I
Inhaltverzeichnis
Kurzzusammenfassung 2
1 Literatur 2
1.1 Einleitung 2
1.2 Vertrauen und Persönlichkeit 5
1.3 Ausprägung des Allgemeinen Vertrauens 6
1.4 Erfahrungen und Vertrauenseinschätzungen 7
2 Fragestellungen und Hypothesen 8
2.1 Fragestellungen. 8
2.2 Zusammenhangshypothesen. 8
2.3 Unterschiedshypothesen. 8
3 Methodik 8
3.1 Stichprobe 8
3.2 Erhebungsverfahren 9
3.2.1 Persönlichkeitsdimensionen 9
3.2.2 Allgemeines Vertrauen 9
3.2.3 Negative Erfahrungen 9
3.2.4 Vertrauenseinschätzung bekannter Personen. 9
3.2.5 Vertrauenseinschätzung unbekannter Personen 10
3.3 Ablauf 10
3.4 Ethische und juristische Gesichtspunkte 10
4 Ergebnisse 10
4.1 Demographische Daten 10
4.2 Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit 11
4.3 Zusammenhänge zwischen Vertrauen. 11
4.4 Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Allgemeinem Vertrauen. 11
4.5 Unterschiede zwischen Geschlechtern bei Allgemeinem Vertrauen 12
4.6 Unterschiede zwischen Altersgruppen bei Allgemeinem Vertrauen 12
4.7 Zusammenhänge zwischen Allgemeinem Vertrauen und negativen Erfahrungen 12
4.8 Zusammenhänge zwischen Vertrauenseinschätzungen. 12
5 Diskussion 13
Literaturverzeichnis. 15
Anhang 17
I
Kurzzusammenfassung
Im Rahmen des empirischen Seminars Persönlichkeitspsychologie wurde die Thematik Persönlichkeit und die Bereitschaft, Anderen zu vertrauen untersucht. Es galt herauszufinden welchen Einfluss die Persönlichkeitsausprägungen (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) auf interpersonelles Vertrauen (Allgemeines Vertrauen, Vertrauen in Freunde und Leichtgläubigkeit) haben. In dieser Arbeit wurde jedoch nur auf die Skala Allgemeines Vertrauen und deren Zusammenhang mit den Persönlichkeitsdimensionen näher eingegangen. Weiters wurde überprüft, ob es bezüglich der Ausprägung des Allgemeinen Vertrauens Unterschiede zwischen Altersgruppe und Geschlecht gab. Es wurden insgesamt 32 Personen, aufgeteilt nach Altersgruppe und Geschlecht, befragt. Zur Erhebung der Persönlichkeitsdimensionen wurde das NEO-Fünf-Faktoren-Inventar nach Costa und McRae von Borkenau und Ostendorf (1993) verwendet und zur Erhebung des Vertrauens wurde das Inventar zur Erhebung interpersonellen Vertrauens nach Kassebaum (2004) verwendet. Zusätzlich wurde mittels selbstkonstruierten Fragen überprüft, welchen Einfluss schlechte (negative) Erfahrungen auf Vertrauenswerte haben und ob die Befragten anderen (bekannten und unbekannten) Personen mehr oder weniger vertrauen würden.
Es zeigte sich ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Allgemeinem Vertrauen und Extraversion. Für die anderen Persönlichkeitsdimensionen zeigten sich keine signifikanten Zusammenhänge. Bezüglich der Altersgruppen und deren Ausprägung von Allgemeinem Vertrauen konnte kein signifikanter Unterschied zwischen Jüngeren und Älteren festgestellt werden. Das Geschlecht stellt ebenfalls keinen signifikanten Einfluss auf die Vertrauensfähigkeit im Allgemeinen dar. Die Werte bei Allgemeinen Vertrauen standen in einem signifikant negativen Zusammenhang mit negativen Erfahrungen. Die Einschätzung, wie man Anderen vertrauen würde, stand in keinem Zusammenhang mit Allgemeinem Vertrauen.
1 Literatur
1.1 Einleitung
Dass die Relevanz der Thematik des interpersonellen Vertrauens in der psychologischen Forschung und Praxis nicht unterschätzt werden kann, ist vermutlich unbestritten. Dem Vertrauen kommt eine der entscheidendsten Rollen für die Entwicklung und das Gelingen zwischenmenschlicher Interaktionen zu (Kassebaum, 2004). So etwa meint Bolle (1998), dass das alltägliche Leben in einem größerem Ausmaß durch Vertrauen bestimmt wird, als wir uns bewusst sind. Nach Luhmann (1968) kann der Mensch ohne jegliches Vertrauen nicht leben.
