0. Vorwort
Die Idee zu meiner Diplomarbeit mit dem Thema „Burnout“ entstand im Jahr 2003. Im Rahmen einer Projektarbeit im Studiengang Medizinpädagogik wurden zwei Kommilitonen und ich nach umfassender Literaturrecherche auch über das Internet darauf aufmerksam, dass in unseren drei Berufen (Zahntechniker, MTA, Arzthelferin) zum Thema „Burnout“ bisher kaum Untersuchungen bestehen. Oft wurden unsere Berufe unter der Bezeichnung „und andere Gesundheitsfachberufe“ subsumiert. Speziell bei Arzthelferinnen bin ich zu diesem Thema nur auf eine Untersuchung gestoßen. In der Burnoutliteratur werden immer wieder Belastungsfaktoren innerhalb der Berufsausübung erwähnt, die Burnout auslösen bzw. begünstigen können. Häufig habe ich beim Durchlesen dabei gedacht, dass die genannten Belastungsfaktoren auch bei Arzthelferinnen zutreffen, da ich diesen Beruf selber jahrelang ausgeübt habe. Deshalb interessiert es mich sehr, ob sich in dieser Berufsgruppe eine Tendenz zu Burnout abzeichnet.
Bedanken möchte ich mich bei den Verantwortlichen und Mitarbeitern der Fortbildungseinrichtungen sowie auch den Dozenten/innen, die es mir ermöglicht haben, meine Fragebögen zu verteilen. Ohne diese Möglichkeit wäre es sicherlich sehr schwierig gewesen, überhaupt eine größere Teilnehmerzahl zu erreichen. Besonders bedanken möchte ich mich bei den Arzthelferinnen, die sich trotz knapper Freizeit zum Ausfüllen eines Fragebogens und für das Interview zur Verfügung gestellt haben.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------Aufgrund der fast ausschließlich weiblichen Beschäftigten in dieser Berufsgruppe wird, wie auch im Titel, im folgenden Text nur die weibliche Berufsbezeichnung verwendet.
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Inhaltsverzeichnis
1. Konzeptionelle Anlage der Arbeit
1.1 Begründung des Themas 6
1.2 Problemlage und Arbeitsstandpunkte 7
1.3 Wissenschaftliche Fragestellungen 9
1.4 Methodisches Vorgehen 9
2. Stand der Forschung zum Thema „Burnout“ 10
2.1 Probleme im Zusammenhang mit dem Begriff „Burnout“ 10
2.2 Gemeinsamkeiten verschiedener Burnout-Konzepte 11
2.3 Einteilung der Burnout-Ansätze 12
2.4 Arbeits- und organisationsbezogene Ansätze des Burnout im Überblick 12
2.4.1 Ansatz von Pines, Aronson und Kafry 12
2.4.2 Ansatz von Cherniss 13
2.4.3 Ansatz von Maslach, Jackson und Leiter 14
2.5 Die Messung von Burnout 16
2.6 „Pufferfaktoren“ zur Abschwächung von Burnout 17
2.6.1 Die Bedeutung von guten Teamverhältnissen 17
2.6.2 Die Bedeutung von Wertschätzung 17
2.6.3 Die Bedeutung der sozialen Unterstützung 18
3. Berufsbild „Arzthelferin“ 18
3.1 Entwicklung und Einordnung des Berufes 18
3.2 Arzthelferinnenätigkeit als „typischer Frauenberuf“ 19
3.3 Tätigkeitsschwerpunkte 19
3.4 Motive zur Berufswahl 20
3.5 Verweildauer im Beruf 21
3.6 Gewerkschaftliche Vertretung der Arzthelferinnen 21
3.7 Untersuchungen zum Burnout-Syndrom bei Arzthelferinnen 21
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3.8 Diskussion über mögliche Zusammenhänge zwischen konkreten 22
Arbeitsbedingungen und -belastungen bei Arzthelferinnen und Burnout 3.8.1 Arbeitszeitenregelung und Zusammenhang mit Burnout 23
3.8.2 Arbeitsüberlastung und Stress im Zusammenhang mit Burnout 23
3.8.3 Autonomiemangel und Zusammenhang mit Burnout 24
3.8.4 Patientenkontakt und Zusammenhang mit Burnout 25
3.8.4.1 Konfrontation mit Problemen 25
3.8.4.2 „Gefühlsarbeit“ bei Arzthelferinnen 25 3.8.4.3 Rollenkonflikte 26
3.8.5 Mangelnde Belohnungen und Zusammenhang mit Burnout 26
