Kindertagesstätten sind derzeit nicht mehr nur eine Bewahranstalt für Kinder, sondern eine Einrichtung, die eine soziale Dienstleistung im Sinne von Betreuung, Bildung und Erziehung für Kinder erbringt. Diese Dienstleistungen werden von Kindern und Eltern gemeinsam in Anspruch genommen. Eltern spielen dabei eine sehr wichtige Rolle, da sie die Personensorgeberechtigten der Kinder sind, deren Interessen und Rechte vertreten und beanspruchen. Im Vordergrund steht dabei immer, dass zum Wohl der Kinder gehandelt wird.
Eltern und Kinder werden in der heutigen Zeit, aufgrund des gesellschaftlichen Wandels als Kunden einer solchen sozialen Dienstleistung angesehen. Um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, wie sie gefordert wird, zu erreichen, gilt es, die Arbeit in der Kindertagesstätte entsprechend deren Möglichkeiten so zu gestalten, dass die „Kunden“ zufrieden sind. Nur, wenn Eltern und Kinder zufrieden sind, erbringt die Einrichtung neben weiteren beeinflussenden Faktoren eine qualitativ gute Arbeit. Eltern erwarten dabei eine professionelle Elternarbeit, die den aktuellen Standards angepasst ist.
Die Diplomarbeit zeigt, wie es zu Veränderungen in Bezug auf die Bedeutung von Kindertagesstätten und damit verbunden der Elternarbeit kam. Der gesellschaftliche Wandel, der auch die Werte der Familie verändert, hat zu Folge, dass sich die Kindheit, sowie der Stellenwert und die Situation von Kinderbetreuungseinrichtungen wandeln. Sowohl Eltern und Kinder haben ihre Recht und Pflichten als auch die Kindertagesstätten bezüglich der Betreuung, Bildung und Erziehung gegenüber den ihr anvertrauten Kindern. Des Weiteren wird in der Diplomarbeit beschrieben, wie eine qualitativ gute und professionelle Elternarbeit auf der Basis von verschiedenen theoretischen Grundlagen aussieht. Dabei wird näher auf die heutige, sozusagen neue Definition des Begriffs „Elternarbeit“ eingegangen und die unterschiedlichen Formen der Elternarbeit werden erläutert.
Ferner wird durch eine Elternbefragung analysiert, wie die Kindertagesstätte „Regenbogen“ die Elternarbeit tatsächlich in der Praxis durchführt. Dabei wird aufgezeigt, aus welchem Anlass und zu welchem Nutzen eine Elternbefragung organisiert wird. Um einen guten Fragebogen zu erstellen, ist es wichtig, bestimmte Regeln zum Aufbau und zur Durchführung sowie zur Auswertung einzuhalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Bedeutung von Kindertagesstätten
1.1 Gesellschaftlicher Wandel der Familie
1.2 Kindertagesbetreuung heute und in Zukunft
1.2.1 Veränderte Kindheit
1.2.2 Stellenwert und Situation der Kindertagesstätten
1.3 Eltern und Kinder als Kunden von sozialen Dienstleistungen
1.4 Kosten und Finanzierung von Kinderbetreuungsplätzen
1.5 Rechtliche Grundlagen
1.5.1 Aufgaben und Ziele der Kindertageseinrichtungen
1.5.2 Elternarbeit
1.6 Zusammenfassung
2 Elternarbeit in Kindertagesstätten
2.1 Neue Definition von Elternarbeit
2.2 Handlungsebenen der Elternarbeit
2.3 Formen der Elternarbeit
2.4 ausgewählte Formen der Elternarbeit
2.4.1 Information
2.4.2 Informationsveranstaltung
2.4.3 Tür-und-Angel-Gespräche
2.4.4 Elterngespräch
2.4.5 Treffen – Ausflüge – Feste
2.4.6 Elternabend
3 Empirische Studie
3.1 Anlass und Nutzen der Elternbefragung
3.2 Erstellen eines Fragebogens
3.2.1 Arten der Fragestellung
3.2.2 Regeln für die Durchführung einer Befragung
3.2.3 Aufbau eines Fragebogens
3.3 Auswertung eines Fragebogens
3.4 Kindertagesstätte „Regenbogen“
3.4.1 Rücklaufquote der Befragung
3.4.2 Befragung – Auswertung der Ergebnisse und Interpretation der Daten
3.4.2.1 Gruppenzugehörigkeit – statistische Angaben
3.4.2.2 Motive für die Wahl der Einrichtung
