Inhaltsverzeichnis
1 EILEITUG 1
2 HAUPTTEIL 2
2.1 DER BEGRIFF DER MORAL 2
2.1.1 Begriffsgeschichte 2
2.1.2 Der Moralbegriff aus moderner Sicht 3
2.2 WER ODER WAS KANN BESTIMMEN WAS EIN GRUNDSÄTZLICH RICHTIGES ODER FALSCHES MORALISCHES
HANDELN IST 5
2.3 GIBT ES EIN GRUNDSÄTZLICH RICHTIGES MORALISCHES HANDELN 15
3 SCHLUSSBEMERKUG 19
4 QUELLE UD LITERATURVERZEICHIS 22
1
1 Einleitung
Im Folgenden werde ich die Frage zu beantworten versuchen, ob es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln gibt. Die Beschäftigung mit dieser Fragestellung erwächst aus einem ureigensten Interesse meinerseits: Denn Tag für Tag sehe ich mich im Umgang mit meiner Umwelt vor Situationen gestellt, in denen ich entscheiden muss, wie ich zu handeln oder einen Sachverhalt zu bewerten habe. Zum Beispiel: Ist es in Ordnung, eine auf der Straße gefundene Brieftasche zu behalten, anstatt sie dem Besitzer zurückzugeben? Meine Antwort: Nein! Doch was ist die Ursache für meine Haltung bzw. woran orientiere ich mich bei meiner Entscheidungsfindung? An Recht und Gesetz? Oder vielleicht an der Instanz der Moral? Was ist Moral überhaupt? Gibt es ein richtiges und falsches moralisches Handeln? Sind es allgemeine gesellschaftliche Normen und Werte, die mir Orientierung bieten? Oder eigene moralische Grundsätze? Gibt es eine universelle Moral? All diese Fragen zeigen bereits die Komplexität der Thematik. Nach den Worten von Anton Leist, derzeit Professor für Philosophie an der Universität von Zürich, hat die „akademische Moralphilosophie in den letzten Jahren [...] ausführliche Stellungnahmen und Argumente“ 1 zu bestimmten konkreten Problemen, also „solche der Wissenschaft, der Umwelt oder wiederum der Politik, etwa der internationalen Konflikte und Katastrophen“ 2 , entwickelt. Doch haben in seinen Augen insbesondere die Arbeiten der Angewandten Ethik nicht sonderlich zu befriedigenden Problemlösungen beigetragen. Leist befindet, dass die Fragen der Ethik zwar theoretisch mit den Mitteln der Philosophie zu behandeln sind, deren Analysen aber zugleich praktische sein müssen. Sein Anspruch einer Verbindung von Theorie und Praxis in der Ethik hat mich dazu bewogen, unter anderem das von ihm verfasste Werk Die gute Handlung als Forschungsliteratur für diese Zwischenprüfungsarbeit heranzuziehen, wobei mein Hauptaugenmerk auf der Alltagsmoral liegen wird. Doch bevor ich hinterfrage, ob es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln gibt, versuche ich mich zunächst einmal an einer Definition des Begriffes Moral. Denn ohne eine Erklärung dessen, was unter Moral zu verstehen ist, würde meine Argumentation zur Beantwortung der Hauptfragestellung auf äußerst tönernen Füßen stehen. Anschließend setze ich mich mit der Hauptfragestellung auseinander und werde in der Schlussbemerkung die von mir gewonnenen Erkenntnisse aus meinen Überlegungen zusammenfassen und schließlich ein Resümee ziehen.
1 Leist, Anton: Die gute Handlung. Eine Einführung in die Ethik, Berlin 2000, S. 2.
2 Ebd. S. 2.
2
2 Hauptteil
2.1 Der Begriff der Moral
2.1.1 Begriffsgeschichte
Der griechische Philosoph Aristoteles, der als Begründer der Ethik als eine selbständige Disziplin gilt und diese als praktische Philosophie von der theoretischen unterschied, beschrieb in seinem Werk ikomachische Ethik zwei Arten von Tugenden, die den Charakter eines Menschen prägen, einerseits die intellektuellen (Verstand), andererseits die ethischen (Sittlichkeit) Tugenden: Seinen Überlegungen zufolge „verdankt jene, die intellektuelle, Ursprung und Wachstum am meisten der Belehrung; sie bedarf deshalb der Erfahrung und der Zeit. Die rechte ethische Beschaffenheit dagegen wird durch Gewöhnung erlangt und hat davon auch ihren Namen (Ethos mit langem e) erhalten, der sich von dem Ausdruck für Gewöhnung (Ethos mit kurzem e) nur ganz leise unterscheidet.“ 3 Für Aristoteles bezieht sich die Ethik auf das „Handeln des Individuums in einem umfassenden sozialen Gefüge“ 4 und beinhaltet „sowohl die Lehre vom Hauswesen, die Ökonomik, als auch die Lehre von der Polis, die Politik als Sozial-, Rechts- und Staatsphilosophie.“ 5 Aber was hat all dies nun mit dem Begriff Moral zu tun? Antwort: Das lateinische Wort mos, das Sitte als auch Brauch, Gewohnheit und Charakter bedeutet, ist eine Übersetzung der beiden eben genannten Ethikbegriffe (eethos mit langem e und ethos mit kurzem e). Vom lateinischen Substantiv mos bzw. Adjektiv moralis (sittlich bzw. die Sitten betreffend) leitet sich das deutsche Wort Moral ab. Das Wort moralis „hat in den indogermanischen Sprachen gemeinsame Wurzeln mit dem deutschen Wort Mut.“ 6 Gerade im Deutschen und Französischen standen mos sowie mores (Plural) und ihre Ableitungen „auch für Lebensart, Anstand, Benehmen und wurden in Wendungen gebraucht, die eine sittliche Belehrung durch Beispiele oder eine Zurechtweisung ausdrücken“ 7 , wie z. B. Die Moral von der Geschicht'. Summa summarum kann man schlussfolgern, dass das Wort Moral traditionell der „Inbegriff jener Normen und Werte [ist], die durch gemeinsame Anerkennung als verbindlich gesetzt worden sind und [...] an die Gemeinschaft der Handelnden appellieren“ 8 , was Geboten (Du sollst...) oder Verboten (Du sollst nicht...) ist.