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Eines der Hauptprobleme der Vertrauensforschung besteht darin, dass der Vertrauensbegriff sowohl universal als auch komplex angesehen werden kann. So weckt dieser deutlich mehr Assoziationen als andere und lässt eine Vielzahl unterschiedlichster Gedankengänge zu. Dies erschwert nicht nur die Operationalisierung, sondern auch die Definition des Vertrauensbegriffs, was dazu führt, dass sich keine allgemein akzeptierte Begriffsbestimmung finden lässt. Kassebaum (2004) definiert Vertrauen mit vier Komponenten.
Der erste Aspekt der Vertrauensdefinition besagt, dass Vertrauen eine wohlwollende interpersonelle und intrapersonale Erwartung ist. Rotter (1971) schreibt, dass Vertrauen auf der Erwartung einer Person oder einer Gruppe, sich auf ein mündlich oder schriftlich gegebenes, positives oder negatives Versprechen einer anderen Person bzw. Gruppe verlassen zu können, basiert. Cook und Wall (1980) sprechen davon, dass Vertrauen sich vor allem auf das Ausmaß, in dem jemand bereit ist, anderen Personen gute Absichten zuzuschreiben und damit ihren Worten und Handlungen zu vertrauen, bezieht. Nach Laucken (2000) wird dem Interaktionspartner, dem eine Person vertraut, unterstellt, dass er sich gegebenenfalls darum bemühen werde, von der Person, die ihm vertraut, möglichen Schaden abzuhalten. Gabarro (1978) betont, dass das bisher gezeigte Verhalten des Gegenübers Einfluss auf die Erwartung nimmt und den Eindruck von Vertrauenswürdigkeit begründet.
Der zweite Aspekt der Vertrauensdefinition besagt, dass Vertrauen mit dem Eingehen eines persönlichen Risikos verbunden ist. Currall und Judge (1995) definieren Vertrauen als Umstand, bei dem sich ein Individuum bei der Wahl seines Verhaltens unter Eingehen eines Risikos auf eine andere Person verlässt.
Der dritte Aspekt der Vertrauensdefinition ist ein Verzicht auf und ein Verlust von Kontrolle. Nach Deutsch (1976) weist vertrauensvolles Handeln Verhaltensweisen auf, die die eigene Verwundbarkeit steigern, die gegenüber einer Person erfolgen, die nicht der persönlichen Kontrolle unterliegen, und in einer Situation gewählt werden, in welcher der Schaden, den man möglicherweise erleidet, größer ist als der Nutzen, den man aus dem Verhalten ziehen kann.
Der vierte Aspekt der Verhaltensdefinition nach Kassebaum (2004) besagt, dass Vertrauen auf die Zukunft ausgerichtet ist. Schlenker et al. (1973) beziehen Vertrauen auf zukünftige Handlungen anderer, die der eigenen Kontrolle entzogen sind und daher Ungewissheit und Risiko bergen.
Nach Narowski (1974) kann Vertrauen in einer kognitiven, einer affektiven und einer konativen Dimension erfahren und beschrieben werden. Vertraut man jemandem, nimmt man diesen als wohlgesinnt, glaubwürdig und kompetent wahr (kognitive Dimension). Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen sicher, geborgen und beruhigt (affektive Dimension). Man erlebt diese Beziehung ohne Angst und verhalten sich, wie man es erlebt (konative Dimension) (Zeikau, 1997).
Weiters muss man zwischen Vertrauen als stabile Persönlichkeitseigenschaft (Deutsch, 1958; Giffin, 1967) und Vertrauen als eine flüchtige situationsspezifische Variable (Driscoll, 1978; Kee & Knox, 1970) unterscheiden. Buck und Bierhoff (1986) sprechen davon, dass Vertrauen im Allgemeinen und Vertrauen in eine spezifische Zielperson nicht gleichgesetzt werden kann. Es besteht eine zeitliche In-
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stabilität. Vertrauen hängt von Situations- und Beziehungsvariablen ab. Vertrauen in einer Beziehung wird in Abhängigkeit von den Erfahrungen gesehen, die bereits mit dem Gegenüber gesammelt wurden. Petermann (1996) vermutet, dass in konkreten Situationen sich eher Vertrauen in eine spezifische Zielperson zeigt, während in weniger konkreten Situationen sich eher generalisiertes Vertrauen zeigt. Laucken (2001) geht davon aus, dass sich das Ausmaß des Zustands des Vertrauens in Abhängigkeit von den Erwartungen des Vertrauen entwickelt. Nach Buck und Bierhoff (1986) ist das spezifische interpersonelle Vertrauen in hohem Maße von der konkreten Person abhängig, mit der interagiert wird. Aufgrund der allgemeinen Vertrauensneigung ist keine Voraussage darauf möglich, ob einer spezifischen Person Vertrauen geschenkt wird. Couch und Jones (1997) fanden heraus, dass das Vertrauen innerhalb einer spezifischen zwischenmenschlichen Beziehung stärker mit der wahrgenommenen Qualität, dem Engagement und der Verbindlichkeit dieser speziellen Beziehung zusammenhängt, während generalisiertes interpersonelles Vertrauen eher Zusammenhänge aufweist mit dem emotionalen Status und den Persönlichkeitseigenschaften einer Person.
