Gerlints ‚Krieg’ gegen Kudrun S. 4
2.2. Eifersucht als Motiv für Gerlints Verhalten S. 7
Standhaftigkeit und Gegenmotive Kudruns S. 9
S. 12
1. Einleitung Das in der folgenden Arbeit behandelte Werk ist die Kudrun. 1 Über die Entstehungszeit dieses Epos` gibt es keine Gewissheit. Überliefert wurde es nur in einer einzigen Handschrift, in dem Ambraser Heldenbuch, welches Hans Ried zwischen 1504 und 1515 im Auftrag von Kaiser Maximilian I. geschrieben hat. 2 Auch wer der Dichter war, der die Kudrun geschaffen hat, weiß man (selbstverständlich) nicht.
Zu dem Aufbau der Kudrun lässt sich Folgendes sagen. Das Werk kann in drei Teile gegliedert werden: Am Anfang steht der Hagenteil, die Geschichte von Kudruns Großvater (1.-4. Aventiure), darauf folgt der Hildeteil, die Geschichte von Kudruns Eltern ( 5.- 8. Aventiure) und den letzten und größten Raum nimmt der Kudrunteil ein (9.- 32. Aventiure). 3 Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Gefangenschaft der Königstochter Kudrun am Normannenhof, die sich im Text ab der 20 Aventiure vollzieht. Besonders interessant ist dieser Abschnitt des Kudrunepos`, da hier sehr detailliert die lange Leidenszeit einer adeligen Frau beschrieben wird, die in ihr nicht gemäßen Umständen leben muss. Zudem wird sie in dieser ohnehin schon misslichen Lage durch ein anderes Adelsgeschlecht zunehmend erniedrigt. Die Ursache dieser Umstände soll untersucht werden. Der Fokus liegt dabei im Besonderen auf der ‚bösen Schwiegermutter’ Gerlint, nach deren Motiven es zu fragen gilt. In Abgrenzung dazu soll die Standhaftigkeit der Königstochter Kudrun und die Folge ihrer Beständigkeit betrachtet werden.
1
Stackmann, Karl (Hrsg.) Kudrun, Tübingen 2000.
2 Vgl. Hoffmann, Werner: Kudrun, in: H. Brunner (Hg.): Interpretationen, Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen, Stuttgart 1993, S. 293- 310, hier S. 294.
3 Vgl. ebd., S. 298.
2. Gerlints ‚Krieg’ gegen Kudrun Nach einer gescheiterten Brautwerbung 4 entführt Hartmut Kudrun (K 730- 809) und bringt sie an den Normannenhof, wo die junge Frau getrennt von ihrem elterlichen Familienverband die nächsten fast 15 Jahre gefangen gehalten wird. Ziel des Gewahrsams ist es, die Tochter Hetels zur Ehe mit Hartmut zu bewegen, respektive sie zu zwingen. Den Normannen ist klar, dass die Zustimmung der Frau für die Gültigkeit der Hochzeit unabdingbar ist, deshalb verwenden sie im Folgenden so viel Zeit darauf Kudrun zu einer Umstimmung zu bewegen. 5 Besonders signifikant ist, dass Hartmut bei seiner Werbung um Kudrun nicht auf sich allein gestellt ist, sondern Unterstützung in seiner Familie und seinem Gefolge findet. In diesem Kontext wird die Werbung zu einer Gruppen- statt zu einer Einzelaktion. 6 Als treibende Kraft kristallisiert sich bei diesem Vorhaben Hartmuts Mutter Gerlint heraus (K 629). Als sie hört „ez kume über sê diu maget von Hegelingen“ (K 967,1) ist sie zunächst froh Kudrun in Ormanie begrüßen zu können. Ihre Freude darüber geht so weit, dass sie im Falle einer Hochzeit zwischen Hartmut und Kudrun sogar bereit wäre, die persönliche Krone an die zukünftige Schwiegertochter zu übertragen (K 990, 4).
