Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zur Quellenlage 4
2.1. Polybios 6
2.2. Livius 6
3. Die Schlacht bei Cannae in den Quellen von Polybios und Livius 8
3.1. Die Ereignisse vor der Schlacht 8
3.2. Die Kämpfe bei Cannae 10
3.3. Die Folgen der Schlacht 13
4. Schlussbeurteilung 15
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Die Schlacht bei Cannae hat vielfach das militärische Interesse geweckt und der Sieg des scheinbar unterlegenen Gegners unter Kriegsspezialisten zur Faszination geführt. Zu nennen sei an dieser Stelle stellvertretend als Ausdruck für dieses Faszinosum die Cannae- Studie des preußischen Generalstabschefs Alfred Graf von Schlieffen. 1 Ein möglicher Grund für die Begeisterung, die von dieser Schlacht auszugehen scheint, mag darin liegen, dass in ihr der Prototyp einer Vernichtungsschlacht in voller Klarheit erkennbar sein soll. Nicht nur in militärischen Kreisen fand diese Schlacht große Aufmerksamkeit, sondern auch unter Historikern. Karl Christ äußert sich dahingehend, dass die Wirkung des Mythos Cannae kaum zu überschätzen sei. 2 Bevor sich diese Arbeit im Folgenden eingehender mit dieser Schlacht beschäftigen wird, gilt es zunächst einmal zu bedenken, welche Schwierigkeiten sich bei der Rekonstruktion einer großen Schlacht ergeben können. Zum einen ist dies die Vielzahl der agierenden Personen, zum anderen die Komplexität der sich gleichzeitig vollziehenden Handlungsabläufe. Zudem kommt eine sich möglicherweise ergebende Eigendynamik des Kampfes, die weder geplant noch später im Detail nachvollziehbar ist. Für die Schlacht bei Cannae kommt außerdem die schwierige Quellenlage hinzu, die sich fast immer bei Ereignissen mit einer langen Überlieferungstradition ergibt. Dies sind Punkte, die die Beschäftigung mit diesem Thema schwierig aber auch besonders interessant machen, deutlich wird dies an dem großen Umfang von Forschungsliteratur. Natürlich ist der Ablauf der Schlacht nicht immer einstimmig beurteilt worden. Wobei der heutige Wissensstand besonders durch die Arbeiten von Hans Delbrück 3 und Johannes Kromayer 4 geprägt sei. 5 Das Ziel dieser Arbeit ist es das Vorfeld, den Schlachtverlauf sowie die Folgen der Schlacht bei Cannae unter besonderer Berücksichtigung der Quellen von Polybios und Livius zu untersuchen. Dabei soll im Besonderen auf die sich durch den Vergleich der Quellen herausstellenden Unstimmigkeiten eingegangen werden.
Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich mich zunächst mit der allgemeinen Quellenlage zur Schlacht bei Cannae beschäftigen. Dabei gilt es zu beurteilen welche Quellen
1 Vgl. Graf Alfred von Schlieffen: Cannae. Aus: Ders: Gesammelte Schriften, 1. Bd., Berlin 1913, S. 27265.
2 Vgl. Karl Christ: Hannibal, Darmstadt 2003, S. 94.
3 Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, Bd. 1, Berlin 1900. 4 Johannes Kromayer/ G. Veith: Antike Schlachtfelder. Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte, Bd. 3 Berlin 1912.
5 Vgl. Wolfgang von Groote: Historische Vorbilder des Feldzuges 1914 im Westen. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen, 47. Jg. (1990), S. 33- 55, S. 36.
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einschlägig sein könnten und dabei das geschichtliche Bild am naturgetreuesten wiedergeben. Dies geschieht einerseits, um meine Wahl für die Quellen von Polybios und Livius zu begründen und andererseits, um durch das Wissen über die Entstehung der beiden Quellen die sich in ihnen ergebenden Differenzen beurteilen zu können. Im sich anschließenden Kapitel möchte ich mich mit der Schlacht bei Cannae beschäftigen. Dazu gliedere ich das Ereignis in drei Etappen: die Ereignisse vor der Schlacht, die Schlacht und die Folgen der Schlacht. In den Unterkapiteln sollen die Berichte des Livius und Polybios verglichen werden. Dabei gilt es mögliche Quellenunterschiede festzustellen und abzuwägen welche Quelle Vertrauen verdient.
2. Zur Quellenlage
Die Überlieferung über die Schlacht bei Cannae geht wahrscheinlich auf drei Zeitzeugen zurück. Leider sind diese drei Urquellen, die in griechischer Sprache abgefasst waren nicht mehr erhalten. Zu den Urquellen zählen die Berichte von Fabius Pictor, Silenos und Sosylos.