Von großer Bedeutung für die Vertrauensmessung ist die Unterscheidung von Vertrauen in einzelne Personen und in Personengruppen (Kassebaum, 2004). Vertrauen kann sich auf ein einzelnes Gegenüber beziehen, zu dem eine persönliche Beziehung besteht, oder auf einen Vertreter eines bestimmten Systems (Luhmann 1968). Vertrauen kann aber ebenso auf eine Gruppe gerichtet sein, welcher der Vertrauende selbst als Mitglied angehören kann, aber nicht muss (Kassebaum, 2004). Auf der Grundlage der vorangegangenen Begriffsbestimmungen entwickelte Kassebaum (2004) ein Erhebungsverfahren zur Operationalisierung des Konstruktes des interpersonellen Vertrauens, das Inventar zur Erfassung interpersonellen Vertrauens (IIV). Es stellt eines der wenigen Erhebungsverfahren dar, im deutschsprachigen Raum sogar das Einzige, die sowohl Vertrauen in andere Menschen im Allgemeinen als auch das Vertrauen in das soziale Umfeld und in den Beziehungsparameter erfassen. Kassebaum (2004; S. 230) erstellt die Skala Allgemeines Vertrauen, die sich auf das Vertrauen in Institutionen, in die Mitmenschen im Allgemeinen und in „Experten“ im Besonderen bezieht. Nach Giddens (1995) kann man beim Vertrauen in Experten immer von Systemvertrauen sprechen, weil nicht der Rechtschaffenheit oder den guten Absichten des Experten, sondern der Richtigkeit von Prinzipien Glauben geschenkt wird. Laut Strasser und Voswinkel (1997) vertraut man einem Polizisten in einer Gefahrenlage nicht, weil ich dieser Person vertraue, sondern weil dieser Träger der Polizistenrolle ist und sich dieser dem gesellschaftlichen Skript entsprechend verhält.
Der Begriff des interpersonellen Vertrauens ist anzusiedeln auf einem Kontinuum zwischen Misstrauen und Leichtgläubigkeit. Kassebaum beschreibt diese Pole folgendermaßen:
„Misstrauen, das Fehlen von Vertrauen, ist verbunden mit der Tendenz zur weitgehenden oder umfassenden Kontrolle des Verhaltens des Interaktionspartners. Es beinhaltet das Erleben von Unruhe und Angst sowie unter Umständen eine fehlende Bereitschaft, durch das eigene Verhalten ein Risiko einzugehen. Misstrauen ist verbunden mit der Befürchtung, dass ein oder mehrere Interaktionspartner, die wiederum als Vertreter einer bestimmten sozialen Gruppe wahrgenommen werden können, ein zuvor vereinbartes, unabgesprochen wohlwollendes
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oder zumindest den subjektiven Erwartungen gemäßes Verhalten nicht zeigen werden. Auch Misstrauen ist damit auf zukünftige Ereignisse bezogen.“ (Kassebaum, 2004; S. 22)
„Leichtgläubigkeit hingegen ist die Tendenz, auch dann zu vertrauensvollem Verhalten unter Eingehen eines Risikos bereit zu sein, wenn dieses Risiko objektiv zu groß ist, da die Erwartung, dass der oder die Interaktionspartner, die wiederum auch als Vertreter einer bestimmten sozialen Gruppe wahrgenommen werden können, ein zuvor vereinbartes, unabgesprochen wohlwollendes oder zumindest den subjektiven Erwartungen gemäßes Verhalten zeigen werden, der überwiegenden Mehrzahl von Individuen in vergleichbaren Situationen als unberechtigt erscheint.“ (Kassebaum, 2004; S. 22)
1.2 Vertrauen und Persönlichkeit
Personen, die ihren Mitmenschen mehr vertrauen, werden als weniger wütend, emotional wärmer in zwischenmenschlichen Beziehungen, altruistischer und geselliger als solche, die anderen Menschen mit weniger Vertrauen begegnen, angesehen (Couch, Adams & Jones, 1996). Weitere Studien berichten, dass diese mehr Zuneigung, mehr Mitgefühl zeigten und zufriedener mit ihrem Leben waren als solche, die weniger Vertrauen in andere Menschen berichteten (Uslaner, 1999; Couch et al., 1996; Rotter, 1980). Personen mit hohen Vertrauenswerten sind zudem angepasster und weniger in Konflikte verwickelt (Wright & Kirmani, 1977). Während vertrauensvolle Menschen wenige oder keine Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich berichten, äußern wenig vertrauende Schwierigkeiten damit, sich zu versöhnen und vermuten, dass sie ihren Mitmenschen gegenüber zu dominant sind (Gurtmann, 1992).