Gerlints zuvorkommendes Verhalten gegenüber Kudrun bleibt allerdings nur so lange bestehen, bis sie von Kudruns ablehnender Haltung gegenüber den Normannen erfährt. Ab diesem Zeitpunkt ändert sich ihr Verhaltensmuster, respektive ihr wahres Naturel kommt zum Vorschein. Die Ablehnung empfindet sie als persönliche Kränkung (K 737), dadurch Grundstein für ihr zukünftiges Handeln gelegt. 7 Die ‚prospektive’ Schwiegermutter wird im weiteren Verlauf der Handlung nach dem Typus der bösen Frau stilisiert. Besonders deutlich wird dies im Text durch die ihr zugeschriebenen Attribute wie: vâlentinne (K 629, 4), tiuvelinne (K 738, 996,1), Gerlint diu übele (K 1024, 3) und diu alte wülpinne (K 1052,1).
Die Figur des übelen wîbes tritt seit dem 13. Jahrhundert in der Literatur auf. Dabei agiert die böse Frau stets ordnungsstörend und normverletzend. 8 Ein
4
Vgl Stackmann, Karl (Hrsg.) Kudrun, Tübingen 2000, Strophe 606, 612.
Zitate aus dem Originaltext werden im Weiteren unmittelbar nach dem Zitat im Text wie folgt angegeben: (K Strophe, Zeile).
5 Vgl. Loerzer, Eckart: Eheschließung und Werbung in der Kudrun, München 1971, S 125. 6 Rollnik- Manke, Tatjana: Personenkonstellationen in mittelhochdeutschen Heldenepen, Untersuchungen zum Nibelungenlied, zur Kudrun und zu den historischen Dietrich- Epen, Frankfurt am Main 2000, S. 128. 7 Vgl. Sowinski, Bernhard: Kudrun, aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt und kommentiert, Stuttgart 1995, S. 348.
8 Vgl. Gaebel, Ulrike/ Kartschoke, Erika (Hrsg.) Böse Frauen - Gute Frauen, Darstellungskonventionen in Text und Bildern des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Trier 2001, S. 9.
Quote paper:
Kristina Horn, 2004, Kudruns Gefangenschaft am Normannenhof, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Wallensteins Dilemma - Macht, Politik und Wirklichkeitskonstruktion in...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 35 Pages
Geschichtsschreibung im historischen Roman
Eine gattungs- und strukturana...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Das Prinzip des Personenverbandes - Zur 'triuwe' und 'vriu...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Der Segen der Bosheit - Negativdidaxe im Eulenspiegel
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Der Bruderzwist im Drama des Sturm und Drang - Johann Anton Leisewitz&...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Identität und Emotionalität im Königinnenstreit - Die 14 Aventiure des...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Die Rolle von Erziehung und natürlichen Anlagen in Parzivals Verhalten...
Intermediate Diploma Thesis, 27 Pages
Phantastische Elemente der Kinder- und Jugendliteratur im Vergleich zu...
Thesis (M.A.), 110 Pages
Das Motiv des Festes im Nibelungenlied
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 27 Pages
Der Erzählanfang in Theodor Fontanes Effi Briest
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Mittelalterliche Hoffeste, Schwertleite und Turniere - Mit Beispielen ...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 43 Pages
Die Kontroverse um den handlungs- und produktionsorientierten Literatu...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Entwicklung oder Erkenntnis? Parzivals Weg im Epos von Wolfram von Esc...
Pedagogy - History of Pedagogy
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Maria Stuart: Ein Opfer des politischen Machtstreben Elisabeth's
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 15 Pages
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Das Motiv der Flucht in der Exillyrik
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Ehrverpflichtung und Entscheidungsfindung in den Gawan-Büchern von Wol...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 34 Pages
Schiller, Friedrich - Der Spieltrieb in Ästhetik und Dichtung Schiller...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Codierungen und Logiken von Gewalt im Nibelungenlied
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 44 Pages
Kristina Horn has published the text Kudruns Gefangenschaft am Normannenhof
Kristina Horn has uploaded a new text
Töchter und Mütter: Weibliche Identität, Sexualität und Individualität
Janneke van Mens-Verhulst, Karlein Schreurs, Liesbeth Woertman
Was Väter über Töchter und Mütter über Söhne wissen sollten
John Burns, Helen Burns, Regina Kunze
La Prononciation Parisienne. Aspects Phoniques D'Un Sociolecte Parisie...
Odette Mettas, Mettas Ao
0 comments