2
Inhaltsangabe:
1. Einleitung 3
1.1 Der Begriff der Gattung und des Genres 3
1.2. Das Unheimliche 3
1.3. Gothic Literature oder der Schauerroman 4
1.3.1. Daphne du Mauriers Jamaica Inn ein Schauerroman 5
2. Daphne du Maurier 5
2.1. Biografie 5
2 2 D i e I n s p i r a t i o n 6
3. Die Geschichte 6
3.1. Das Unheimliche in Jamaica Inn 8
3.1.1. Stilistische Mittel das Setting 8
3.1.2. Ein gender-orientierter Ansatz 10
3.1.2.1. Häuslicher Terror Masochismus und Liebe 10
3.1.2.2. Terror versus Horror die rationale Erklärbarkeit 11
3.1.2.3. Die Begriffe: heimlich Wiederkehr und Verdrängung 11
3.2. Zusammenfassung 12
4. Literatur- und Quellenverzeichnis 13
3
1. Einleitung:
1.1 Der Begriff der Gattung und des Genres:
Der Begriff der Gattung bezeichnet zweierlei. Zunächst einmal meint man mit diesem Terminus eine Einteilung der literarischen Darbietungsformen in die drei "Naturformen der Poesie" (Goethe), oder in die Gattungs-Trias der typologischen Grundgattungen: Epik, Lyrik und Drama. Die Grundlage, nach welcher diese Kategorisierung - ohne dass damit ein Werturteil verbunden wäre - vorgenommen wird, bildet die allgemeine Gattungstheorie. Die Abgrenzung voneinander und Aufdeckung ihrer Gestaltungsprinzipien ist Aufgabe der Gattungspoetik, während die Entstehung, historische Entwicklung, der Wandel und das ev. Absterben einer Gattung von der Gattungsgeschichte untersucht werden. War in der Antike die Einteilung in verschiedene Gattungen noch unbekannt - es ging damals mehr um die Begriffsbestimmung der einzelnen Dichtarten - wurden in Deutschland Ende des 18. Jhdts. erstmals Gattungsbegriffe formuliert. In neuerer Zeit gibt es allerdings Theoretiker, wie etwa B. Croce, die die Berechtigung zur Einteilung in Gattungen bestreiten, allerdings nicht widerspruchslos. Die zweite Verwendungsmöglichkeit desselben Begriffes ist die in "Dichtarten" (Goethe), d.h. in historisch bedingte Untergattungen oder auch Genres genannt. Ihre Einteilung und Unterteilung erfolgt sowohl nach formalen, als auch nach inhaltlichen Kriterien. Oftmals bedingen Inhalt und Gestalt sich gegenseitig. Oftmals ist aber auch eine eindeutige Zuordnung nicht möglich, da es immer wieder zu gattungsüberschneidenden Mischformen, Übergangsformen und historisch bedingten Abwandlungen der Einteilungsprinzipien kommt. Strukturveränderungen innerhalb der Gesellschaft, aber auch eigenwillige Benennungen durch die Autoren selbst, neue Medien, neue theoretische Ansätze bezüglich der Beschäftigung mit Textsorten, andere Gliederungsaspekte, wie etwa im Bezug auf die Kommunikationsfunktion eines Textes tragen ebenfalls dazu bei. 1
1.2. Das Unheimliche:
Das Unheimliche als Teilbereich der Fantastik wird dem Genre der fantastischen Literatur zugeordnet. Nach Todorov ist das Fantastische die Unschlüssigkeit, "die ein Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Augenschein des Übernatürlichen hat. (Todorov, 1972, S. 26)" 2 Einzig und allein im Moment der Unschlüssigkeit des impliziten Lesers, solange es nicht zur Auflösung derselben kommt, handelt es sich um Fantastik. Es bieten sich jedoch zwei Entscheidungsalternativen bezüglich der Beschaffenheit der Ereignisse an. Kommt es zur Auflösung der Unschlüssigkeit durch Anerkennung übernatürlicher Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, dann spricht man vom Wunderbaren. Kommt es hingegen zu einer Auflösung durch rationale Erklärungsmöglichkeiten, dann handelt es sich um das Unheimliche, in welchem Fall die Gesetze der Welt, in der sich der Leser befindet, nicht angezweifelt werden müssen. Für Todorov ist die Abgrenzung zwischen dem Fantastischen und seinen beiden benachbarten Domänen eine Gratwanderung auf dem Gebiet des Fantastisch-Wunderbaren, das sich in Erzählungen manifestiert, die sich als fantastisch präsentieren und schließlich das Übernatürliche anerkennen, bzw. auf dem Gebiet des Fantastisch-Unheimlichen, bei dem es schließlich zu einer rationalen Auflösung kommt, sei es, dass der Leser entdeckt, sich in einer Traumwelt befunden zu haben, sei es, dass ungewöhnliche Ereignisse sich als Zufälle oder Betrug entlarven lassen.
Das Unheimliche selbst lässt ebenfalls die Gesetze der Realität intakt, außergewöhnliche oder schockierende Phänomene erscheinen dem Leser allerdings während der ganzen Erzählung unheimlich. Das dieser Definition entsprechende Genre wäre somit der "Schauerroman", oder "the Gothic novel", wenn man es auf Englisch ausdrücken möchte, da es sich bei der vorliegenden Lektüre um einen in englischer Sprache verfassten Roman handelt.