Im Rahmen der Validierung des IIV führte Kassebaum (2004) Korrelationen mit anderen Erhebungsverfahren durch. Dabei zeigte sich, dass Allgemeines Vertrauen mit allen Skalen des Inventars zur Erfassung interpersoneller Probleme (IIP) von Horowitz et al. (2000) hoch signifikant und negativ korreliert. Personen mit hohen Werten bei Allgemeinen Vertrauen haben zum Beispiel niedrige Werte bei den Skalen „zu streitsüchtig/konkurrierend“, „zu abweisend/kalt“, „zu introvertiert/vermeidend“, „zu ausnutzbar/nachgiebig“, „zu fürsorglich/freundlich“ und „zu aggressiv/aufdringlich“. Man könnte versuchen diese Skalen den „Big Five“ zuzuordnen. So würde sich die Skalen „zu abweisend/kalt“ und „zu introvertiert/vermeidend“ der Persönlichkeitsskala Extraversion zuordnen lassen. Es wurde ein positiver Zusammenhang zwischen Allgemeinem Vertrauen und Extraversion abgeleitet. Personen, die gesellig, selbstsicher und aktiv sind, vertrauen mehr.
Die Skala „zu fürsorglich/freundlich“ könnte man Verträglichkeit zuordnen. Es wurde somit ein positiver Zusammenhang zwischen Allgemeinem Vertrauen und Verträglichkeit angenommen. Personen, die altruistisch, verständnisvoll, wohlwollend, mitfühlend und hilfsbereit sind, vertrauen mehr. Nach Borkenau und Ostendorf (1993) sind Extraversion und Verträglichkeit in erster Linie Dimensionen, die interpersonelles Verhalten beschreiben. Personen mit hohen Werten in der Skala Verträglichkeit begegnen anderen mit Verständnis, Wohlwollen und Mitgefühl. Sie sind bemüht, anderen zu helfen und überzeugt, dass diese sich ebenso hilfsbereit verhalten werden. Sie neigen zu zwischenmenschli-
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chem Vertrauen, zur Kooperativität, zur Nachgiebigkeit, und sie haben ein starkes Harmoniebedürfnis. Personen mit niedrigen Punktwerten beschreiben sich im Gegensatz dazu als antagonistisch, egozentrisch und misstrauisch gegenüber den Absichten anderer Menschen.
Bezüglich des Zusammenhangs von Allgemeinem Vertrauen mit Neurotizismus wurde ein negativer Zusammenhang postuliert. Kassebaum (2004) fand negative Korrelationen zwischen interpersonellem Vertrauen und psychischer Belastung, gemessen durch die Symptom Check Liste (SCL-90-R) von Franke (1995). Personen mit hohen Vertrauenswerten haben mehr Sicherheit im Sozialkontakt und sind weniger ängstlich. Personen, die erschüttert, betroffen, beschämt, unsicher, verlegen, nervös, ängstlich und traurig reagieren, haben niedrigere Vertrauenswerte (Kassebaum, 2004). Personen mit hohen Werten bei Neurotizismus sind leicht aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen (Borkenau & Ostendorf, 1993).
Eine der wenigen Studien, die versuchten Persönlichkeitseigenschaften mit Verhaltensmustern, unter anderem auch Vertrauen, zu verknüpfen, stammt von Patterson und Anuwichanont (2003) über den Dienstleistungsbereich in Bangkok, Thailand. Kunden, die mehr Vertrauen in ihren Dienstleister haben, sind demnach extravertierter, verträglicher, zufriedener, loyaler und suchen weniger Abwechslung. Die Suche nach Abwechslung könnte mit Offenheit für Erfahrungen gleichgesetzt werden. Es wurde daher eine negative Korrelation zwischen Allgemeinem Vertrauen und Offenheit für Erfahrungen angenommen.