3.4.2.3 Ausstattung und Gestaltung der Räumlichkeiten
3.4.2.4 Einhaltung von Regeln zur Gewährleistung eines strukturierten Tagesablaufs
3.4.2.5 pädagogische Konzeption und deren Inhalte
3.4.2.6 informative Elternarbeit
3.4.2.7 Kooperationen mit Institutionen
3.4.2.8 Angebote nur für Eltern
3.4.2.9 Angebote unter Beteiligung von Eltern und Familien
3.4.2.10 Öffentlichkeitsarbeit
3.4.2.11 Öffnungszeiten – Betreuungszeiten
3.4.2.12 Kommunalpolitisches Engagement
3.4.2.13 abschließende Meinungen der Befragten
3.4.2.14 Zusammenfassung
4 Teamarbeit
4.1 Phasenmodell der Teamentwicklung
4.2 Teamkonflikte erkennen
4.3 Teamkonflikte lösen
4.4 Merkmale guter Teamarbeit
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Kindertagesstätten im Kontext des gesellschaftlichen Wandels und analysiert, wie eine moderne, bedarfsgerechte Elternarbeit zur Zufriedenheit der als "Kunden" verstandenen Eltern beitragen kann. Dabei wird anhand einer empirischen Studie in der Kindertagesstätte "Regenbogen" evaluiert, wie eine zielgerichtete Elternbefragung als Instrument der Bedarfsanalyse eingesetzt werden kann, um in einem professionellen Team die Betreuungsqualität nachhaltig zu verbessern.
- Gesellschaftlicher Wandel und Auswirkungen auf das Rollenverständnis von Familie und Kita
- Methodische Grundlagen und Durchführung einer empirischen Elternbefragung
- Analyse und Interpretation von Bedarfsdaten zur Optimierung der Elternarbeit
- Bedeutung der Teamarbeit als Voraussetzung für Qualitätsentwicklung
Auszug aus dem Buch
1.1 Gesellschaftlicher Wandel der Familie
In der Familiensoziologie wird von einem Wertewandel der Familie gesprochen. Dabei haben sich zehn wesentliche Aspekte der Familie von früher zu heute verändert. Diese Veränderungen beeinflussen stark die Bedeutung und Funktion von den Kindertagesstätten heute.
Die Eltern von heute stehen im Gegensatz zu den früheren Elterngenerationen durch verschiedene Einwirkungen unter einem enormen Erziehungsdruck. Des Weiteren wandelt sich in unserer Gesellschaft das Verständnis der Entwicklung des Bindungsverhaltens stark. Durch die nachfolgend beschriebenen Gründe gibt es nicht mehr nur die Familienmitglieder als Bindungspersonen für das Kind. Heute ist das Kind in der Lage die besondere Bindung zur Kindertagesstätte auf funktionelle Aspekte zu reduzieren, soweit die primäre Bindung zu einem Familienmitglied, zu den Eltern als sichere Bindung besteht. Das Kind von heute muss und kann mehrere Bindungen zu verschiedenen Personen, wie Eltern, Erzieher und Kinder der Kita eingehen und zwischen diesen unterscheiden. Unsere Gesellschaft beabsichtigt die frühzeitigen sozialen Kontakte zu ermöglichen.
Früher, d. h. vor der Industrialisierung lebten Familien gemeinschaftlich in einem Mehrgenerationenhaushalt zusammen. Dabei befand sich der Wohn- und Arbeitsplatz von mindestens drei Generationen (Kinder, Eltern und Großeltern) in ein und demselben Gebäude. Die Familie galt als Produktionseinheit, sie waren sowohl Besitzer als auch Nutzer der Produktionsmittel. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Produktion im Betrieb oder Bauernhof waren gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit, also das Zusammenhelfen von allen Familienmitgliedern. Diese waren sich gegenseitig eine Art Sozialversicherung und dadurch war das Abhängigkeitsgefüge sehr hoch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bedeutung von Kindertagesstätten: Beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und dessen Einfluss auf die heutige Funktion von Kitas als soziale Dienstleistung. Es wird der Rechtsanspruch auf Betreuung sowie die Finanzierungsstruktur erläutert.
