2
Inhaltsangabe
1. Liebe-Ehre-Konflikt 3
2. Liebe. 4
2.1 Höfische Liebesauffassung 4
2.2 Gottfried von Straßburgs Liebesauffassung. 5
2.2.1 Prolog 5
2.2.2 Hündchen Petitcreiu 7
2.2.3 Minnegrotten-Exkurs 8
3. Ehre 11
3.1 Höfischer êre-Begriff 11
3.1.1 Gottfried von Straßburgs êre-Begriff 11
3.1.2 Minnetrank 12
3.1.3 Minnegrotte 13
3.1.4 Markes êre 14
4. Lösung des Liebe-Ehre-Konflikts 16
5. Literaturverzeichnis. 17
Prim ärliteratur: 17
Sekund ärliteratur: 17
3
1. Liebe-Ehre-Konflikt
Der Roman Tristan, der im 12. Jahrhundert von Gottfried von Straßburg, nach der Vorlage des französischen Originals, ins Deutsche übertragen wurde, behandelt im Kern die Themen Liebe und Ehre. Doch ganz im Gegensatz zu den damals herrschenden höfischen Vorstellungen dieser beiden Begriffe, definiert Gottfried von Straßburg den Liebes- und Ehrbegriff neu und veranschaulicht anhand einer Reihe von Exkursionen seine Auffassung davon. Tristan und Isolde, die beiden Hauptcharaktere im Tristan, verlieben sich aufgrund eines Liebestrankes, der von Isoldes Mutter, der Königin von Irland, eigens für Isolde und ihren zukünftigen Ehemann Marke, den König von Cornwall, zubereitet wurde. Als jedoch Tristan, der Neffe und getreue Anhänger Markes, die Prinzessin Isolde von Irland nach seiner Brautwerbungsfahrt für Marke mit dem Schiff nach Cornwall bringt, trinken Tristan und Isolde versehentlich von diesem Liebestrank und verlieben sich unsterblich ineinander. Diese Liebe entspricht jedoch nicht einer Liebe unter normalen Bedingungen, sondern wirkt auf die Betroffenen durch den Trank wie ein Bann, der weder durch Vernunft noch durch Trennung unschädlich gemacht werden kann und letztlich Leid und den Tod der beiden Liebenden bedeutet. Diese „mechanisch-zwanghafte Wirkung“ 1 und die daraus resultierende „schicksalhafte, außerhalb jeder menschlichen Verantwortlichkeit liegende Urgewalt dieser Liebe“ 2 stürzen Tristan und Isolde in eine Krise, durch die sie gezwungen sind, durch List und Intrigen König Marke und den Artushof zu hintergehen, um ihre Ehre aber auch ihre verächtete Liebe zu erhalten.
Im Folgenden soll nun der Konflikt zwischen dem höfischen Ehr- und Liebesideal und der von Gottfried von Straßburg dargestellten Ehre und Liebe erklärt werden.
1 Gottfried von Straßburg: Tristan. 3. Bd. Kommentar. 6. Aufl. Stuttgart 2002. S. 171 f.
2 Ebd. S. 171 f.
4
2. Liebe
Um die Gegensätzlichkeit der Liebesbegriffe der höfischen Gesellschaft und Gottfrieds von Straßburg deutlich zu machen, muss zuerst einmal definiert werden, wie Liebe und Ehe durch die adelige Schicht am Hofe im Mittelalter verstanden wurde. Anhand dieser Definition soll dann geklärt werden, inwiefern Gottfrieds Meinung davon abweicht und welche Konsequenzen dies für Tristan und Isolde hatte.
2.1 Höfische Liebesauffassung
Zu aller erst muss erklärt werden, dass sich die Mitglieder der damals am Hof lebenden Gesellschaft nicht durch ihre Persönlichkeit und damit eventuell durch ihre persönliche Liebe definierten, sondern ihre Individualität erst durch ihre gesellschaftlich-soziale Umwelt 3 erlangten. Liebe war keine private Erfahrung, die in der Abgeschiedenheit von der Gesellschaft erlebt wurde, sondern sie war etwas Öffentliches und dadurch gewissen Normen und Regeln unterworfen. Dadurch war die Thematisierung durch die zahlreichen Minnesänger der damaligen Zeit überhaupt erst möglich. Im Adel wurde nicht aus reiner Zuneigung und eventueller Leidenschaft geheiratet, sondern Hochzeiten standen ganz im Dienste des „materielle[n] Besitz- und feudale[n] Standesdenken“ 4 . Die unter diesem Standpunkt geschlossenen Ehen waren „rein utilitaristisch, quasi kommerziell geschlossene und entsprechend praktizierte Standes- und Besitzehe[n] besonders der Adeligen und höheren Patrizier“ 5 , die rein dem Zwecke der Nachkommenschaft und dem Erhalt beziehungsweise der Vermehrung des Besitzes unterworfen waren. Auch war die Ehe nach der „Sexualethik der Kirche [...] nicht der Ort erotischer Geschlechterliebe“ 6 , deren Missbrauch durch Lust und Leidenschaft als schlimmere Sünde betrachtet wurde als Lust und Leidenschaft außerhalb der Ehe 7 .