3.8.5.1 Missverhältnis zwischen Anforderungen und Entlohnungen 27 bei Arzthelferinnen
3.8.5.2 Eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten 28
3.8.5.3 Maßlosigkeit an Anforderungen und geringe Wertschätzung 28
3.8.5.4 Arbeitsplatzunsicherheit 28
3.9 Positive Aspekte in der Arzthelferinnentätigkeit und mögliche Pufferwirkung 29 4. Methodisches Vorgehen bei der Fragebogenerhebung 30
4.1 Durchführung der Untersuchung 30 4.2 Aufbau des Fragebogens 31
4.3 Erfassung demographischer und berufsspezifischer Daten 32
4.4 Erfassung der Belastungsfaktoren und Auswertung 32
4.5 Erfassung der tendenziellen Burnout-Ausprägung mit dem MBI 34
4.5.1 Auswertung der MBI-Ergebnisse 35
5. Deskriptive Ergebnisdarstellung der Fragebogenerhebung 36
5.1 Zusammensetzung der Stichprobe 36
5.2 Schwerpunkte der Hauptbelastungsfaktoren bei Arzthelferinnen 38
5.3 Gesamtergebnisse des MBI 40
5.3.1 Ergebnisse des MBI bei den Interviewpartnerinnen 41
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6. Die qualitative Befragung: Methodisches Vorgehen 42
6.1 Überlegungen zur Vorgehensweise 42
6.2 Erstellung des Interviewleitfadens 43
6.3 Auswahl der Teilnehmerinnen und Durchführung der Interviews 44
6.4 Auswertung der Interviews 46
7. Ergebnisse der Interviews 48
7.1 Kurzbeschreibung der Interviewpartnerinnen 48
7.2 Ergebnisse der Kategorie: Soziale Wertschätzung der Arbeit 50
7.3 Ergebnisse der Kategorie: Unterstützung am Arbeitsplatz 51
7.4 Ergebnisse der Kategorie: Arbeitsklima 52
7.5 Zusammenfassung 53
8. Diskussion und Schlussfolgerungen 54
9. Zusammenfassung 57
10. Summary 59
11. Literatur- und Quellenverzeichnis 60
12. Tabellenverzeichnis 65
13. Abbildungsverzeichnis 65
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1. Konzeptionelle Anlage der Arbeit
1.1 Begründung des Themas
Der Begriff „Burnout“ wird im Internetlexikon Wikipedia wortwörtlich übersetzt mit „Ausgebranntsein“ und entspricht dem „Zustand einer chronischen Erschöpfung“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom).
Etwas genauer definiert z.B. Demerouti (1999, S.1) Burnout als einen Zustand „...bei dem das Gleichgewicht zwischen den Anforderungen und der verfügbaren Energie einer Person gestört ist und die Energiereserven erschöpft sind.“
Laut Burisch (1989, S.27) kann Burnout in jedem Beruf, an jedem Arbeitsplatz sowie in allen Lebenslagen auftreten.
Eine einheitliche Definition besteht bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Obwohl es laut Bauer (2005, http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/2019.htm) unter Berufstätigen heutzutage immer mehr zunimmt, gilt es noch nicht als relevante psychische Erkrankung (Engels, 2002; www.psychiatriegespraech.de/sb/burnout/burnout_diag.php). Burnout ist inzwischen bei einer Vielzahl von Berufsgruppen untersucht und beschrieben worden (Burisch 1989, S. 10 f.).
Vielfach wird die Burnoutentstehung in den Zusammenhang gebracht mit engem und forderndem Klienten- bzw. Patientenkontakt, aber auch spezielle negative Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle (Maslach/Leiter 2001, S. 21/41 f.). Der Arzthelferinnenberuf, dessen wesentlichster Tätigkeitsaspekt in den sozialen Betreuungsaufgaben liegt, ist ebenfalls gekennzeichnet durch einen engen Patientenkontakt.
Allein von der Anzahl her stellen Arzthelferinnen mit über 500 000 Berufsausübenden eine bedeutende Berufsgruppe dar (siehe auch Kapitel 3.2). Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen existieren in diesem Beruf laut Reime (1999, S.42) jedoch kaum Untersuchungen zu beruflichen Belastungen und deren Auswirkungen.
