Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Formen der Armut und deren Definition 3
2.1 Die absolute Armut 3
2.2 Die relative Armut 3
3. Ursachen für Kinderarmut 5
3.1 Arbeitslosigkeit 5
3.2 Alleinerziehende 6
3.3 Kinderreiche Familien 6
3.4 Ausländische Familien 7
4. Auswirkungen der Kinderarmut 7
4.1 Morbidität Gesundheit und Ernährung 8
4.2 Kognitive Entwicklung und Ausbildung 9
4.3 Wohnsituation 10
5. Situationsanalyse und aktuelle Zahlen 10
6. Strategien der Armutsbekämpfung 12
6.1 Agenda 2010 12
6.2 Weitere Sozialpolitische und Sozialpädagogische Maßnahmen 13
7. Resümee 15
Literaturverzeichnis 16
Anhang
1. Einleitung
Der Begriff der Armut ist zwar im Alltagsbewusstsein der Gesellschaft verankert, aber dennoch denken die meisten Menschen in diesem Zusammenhang eher an die so genannten Dritten Welt Länder und nicht an die Situation in der Bundesrepublik Deutschland. Dies wird vor allem auch durch die in den Medien dominierenden Armutsbilder der Entwicklungsländer bestimmt. Durch zahlreiche Hilfsorganisationen werden die Menschen immer wieder dazu aufgerufen, Spendengelder an die bedürftigen Länder zu versenden. Der Problematik der Kinderarmut in Deutschland wird wenig Beachtung geschenkt und viele Menschen gehen davon aus, dass diese in der Bundesrepublik Deutschland nicht, oder nur in geringem Maße, existiert. Zwar wird mittlerweile dem Problem der Kinderarmut in Deutschland in den Armutsforschungen nachgegangen, doch dies dringt nicht in dem Maße an die Öffentlichkeit, dass das tatsächliche Ausmaß bekannt wird.
Armut bedeutet nicht nur, wenig Geld zu haben oder Obdachlos zu sein. „Sie beraubt Menschen ihrer materiellen Unabhängigkeit und damit der Freiheit, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden.“ 1 Oft wird den Menschen, die in Armut leben, Faulheit unterstellt oder sie werden als „Sozialschmarotzer“ beschimpft und werden demnach für ihre Situation selbst verantwortlich gemacht.
Doch, wie diese Arbeit zeigen soll, sind auch sehr viele Kinder in Deutschland von der Armut betroffen und wen zieht man dann zur Verantwortung? Auch die Kinder selbst? Kinder sind nicht in der Lage, aus dieser Situation zu entfliehen und sich selbst Abhilfe zu schaffen. Sie sind vielmehr auf uns Erwachsene und zugleich auf soziale Hilfen angewiesen. Vor allem aber darf man die Kinder keinesfalls für ihre Situation selbst verantwortlich machen. Ihre Armut ist oftmals die unmittelbare Folge der elterlichen Armut, wobei die Medien schon seit Jahren darüber berichten, dass in Deutschland Kinder selbst ein Armutsrisiko darstellen. Sie stellen bereits die am häufigsten betroffene Gruppe der Armut dar. Es wird daher von Sozialwissenschaftlern von einer „Infantilisierung der Armut“ 2 gesprochen.
1 Butterwegge; 2000, S. 22 2 Butterwegge; 2000, S.1
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Im Hinblick auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen (siehe Anhang) und die fehlenden Ausbildungsstellen muss man sagen, dass die Armut nicht eine Problematik darstellt, die sich in der nächsten Zeit von alleine regeneriert. Es ist vielmehr nun die Aufgabe der Gesellschaft und auch der Sozialpolitik, diesem entgegenzuwirken. Daher halte ich es für dringend notwendig in diesem Bereich zu arbeiten und Gegenstrategien herauszuarbeiten.
Die folgende Arbeit soll einerseits die Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen der Kinderarmut beleuchten und andererseits versuchen, geeignete Strategien zur Bekämpfung dieses Armutstyps aufzuzeigen.
Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, dass ich in meiner folgenden Arbeit auf die Problemlage der Kinder eingehe, mich aber dabei nicht auf ein bestimmtes Alter beschränken werde, sondern den Begriff der Kinder eigentlich als die Nachkommen im Allgemeinen behandeln werde. Auch in der Fachöffentlichkeit wird dem Begriff der Kinderarmut keine einheitliche alters- spezifische Definition zugrunde gelegt. Daher schließe ich sowohl die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, als auch die Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren in diese Thematik mit ein.
Da die Zuschreibung von arm und reich eine Frage der Definition ist, möchte ich zu Beginn meiner Arbeit den Begriff der Armut näher erläutern, um dadurch eine Grundlage für die darauf folgenden Kapitel gewährleisten zu können.
Anschließend werde ich auf die möglichen Ursachen der Kinderarmut eingehen und aufzeigen, dass die Situation der Eltern, beziehungsweise die Familie, in der das Kind lebt, eine enorme Rolle spielen kann.
Durch zahlreiche Untersuchungen wurde bestätigt, dass Armut auch erhebliche Auswirkungen in den verschiedensten Bereichen mit sich bringt. Diese werde ich in Kapitel 4 näher beleuchten. Um aufzuzeigen, wie die Situation in Deutschland derzeit bezüglich der Kinderarmut aussieht, versuche ich mit Hilfe der bisherigen Armutsforschung einen Überblick zu verschaffen, sowie die neuesten Ergebnisse verschiedenster Studien darstellen.