3 Vgl. Keck, Anna: Die Liebeskonzeption der mittelalterlichen Tristanromane. Zur Erzähllogik der Werke
Bérouls, Eilharts, Thomas’ und Gottfrieds. München 1998. S. 34.
4 Urbanek, Ferdinand: Die drei Minne-Exkurse im >Tristan< Gottfrieds von Straßburg. In: ZfdPh 98
(1979) S. 344 ff. S. 360.
5 Ebd. S. 360.
6 Ebd. S. 366.
7 Vgl. ebd. S. 366.
5
In dem damals weit verbreiteten hohen Minnesang wurde die angebetete Dame um ihrer gesellschaftlichen Werte willen, als Tugendträgerin geradezu ins Göttliche hochstilisiert ohne dass der Minnesänger erwartete, in seiner Liebe erhört zu werden. „Denn Hohe Minne [war] Dienen um Lohn, Ausharren in geduldigem wân, ein Ringen um die Geliebte, die wegen ihres hohen Wertes geliebt [wurde]“ 8 und das Leid in dieser Liebe war „schônes trûren wegen fast unüberwindlicher Distanz“ 9 .
2.2 Gottfried von Straßburgs Liebesauffassung
In der von Gottfried von Straßburg beschriebenen „Tristanliebe ist von alledem nicht die Rede: kein Dienen und Ringen um die Frau, sondern ewige Einheit der Liebenden; [...] gemeinsames Leid wegen einer feindlichen Welt“ 10 , gegen die sich Isolde und Tristan zu wehren versuchen. Im Folgenden soll nun anhand einiger Szenen diese im Tristan vertretene Liebesauffassung klar herausgestellt werden.
2.2.1 Prolog
Bereits im Prolog, in dem Gottfried von Straßburg das Publikum auf sein Werk vorbereitet, spricht er nicht ir aller werlde 11 , sondern eine ganz besondere kleine Gruppe der edelen herzen (V. 47) an, die nach Gottfrieds Einschätzung bereit sind, auch das Leid anzunehmen, das durch das „ständige Abschiednehmen[]“ und den „ständig gegenwärtigen Tod[] der Liebenden“ 12 unverzichtbarer Bestandteil der Liebe ist. Diese Sicht der Liebe steht dabei im völligen Gegensatz zu der „idealistische[n] höfische[n] Freuden-Minne des Artusromans“ 13 und wird von Gottfried folgendermaßen erklärt:
8 Furstner, Hans: Studien zur Wesensbestimmung der höfischen Minne. Groningen 1956. S. 198.
9 Ebd. S. 198.
10 Ebd. S. 198.
11 Gottfried von Straßburg: Tristan. 1. Bd. 10. Aufl. Stuttgart 2003. V. 50.
Zukünftige Zitate aus der Primärliteratur werden mit der Versnummer in Klammern im Fließtext
angegeben.
12 Urbanek, Ferdinand: Die drei Minne-Exkurse im >Tristan< Gottfrieds von Straßburg. In: ZfdPh 98 (1979) S.
344 ff. S. 369.
13 Ebd. S. 369.
Arbeit zitieren:
2005, Liebesauffassung und Ehrbegriff im Tristan Gottfrieds von Straßburg, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wann beginnt die Liebe zwischen Tristan und Isolde? Aspekte des Minnet...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 25 Seiten
Die Gründe für den Alexanderfeldzug nach Arrian
Arrian II 14, 4-6 und die hist...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 12 Seiten
Der höfische Ritter und die höfische Dame des hohen Mittelalters in Re...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 20 Seiten
Lehrwerkanalyse: "Deutsch als Fremdsprache: Schritte 1/A1"
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Rezension / Literaturbericht, 18 Seiten
Die Gralsthematik in Wolfram von Eschenbachs Parzival
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Die Minnegrottenallegorie als Gedächtniskunst - Der Tristan Gottfrieds...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Schule im Mittelalter am exemplarischen Beispiel der karolingischen Bi...
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit, 24 Seiten
Heines ironische Kritik an der Göttinger Gelehrtenwelt - Funktion und ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Zu: Derek Bickertons "Language Bioprogram Hypothesis" - Eine...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Brecht und die Komponisten seiner Lehrstücke
Zur Funktion der Musik in Brec...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 22 Seiten
Zum "tranc von minnen" im "Tristan" Gottfrieds von...
Eine argumentative Auseinander...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 40 Seiten
Die Funktion des Keie im Iwein
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 17 Seiten
Über Gottfried von Straßburgs "Tristan"
Die Minnegrotte als Ort der ei...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 29 Seiten
Postkoloniale Tendenzen in Deutschland
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit, 16 Seiten
Das Lesetagebuch als Methode der Leseförderung
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Referat (Ausarbeitung), 18 Seiten
Minnebeziehungen in Heinrich von Veldekes Eneasroman
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 20 Seiten
Der geheime Teilungsvertrag zwischen Antiochos III. und Philip V.
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 19 Seiten
Anonym hat den Text Liebesauffassung und Ehrbegriff im Tristan Gottfrieds von Straßburg veröffentlicht
Die Tristan-Trigonometrie des Gottfried von Strassburg
Zwei Liebende und ein Dritter
Anina Barandun
Gottfried Von Strassburg and the Medieval Tristan Legend: Papers from ...
Roy Wisbey, Adrian Stevens
0 Kommentare