufgrund der Fülle von Gründen und Motiven die bei einer Auswanderung aus Japan nach Deutschland individuell von Bedeutung sind, erhebt die Arbeit nicht den Anspruch auf Exhaustion.
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Der Untersuchung der Frage ist die Definition des Schlüsselbegriffs ‚Migration’ voranzustellen. In dieser Arbeit wird unter Migration „jeder Wechsel des Wohnsitzes […] einerlei ob freiwillig oder unfreiwillig, dauernd oder vorübergehend“ (Heberle 1955: 2) verstanden. Während Reisen nicht als Teil der Migration gilt, wird Wanderarbeiterschaft eingeschlossen (vgl. Heberle 1955: 2). Mit ‚Immigration’ ist die Einwanderung in ein Land gemeint. ‚Emigration’ wird gemäß dem wissenschaftlichen Duktus als Auswanderung definiert.
Neben der Definition der Schlüsselbegriffe ist die Inauguration des methodischen Hintergrundes ein wichtiger Teil der Vorbereitung zur Analyse. Das Grundschema einer soziologischen Erklärung, also der methodologische Individualismus von Hartmut Esser, kennzeichnet sich durch die Erklärung von Makrophänomen über die Mikroebene und wird deshalb auch Makro-Mikro-Makro Modell genannt. Ausgehend von einer sozialen Situation (hier der Emigration von Japan nach Deutschland) wird eine dreigliedrige Logikkette entwickelt (vgl. Esser 1996: 93). Im ersten Schritt, der Logik der Situation, wird die Verbindung zwischen der Makroebene und dem Akteur hergestellt. Es werden gegebene Bedingungen dargestellt und die Alternativen für den Akteur aufgezeigt (vgl. Esser 1996: 94). Über sog. Brückenhypothesen wird dann die Verbindung zwischen sozialer Situation und Akteur kanalisiert dargestellt. Im vorliegenden Fall lautet die Brückenhypothese: ‚Wenn die eigene Einschätzung und Überlegung zu der Überzeugung führt, in Deutschland besser als in Japan leben zu können, kommt es zur Emigration’ (vgl. Wenning 1996: 26). Eine zweite Deduktion von Makroebene auf Mikroebene geschieht über den ‚Umweg’ der „intermediären Ebene“ (Müller-Schneider 2000: 54) oder auch Mesoebene. Hier sind zusammengeschlossene Akteure angesiedelt, die nicht institutionell miteinander verbunden sind. Ihre Handlungen beeinflussen die Aktionen der individuellen Akteure. Im betrachteten Fall sind auf der Mesoebene Netzwerke von bereits emigrierten Japanern in Deutschland angesiedelt. Diese Erweiterung des Grundmodells orientiert sich an der wissenschaftlichen Praxis (vgl. Müller-Schneider 2000: 45-96) und dient der bestmöglichen Bearbeitung der Fragestellung. Der zweite Schritt, die Logik der Selektion, stellt den Kerngedanken dieser Arbeit dar. Sie verbindet die Akteure mit der Handlung und rückt somit die individuellen Entscheidungsmuster in den Fokus der Betrachtung. Eine Handlungstheorie (im vorliegenden Fall Rational Choice) bietet den nomologischen Kern der Selektion von Akteuren zwischen den in der Logik der Situation
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aufgezeigten Alternativen (vgl. Esser 1996: 94 f.). An dieser Stelle von Essers Modell wägt der Akteur zwischen den Alternativen ab und entscheidet sich gemäß der zur Anwendung gelangenden Handlungstheorie für die sinnvollste. Im dritten Schritt, der Logik der Aggregation, wird nun wieder die Verbindung zur Makroebene hergestellt. Dies geschieht über sog. Transformationsregeln (vgl. Esser 1996: 96 f.). Im zu untersuchenden Fall geht es bei der Logik der Aggregation lediglich um die Akkumulation der Akteursentscheidungen, also darum, wie viele Menschen tatsächlich von Japan nach Deutschland emigriert sind. Dieses Modell eignet sich grundsätzlich für alle soziologischen Fragestellungen und ist, wie im vorliegenden Fall geschehen, modifizierbar.
Abbildung 1: Grundschema des methodologischen Individualismus (vgl. Müller-Schneider
2000: 54; Esser 1996: 98)
2. Die Logik der Situation
Im ersten methodischen Schritt muss „vertiefend […]“ (Esser 1996: 94) der Weg von der Makroebene auf die Mikroebene gegangen werden. Dafür sind die Randbedingungen der sozialen Situation von Bedeutung (vgl. Esser 1996: 94). Im betrachteten Fall sollen diese in fünf Kontexten zusammengefasst werden. Der politische Kontext enthält die Bedingungen der sozialen Situation hinsichtlich der Beziehung zwischen den Staaten Japan und Deutschland und migrationspolitische Komponenten wie das Ausländergesetz. Der demografische Kontext umfasst Reiseverbindungen und die Altersstruktur beider Staaten. Der ökonomische Kontext fasst die wirtschaftlichen Bedingungen wie Lohnstrukturen, Preisniveaus und gesamtwirtschaftliche Performanz. Der soziale Kontext enthält alle
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Arbeit zitieren:
Florian Pretz, 2005, Warum emigrieren Menschen von Japan nach Deutschland? Ein Beispiel für den methodologischen Individualismus in der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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