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Rabe-Kleberg (1992, S. 7) spricht in diesem Zusammenhang von „gesellschaftlicher Missachtung der typischen Frauenberufe“, zu denen sie auch die Arzthelferinnen zählt. Speziell das Thema „Burnout“ ist trotz vierzigjährigem Berufsbestehen bisher lediglich in einer Studie erfasst worden (siehe Kapitel 3.7).
Auch in Literaturquellen, bei denen dem Titel nach vermutet werden kann, dass auch Arzthelferinnen erwähnt werden, werden sie letztendlich nicht thematisiert, wie z.B. in Ulich (2003) „Arbeitspsychologie in Krankenhaus und Arztpraxis“. Hier wird nur auf die Belastungen von Ärzten und Krankenschwestern verwiesen, zu denen es ohnehin schon eine Vielzahl an Belastungsuntersuchungen gibt.
Dies lässt im Zusammenhang mit der o.g. Äußerung von Rabe-Kleberg die Vermutung zu, dass Arzthelferinnen mit ihren Belastungen und auch ihren beruflichen Leistungen unsichtbar sind.
1.2 Problemlage und Arbeitsstandpunkte
In der Burnoutliteratur werden bestimmte Belastungsbedingungen in der Arbeitstätigkeit in den Zusammenhang mit der Entstehung von Burnout gebracht, welche auch z.T. bei Arzthelferinnen schon bekannt sind (siehe Kapitel 3.8). Aufgrund eigener Berufserfahrung der Diplomandin werden sie als in diesem Berufsbild fest „verankerte“ Belastungsbedingungen angenommen.
Im Rahmen der Gesundheitsreformen der letzten Jahre sowie mit Einführung der Praxisgebühr haben sich die Arbeitsbedingungen und Belastungen bei Arzthelferinnen eher noch verschlechtert, was auch von Rothe vom Verband der medizinischen Fachberufe bereits kritisch angemerkt wurde (http://www.vmf-online.de/download/00000028.pdf). In dieser Arbeit wird eine kurze Übersicht über die arbeits- und organisationsbezogenen Konzepte des Burnout gegeben, welche Burnout als Folge bestimmter negativer Arbeitsbedingungen erklären, und nicht als Folge bestimmer Persönlichkeitseigenschaften. Anschließend erfolgt eine Einführung in die Tätigkeitsbereiche des Arzthelferinnenberufs. Um einen Zusammenhang mit Burnout herzustellen, werden bereits beschriebene, belastende Arbeitsbedingungen aber auch positive Tätigkeitsaspekte des Arzthelferinnenberufs mit Burnout in Beziehung gesetzt.
Nach der theoretischen Einführung erfolgt die Untersuchung zur Ausprägung des Burnout-Syndroms bei Arzthelferinnen im Rahmen einer Fragebogenerhebung.
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Es soll erfasst werden, ob bei Arzthelferinnen eine Tendenz zu Burnout vorliegt. Hierbei wird sich auf das in der Literatur als bisher am zuverlässigsten beschriebene Messinstrument nach Maslach, Jackson und Leiter (1996, S.4) bezogen, nach denen Burnout aus den Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und subjektiver Leistungsverringerung besteht.
Auch aufgrund der Gesundheitsreformen der letzten Jahre erscheint es gerechtfertigt, belastende Faktoren zu erfragen, obwohl diese bei Arzthelferinnen z.T. schon bekannt sind.
Diese Untersuchung im Rahmen einer Diplomarbeit kann jedoch keinen Beitrag dazu liefern, die Unklarheiten, Widersprüchlichkeiten und Definitionsprobleme im Zusammenhang mit dem Begriff „Burnout“ zu klären bzw. neue Erkenntnisse über Ursachen und Entstehung von Burnout zu liefern. Es werden die Erkenntnisse über Burnout in den Zusammenhang mit der Arzthelferinnentätigkeit gebracht, die in der Burnout-Forschung wiederholt beschrieben worden sind und inzwischen als einigermaßen gesichert gelten. Mit dieser Untersuchung kann lediglich ein kleiner Teilausschnitt des komplexen Syndroms „Burnout“ erfasst werden, da hier nur auf die Erklärungsansätze, die Burnout vor allem als Folge bestimmter Arbeitsbedingungen erklären, zurückgegriffen wird.