2 Elternarbeit in Kindertagesstätten: Definiert Elternarbeit neu als partnerschaftliche Zusammenarbeit und beschreibt verschiedene Handlungsebenen sowie Methoden, um Eltern aktiv einzubinden.
3 Empirische Studie: Dokumentiert die Durchführung einer Elternbefragung in der Kita „Regenbogen“, analysiert die Ergebnisse und leitet Verbesserungsvorschläge aus dem Vergleich von Ist- und Soll-Zustand ab.
4 Teamarbeit: Erörtert die Notwendigkeit professioneller Teamarbeit und Konfliktbewältigung, um die Qualität der pädagogischen Arbeit und die Elternarbeit erfolgreich umzusetzen.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Zieht ein Fazit über die Bedeutung der Kita als kundenorientiertes Unternehmen und betont die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Qualitätsentwicklung.
Schlüsselwörter
Kindertagesstätte, Elternarbeit, Elternbefragung, Bedarfsanalyse, Kundenorientierung, Teamarbeit, Pädagogische Konzeption, Elternrat, Qualitätsentwicklung, Sozialmanagement, Betreuungsqualität, Erziehungspartnerschaft, Familienwandel, Konfliktmanagement, Kindheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der veränderten Rolle von Kindertagesstätten im gesellschaftlichen Kontext und der professionellen Gestaltung von Elternarbeit, um den heutigen Anforderungen an Bildung, Betreuung und Erziehung gerecht zu werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen den gesellschaftlichen Wandel der Familie, die Definition von Eltern als Kunden von sozialen Dienstleistungen, die methodische Erstellung und Auswertung einer Bedarfsanalyse sowie die Bedeutung von professioneller Teamarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine empirische Elternbefragung in der Kita „Regenbogen“ den aktuellen Bedarf und die Zufriedenheit zu ermitteln, um daraus konkrete Veränderungsvorschläge für eine professionellere Elternarbeit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine empirische Studie in Form einer schriftlichen Elternbefragung durchgeführt, deren Ergebnisse quantitativ ausgewertet und qualitativ interpretiert werden, ergänzt durch Fachliteratur zur Teamentwicklung und Elternarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Elternarbeit, die methodische Vorgehensweise der empirischen Studie, die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten in der Kita „Regenbogen“ und eine fundierte Auseinandersetzung mit Teamprozessen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Elternarbeit, kundenorientierte Dienstleistung, Bedarfsanalyse, Qualitätsentwicklung und Erziehungspartnerschaft charakterisieren.
Warum spielt die Teamarbeit in der Arbeit eine so große Rolle?
Eine professionelle Elternarbeit erfordert eine gut funktionierende Teamstruktur. Nur wenn das Team die Phasen der Teamentwicklung kennt und Konflikte konstruktiv lösen kann, ist es in der Lage, die anspruchsvolle Partnerschaft mit den Eltern zum Wohle des Kindes effektiv zu gestalten.
Welche Bedeutung hat die „Rücklaufquote“ bei der Elternbefragung?
Die Rücklaufquote ist ein entscheidendes Maß für die Repräsentativität der Befragungsergebnisse. In der Studie wird dargelegt, dass eine ausreichend hohe Quote von 68% die Grundlage für eine stabile Datenbasis bildet, auf deren Basis das Team fundierte Entscheidungen treffen kann.
Wie sollen die Ergebnisse der Befragung praktisch umgesetzt werden?
Die Ergebnisse werden genutzt, um das Informationsangebot (z.B. Infotafeln) zu optimieren, Elterngespräche auf Basis von Beobachtungsdokumentationen zu standardisieren und potenzielle Zusatzangebote für Familien, wie z.B. Eltern-Kind-Sport, basierend auf dem konkreten Bedarf zu prüfen.
- Quote paper
- Marlen Sauer (Author), 2006, Kindertagesstätten. Eltern als Anhängsel oder Partner bei der Bildung, Betreuung und Erziehung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65780