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Staatsaufgabe oder Staats-Aufgabe? Die Aussagen des Neoliberalismus in den 1940er- und 1990er-Jahren zur Rolle des Staates in der Wirtschaft - ein Vergleich

Title: Staatsaufgabe oder Staats-Aufgabe? Die Aussagen des Neoliberalismus in den 1940er- und 1990er-Jahren zur Rolle des Staates in der Wirtschaft - ein Vergleich

Seminar Paper , 2000 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Matiack (Author)

Business economics - General
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Neoliberale – gibt es sie wirklich? Kaum hört man Selbstbekenntnisse all jener, denen das Etikett „neoliberal“ oder zumindest einschlägige Tendenzen anhaften: „Ich, Guido Westerwelle, gebe zu: Ich bin ein Neoliberaler.“ Oder: „Ich, Gerhard Schröder, gestehe: Liberalismus ist eigentlich gar nicht so schlecht.“ Nein, Andrea Nahles, SPDMitglied und Juso-Chefin, hat recht: Lieber sprechen die Freunde des sogenannten Neoliberalismus von „Pragmatismus“, dem sie sich verpflichtet fühlten, sie bezeichnen sich als „Modernisierer“ oder einfach als „leistungsorientiert“ und „flexibel“.1 Offenkundig haftet dem Begriff ein Makel an. Neoliberalismus ist ein Schuh, der vielen zu passen scheint, aber den sich keiner gerne anziehen möchte. Ein alter Schuh, fleckig, brüchig, ramponiert? Oder längst wieder geleckt, gelackt, auf Hochglanz poliert – und trotzdem kein Objekt der Begierde? Offen im Raume stehend, mal in dieser, mal in jener Ecke, oder verschämt im Schuhschrank versteckt? Letzteres wohl kaum. Immerhin beschäftigen sich die Lexikonartikel seit mindestens fünf Jahrzehnten mit dem Neoliberalismus – also muß es ihn doch geben, irgendwo.

So definierte BROCKHAUS WIESBADEN den „Neoliberalismus“ bereits 1959 als „[...] wirtschaftspolit[ische]. Richtung, die unter Erneuerung liberaler Ideen eine Ordnung des Wettbewerbs anstrebt. Durch Maßnahmen des Staates soll ein echter Leistungswettbewerb garantiert werden; zentrale Wirtschaftslenkung durch den Staat oder durch Kartelle wird abgelehnt. Hauptvertreter: W. Eucken, Hayek, Röpke, Rüstow [...]“2
Und auch in den Neunzigern, wo die Welt doch so ganz anders aussieht als in der Zeit der wirtschaftswissenschaftlichen Altvorderen, hält sich der Begriff rege am Leben: „Neoliberalismus, wirtschaftspolitische Doktrin eines gegenüber dem Programm des klassischen Liberalismus ordnungspolitisch eingehegten Laissez-faire. Nach neoliberalistischer Auffassung soll die Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik auf die Schaffung und den Schutz des institutionellen Rahmens einer ansonsten freien, durch die Regeln des Wettbewerbs selbstgesteuerten Marktwirtschaft beschränkt bleiben. Etwaige staatliche Interventionen müssen in jedem Fall marktkonform sein [...]“3

[...]
______
1 vgl. FOKKEN 1999
2 1959: 620
3 VIERECKE 1998

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom „alten“ zum „neuen“ Liberalismus

3. Der Neoliberalismus der vierziger und fünfziger Jahre

3.1 Die Ausgangslage

3.2 „Ordo-Liberalismus“ – Walter Eucken

3.3 „Soziale Marktwirtschaft“ – Alfred Müller-Armack

4. Was heißt hier „neoliberal“? Eine Spurensuche, damals und heute

5. Der Neoliberalismus heute

5.1 Die Ausgangslage

5.2 Die aktuellen Positionen

6. Neoliberalismus einst und jetzt – der Vergleich

7. Résumé

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

8.1 Fachliteratur

8.2 Zeitungen

8.3 Internet

8.4 Sonstiges

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Wandel des Begriffs „Neoliberalismus“ und die damit verbundenen Vorstellungen zur Rolle des Staates in der Wirtschaft, indem sie die theoretischen Ansätze der 1940er- und 1950er-Jahre mit den aktuellen Diskursen der 1990er-Jahre vergleicht.

  • Historische Entwicklung des Liberalismus vom 18. Jahrhundert bis zur Nachkriegszeit.
  • Analyse der ordoliberalen Konzepte von Walter Eucken und der Sozialen Marktwirtschaft von Alfred Müller-Armack.
  • Deutungswandel des Begriffs „neoliberal“ als Kampfbegriff im politischen Diskurs.
  • Gegenüberstellung der historischen Konzepte mit heutigen Forderungen wie Deregulierung und Privatisierung.
  • Diskussion über die Auswirkungen der Globalisierung auf die Handlungsspielräume von Nationalstaaten.

Auszug aus dem Buch

3.2 „Ordo-Liberalismus“ – Walter Eucken

Auch Eucken betrachtete als oberste Maxime die uneingeschränkte Handlungsfreiheit jedes einzelnen. Die Aufgabe des Staates: diese Freiheit sicherzustellen durch Schutzregeln gegen Egoismus und Schädigungen durch Dritte.