Nach Olson (1998) gelten Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit als verantwortungsbewusst und vertrauenswürdig. Sie tendieren dazu, ernsthafter und vorsichtiger beim Entscheiden zu sein. Menschen mit geringer Gewissenhaftigkeit werden eher vertrauen als andere Leute. Sie beschreiben sich als nachlässig, gleichgültig und unbeständig (Borkenau & Ostendorf, 1993). Es wurde ein negativer Zusammenhang zwischen Allgemeinem Vertrauen und Gewissenhaftigkeit angenommen.
1.3 Ausprägung des Allgemeinen Vertrauens
Die Items des Inventars zur Erfassung interpersonellen Vertrauens nach Kassebaum (2004) scheinen eine weitestgehend von Geschlechtsunterschieden unabhängige Faktorenstruktur aufzuweisen. Das Ergebnis steht im Gegensatz zu den Studien von Johnson-George und Swap (1982), die von einem Geschlechtsunterschied bei interpersonellem Vertrauen ausgehen. Der für den deutschen Sprachraum von Buck und Bierhoff (1986) adaptierte Fragebogen von Johnson-George und Swap wies auch keine Unterschiede hinsichtlich einer geschlechtsspezifischen Faktorenstruktur auf. Bezüglich des Allgemeinen Vertrauens fand Kassebaum keine Geschlechtsunterschiede. Es wurde somit kein Geschlechtsunterschied bezüglich der Ausprägung des Allgemeinen Vertrauens angenommen.
Kassebaum (2004) untersuchte sein Instrument auch hinsichtlich der Korrelation der Skalen mit dem Lebensalter der Gesamtstichprobe und fand einen negativen Zusammenhang mit Allgemeinem Vertrauen. Die Werte des Allgemeinen Vertrauens unterscheiden sich hinsichtlich der drei Altersgruppen (unter 30 J., 30 - 45 J., über 45 Jahre) signifikant. Kassebaum führte jedoch keinen Post-Hoc Vergleich
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durch. Für diese Arbeit wurde angenommen, dass die Jüngeren signifikant mehr Allgemeines Vertrauen haben als die Älteren.
1.4 Erfahrungen und Vertrauenseinschätzungen
Personen mit hohem interpersonellen Vertrauen scheinen nach Rotter (1980) eher die Tendenz zu haben, anderen Menschen solange zu vertrauen, bis es deutliche Hinweise gibt, dass sie nicht vertrauenswürdig sind. Personen mit niedrigem interpersonellen Vertrauen scheinen anderen Menschen solange nicht zu vertrauen, bis es deutliche Hinweise gibt, dass sie vertrauenswürdig sind. Erfahrungen beeinflussen also die Fähigkeit zu vertrauen. Die Frage ist inwiefern persönliche Beziehungen, spezifisches Vertrauen, auf das generalisierte Vertrauen wirken und dieses beeinflussen. Besonders negative Erfahrungen bleiben den Betroffenen in Erinnerung. Vertrauen schafft Bindung und erhält bestehende Sozialbeziehungen aufrecht, ist aber auch die Basis für neue Interaktionen und Erfahrungen (Kassebaum, 2004). Je offener eine Person ist, desto mehr Erfahrungen, sowohl positive als auch negative, können gemacht werden.
Petermann (1996) vermutet, dass Misstrauische sich bereits in ihrer Wahrnehmung einer sozialen Situation von vertrauensvolleren Personen unterscheiden. Misstrauische sind sensibler für Risiken im Umgang mit anderen, da sie aufgrund vieler negativer Erfahrungen die Hinterlist und Unzuverlässigkeit ihrer Mitmenschen im vollen Umfang erfahren haben. Yamagishi und Kikuchi (1999) konnten nachweisen, dass vertrauensvollere Personen sensibler für vertrauensvolle Botschaften sind und die Vertrauenswürdigkeit anderer besser einschätzen als misstrauische Personen. Sie sprechen davon, dass sozial intelligentere Personen mehr allgemein vertrauen können. Im Zuge dieser Arbeit mussten die Befragten Bilder von bekannten und unbekannten Personen bewerten, ob sie diesen vertrauen würden.
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Arbeit zitieren:
Stephan Berndl, 2006, Persönlichkeit und Bereitschaft, Anderen zu vertrauen, München, GRIN Verlag GmbH
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