In dieser Arbeit wird die Kolonisation Grönlands durch die Wikinger anhand von literarischen Quellen und archäologischen Funden dargestellt. Die schriftliche Überlieferung teile ich in zwei Abschnitte auf, in historiographische Werke und in isländische Sagaliteratur. Bei den historiographischen Werken liegt der Schwerpunkt auf altnordischen Quellen, bei den Sagas ein Hauptgewicht auf der Eiríks saga rauða und dem Grœnlendingaþáttr, der einen guten Einblick in die politische und soziale Situation auf Grönland im 12. Jahrhundert gibt.
Zur archäologischen Erforschung der grönländischen Kolonie werde ich einen kurzen Überblick über die Forschungsgeschichte geben. Bei den archäologischen Erkenntnissen zur materiellen Kultur werde ich einen Schwerpunkt auf die Architektur legen. Auf zwei Ausgrabungsstätten, Thjodhilds Kirche und den Hof Ø 17a in Narsaq, werde ich gesondert eingehen.
Im Anschluss daran werde ich mich den grönländischen Runendenkmälern widmen, wobei ich mich auf den Holzstab von Narsaq aus der Frühzeit der Besiedlung und den Stein von Kingittorsuaq aus späterer Zeit konzentrieren werde. Abschließend will ich noch den Untergang der Kolonie ansprechen und neben archäologischen Aussagen eine literarische Quelle zum Untergang der Vesterbygd vorstellen. Weitere Theorien werden kurz angerissen.
Die Schreibweise altnordischer Namen in einem deutschen Text erfordert immer Kompromisse. Ich habe mich entschieden, die Namen von Erik dem Roten und seinem Sohn Leif in der eingedeutschten Form zu verwenden. Alle anderen Namen habe ich in der altnordischen Form (mit Endungs-r) übernommen. Bei den Ortsnamen habe ich die altnordische Form verwendet (z.B. Austmannadalr, Herjólfsnes), bei noch auf Island gebräuchlichen Ortsbezeichnungen jedoch die neuisländische Form (z.B. Breiðfjörður, Haukadalur). Bei “Thjodhilds Kirche” habe ich die Schreibweise der archäologischen Literatur übernommen, da ich weder den altnordischen Genitiv „Þjóðhildarkirkja“ noch die hybride Mischform „Þjóðhilds Kirche“ als angemessen erachtete.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Literarische Quellen: Historiographische Beschreibungen Grönlands
2.1 Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum
2.2 Íslendingabók
2.3 Historia Norvegiae
2.4 Konungsskuggsjá
2.5 Landnámabók
3. Literarische Quellen: Die isländische Sagaliteratur
3.1 Eiríks saga rauða
3.2 Grœnlendingaþáttr
3.3 Weitere Sagaliteratur
4. Archäologische Quellen
4.1 Überblick über die Forschungsgeschichte
4.2 Die materielle Kultur
4.2.1 Langhaus – Ganghaus – Zentralhof
4.2.2 Kirchen
4.3 Brattahlíð: „Thjodhilds Kirche“
4.4 Der Hof Ø 17a
5. Runendenkmäler auf Grönland
5.1 GR 76 M - Narsaq Ø 17a
5.2 GR 1 M – Der Stein von Kingittorsuaq
6. Das Ende der grönländischen Kolonie
6.1 Der Untergang der Vesterbygd nach Ívarr Bárðarson
6.2 Verschiedene Theorien zum Untergang
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Kolonisation Grönlands durch die Wikinger, indem sie schriftliche, historiographische Werke und isländische Sagas mit archäologischen Funden korreliert. Ziel ist es, die politische, soziale und wirtschaftliche Situation der Siedler sowie die Gründe für das Ende der Kolonie zu analysieren.