Zum Schluss möchte ich noch auf mögliche Strategien der Armutsbekämpfung eingehen und die aktuellen, sowie weiteren wünschenswerten Bestrebungen im Bereich der Familienpolitik reflektieren.
2
2. Formen der Armut und deren Definition
Da sich der Begriff der Armut nicht allgemeingültig definieren lässt, werde ich im Folgenden die in der Literatur wesentlichen differenzierten Begriffe der absoluten und der relativen Armut erläutern.
2.1 Die absolute Armut
Von absoluter Armut wird gesprochen, wenn „Menschen nicht über die zu ihrer Lebenserhaltung notwendigen Güter wie Nahrung, Kleidung, Obdach und Mittel der Gesundheitspflege verfügen.“ 3 Demnach besteht für diejenigen Menschen, die in diesem absoluten Existenzminimum leben, immer die Gefahr, dass sie nicht über ausreichende existenzielle Ressourcen verfügen und daher ihr Leben auf dem Spiel steht.
Diese Form der Armut tritt zwar überwiegend in den so genannten Dritten Welt Ländern auf, doch auch in Deutschland gibt es Menschen, die in absoluter Armut leben. Dennoch werde ich in der folgenden Arbeit ausschließlich auf die in Deutschland dominierende relative Armut eingehen und die absolut Armut in den Hintergrund stellen.
2.2 Die relative Armut
Bei dieser Form der Armut verfügen die Menschen nur „über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in der Bundesrepublik als unterste Grenze des Akzeptablen annehmbar ist.“ 4 Dieser Lebensstandard kann sich beispielsweise in materiellen Ressourcen wie eine angemessene Wohnung, Erwerbseinkommen und Vermögen auszeichnen, oder, auf der immateriellen Seite, Ressourcen wie eine Ausbildung, soziale Kontakte oder auch die Gesundheit beinhalten. Wird dieser vorgegebene Lebensstandard nicht erreicht, kann es für die Betroffenen eine soziale Ausgrenzung zur Folge haben und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft könnte beeinträchtigt werden.
Die Europäische Union definierte die Armutsschwelle, wie auch die meisten anderen Autoren, folgend: „Arm ist, wessen Einkommen unter 50% des nach Haushaltsmitgliedern gewichteten, durchschnittlich verfügbaren Haushaltseinkommen liegt.“ 5 3 Stimmer; 2000, S.49 4 Festlegung des EG-Ministerrates vom 19. Dezember 1984 5 Encarta Enzyklopädie 2003; Anm. d. Verf.: siehe dazu Abbildung 8 im Anhhang
3
Ein wesentlicher Faktor bei diesem Armutsbegriff stellt neben dieser relativen Deprivation in sozial relevanten Bereichen auch die ungleiche Einkommensverteilung dar.
Um die Grenze der relativen Armut, also die Nicht- Teilhabe an der üblicherweise vorherrschenden soziokulturellen Lebensweise in der BRD, genau zu bestimmen, sind verschiedene Wege vorgeschlagen worden. Neben dem Kriterium des Sozialhilfebezuges (laufende Hilfe zum Lebensunterhalt) zählt auch das Durchschnittseinkommen aller Haushalte zu den Kriterien der Armutsbestimmung.
In Anbetracht dessen, dass eine Feststellung von relativer Armut, die lediglich auf den vorhandenen finanziellen Ressourcen basiert (Ressourcentheoretischer Ansatz), welche die Vielschichtigkeit einer sozialen Lage nicht ausreichend erfassen kann, wurde das so genannte Lebenslagenkonzept erarbeitet:
„Es interpretiert Armut als ein mehrdimensionales Geschehen im Sinne einer Kumulation von Unterversorgungslagen, unter anderem in den Bereichen Wohnen, Bildung, Arbeit, Arbeitsbedingungen, Einkommen und der Versorgung mit technischer und sozialer Infrastruktur.“ 6
Abgesehen von dem „objektiven Ansatz“ kann Armut auch über einen „subjektiven Ansatz“ definiert werden. Dieser orientiert sich an der festgestellten „Zufriedenheit“ einer repräsentativen Gruppe von Betroffenen hinsichtlich verschiedener Punkte oder einer ganzheitlichen Betrachtung ihrer individuell empfundenen Situation. 7
In einem Industriestaat wie Deutschland liegen die Grenzen von relativer Armut und absoluter Armut verhältnismäßig weit auseinander, wobei die absolute Armut im Gegensatz zu der relativen Armut aufgrund der sozialen Sicherungssysteme, insbesondere der Sozialhilfe, kaum noch vorzufinden ist. Außerdem strebt die Sozialpolitik in unserem Land weitgehend die Prävention der Verarmung an, so dass die Grenze von relativer Armut durch die Politik definiert wird. Dennoch gibt es nach wie vor Menschen, die von ihrem Recht auf Sozialhilfe keinen Gebrauch machen. Sie leben in einer so genannten „verdeckten Armut“. Diese Tatsache weist darauf hin, dass die staatlichen Unternehmungen, die mit einer Feststellung der Bedürftigkeit einhergehen, nur eine bestimmte Wirkung erzielen. Mögliche Gründe für diese Nichtinanspruchnahme sind zum einen die Unwissenheit darüber, dass einem in solch einer Situation Sozialhilfe zusteht, zum anderen denke ich, dass viele Menschen sich für ihre Situation schämen und nicht den Steuerzahlern „auf der Tasche“ liegen wollen.
6 Klocke / Hurrelmann; 2001, S. 13 7 vgl. dazu: Butterwegge / Klundt; 2002, S. 26
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz.päd. (BA) Sabrina Radtke, 2005, Kinderarmut in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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