Interkulturelles Lernen im Sachunterricht- eine Literaturanalyse
Schriftliche Hausarbeit, vorgelegt im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Primarstufe im Fachbereich Erziehungswissenschaften
von: Thomas Müller
Münster, den 29. September 1997
Gutachterin: Professorin Dr. Marianne Krüger- Potratz
Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG: 4
2. DIE ZEITSCHRIFT "SACHUNTERRICHT UND MATHEMATIK IN DER PRIMARSTUFE": 5
3. EINE NEUE RUBRIK: "AUSLÄNDERKINDER IM UNTERRICHT": 7
3.1. Ausländerkinder im Sachunterricht - ein Sprachproblem: 8
3.2. Sachunterricht als Zweitsprachenunterricht: 10
3.3. Sprachlich vorbereiteter Sachunterricht: 12
4. AUSLÄNDERPÄDAGOGIK - EINE SONDERPÄDAGOGIK FÜR AUSLÄNDER: 14
4.1 Migrationsbedingte Veränderungen des Grundschulalltags und Reaktionen der Bildungspolitik: 14
4.2. Kritik an der Ausländerpädagogik: 16
5. AUSLÄNDERKINDER UND IHRE BERÜCKSICHTIGUNG IM SACHUNTERRICHT: 17
5.1. Interkulturelle Erziehung: 17
5.1.1. Terminologie: 18
5.1.2. Der Kulturbegriff: 19
5.1.3. Entstehung und Ansätze interkultureller Erziehung: 21
5.1.4. Interkulturelle Erziehung und Zweisprachigkeit: 23
5.1.5. Interkulturelles Lernen auch für Lehrer: 24
5.2. Von der Heimatkunde zum Sachunterricht: Konzeptionen im Wandel der Zeit: 25
5.2.1. Von der Heimatkunde zum Sachunterricht: 25
5.2.2. Sachunterricht als elementarer Fachunterricht und die Orientierung an kindlichen
Lebenswelten: 27
5.3. Thema "Ausländer" - ein Thema für den Sachunterricht: 31
5.3.1. Untersuchungen von Lehrplänen und Richtlinien: 33
5.3.2. Lehrbuchanalysen: 36
5.3.3. Die Bedeutung der Reformpädagogik für den Unterricht in Klassen mit deutschen und ausländischen Kindern: 40
5.3.3.1. Anregungen der Montessori-Pädagogik: 41
5.3.3.2. Anregungen aus den Konzeptionen von Petersen und Freinet: 45
6. "KULTURENVIELFALT UND MEHRSPRACHIGKEIT" - PERSPEKTIVEN DER 90ER JAHRE: 49
6.1. Aussiedler: 50
6.2. Die Rubrik in den 90er Jahren: 52
6.2.1. Der "Europagedanke im Sachunterricht": 54
6.2.1.1. Entwicklungen in Europa und Aufgaben einer Europaerziehung: 54
6.2.1.2. Europaerziehung und interkulturelles Lernen: 56
6.2.1.3. Europa - ein neues Thema im Sachunterricht: 57
6.2.2. Überlegungen zu einer Konzeption interkulturellen Sachunterrichts: 60
7. ZUSAMMENFASSUNG: 63
8. LITERATURVERZEICHNIS: 66
1. Einleitung:
"Kinder heute kommen aus Familien unterschiedlicher kultureller Herkunft. Der Anteil ausländischer Kinder und der Aussiedlerfamilien ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Auch deshalb haben Grundschulklassen heute eine sehr heterogene Zusammensetzung".
Dieser Auszug aus dem Punkt drei des "Frankfurter Manifests zum Bundesgrundschulkongreß 1989" spiegelt die aktuelle Wahrnehmung des strukturellen Wandels der Schülerpopulation deutscher Grundschulen bzw. der deutschen Gesellschaftsstruktur wider. Ethnische, sprachliche und kulturelle Vielfalt ist kein marginales Phänomen mehr in deutschen Grundschulklassen, vielmehr gehört sie zum alltäglichen Bild. Diese Veränderung der Schülerpopulation nimmt Einfluß auf die Heterogenität der Lernvoraussetzungen. Diese ist in der Grundschule, als gemeinsamer Grundstufe für alle Kinder, besonders ausgeprägt, da in einem Jahrgang Schüler des gesamten Begabungs- und Interessenspektrums sitzen:
"Jeder einzelne besitzt unverwechselbare persönliche Voraussetzungen, Bedürfnisse Erfahrungen, die ihn von den anderen in Nuancen oder meilenweit, unterscheiden, Faktoren, die er in den Unterricht einbringt. Sprache oder kulturelle Herkunft sind dabei wichtige Elemente" (Kupfer-Schreiner 1994, S. 12).