Grundvoraussetzung: das Recht auf Privateigentum. Dies würde erst wirtschaftliche Freiheit ermöglichen, die dann letztlich auch persönliche Freiheit schüfe. Eucken kehrte also die Bedingungskette des Altvorderen Adam Smith um. Dieser hatte die persönliche Freiheit absolut gesetzt; nur aus ihr könnte auch materielles Wohlergehen entstehen.

Mehr noch: Gerade eine gelungene wirtschaftliche Ordnung sei dazu angetan, den Staat wieder aktionsfähig zu machen, umgekehrt weniger. Ja, der Staat müsse geradezu versagen als ordnende Macht. Sein Dilemma: immer mehr Aufgaben, immer weniger Kompetenz. Denn zu stark sei der Einfluß von Interessengruppen, der Gewerkschaften, Industrie und Unternehmer, die zwar im Gewand scheinbar neutraler Sachverständiger daherkämen, aber doch bloß Lobbyarbeit betrieben. Von jedwedem Druck aber müsse sich der Staat befreien.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet die schwierige Begriffsdefinition des „Neoliberalismus“ und hinterfragt dessen heutige Verwendung als politisches Etikett.

2. Vom „alten“ zum „neuen“ Liberalismus: Skizziert den Übergang vom klassischen Liberalismus des 18./19. Jahrhunderts zu den neueren wirtschaftstheoretischen Strömungen des 20. Jahrhunderts.

3. Der Neoliberalismus der vierziger und fünfziger Jahre: Analysiert die ordnungspolitischen Ansätze von Eucken und Müller-Armack vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation im Nachkriegsdeutschland.

4. Was heißt hier „neoliberal“? Eine Spurensuche, damals und heute: Untersucht die Diskrepanz zwischen theoretischen Inhalten und der aktuellen populären sowie politischen Verwendung des Begriffs.

5. Der Neoliberalismus heute: Diskutiert moderne Forderungen nach Deregulierung und Flexibilisierung in einem globalisierten wirtschaftlichen Umfeld.

6. Neoliberalismus einst und jetzt – der Vergleich: Zieht ein Fazit über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den historischen Vertretern und den heutigen Interessenvertretern.

7. Résumé: Fasst das Ergebnis zusammen, dass der Begriff des Neoliberalismus heutzutage eher ein elastisches Etikett ohne feste Denkschule ist.

8. Literatur- und Quellenverzeichnis: Listet die verwendeten Fachpublikationen, Zeitungsartikel und Internetquellen auf.

Schlüsselwörter

Neoliberalismus, Ordo-Liberalismus, Soziale Marktwirtschaft, Walter Eucken, Alfred Müller-Armack, Wettbewerb, Staat, Globalisierung, Ordnungspolitik, Angebotspolitik, Wirtschaftspolitik, Deregulierung, Freiheit, Markt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den historischen Kontext und die inhaltliche Verschiebung des neoliberalen Denkens sowie dessen Bedeutung für die Rolle des Staates in der Wirtschaft.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die wirtschaftstheoretische Entwicklung, die ordnungspolitischen Debatten der Nachkriegszeit und die heutige politische Rhetorik rund um den Neoliberalismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Vergleich zwischen den ursprünglichen Konzepten der „geistigen Väter“ (Eucken, Müller-Armack) und dem modernen Verständnis von Neoliberalismus zu ziehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Analyse von wirtschaftstheoretischen Texten, Lexikondefinitionen und zeitgenössischen journalistischen Quellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Theorien der Freiburger und Kölner Schule erläutert und den aktuellen, praxisorientierten Forderungen nach Marktflexibilisierung gegenübergestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Neoliberalismus, Ordo-Liberalismus, Wettbewerbsordnung und das Verhältnis von Markt zu staatlichem Handeln.

Inwiefern hat sich die Rolle des Staates laut der Arbeit verändert?

Während der Staat bei den frühen Theoretikern eine aktive Rolle als Schiedsrichter und Garant des Wettbewerbs spielte, wird er heute von Interessengruppen eher als störende Einheit wahrgenommen, die sich zurückziehen sollte.

Wie bewertet der Autor den Begriff „Neoliberalismus“ heute?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Begriff heute als elastisches Etikett fungiert, das von politischen Akteuren genutzt wird, um unterschiedlichste Forderungen zu rechtfertigen, die mit den ursprünglichen ordoliberalen Ideen oft wenig zu tun haben.

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Details

Title
Staatsaufgabe oder Staats-Aufgabe? Die Aussagen des Neoliberalismus in den 1940er- und 1990er-Jahren zur Rolle des Staates in der Wirtschaft - ein Vergleich
College
University of the Arts Berlin  (Institut für Theorie und Praxis der Kommunikation)
Course
Die aktuelle Kontroverse um die Rolle des Staates in der Wirtschaft und ihr historischer Kontext. Ein internationaler Vergleich.
Grade
1,0
Author
Christian Matiack (Author)
Publication Year
2000
Pages
30
Catalog Number
V6603
ISBN (eBook)
9783638141390
Language
German
Tags
Liberalismus Ordo-Liberalismus Soziale Marktwirtschaft Globalisierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Matiack (Author), 2000, Staatsaufgabe oder Staats-Aufgabe? Die Aussagen des Neoliberalismus in den 1940er- und 1990er-Jahren zur Rolle des Staates in der Wirtschaft - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6603
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