INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung: Faszination Eulenspiegel Seite 1
2 Der Narr im Mittelalter Seite 1
2.1 Vom natürlichen zum künstlichen Narren Seite 1
2.2 Der Hofnarr in der Antike im Mittelalter und der Neuzeit Seite 3
2.3 Der Narr im Karneval Seite 4
3 Die Quelle: Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel Seite 6
3.1 Die Verfasserfrage Seite 6
3.2 Die Person Till Eulenspiegel Seite 7
3.3 Die ersten vier Historien Seite 8
3.4 Motive der weiteren Historien Seite 10
3.5 Die Bereinigung des Volksbuches Seite 12
4 Resümee: Der Spiegel der Dummköpfe Seite 12
5 Literaturliste Seite 14
1 Einleitung: Faszination Eulenspiegel
Wer kennt nicht wenigstens eine der zahlreichen Geschichten um den Narren Till Eulenspiegel, der im 14. Jahrhundert seine maßlosen Späße getrieben haben soll? Schamlos führte er seine Mitbürger mit rücksichtslosen Streichen an der Nase herum. Über die Jahrhunderte hat der Schalknarr jedoch nie an Popularität verloren, noch heute üben diese kleinen Geschichten, die sich durch derben Humor auszeichnen, eine gewisse Faszination auf Erwachsene und Kinder aus. Viele von ihnen besuchen i n seiner Todesstätte Mölln immer noch eine Statue des Narren, die jedem, der sie berührt, Glück bringen soll.
Wer war dieser Eulenspiegel? Was zeichnet einen echten Narren des Mittelalters aus, der im wahrsten Sinne des Wortes „den Schalk im Nacken“ hatte? Warum fasziniert uns immer noch das Motiv der Narrenfreiheit? Und wieso wird der Eulenspiegel vom Leser trotz seiner teils boshaften Streiche stets als eine Art Held idealisiert? Diese Fragen werden im Folgenden behandelt und am Beispiel der Historien um Till Eulenspiegel beleuchtet.
2 Der Narr im Mittelalter
2.1 Vom natürlichen zum künstlichen Narren
Menschen im Mittelalter, die der gesellschaftlichen Auffassung von körperlicher und geistiger Gesundheit nicht entsprachen, wurden diskriminiert und als Krüppel (Körperbehinderte) oder Narren (Geisteskranke) bezeichnet. Da sie wegen fehlender Arbeitsfähigkeit selten gesellschaftlichen Pflichten nachkommen konnten, wurden ihnen auch kaum Rechte wie etwa das Mitspracherecht zugestanden. Dieser „natürliche Narr“, auch „Tor“ oder „Besessener“ genannt, wurde in den mittelalterlichen Städten entmündigt. Sofern als gemeingefährlich eingestuft, wurde er sogar wie ein Tier in Verließe, Stadttürme oder sogar Torenkisten weggesperrt. Als harmlos geltender Narr durfte er sich unter dem Spott seiner Mitmenschen frei bewegen. Bei demütigenden Verfolgungsjagden wurden die Besessenen durch die Straßen getrieben und unter lautem Gelächter mit Steinen und Dreck beworfen. Sie waren nicht nur Sündenbock sondern auch Prügelknaben. Manchmal wurde ihnen
der Kopf geschoren und mit Asche eingeschwärzt. Bei Volksfesten wurden sie verkehrt herum auf einen Esel gesetzt, als Warnung an die Bürger wurden ihre Kleidung und Kappe mit Glocken versehen.
Was heute als Geisteskrankheit gilt, wurde in der mittelalterlichen Heilkunde als Störung der Vernunft oder Erkrankung des Gehirns bezeichnet. Zur Heilung dieser Störungen wurden Aderlässe, Verabreichungen von Mixturen aus Blut und Innereien oder Gehirnöffnungen vorgenommen, sofern sich überhaupt jemand für eine Heilung einsetzte 1 . Erst im späten Mittelalter entstanden frühe Formen der späteren Irren- und Nervenheilanstalten.
Als Imitator des natürlichen Narren galt der „künstliche Narr“, auch „Schalknarr“ oder „Hofnarr“ genannt, der zu Anfang des 14. Jahrhunderts als witziger Schauspieler an den Höfen lebte. Er galt als schlagfertig, kritikfähig und gebildet, war im Auge seines Herrn aber trotzdem in erster Linie ein Narr mit zweifelhafter Geistesstruktur.
