Universität Innsbruck, Philologisch-kulturwissenschaftliche Fakultät
Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik
PS Sprachgeschichte als Kulturgeschichte
Martin Luther - Eine sprachgeschichtliche Analyse des
Einflusses Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung
auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache
von: Stefan Hinterholzer
Index
Vorwort 3
I. Hintergründe
1. Zur Person Martin Luthers 3
1.1. Leben 3
1.2. Ausbildung 4
1.3. Literarisches Schaffen 5
2. Die sprachliche Situation in frühneuhochdeutscher Zeit 6
2.1. Der Aufstieg der Städte und eine neue Bevölkerungsschicht 6
2.2. Die Zersplitterung des Sprachgebiets 6
2.3. Der Beginn der Sprachlichen Einigung 7
3. Luthers (günstige) Ausgangsbedingungen 7
3.1. Luthers sprachgeographische Herkunft 8
3.2. Die Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks 9
3.3. Kirchenpolitische Missstände 10
II. Sprache
4. Luthers Übersetzungspraxis 10
4.1. Die Sprache des „gemeinen Mannes“ 10
4.2. Einfachheit und Lebendigkeit 12
4.3. Sprachausgleich 12
4.4. Arbeit an der äußeren Sprachform 14
5. Luthers Sprache und Sprachmächtigkeit 15
5.1. Wortschatz zwischen Nord und Süd 15
5.2. Semantische Unterschiede 17
5.3. Wortbildungen 18
5.4. Modalpartikel 19
5.5. Syntax 20
III. Wirkung
6. Luthers Bibelübersetzung 21
6.1. Entstehung 22
6.2. Verbreitung 22
6.3. Wirkung 23
7. Martin Luther – ein Glücksfall in der deutschen Sprachgeschichte 25
IV. Bibliographie
8. Bibliographie 26
Vorwort
Martin Luther wird sehr oft als die Zentrale Figur in der Entwicklung der deutschen Sprache beschrieben, beinahe glorifiziert. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass wann immer im Folgenden von „Sprache“ gesprochen wird, die Schriftsprache gemeint ist. Denn Gegenstand dieser Arbeit ist der Einfluss Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache. Nun soll gleich im Vorhinein festgestellt werden, dass erst durch Luther und seine Bibelübersetzung eine Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache möglich war. Diese Aussage muss jedoch differenzierter betrachtet werden. Deshalb soll diese Arbeit einen kritischen Blick auf Luthers Sprachschaffen und vor allem auf die Hintergründe, vor welchen dieses geschah, werfen. Viele Faktoren, teils glückliche Zufälle, trugen dazu bei, dass Luthers Bibel eine Resonanz erhielt und somit als Grundstein für eine vereinheitlichte deutsche Schriftsprache dienen konnte. Diese werden im Verlauf dieser Arbeit erläutert und schließlich soll das Resultat des Zusammenwirkens dieser Faktoren dargestellt werden.
1. Zur Person Martin Luthers
Auch wenn Hauptgegenstand dieser Arbeit Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache ist, sollen hier dennoch kurz einige Informationen über Luthers Person gegeben werden, zumal diese auch zum Verständnis von Luthers Schaffen und seiner Wirkung beitragen und verdeutlichen welch eine herausragende Persönlichkeit er war.
1.1. Leben
Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben als Sohn einer bäuerlichen Familie geboren, die in Möhra bei Eisenach lebte. Sein Vater Hans Luther, Sohn einer Bauernfamilie aus Möhra, wurde Bergmann, worauf die Familie 1484 nach Mansfeld zog. Luthers Mutter Margaretha Luther (geborene Ziegler) war gebürtige Eisenacherin. Der neue Beruf des Vaters ermöglichte der Familie ein gewisses Maß an Wohlstand. Nach abgeschlossener Ausbildung (s. Kapitel 1.2.) trat Luther am 17. Juli 1505 dem Kloster der Augustinereremiten zu Erfurt bei, nachdem ihn auf einer Reise nach Mansfeld ein Blitz traf, was in ihm eine „tief verwurzelte Seelenangst vor Ziel [und] Ende des [menschlichen] Lebens“ (Killy, 403) erweckte. In diesem Kloster lebte er in Askese und studierte mit großer Sorgfalt die Heilige Schrift. Am 3. April 1507 wurde er schließlich zum Priester geweiht. Im Jahr 1525 heiratete Luther Katharina von Bora. Luther verstarb am 18. Februar 1548 in Eisleben, seinem Geburtsort (er durchquerte diesen Ort auf einer Reise, als er starb). Seine Grabstätte befindet sich in der Schlosskirche von Wittenberg (vgl. Killy, 403-404; Eggers 161-162).