In der Burnoutliteratur werden immer wieder sogenannte „Pufferfaktoren“ beschrieben (siehe auch Kapitel 2.6), die das Auftreten von Burnout verzögern bzw. abschwächen können. In dieser Arbeit sollen die Faktoren Wertschätzung der geleisteten Arbeit, Unterstützung am Arbeitsplatz und Arbeitsklima näher betrachtet werden, um sie bei einer begrenzten Anzahl an Interviewpartnerinnen im Zusammenhang mit Burnout zu diskutieren. Zusammenhänge werden in dieser Arbeit jedoch nicht berechnet, weswegen der Schwerpunkt auf der deskriptiven Darstellung der Ergebnisse liegt. Neben dem Ziel, die Arzthelferinnentätigkeit aufgrund mangelnder Untersuchungen in den Zusammenhang mit Burnout zu bringen, hat diese Arbeit auch das Ziel, auf die insgesamt ungünstigen Bedingungen in diesem Berufsbild wiederholt aufmerksam zu machen.
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Auch kann der o.g. mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung des Berufes nur entgegengewirkt werden, wenn in diesem Beruf wiederholt Untersuchungen durchgeführt werden, die zur Sichtbarkeit der Leistungen der dort Tätigen beitragen.
1.3 Wissenschaftliche Fragestellungen
Folgende Fragestellungen sollen mit dieser Arbeit geklärt werden:
- Wodurch fühlen sich Arzthelferinnen in ihrer Tätigkeit derzeitig am meisten belastet ?
- Ist bei Arzthelferinnen eine Tendenz zu Burnout feststellbar ?
- Welche Dimension von Burnout ist am höchsten ausgeprägt ?
- Unterscheiden sich die 5 Interviewpartnerinnen im Hinblick auf die Ausprägung der Burnout-Dimensionen von der Gesamtteilnehmerzahl ?
- Unterscheiden sich die Interviewpartnerinnen im Hinblick auf die Ausprägung der Burnout-Dimensionen voneinander ?
- Wie äußern sich die Interviewpartnerinnen zur Wertschätzung ihrer geleisteten Arbeit, der Unterstützung am Arbeitsplatz bei auftretenden Problemen und dem Arbeitsklima ?
- Bestehen zwischen den Interviewpartnerinnen bezüglich der empfundenen Wertschätzung, Unterstützung und dem Arbeitsklima wesentliche Unterschiede ?
- Gibt es Auffälligkeiten bei den Interviewteilnehmerinnen zwischen der Ausprägung der Burnout-Dimensionen und den Äußerungen im Interview ?
1.4 Methodisches Vorgehen
Bei Arzthelferinnen soll im Rahmen einer Querschnitterhebung ein IST-Stand zur Ausprägung von Burnout erhoben werden.
Hierzu wird ein Fragebogen eingesetzt, indem mit entsprechenden Items die Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und subjektive Leistungsverringerung bei allen Teilnehmerinnen gemessen werden können.
Zusätzlich werden die Teilnehmerinnen aufgefordert, in einer offenen Frage ihre Hauptbelastungsfaktoren aufzuführen.
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Demographische Daten, die in dem Fragebogen ebenfalls erfasst werden, dienen lediglich der Stichprobenbeschreibung.
Anschließend werden mit einigen Teilnehmerinnen halbstrukturierte Interviews entsprechend einem vorher erstellten Leitfaden durchgeführt. Hier soll im Rahmen einer qualitativen Befragung das Arbeitsklima, die Unterstützung am Arbeitsplatz bei auftretenden Schwierigkeiten sowie die Wertschätzung der geleisteten Arbeit genauer betrachtet werden. Auch die einzelnen Burnout-Ausprägungen der Interviewpartnerinnen werden berücksichtigt, um ggf. Auffälligkeiten herauszustellen.
2. Stand der Forschung zum Thema „Burnout“
Auf die bestehende Definitionsproblematik des Burnout-Begriffes ist in der Einleitung bereits kurz hingewiesen worden. Obwohl der Begriff Anfang der 70 iger Jahre erstmalig von Freudenberger in der Psychologie eingeführt wurde (vgl.Burisch 1989, S.3), existiert bisher keine einheitliche Definition, was in der Forschung nach wie vor ein Problem darstellt. Im folgenden Kapitel wird kurz auf diese Problematik eingegangen. Mehrere Autoren haben jedoch den Versuch unternommen, die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Ansätze herauszustellen. Da Burnout in dieser Arbeit vor allem mit bestimmten Arbeitsbedingungen in den Zusammenhang gebracht werden soll, werden im Überblick wesentliche Aspekte der arbeits- und organisationsbezogenen Ansätze dargestellt.