Lange Zeit wurde in der Forschung allerdings die Auffassung vertreten, dass man lediglich zwei Überlieferungstraditionen ausmachen könne. Zum einen, die des Fabius Pictor als römische Quelle. Da Fabius dem römischen Senat angehörte, ist davon auszugehen, dass er über die Ziele dieser Körperschaft Bescheid wusste und mit den führenden Männern in persönlicher Beziehung stand. Zum anderen meinte man eine karthagische Überlieferungstradition des Griechen Silenos ausmachen zu können. Dieser soll in Hannibals Umgebung an dem Krieg teilgenommen haben und aus diesem Grund könne man ihn auch als Augenzeugen für die Schlacht bei Cannae ansehen. 6 Inwiefern man wirklich von römischen und karthagischen Quellen ausgehen kann ist nicht sicher gestellt. In der Forschung herrscht über dieses Thema Uneinigkeit. H. Dessau führte zu diesem Thema eine Diskussion, in der er meines Erachtens deutlich macht, dass es nur römische Quellen gegeben haben kann. 7 Das von Sosylos, der dritten Urquelle, so viel weniger die Rede ist, ist wohl überwiegend darauf zurückzuführen, das Polybios einst über ihn ein vernichtendes Urteil fällte und ihn damit als Geschichtsschreiber degradierte. 8
6 Vgl. Alfred Klotz: Was lehrt uns die Quellenforschung über den tatsächlichen Verlauf der Schlacht bei Cannae, In: Gymnasium, 56. Jg. (1949), S. 58-70, S. 11.
7 H. Dessau: Über die Quellen unseres Wissens vom 2. Punischen Kriege. In: Hermes, 51 Jg. (1916), S. 355- 385, 372 ff.
8 Vgl. P 3, 20,5.
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Neben den nicht mehr existenten Urquellen bestehen über die Schlacht bei Cannae eine ganze Reihe von Berichten, die allerdings zum größten Teil erst lange nach der Schlacht abgefasst wurden. Da die Entstehungszeit und die Abhängigkeit der einzelnen Schriftstücke voneinander jedoch weitgehend nachvollziehbar ist, kontrollieren sich die Berichte gewissermaßen gegenseitig. Zu den Berichten, die den Quellen der Zeitzeugen zeitlich am nächsten stehen, gehören jene des Polybios (Beschreibung von Cannae 3, 107- 117) 9 und des L. Coelius Antipater (sein sieben Bücher umfassendes Geschichtswerk ging verloren).
Darüber hinaus wurde der zweite punische Krieg durch die jüngeren Annalisten behandelt. In diesem Zusammenhang sind besonders Q. Claudius Quadrigarius, Licinius Macer, Valerius Antias als Vertreter der jüngeren Annalistik zu nennen. 10 Für die Vertreter der jüngeren Annalistik stand es im Vordergrund in ihren Quellen die Gerechtigkeit der römischen Sache hervorzuheben und Fehler zu entschuldigen. 11 Dieses Faktum führt im Generellen dazu, dass die Quellen der jüngeren Annalistik weniger Beachtung finden respektive der Wahrheitsgehalt im Besonderen hinterfragt wird. Alfred Klotz weist mit Recht darauf hin, dass mit der Möglichkeit zu rechnen sei, dass in der jüngeren Annalistik versprengte Reste der fabischen Erzählung gefunden werden können, die von Polybios in seiner knappen, nur die Hauptsachen berücksichtigenden Darstellung übergangen worden sind, aber doch das geschichtliche Bild beleben können. 12 Im Weiteren sind noch Appian, Silius Italicus und Plutarch zu nennen, die in der jüngeren Forschung allerdings kaum Beachtung gefunden haben. Dies ist wohl darauf zurück zuführen, dass ihre Schlachtberichte so gut wie keine Übereinstimmungen zu denen von Polybios und Livius aufweisen. Ulrich Kahrstedt weist auf die Problematik dieser Quellen hin. Appians Schlachtbericht sei reinste Annalistik, da er sich in keinem Punkt mit dem von Polybios decke und Plutarch folge lediglich Livius. 13 Im Vergleich zu den Berichten des Polybios und Livius und unter Berücksichtigung der Entstehungsbedingungen zeigen sich viele Quellen als unbrauchbar oder bringen nichts Neues. Deshalb soll im Folgenden besonders auf Polybios und Livius eingegangen werden.
9 Vgl. Kapitel 2.1. dieser Arbeit
10 Vgl. Klotz: Quellenforschung, S. 11.
11 Vgl. Jakob Seibert: Hannibal, Darmstadt S.30f.
12 Vgl. Klotz: Quellenforschung, S. 11.
13 Vgl. Kahrstedt: Geschichte der Karthager von 218- 146, Berlin 1913, S. 213.
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Kristina Horn, 2005, Die Schlacht bei Cannae - Ein Vergleich der Darstellungen von Polybios und Livius, Munich, GRIN Publishing GmbH
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