- Analyse altnordischer und lateinischer historiographischer Quellen
- Auswertung der Vínlandsagas zur sozialen und religiösen Struktur
- Archäologische Untersuchung der materiellen Kultur und Architektur
- Interpretation von Runendenkmälern als Zeugnisse der Besiedlung
- Kritische Beleuchtung der Theorien zum Untergang der Siedlungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Eiríks saga rauða
Eindrucksvoll wird ÞorbjØrg beschrieben: Sie trägt einen blauen Umhang mit Spangen, die mit kostbaren Steinen besetzt sind. Ihre Kopfbedeckung ist aus schwarzem Lammfell, die innen mit weißem Katzenfell gefüttert ist. Sie trägt Schuhe aus Kalbsfell mit langen Schnürriemen und Zinnknöpfen, Katzenfellhandschuhe und eine Halskette aus Glasperlen. An ihrem Gürtel befinden sich Feuerschwamm und ein großer Beutel mit allerlei Zaubersachen. In der Hand hält sie einen mit Messing verzierten Stab, dessen Knauf mit Steinen besetzt ist. Die Seherin trifft am Abend ein. Sie wird ehrfürchtig begrüßt, auf ein Kissen aus Hühnerfedern gesetzt und bekommt eine Grütze aus Ziegenmilch zu essen, in die Tierherzen gemischt sind, von jeder Tierart, die auf dem Bauernhof lebt. Am nächsten Morgen werden die Vorbereitungen für die Durchführung des seiðr getroffen. Dazu wird eine Frau gebraucht, die das Gedicht Varðlokur vortragen kann. Die einzige Frau auf dem Hof, die das Gedicht kennt, ist Guðríðr, die aber mit dem heidnischen Zauber nichts zu tun haben will: Þetta er þat eitt atferli, er ek ætla í engum atbeina at vera, því at ek em kristin kona. Ihr Vater ÞorbjØrn Vífilsson will mit der Sache ebenfalls nichts zu tun haben. Er hatte den Hof verlassen, bevor die Seherin kam und wird zurückgeholt, nachdem sie gegangen ist. Aber wir greifen der Handlung vor. ÞorbjØrg versucht, Guðríðr zu überreden, das Gedicht vorzutragen, aber diese gibt erst auf Druck des Bauern nach.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, die Besiedlung Grönlands durch literarische und archäologische Quellen zu untersuchen.
2 Literarische Quellen: Historiographische Beschreibungen Grönlands: Dieses Kapitel analysiert frühe historiographische Werke wie die von Adam von Bremen, Ari Þorgilsson und die Historia Norvegiae bezüglich ihrer Darstellung Grönlands.
3. Literarische Quellen: Die isländische Sagaliteratur: Hier werden die Vínlandsagas wie die Eiríks saga rauða analysiert, um Einblicke in die politische, soziale und religiöse Situation der Siedler zu gewinnen.
4. Archäologische Quellen: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der Erforschung der materiellen Kultur, Architektur, Kirchen und spezifischen Fundstätten wie Brattahlíð.
5. Runendenkmäler auf Grönland: Die Untersuchung von Runeninschriften dient als Beweis für die frühe Siedlungsphase und die Existenz von Jagdstützpunkten im hohen Norden.
6. Das Ende der grönländischen Kolonie: Dieses Kapitel diskutiert die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien zum Untergang der grönländischen Siedlungen, von klimatischen Veränderungen bis hin zu sozioökonomischen Faktoren.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das Zusammenwirken von Klimaverschlechterung und ökologischer Überlastung sowie eine mangelnde Anpassung an arktische Kulturtechniken maßgeblich zum Scheitern der Kolonie beitrugen.
Schlüsselwörter
Wikinger, Grönland, Eiríks saga rauða, archäologische Funde, Runen, Vesterbygd, Østerbygd, Kolonisation, Landwirtschaft, Klima, Christianisierung, Materialkultur, Siedlungsgeschichte, Nordische Philologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Kolonisation Grönlands durch skandinavische Siedler im Mittelalter mittels einer interdisziplinären Untersuchung literarischer und archäologischer Zeugnisse.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Arbeit beleuchtet die historiographische Überlieferung, die Rolle der isländischen Sagaliteratur, archäologische Erkenntnisse zur Bauweise und materiellen Kultur sowie die Theorien zum endgültigen Verschwinden der Kolonie.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Wie lässt sich die Kolonisation und der spätere Niedergang der skandinavischen Siedlungen in Grönland auf Basis der vorhandenen literarischen und archäologischen Quellen erklären?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die altnordische und lateinische Primärquellen mit archäologischen Forschungsberichten und Befunden zu materiellen Objekten und Skeletten kombiniert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil ist in die Abschnitte Literarische Quellen (Historiographie und Sagas), Archäologische Quellen (Forschungsgeschichte, Architektur, Fundstätten) und Runendenkmäler unterteilt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wikinger, Vesterbygd, Østerbygd, archäologische Quellen, Klimaveränderung, Landwirtschaft und die spezifische Sagaliteratur wie die Eiríks saga rauða.
Welche Bedeutung hat "Thjodhilds Kirche" in der Arbeit?
Die archäologischen Funde bei Brattahlíð werden als physischer Beleg für die literarische Überlieferung zur frühen Christianisierung durch Þjóðhildr, der Frau Eriks des Roten, gedeutet.
Warum wird der Stein von Kingittorsuaq als wichtig erachtet?
Er dient als Beleg für die Existenz des sogenannten norðrsetr, eines Jagdstützpunktes der skandinavischen Grönländer weit nördlich der permanenten Siedlungsgebiete.
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- M.A. Marion Mertl (Author), 2004, Die Kolonisation Grönlands durch die Wikinger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65143