3 NE, II, 1, 1103a 14ff.
4 Rohls, Jan: Geschichte der Ethik, Tübingen 1991, S. 1.
5 Ebd. S. 1.
6 Fischer, Peter: Einführung in die Ethik, München 2003, S. 10.
7 Ebd. S. 10-11.
8 Pieper, Annemarie: Einführung in die Ethik, Tübingen 1994, S. 30.
3 2.1.2 Der Moralbegriff aus moderner Sicht Im modernen Sprachgebrauch wird Moral als eine Sammelbezeichnung für das sittliche Empfinden bzw. Verhalten eines Einzelnen oder einer Gruppe als auch die der jeweiligen gesellschaftlichen bzw. kulturellen Praxis zugrunde liegenden und als verbindlich akzeptierten oder zumindest tolerierten ethisch-sittlichen Werte und Normen(-systeme) des Handelns bezeichnet – so jedenfalls steht es in gängigen Lexika wie der Brockhaus Enzyklopädie. Man kann auch sagen, dass der Begriff der Moral aus Konventionen, überlieferten Traditionen bzw. wechselseitigen Anerkennungsprozessen hervorgegangene Ordnungs- und Sinngebilde (Regelsysteme) bezeichnet, die „in Form eines Katalogs materialer Normen und Wertvorstellungen einerseits die Bedürfnisbefriedigung einer menschlichen Handlungsgemeinschaft regeln und andererseits in dem, was von dieser allgemein als verbindlich (als Pflicht) erachtet wird, Auskunft über das jeweilige Freiheitsverständnis der Gemeinschaft geben.“ 9 Was das Wort Moral genau beinhaltet, ist also abhängig vom Moralverständnis der in den jeweiligen Kulturkreisen und Lebensformen (Sozietät, Gemeinde, Gruppe) handelnden bzw. interagierenden Menschen. Oft werden im Alltag die Begriffe Moral und Ethik [zu griechisch: éthos »Sitte«, »Brauch«] beliebig vermischt. Obgleich sie in einem Zusammenhang stehen, sind sie nicht von identischer Bedeutung: Denn Moral „ist die Bezeichnung für eine bestimmte soziale Realität, Ethik hingegen der Titel für eine Disziplin oder Theorie von dieser Realität“ 10 , eine Reflexion über moralisches Verhalten, ein Nachdenken über die Moral, der „Versuch einer umfassenden Systematisierung, wie er nur in der Moralphilosophie üblich ist.“ 11 Mit dem Wort Moral verbinden sich im Wesentlichen zweierlei Sachverhalte: Einerseits vollzieht sich das (Zusammen-)Leben von Menschen stets in bestimmten gewohnten und üblichen Bahnen: „Jeder einzelne wird in bestehende sittliche Verhältnisse hineingeboren und dann entsprechend sozialisiert [...,] lernt im gewissen Maße [...], was entweder als anständig oder [...] unanständig gilt, wird [...] in bestimmte Bräuche eingeweiht [und] erfährt, welche Lebenspläne die Menschen seiner Sozietät verfolgen.“ 12 Eine Abweichung vom Üblichen wird dann oft als unmoralisch oder unsittlich angesehen. Andererseits sprechen wir oft davon, „daß jemand Moral beweist oder Charakter zeigt, wenn er etwas als richtig Eingesehenes auch gegen den Widerstand derer, die sich auf das Übliche berufen,
9 Pieper S. 41.
10 Leist S. 2.
11 Ebd. S. 3.
12 Fischer S. 11.
4 konsequent zur Regel seines Handelns macht.“ 13 Soweit zu den Verwendungsweisen des Wortes Moral. Es gibt vier idealtypische Systeme der Moral, auf denen in dieser Arbeit jedoch nicht der Schwerpunkt liegen wird: 14
Stattdessen soll die Alltagsmoral, die sich „aus Beständen der traditionell christlichen Moral unter Einfluß verschiedener Aufklärungsideen entwickelt hat“, einer näheren Betrachtung unterworfen werden. Inhaltlich finden sich in ihr Spuren der anderen Moralsysteme: laut Leist verbindet die Alltagsmoral mit ihnen – ausgenommen die spontane Moral – ein wichtiges strukturelles Merkmal: den moralischen Universalismus, der beinhaltet, „daß eine bestimmte Zahl moralischer Ge- und Verbote für alle Menschen gleich gilt“ 15 , wie es sich im politischen Alltag beispielsweise im Anspruch der Menschenrechte zeigt, die jedem Menschen von Geburt an zustehen sollen. Im Zuge der Beantwortung der Eingangsfrage wird u.a. das der Alltagsmoral innewohnende konfliktreiche Verhältnis „zwischen universellen moralischen Forderungen und persönlichen Beziehungen“ 16 von Interesse sein, wobei zu klären ist, wer oder was überhaupt bestimmen kann, was ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln ist.
14 Vgl. Leist S. 6.
15 Leist S. 10.
16 Ebd. S. 331.
Quote paper:
Charlie Rutz, 2006, Gibt es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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