Inhaltsverzeichnis
A Dokumentation 3
I. Literaturbericht 3
II. Textquellen 7
III. Beschreibung 9
IV. Datierung 10
V. Auftraggeber 10
VI. Herkunft 11
B. Typen , Motiv , Funktions- und Stilgeschichte sowie ikonographische Fragen 13
I. Typen- und Motivgeschichte 13
II. Funktionsgeschichte 17
III. Stilgeschichte 18
IV. Ikonographie 19
C. Ideengeschichte 20
VII. Literaturverzeichnis 23
2
A Dokumentation
I. Literaturbericht
Nachdem Vermeers Werke seit dem 17. Jahrhundert mehrheitlich in Vergessenheit geraten waren und der Niederländer selbst kaum jemandem mehr ein Begriff war, beginnt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Auseinandersetzung um den Maler, die bis heute andauert. Diverse Bildbände, Monographien und Aufsätze existieren derweil in den Bibliotheken, teils mit hohem wissenschaftlichem Anspruch, teils kurzweilige und oberflächliche Lektüre.
Dem französischen Journalisten und Kunstliebhaber Theophil Bürger-Thoré wird dabei die Ehre zuteil, der Wegbereiter für die Vermeer-Rezeption gewesen zu sein. Er nahm sich zum ersten Mal eingehend des Delfter Malers an und führte ihn ins Licht einer breiteren Öffentlichkeit. Nach mehreren Jahren, in denen Bürger-Thoré viele Sammlungen und Archive durchforstete, veröffentlichte er seine Erkenntnisse 1866 in der Gazette des Beaux-Arts 1 . Erst vierzig Jahre später erschien dieses für die Vermeer-Forschung tonangebende Werk in deutscher Sprache. 2
Da die vorliegende Arbeit Vermeers Briefleserin in Blau zum Thema hat (und nicht das Gesamtwerk des Malers), soll im Folgenden nur auf die Literatur zu eben diesem Werk eingegangen werden. Diese Einschränkung macht nicht zuletzt Sinn, um den vorgegebenen Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen.
Im Werksverzeichnis von Bürger-Thoré taucht die Briefleserin in Blau bereits mit einem längeren Absatz auf. Der Autor betitelt das Gemälde allerdings als Lesende Dame. Er erwähnt den leichten Auftrag der Farbe und unterstellt Vermeer eine Vorliebe für die Farbe Blau.
1 Gazette des Beaux-Arts, Ausgabe 21, 1866 (p. 297-330, 458-470, 542-575)
2 Thoré, Theophil: Jan Vermeer van Delft, Leipzig 1906
3
Als Gegensatz führt er die Ansicht von Delft und die Straße in Delft an, wo der Maler anders, nämlich „mit kräftigem Pinselstrich und reichlicher Malmasse“ zu Werke gehe. Bürger-Thoré hatte lange Zweifel, ob es sich bei dem Bild tatsächlich um eine Arbeit von Vermeer handelt. Die Landkarte im Hintergrund kann er noch nicht exakt identifizieren. 3
De Vries knüpft Mitte des 20. Jahrhunderts - Vermeer wird inzwischen als herausragender Vertreter der holländischen Malerei anerkannt und gepriesen - an Bürger-Thorés Äußerung an. Auch ihn interessiert die Verwendung der Farbe Blau. Passend dazu gibt er dem Bild den Titel Das Mädchen in Blau. Im Gegensatz zu Bürger-Thoré versucht de Vries präziser zu erfassen, wie die Farbe Blau in dem Gemälde verwendet wird. Er verweist darauf, dass Vermeer die Wirkung des Lichts sehr genau gekannt haben muss. Die Farbe des blauen Kleides werde reflektiert, zu sehen an den Schatten an der Wand und an der Hautfarbe der Frau. Eine ausführliche Bearbeitung des Bildes findet bei de Vries noch nicht statt. Über viele Zeilen ergeht er sich in einer Lobrede auf Vermeer und dessen Fähigkeiten, die wenig zum Erkenntnisgewinn beiträgt. 4
Kurze Zeit später scheut sich Frithjof van Thienen nicht, in seinem Buch weitgehend konform mit de Vries zu bleiben und nichts Neues hinzuzufügen. 5
1967 erscheint ein dünnes, auf Anschaulichkeit und belegbare Fakten konzentriertes Buch über Vermeers Gesamtwerk von István Schlégl und Piero Bianconi. Darin findet auch die Briefleserin in Blau einen Platz. Es handelt sich weniger um eine umfassende Analyse, denn um eine Auflistung von allen Bildern Vermeers. 6
3 vgl. Thoré, Theophil: Jan Vermeer van Delft, Leipzig 1906 (p. 73-74)
4 vgl. De Vries, A. B.: Jan Vermeer van Delft, Basel 1945 (p. 57-58)
5 vgl. Van Thienen, Frithjof: Jan Vermeer van Delft, Zürich 1949
6 vgl. Schlégl, István/Bianconi, Piero: Das Gesamtwerk von Vermeer (Klassiker der Kunst), Luzern/Freudenstadt/Wien 1967 (p. 92-93)
4