Während sich Todorov dem Problem nach den Methoden des Strukturalismus nähert, versucht es Freud über eine sprachliche Analyse. Er erkennt, dass das Unheimliche nicht immer genau abgegrenzt werden kann, jedoch immer "zum Schreckhaften, Angst- und Grauen erregenden gehört". 3 Als Ergebnis dieser
1 Wilpert, Gero von: "Sachwörterbuch der Literatur", A. Kröner Verlag Stuttgart, 8. verb. u. erw. Aufl., 2001, S. 290 - 292.
2 www.ph-heidelberg.de/wp/rank/fantastik/theorien/todorov/tod_01.htm 3 Freud, Sigmund: "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 243.
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sprachlichen Untersuchungen erkennt er, dass das Unheimliche jene Art des Schreckhaften sei, das sich auf Vertrautes und Altbekanntes zurückführen lässt. Er entdeckt, dass die Unterscheidung zwischen "unheimlich" und "heimlich" nicht ganz so eindeutig ist, wie sie bei oberflächlicher Betrachtung etwa scheinen möge. Freud verweist dabei auch auf Schelling, der schon darauf hingewiesen hat, dass "unheimlich" dasjenige ist, welches ein Geheimnis hätte bleiben sollen, jedoch hervorgetreten ist. "Also heimlich ist ein Wort, das seine Bedeutung nach einer Ambivalenz hin entwickelt, bis es endlich mit seinem Gegensatz unheimlich zusammenfällt. ... Die Einzeluntersuchung der Fälle des Unheimlichen wird uns diese Andeutung verständlich machen." 4 Freud nennt dies den "Prozess der Verdrängung" 5
Ich möchte nun nur noch auf die Freudschen Ansätze kurz eingehen, die für meine Untersuchung des Romans "Jamaica Inn" von Bedeutung sein werden. Für Freud manifestiert sich das Unheimliche auch in der Wiederholung, nämlich in einer gleichartigen Wiederkehr von Erlebnissen, Ereignissen, Personen, Namen, etc., und er führt dies auf den infantilen Wiederholungszwang zurück. Auch die Wiederkehr von Toten, Geistern und Gespenstern, sowie abgehauene Gliedmaßen, rufen im Menschen etwas Unheimliches hervor. Die Furcht vor einer abgehauenen Hand auf die Kastrationsangst zurückzuführen, scheint mir allerdings sehr gewagt. Da muss man Freud wohl schon den Vorwurf machen, extrem androzentrisch zu argumentieren. Eher schiene mir die Erklärung plausibel, dass bestimmte Phänomene nur dann als unheimlich erscheinen, wenn sie aus dem Kontext gerissen, plötzlich auftauchen, denn wie Freud selbst sagt: "Dergleichen ist aber wiederum im Märchen sehr gewöhnlich; wer wagte es unheimlich zu nennen, wenn z. B. Schneewittchen die Augen wieder aufschlägt?" 6
Hier hat der Leser die Regeln und Gesetzmäßigkeiten des Übernatürlichen anerkannt, und daher ist das Auferstehen einer Toten nichts Schreckhaftes. Es steht bei einem Märchen, dessen gattungsspezifische Kriterien der Leser anerkennt, im richtigen Kontext. Im Gegensatz zu Todorov möchte ich allerdings behaupten, dass sich der Leser in diesem Fall erst gar nicht in der Situation der Unschlüssigkeit befindet, sondern diese Phase gleichsam überspringt, da er aufgrund der Erfahrung bereits eine bestimmte Erwartungshaltung gegenüber einem Märchen hat. Somit dauert die Übergangsphase zwischen dem Fantastischen und dem Unheimlichen unvergleichlich länger, als zwischen dem Fantastischen und dem Wunderbaren, wobei in bestimmten Fällen sich diese Übergangsphase so weit verkürzen kann, dass sie quasi nullrepräsentiert erscheint.
1.3. "Gothic Literature" oder der Schauerroman:
Im englischen Sprachraum wurde der Schauerroman mit Horace Walpoles "The Castle of Otranto" (1765) 7 ins Leben gerufen, ein Werk, welches rasch populär wurde, alsbald Nachahmer fand und sich zu einem anerkannten Genre entwickelte. Die Tatsache, dass Horace Walpole die mittelalterliche Burg als Schauplatz auserkoren hatte, gab dem ganzen Genre im Englischen den Namen "Gothic" (= gotisch, mittelalterlich barbarisch, aber auch: grotesk, Schauer-). Auch heutzutage tendieren Schriftsteller dazu, ihre Schauerromane in weit zurückliegenden Zeiten, oder in unwirtlichen weit entfernten Gegenden stattfinden zu lassen.
Es gibt eine ganze Reihe von Elementen, die - miteinander kombiniert - typische Stilmittel und Indikatoren dafür sind, dass es sich bei einem Buch um einen Roman dieses Genres handelt, und somit die Zuordnung rechtfertigen:
ein Schloss, intakt, oder nicht, in dem es spukt, oder auch nicht
Ruinen, die unheimlich sind, oder eine gewisse Melancholie aufkommen lassen
unterirdische Gänge, Katakomben, Tiefgaragen Labyrinthe, dunkle Gänge, Wendeltreppen
4 Freud, Sigmund : "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 250.
5 Freud, Sigmund : "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 264..
6 Freud, Sigmund : "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 269.
7 www.academic.brooklyn.cuny.edu/english/melani/gothic/gothic.html
Quote paper:
Dr. phil. Daria Hagemeister, 2005, Das Unheimliche in Daphne du Mauriers Jamaica Inn, Munich, GRIN Publishing GmbH
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