1.2. Ausbildung
In der Literatur über Martin Luther wird oft über dessen „Sprachmächtigkeit“ geschrieben. Hier möchte ich kurz einige Hintergrundinformationen anführen, einige Faktoren, die zu Luthers hervorragendem sprachlichen Ausdruck und seiner einzigartigen Rhetorik beigetragen haben. Hier ein Überblick über Luthers Ausbildung. Luther besuchte eine Schule in Magdeburg und darauf 1497 ein Gymnasium in Magdeburg. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass in Mansfeld wahrscheinlich, in Magdeburg jedoch sicher, das Niederdeutsche die Unterrichtssprache war. In der Domschule St. Georg in Eisenach, die Luther ab 1498 nach dem Gymnasium besuchte, wurde ostmitteldeutsch (thüringisch) gesprochen. Luther hatte also schon in seiner Jugend Kontakt mit den verschiedenen Variationen des Deutschen, was in seinem späteren Leben von Vorteil sein sollte. Ab Mai 1501 besuchte er die Artistenfakultät der Universität Erfurt. Hier erhielt er eine gute Ausbildung in den Bereichen Grammatik, Logik, Rhetorik und Philosophie. „Sicherlich ist hier auch ausführlich in Quintilian eingeführt worden. […] die Beachtung des „aptum“ [=Angemessenheit] [und] die Rücksicht auf die Adressaten“ (Killy, 403), die hier eine große Rolle spielten, sollten Luther in seiner weiteren literarischen Tätigkeit prägen. Im Januar 1505 absolvierte er das Magisterexamen und begann darauf im Juli auf Drängen seines Vaters das Studium der Rechte, brach dieses jedoch ab und trat ins Kloster ein. Im Jahr 1511 promovierte er zum Doktor der Theologie und wurde Professor für Bibel-Exegese (vgl. Killy 403-404; Eggers, 162).
1.3. Literarisches Schaffen
Eine von Luthers frühesten und wohl wichtigsten Produktionen ist die Veröffentlichung der 95 Thesen, die am Portal der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Diese brachte die Reformation in Bewegung. Luther begann jedoch erst im Alter von 33 Jahren zu publizieren (d.h. im Jahr 1516). Luther wollte nie als „Poeta“ (Killy, 405) betrachtet werden und selbst durch seine dichterischen Texte wie Lieder und Fabeln wollte er einzig und allein bestimmte Gedanken seinem Publikum näher bringen. Die Ästhetik stand nicht im Mittelpunkt (vgl. Killy, 404-405).
„Luther war konsequent ein Prosaautor, der das poetische Element für seine Wirkungsabsichten nicht benötigte [und] sich absichtlich konventioneller Formen bediente: des Traktats in Latein [und] Deutsch, der Erörterung, Abhandlungen von Themen, Problemen, Vorgängen […]; des Sermons, einer [schriftlichen] Fixierung der eigentlichen [mündlichen] Redegattung der Predigt und Oratio […]; gelegentlich begegnet das Sendschreiben; […] Außerdem schrieb er Postillen, Liturgica, Kommentare [und] Disputationen.“ (Killy, 405)
[...]
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Stefan Hinterholzer, 2006, Eine sprachgeschichtliche Analyse des Einflusses Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache, Munich, GRIN Publishing GmbH
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