Albert Blankert kommt 1975 bei seiner Betrachtung der Briefleserin in Blau nicht weit über die Aussage hinaus, dass es sich bei dem Bild um eine außerordentlich gelungene Farbkomposition aus Gelb, Weiß und Blau handele. Er bezeichnet das Bild mit dem Titel Woman in blue reading a Letter. Der Autor weist allerdings auf die Möglichkeit einer Farbveränderung hin. Grün verändere sich oft im Laufe der Zeit, wenn die aufgetragene Farbe zu oxidieren begann, und gehe ins Blaue über („bluegreen disease“). Blankert hält es für möglich, dass das heute so herausstechende Blau des Gemäldes früher durch Grün und Gelb ausbalanciert wurde. Im Anhang des Buches werden die Textquellen aufgeführt, in welchen von der Briefleserin in Blau gesprochen wird. 7
Eine außerordentlich lesenswerte, weil fundierte und kritische Untersuchung lieferte 1986 Bärbel Hedinger. Sie vergleicht Vermeer mit Willem Buytewech unter dem Gesichtspunkt der Wandkarten, der so genannten Karte-im-Bild. Sie kritisiert dabei die vorangegangene Forschung, die der Wandkarte lediglich dekorativen und sinnbildlichen Charakter beimaß. Nach Hedinger sei die Wandkarte keine Metapher für die Außenwelt, sondern sie repräsentiere eben diese. Die Autorin ist in der Lage, die Wandkarte im Hintergrund der Briefleserin in Blau genau zu bestimmen. Außerdem weiß sie von den Röntgenuntersuchungen des Bildes durch Wheelock und bindet diese in ihre Untersuchungen mit ein. 8
Arthur K. Wheelock, Kurator in der National Gallery of Art in Washington, darf als eine der Fachpersonen für das Gesamtwerk von Johannes Vermeer gelten. So gibt er 1995 in zwei Büchern einen Eindruck von seinem Wissen, geht dabei inhaltlich gleichermaßen in die Breite wie in die Tiefe. In dem Katalog zur Washingtoner
7 vgl. Blankert, Albert: Vermeer of Delft, Oxford 1975 (p. 43, 160-161)
8 vgl. Hedinger, Bärbel: Karten in Bildern. Zur politischen Ikonographie der Wandkarte bei Willem Buytewech und Jan Vermeer, in: Bock, Henning/Gaehtgens, Thomas W. (Hg.): Holländische Genremalerei im 17. Jahrhundert. Symposium Berlin 1984 (Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz Sonderband 4), Berlin 1987 (p. 139-168); Hedinger, Bärbel: Karten in Bildern. Zur Ikonographie der Wandkarte in holländischen Interieurgemälden des siebzehnten Jahrhunderts, Hildesheim/Olms 1986
5
Ausstellung Johannes Vermeer nimmt er sich eingehend der Briefleserin in Blau an. 9 Neben der Farb- und Lichtkomposition interessiert ihn die Gestaltung der Fläche. Wheelock betont die Ausgewogenheit der ockerfarbenen, weißen, schwarzen und blauen Flächen. Er verweist auf Ergebnisse der Röntgenuntersuchung des Bildes, durch die Veränderungen von Vermeer sichtbar gemacht wurden. Seine Erkenntnisse aufgrund dieser technischen Untersuchung sind nicht zu unterschätzen, weiß man doch bisher nur wenig über Vermeers Arbeitsweise. Noch ausführlicher widmet er sich der Briefleserin in Blau in seinem Buch Vermeer & the Art of Painting. 10
Norbert Schneider versucht in seiner aktuellen Betrachtung des Gesamtwerks von Vermeer, der Briefleserin in Blau inhaltlich näher zu kommen. Er ordnet das Gemälde ein in den Zusammenhang der niederländischen Genremalerei des
17. Jahrhunderts und versucht Parallelen aufzuzeigen zu anderen Vermeer-Bildern mit einem ähnlichen Thema. Bei Schneider taucht es unter der Kapitelüberschrift Geheime Sehnsüchte auf. Er sieht in der Briefleserin in Blau die Erörterung eines damals aktuellen, allgemeinen sozialen Problems. Demzufolge entfernt er sich von Gesichtspunkten des Realismus bzw. reiner Abbildung und begreift das Bild als vielschichtige Metapher mit moralischem Inhalt. 11
9 vgl. Wheelock, Arthur K. (Hg.): Vermeer. Das Gesamtwerk, Stuttgart/Zürich 1995 (p. 134-139)
10 vgl. Wheelock, Arthur K.: Vermeer & the Art of Painting, New Haven/London 1995 (p. 7-19)
11 vgl. Schneider, Norbert: Vermeer. 1632-1675. Verhüllung der Gefühle, Köln 2006 (p. 49-50)
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Quote paper:
Christopher Bünte, 2006, "Die Briefleserin in Blau" von Vermeer van Delft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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