Die Grundschule, "als Schule mit dem größten Integrationsanspruch", muß diese Entwicklungen berücksichtigen, wenn sie ihrem Anspruch, "allen Schulpflichtigen eine gemeinsame grundlegende Bildung [zu] vermitteln" (Bosch 1994, S. 47), gerecht werden will. Ein Versuch der ethnischen, sprachlichen und kulturellen Pluralisierung auf pädagogischer Ebene Rechnung zu tragen ist "interkulturelles Lernen". Nach Kiper (1992) ist "interkulturelles Lernen"
"das gemeinsame Lernen von Menschen unterschiedlicher nationaler bzw. ethnischer Herkunft [..]; es nimmt Bezug auf die jeweiligen, auch kulturell geformten Erfahrungen, es orientiert auf Gemeinsamkeiten auf der Basis der Akzeptanz von Unterschieden, orientiert auf gleichberechtigte Beziehungsformen und sucht zur Gestaltung neuer Lern- und Lebensmöglichkeiten beizutragen" (a.a.O., S. 161).
Interkulturelles Lernen vollzieht sich im Kontext von interkultureller Erziehung, somit ist interkulturelle Erziehung auch immer wieder Gegenstand dieser Arbeit.
Der Verfasser möchte in dieser Arbeit die zeitliche und inhaltliche Entwicklung interkulturellen Lernens im Sachunterricht der Grundschule anhand der, in der Zeitschrift der "Sachunterricht und Mathematik in der Primarstufe" (SMP) veröffentlichen einschlägigen Beiträge, analysieren. SMP hat als eine der ersten fachdidaktischen Zeitschriften die Frage aufgegriffen, in welcher Weise Schule und Unterricht der Anwesenheit ausländischer Kinder bzw. der Existenz multinationaler Klassen Rechnung tragen können. Besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die Rubrik "Ausländerkinder im Unterricht", die 1990 in "Kulturenvielfalt und Mehrsprachigkeit" umbenannt wurde. Seit 1996 wird die Zeitschrift unter dem Namen "Sache-Wort-Zahl" (SWZ) weitergeführt. Mit der Umbennung änderte sich auch ihr Profil. Die Zeitschrift SWZ ist in dieser Arbeit nicht mehr Gegenstand der Betrachtungen.
Die vorliegende Arbeit verfolgt, nach einem kurzen Portrait der Zeitschrift SMP, chronologisch die Entwicklungen in der Rubrik "Ausländerkinder im Unterricht" seit 1982. Diese werden in drei verschiedene Kapitel eingeteilt (Kap.3; Kap.5; Kap.6), da die Rubrik inhaltlich einem zeitlichen Wandel unterlag, der sich in einer Neuorientierung (1985) und in einer Umbennnung (1990) widerspiegelte.
Die Darstellung erfolgt in Rückbindung an die Fachdiskussion um "Ausländerpädagogik"/ "interkulturelle Erziehung" (Kap. 4; Kap. 5.1.), so daß gegebenenfalls diese Entwicklungen zur Kontexterklärung herangezogen werden. Darüber hinaus wird, ebenfalls zur Kontexterklärung, die Disziplingeschichte (Kap. 5.2.) des Sachunterrichts und seinem Vorläufer Heimatkunde skizziert.
Aufgrund der Vielzahl der Beiträge, kann der Verfasser nicht alle für das Thema relevanten Beiträge, - Konzeptionen, Unterrichtsbeispiele, bzw. -materialien - die in SMP veröffentlicht wurden, ausführlich darstellen.
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Thomas Müller, 1997, Interkulturelles Lernen im Sachunterricht - Eine Literaturanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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