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Einleitung
“Das Verhalten im Schlafraum”
„Wandlungen in der Einstellung der Beziehungen von Mann und Frau“ Zur Kritik am Zivilisationsprozeß
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Mit seinem „Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation“ hat Norbert Elias ein Werk geschaffen, das anfänglich auf wenig Resonanz in der sozialwissenschaftlichen Forschung gestoßen ist. Dabei ist er einer der wenigen Soziologen, die versucht haben, einen wissenschaftsübergreifenden Ansatz hinsichtlich einer Verbindung von Individual- und Gesellschaftsstrukturen zu erarbeiten. Mit der Kombination von Geschichts- und Sozialwissenschaft und der Einbeziehung der Sozialpsychologie hat Norbert Elias außerdem versucht, das Problem des Mikro-Makro-Dualismus in der Soziologie zu entschärfen - der zweite große Verdienst eines Soziologen, der bemüht war, mit seinen Arbeiten den Sozialwissenschaftlern den „fachlichen Tunnelblick“ zu nehmen.
Und dennoch ist der Prozess der Zivilisationen nicht unkritisch zu betrachten und unhinterfragt zu akzeptieren. Anliegen des Seminars war es, einzelne Kapitel des Buches kritisch zu durchleuchten, Defizite zu erkennen und das Gesamtwerk hinsichtlich seines Nutzens für eine moderne Kulturwissenschaft zu überprüfen. Ich habe mich auf die Kapitel „Das Verhalten im Schlafraum“ und „Wandlungen in der Einstellung zu den Beziehungen von Mann und Frau“ konzentriert und versuche in erster Linie, die Schwachpunkte dieser Kapitel zu analysieren mit Bezugnahme auf die am häufigsten genannten Kritiker Elias`. Abschließend bemühe ich mich, um eine Zusammenfassung der wichtigsten Kritikpunkte des Gesamtwerkes.
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Zentraler Ansatzpunkt in diesem Kapitel ist für Elias, dass sich die Menschen im Mittelalter wesentlich unbefangener im Zusammenhang mit Schlafen, Nacktheit und Sexualität verhalten hätten wie im 16., 17. 18. und besonders im ausgehenden 19.Jahrhundert. Es sei im Mittelalter normal gewesen, dass mehrere Personen in einem Raum nächtigten, ganz zu schweigen von den Personen die in einem Bett nebeneinander schliefen, ohne, dass sie unter Befangenheitsgefühlen litten oder es ihnen peinlich gewesen wäre, sich während des Schlafens vor anderen Personen zu zeigen und ihnen damit mehr oder weniger ausgeliefert zu sein. Im Gegensatz zu unserem jetzigen Zivilisationsstandard, in dem nach Elias „ das Schlafzimmer zu einem der `privatesten` und ´intimsten` Bezirke des menschlichen Lebens geworden“ (Elias 1997: 310) sei und „ die meisten körperlichen Verrichtungen“ zu denen auch das Schlafen zählt „ mehr und mehr hinter die Kulissen des gesellschaftlichen Verkehrs verlagert werden“ (Elias 1997: 315), war diese Funktion im Mittelalter noch nicht in diesem Maße privatisiert und von dem gesellschaftlichen Leben abgetrennt.
Elias leitet sehr rasch von Massenübernachtungen in einem Raum zum Aspekt der Nacktheit über, ohne genauer auf ersteres einzugehen und es anhand von Quellen zulänglich zu hinterfragen und zu belegen. Er stellt die These auf, dass man der Laienstand ausschließlich nackt geschlafen habe, während klerikale Personen mehr oder weniger in ihrer Alltagsbekleidung zu Bett gingen. Sicherlich will er damit vor allem ausdrücken, dass keine spezielle Nachtbekleidung existierte, weil sie nicht notwendig war aufgrund der nach seiner Meinung nur gering vorhanden Scham- und Peinlichkeitsschwelle. Und es sei eher mit negativen Assoziationen verbunden gewesen, wenn sich jemand während des Schlafes bekleidete, dem dies nicht durch die Zugehörigkeit zu einer Ordensgemeinschaft oder ähnlichem auferlegt war. „ Aus welchem anderen Grunde sollte man seinen Körper verstecken“ dass ein körperliches Gebrechen oder anderweitiges Defizit die Ursache für eine Nachtbekleidung sein könnte (Elias 1997: 316). Elias belegt das mit einer für diese These völlig ungeeigneten Quelle. Es ist nur einer der vielen undifferenzierten Belege, die Elias in seiner gesamten Arbeit einbaut. Nur als
Arbeit zitieren:
Dörte Göhler, 2002, Norbert Elias und der Prozeß der Zivilisation. Eine kritische Auseinandersetzung anhand zweier Kapitel., München, GRIN Verlag GmbH
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Zu Norbert Elias': "Prozeß der Zivilisation" (Band I)
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