Wegen seiner Kirchenkritik wurde der Hofnarr als Gotteslästerer und Atheist angesehen. Einerseits hatte der Hofnarr gewisses Sozialprestige, wurde andererseits jedoch auch nicht viel besser als ein Tier behandelt. So musste er nicht nur Grimassen schneiden oder auf allen Vieren auf einem Pferd reiten, sondern sich auch oft wie ein Affe benehmen, zumindest mit einem solchen zusammen auftreten und manchmal nachts in einer Hundehütte schlafen. Oft wurde er auch wie ein Hund geschlagen 2 .
Im 13. Jahrhundert wurde der Narr nackt dargestellt, wodurch seine Sündhaftigkeit dargestellt werden sollte. Der Hofnarr war im späten Mittelalter mit der Narrenkleidung ausgestattet. Er hatte ein Narrenzepter, auch Marotte genant, in forme eines Stabes bei sich, dessen Knauf ein geschnitztes Portrait seiner selbst darstellen sollte und mit Glöckchen oder Schellen versehen war. Somit wurde die eitle Selbstbezogenheit des Narren verdeutlicht 3 . Ferner sah man im Narrenzepter
1
vgl. Edgar Barwig und Ralf Schmitz: Narren – Geisteskranke und Hofleute, in: Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft, hrsg. v Bernd-Ulrich Hergemöller, S.229
2
vgl. Barwig, Schmitz, S. 220 f.
3 vgl. Lexikon des Mittelalters Band 6, S. 1024
eine lächerliche Imitation des Bischofsstabs, die wiederum seine Gottlosigkeit unterstrich.
Seine Narrenkappe, in der Bedeutung einer Ketzer- oder Schandhaube ähnlich, galt als Gegenstück zur königlichen Krone. Ihr Hahnenkamm stand für die menschliche Überhebung und Geilheit, die Eselsohren an den Seiten für geistige Trägheit. Die Affen, die den Hofnarren umgaben, symbolisierten sein ungezügeltes Benehmen. Seine Narrenschellen stellten ihn als Menschen ohne Liebe dar, während die Schnabelschuhe und das bunt gefleckte Gewand seine Missachtung gegenüber der gesellschaftlichen Normen, u.a. eben Kleidungsvorschriften, verdeutlichten. Der Narrenorden galt als Parodie echter Ordenssymbole. Dieses extravagante Kostüm und sein Talent, unverständlich und wirr zu reden, faszinierte das Volk, dessen Neugier und Vorliebe für das Exotische der Narr stillen sollte.
Im frühen 16. Jahrhundert verbreitete sich das Bild des Todesnarren. Er stand für die Gottlosigkeit, Sünde und Sterblichkeit des Menschen. Unter der Narrenkappe verbarg sich jetzt das grausame Antlitz des Gevattern Tod. Des Narren Gottesferne rückt ihn in die Nähe von Tod und Untergang 4 . Der Höhepunkt dieser Entwicklung findet zu Beginn der Neuzeit statt.
2.2 Der Hofnarr in der Antike, im Mittelalter und der Neuzeit
Es gibt Theorien, dass es die Gestalt des Narren schon in der Antike gab und erst im Mittelalter wieder aufgegriffen wurde. Laut Otto Mönkemöller greife der Ursprung des Hofnarren bis ins orientalische Altertum zurück. Die wirren Reden der Geisteskranken seien als göttliche Eingebung gedeutet und verehrt worden. Enid Welsford behauptet, der Hofnarr habe seine Ursprünge sowohl in keltischen als auch in antik-römischen Traditionen 5 . Da diese Theorien kaum durch Quellen zu belegen sind, bleiben sie umstritten, weshalb ich auch nicht weiter auf diese eingehe.
Unzweifelhafte Quellen über den mittelalterlichen Hofnarren, die ihn auch vom natürlichen Narren differenzieren, sind erst im 12. Jahrhundert entstanden, wie etwa Rechnungen vom englischen Königshof über finanzielle Aufwendungen für eine
4
vgl. Lexikon des Mittelalters Band 6, S. 1025
5
vgl. Barwig, Schmitz, S. 234
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Stephan Holm, 2000, Die Figur des Narren im Mittelalter am Beispiel des Till Eulenspiegel, Munich, GRIN Publishing GmbH
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