Inhaltsverzeichnis
1. Aneignung einer Zweit- oder Fremdsprache 3
2. Der Einfluss der Erstsprache auf den Erwerb einer zweiten Sprache 4
2.1 Einfluss auf die Rezeption 5
2.2 Einfluss auf die Produktion 6
3. Sozialpsychologische Aspekte 8
3.1 Affektive Faktoren 9
3.2 Motivation 10
4. Schlussbetrachtung 11
5. Literaturverzeichnis 12
3
1. Aneignung einer Zweit- oder Fremdsprache
Bei der Beschäftigung mit der Aneignung von Sprachen, hauptsächlich von weiteren Sprachen nach der Erstsprache, wird deutlich, dass viele Faktoren diesen Spracherwerb entscheidend beeinflussen. Beginnend beim Zeitpunkt des Erwerbs einer zweiten Sprache bis hin zu Spracherwerbsstrategien und die damit verbundenen Spracherwerbstheorien wird klar, dass es entscheidende Faktoren gibt, die bei der Aneignung von Sprachen in Betracht gezogen werden müssen, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Bereits bei der Begrifflichkeit „Zweitsprache“ und „Fremdsprache“ entsteht Klärungsbedarf. Ernst Appelthauer definiert Fremdsprachenerwerb als „Zweitsprachenerwerb unter eingeschränkten (d.h. bloß unterrichtlichen) Bedingungen.“ 1 Er unterscheidet Fremdsprache von Zweitsprache anhand der Aneignung der Sprache und der Ziele, die der Lerner beim Erwerb dieser Sprache verfolgt. So wird Zweitsprache definiert als die Sprache nach der Erstsprache, die auch in alltäglichen außerschulischen Situationen benutzt wird. Dies ist der Fall bei Migranten und vor allem bei deren Kindern. Türkische Kinder, die fest in Deutschland leben, werden Deutsch als Zweitsprache lernen, da ihr alltägliches Leben hauptsächlich in Deutsch verläuft und daher der Kommunikationsbedarf auch außerhalb der schulischen Ausbildung sehr groß ist. Aufgrund der Wichtigkeit der Beherrschung dieser Sprache wird bei der Zweitsprachenaneignung schon im Grundschul- oder sogar bereits im Kindergartenalter mit dem Unterricht begonnen und Wert auf eine hohe Zahl an Unterrichtsstunden gelegt. Beim Fremdsprachenerwerb dagegen ist der Kommunikationsrahmen meist auf den Unterricht begrenzt, weshalb dieser erst zu einem späteren Zeitpunkt und mit weniger Unterrichtseinheiten beginnt.
Eng mit dieser Terminologie ist auch die Unterscheidung zwischen ungesteuertem Erwerb und gesteuertem Lernen verknüpft. „[U]ngesteuerter Erwerb oder inzidentelles Lernen [bedeutet] […] sich die fremde Sprache ohne formalen Unterricht an[zu]eignen.“ 2 Darunter fällt auch die Sprachaneignung von Einwanderern, die in ihrem Alltag die Sprache ‚aufschnappen’ und dadurch einen gewissen Grad an Beherrschung dieser Sprache erlangen. Im Gegensatz dazu steht der formale Fremdsprachenunterricht, der strukturiertes und bewusstes Lernen durch Vermittlung von grammatischen Regeln ansteuert. Betrachtet man aber abgesehen von der Terminologie Zweit- oder Fremdsprache den Zeitpunkt für den Erwerb einer zweiten Sprache objektiv, wird schnell klar, dass sowohl eine frühe aber auch eine spätere Aneignung Vorteile und Nachteile mit sich bringt. Die relative
1 Apeltauer, Ernst: Grundlagen des Erst- und Fremdsprachenerwerbs, Berlin, München [u.a.] 1997, S. 15.
2 Ebd., S. 13.
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Unbefangenheit von Kindern und die Nähe zum Erstsprachenerwerb sprechen für einen frühen Beginn der Fremdsprachenaneignung. Da bei Kindern jedoch die kognitiven Fähigkeiten und die Beherrschung der Erstsprache noch nicht voll ausgebildet sind, sprechen sich viele auch für einen späteren Zeitpunkt des Fremdsprachenerwerbs aus. Ältere Lerner können auf ein größeres und gefestigtes Wissen in der Erstsprache zurückgreifen und ihnen stehen deshalb effektivere Methoden der Sprachaneignung zur Verfügung. Sie sind sich bestimmter Regeln in der Erstsprache bewusst und können somit abstrahieren und bereits gelernte Verfahren und Strategien im Fremdsprachenerwerb einsetzen.
2. Der Einfluss der Erstsprache auf den Erwerb einer zweiten Sprache
Beim Erlernen einer fremden Sprache stellt sich neben dem Zeitpunkt und der Art und Weise der Aneignung die Frage, inwiefern die Erstsprache Einfluss auf den Lernprozess in der Fremdsprache hat. Durch die verschiedenen Sprachfamilien scheint der Schluss nahe, dass manche Sprachen das Erlernen von manch anderen Sprachen vereinfacht oder aber erschwert. Aufgrund lexikalischer, grammatikalischer und phonologischer Verwandtschaft von bestimmten Sprachen wäre zu vermuten, dass sich innerhalb einer Sprachfamilie der Fremdsprachenerwerb als weit weniger schwierig erweist als die Aneignung einer Sprache aus einer anderen Sprachfamilie, die mit der Erstsprache keine oder nur geringe Ähnlichkeiten aufweist. Da ein Sprachlerner intuitiv und unbewusst von der Fremdsprache annehmen, dass diese ähnlich funktioniert und strukturiert ist wie die Erstsprache der Lerner, werden sie versuchen, Strukturen und Verfahren aus der Erstsprache auf die Fremdsprache anzuwenden. „Sie folgen ihren sprachlichen Gewohnheiten und greifen dabei auf Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie während des Spracherwerbs entwickelt haben.“ 3 Diese Ähnlichkeiten von Sprachen können sich jedoch nicht nur positiv auf den Fremdsprachenerwerb auswirken und das Aneignen dieser Sprache erleichtern, sondern können auch negative Auswirkungen haben.
3 Ebd., 78.
Arbeit zitieren:
2006, Probleme und positive Faktoren im Bereiche des Zweit- und Fremdsprachenerwerbs, München, GRIN Verlag GmbH
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