2.1 Probleme im Zusammenhang mit dem Begriff „Burnout“
Aus der Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen werden jeweils unterschiedliche Konzepte und Modelle abgeleitet (Demerouti 1999, S. 9). Im Rahmen dieser Arbeit ist es nicht möglich, die Vielfalt und Widersprüchlichkeiten dieser bisher bestehenden Ansätze darzustellen. Auf eine wiederholte Darstellung der einzelnen Ansätze des Burnout, wie dies in der gängigen Burnout-Literatur überwiegend der Fall ist, wird im Rahmen dieser Arbeit verzichtet.
Bisher ist immer noch unklar, was die genaue Ursache, was als Symptom, und was als Folge von Burnout zu sehen ist (Enzmann/Kleiber 1989, S. 21). Laut Demerouti (1999, S.10) stellt keiner der gegebenen Ansätze die theoretischen Hintergründe zur Entstehung
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von Burnout vollständig dar, denn auch eine empirisch fundierte Basis besteht bisher noch nicht (Burisch 1989, S. 122).
Ein weiteres Problem in der Burnoutforschung ist die mangelnde Abgrenzbarkeit zu anderen Konzepten wie zum Beispiel Stress, Depression und Arbeitszufriedenheit. Auch hierzu bestehen laut Enzmann und Kleiber (1989, S. 81 ff.) in der Literatur widersprüchliche Äußerungen, und die Zusammenhänge zwischen den Konzepten sind nicht eindeutig geklärt. Die beiden Autoren fassen zusammen (vgl. S. 92 ff.), dass Burnout häufig als Stressreaktion verstanden wird, deren Auslöser in den stresshaften Bedingungen in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen zu suchen ist.
2.2 Gemeinsamkeiten verschiedener Burnout-Konzepte
Aufgrund der Vielzahl an beschriebenen Ansätzen haben einige Autoren versucht, die Gemeinsamkeiten der Ansätze zusammenzufassen.
Demerouti (1999, S. 25 f.) stellt in ihrer Arbeit die Gemeinsamkeiten folgendermaßen dar, die hier nur in Kurzfassung wiedergegeben werden sollen: Zumindest anfänglich ist bei den meisten Arbeitnehmern vor allem in Dienstleistungsberufen eine hohe Motivation zum Helfen vorhanden, oft kombiniert mit einer idealistischen Grundeinstellung sowie hohen Zielen und Erwartungen an den Beruf. Bestehen zusätzlich belastende Arbeitsbedingungen, so besteht die Gefahr, dass der Arbeitnehmer seine Ziele nicht erreichen kann. Eine Folge davon können enttäuschte Erwartungen sowie Frustration sein.
Die Kombination von hohen und widersprüchlichen Anforderungen einerseits sowie dem Vorhandensein geringer Ressourcen andererseits kann beim Arbeitnehmer zu negativen Beanspruchungsfolgen führen. Burnout kann demnach als negative Beanspruchungsfolge eingeordnet werden. Es tritt dann auf, wenn die Person die belastende Situation nicht effektiv bewältigt.
Als weitere Gemeinsamkeit verweist Demerouti auf den prozesshaften Verlauf von Burnout, der von vielen Autoren erwähnt wird. Reime (1999, S. 194 ff.) führt in diesem Zusammenhang an, dass der genaue Verlauf dieses Prozesses aufgrund mangelnder Langzeitstudien bisher unklar ist. Laut Burisch (1989, S.11) verläuft Burnout über lange Zeiträume hinweg individuell sehr unterschiedlich.
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2.3 Einteilung der Burnout-Ansätze
Die Definitionen und Konzepte des Burnout lassen sich unterteilen in individuenzentrierte, arbeits- und organisationsbezogene und soziologisch-sozialwissenschaftliche Ansätze (Enzmann/Kleiber 1989, S. 20 ff.).
Obwohl Burnout letztendlich eine Folge der Kombination bestimmter Persönlichkeitsfaktoren und Arbeitsbedingungen ist (Gusy 1995, S. 45), soll im begrenzten Rahmen dieser Diplomarbeit nur auf einige arbeits- und organisationsbezogene Ansätze näher eingegangen werden.
Bisher besteht in der Literatur darüber hinaus auch Einigkeit, dass zur Burnout-Entstehung eher arbeitsbezogene als persönliche Faktoren beitragen (Reime 1999, S. 204). Burisch (1989, S. 104) führt hierzu an: „“Die“ Persönlichkeit des Ausbrenners gibt es wahrscheinlich nicht.“.
2.4 Arbeits- und organisationsbezogene Ansätze des Burnout im Überblick Zu den arbeits- und organisationsbezogenen Ansätzen des Burnout gehören u.a. die Konzepte von Pines, Aronson und Kafry, von Cherniss sowie von Maslach, Jackson und Leiter (Enzmann/Kleiber 1989, S. 28 ff.).
Allen drei Definitionen von Burnout ist gemeinsam, dass die von Burnout betroffenen Personen aufgrund von hohen Anforderungen bei der Arbeit Erschöpfungssymptome zeigen.
2.4.1 Ansatz von Pines, Aronson, und Kafry
Pines, Aronson und Kafry (1992, S. 27 ff.) definieren Burnout ausschließlich über die drei Formen der körperlichen, emotionalen und geistigen Erschöpfung, die sich z.B. in Krankheitsanfälligkeit oder Energiemangel, Überdruss, Niedergeschlagenheit oder Depression sowie einem Nachlassen der Begeisterung für die Arbeit und der allgemeinen Lebensfreude äußern kann.
Die Autoren schließen in das Syndrom des Ausbrennens fast immer das Gefühl von Überdruss mit ein; Überdruss kann jedoch unabhängig von Burnout auch bei den „nicht-
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helfenden-Berufen“ auftreten, während Burnout nur bei Helfern im Zusammenhang mit emotional belastender Arbeit auftritt (Pines et al.1992, S. 13/25 ff.). Zu den Ursachen zählen neben dem Klientenkontakt hohe Arbeitsanforderungen, Rollenüberlastung, Rollendruck und -ambiguität, zu hohe Verantwortung, Autonomiemangel, fehlendes Feedback, fehlende Unterstützung, mangelnde Anerkennung für große Bemühungen, Mangel an Belohnungen und Bedeutungslosigkeit der Arbeit. Als Kritik an dem Ansatz der drei Autoren wird die widersprüchliche Unterscheidung der beiden Komponenten „Überdruss“ und „Ausbrennen“ bei nicht-helfenden und ausschließlich helfenden Berufen angeführt, wobei die beiden Begriffe nicht immer eindeutig voneinander abgegrenzt werden. So wird z.B. bei der Erfassung von Überdruss auch danach gefragt, wie ausgebrannt sich jemand fühlt, weswegen die Unterscheidung zwischen Überdruss und Burnout daher von den meisten Autoren als überflüssig angesehen wird (Enzmann und Kleiber 1989, S.28 f.;Gusy 1995, S. 41.; Demerouti 1999, S. 21).
2.4.2 Ansatz von Cherniss
Enzmann und Kleiber beschreiben den Ansatz von Cherniss besonders detailiert, weil er die zum Burnout beitragenden Strukturen des Arbeitsumfeldes in seinem Ansatz sehr genau darstellt und damit viele Aspekte des Burnoutphänomens berücksichtigt. Laut der Autoren ist dieser Ansatz neben dem Ansatz von Maslach und Jackson besonders geeignet, Burnout zu erklären (Enzmann und Kleiber 1989, S. 41 ff./64). Im Ansatz von Cherniss (zit. n. Enzmann/Kleiber 1989, S. 42 ff.) beginnt der Burnout-Prozess mit intensivem Stress bei der Arbeit, und einem Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen, was beim Betroffenen zu Stressreaktionen führt, die sich körperlich oder psychisch äußern können. Übersteigen die Anforderungen aus der Umwelt die Fähigkeiten des Betroffenen, und kann der Betroffene die Stresssituation nicht ausreichend bewältigen, kann Burnout entstehen. Abhängig ist dies jedoch davon, wie stressreich jemand die Situation einschätzt. Hierbei bezieht sich Cherniss auf die transaktionale Stresskonzeption von Lazarus, nach welcher die alleinige Anwesenheit eines Stressors nicht ausreicht, um Stress auch zu erzeugen. Viel entscheidender ist die persönliche Einschätzung und die Fähigkeit zur Bewältigung solcher Situationen. Zu den burnoutauslösenden Faktoren des Arbeitsumfeldes zählt Cherniss ähnlich wie auch Pines et
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Arbeit zitieren:
Daniela Ludwig, 2006, Untersuchung zur Ausprägung des Burnout-Syndroms bei Arzthelferinnen unter dem Einfluss von sozialer Wertschätzung, Unterstützung und Arbeitsklima , München, GRIN Verlag GmbH
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