Dass Paulus eine der bedeutsamsten Gestalten der ersten christlichen Generation ist, lässt sich wohl kaum anzweifeln. Was für ein Mensch war Paulus? Wo kam er her? Wie verlief seine Wandlung vom Christenverfolger zum glühenden Missionar des Christentums? Was brachte ihn dazu, sich so stark für die Verbreitung des Christentums einzusetzen? Was war seine zentrale Botschaft? Diesen Fragen möchte ich unter anderen in der hier vorliegenden Hausarbeit auf den Grund gehen.
Ich konnte aus den Paulusbriefen schon viel für meinen eigenen Glauben herausziehen. Sie sind sehr anschaulich geschrieben und oftmals auch kontrovers. Ich erinnere hier nur kurz an einen Satz aus dem 1. Korinther 14, 34:„sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; (...) sie sollen sich unterordnen.“Oder seine Ansichten über die Eheschließung in 1. Korinther 7,8:„Den Ledigen und Witwen sage ich: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich.“
Paulus selbst diskutierte auch kontrovers mit seinem Mitstreiter und Freund Petrus über die Frage der Rechtfertigung durch Werke oder Glauben.
Ich war in den letzten Jahren vor der Agora in Athen, wo Paulus gesprochen hat, in Ephesus, in der Stadt, in der er gegen„wilde Tiere“(1. Kor. 15,32) gekämpft hat und an verschiedenen Orten in Israel, wie Cäsarea oder Jerusalem. Die Vorstellung, dass Paulus an genau diesen Orten gelebt und gewirkt hat, hat mich jedes Mal wieder fasziniert und mein Verständnis seiner Briefen anschaulicher gestaltet.
Alle diese Punkte haben mich dazu gebracht, mich nun noch einmal genau mit dem Menschen Paulus auseinanderzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1.Die Person Paulus
1.1 Wichtige Lebensdaten von Paulus
1.2 Woher stammte Paulus?
1.3 Von Saulus zu Paulus
1.4 Saulus, der Christenverfolger
1.5 Das Damaskuserlebnis
1.6. Paulus, der Christusjünger und Missionar
1.7. Seine Missionsreisen
1.7.1 Die erste Missionsreise
1.7.2 Die zweite Missionsreise
1.7.3 Die dritte Missionsreise
1.8 Seine wichtigsten Botschaften
2.Paulus und seine Briefe
2.1 Der antike Brief als Vorlage für die Briefe des Paulus
2.1.1. Der Briefaufbau
⇒Das Praeskript
⇒Das Proömium
⇒Der Briefkorpus
⇒Das Postskript
2.1.2 Das Schreibmaterial und der Schreibvorgang
⇒Das Schreibmaterial
⇒Der Schreibvorgang
2.2 Die Briefe des Paulus
2.2.1 Die echten Paulusbriefe
2.2.2 Die unechten Paulusbriefe
2.2.3 Die zentralen Inhalte seiner Briefe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht das Leben und Wirken des Apostels Paulus, von seiner Wandlung vom Christenverfolger zum Missionar bis hin zu seiner theologischen Bedeutung für das frühe Christentum und den Aufbau seiner Briefe.
- Biografische Stationen und das Damaskuserlebnis
- Die Missionsreisen und deren Bedeutung für die Verbreitung des Christentums
- Aufbau und Struktur antiker Briefe am Beispiel der Paulusbriefe
- Theologische Kernaussagen zur Rechtfertigungslehre und zum Wert des Menschen
Auszug aus dem Buch
1.5 Das Damaskuserlebnis
„Saulus ist auf dem Weg von Jerusalem nach Damaskus. Es ist ein beschwerlicher Weg durch die heiße Steppenlandschaft. Seine Begleiter und er sind auf Pferden unterwegs und nach der langen Reise Richtung Norden sind sie erschöpft und müde. Aber er reitet zielstrebig weiter, denn schließlich will er diese neuen Gemeinden bekämpfen, die überall zu entstehen beginnen. Er erinnert sich, wie er schon in Jerusalem viele Erfolge gegen diese Irrlehre errungen hat. Wie können sie behaupten, dass Jesus der Christus ist? Er war ein Aufrührer, nichts weiter! Sonst hätte er doch schon das Reich Gottes auf Erden aufgebaut. Sonst wäre er doch vom Kreuz einfach heruntergestiegen, oder? Auf einmal soll das Gesetz nichts mehr wert sein. Er, der Pharisäer, soll einfach diesen Jesus anbeten und von den Gesetzen Abstand nehmen? Nein, er darf auf gar keinen Fall zulassen, dass diese neue Lehre überhand gewinnt, das Volk der Juden darf nicht in die Irre gehen. Das sind Feine Gottes, die so etwas behaupten und sie müssen mit der Schärfe des Gesetzes bestraft werden. Ach, da vorne kann er ja schon Damaskus am glühenden Horizont erkennen. Bald werden sie die syrische Stadt erreicht haben. Da umgibt Saulus mit einem Schlag ein blendendes Licht. Er fällt von seinem Pferd auf den harten, staubigen Sandboden hinab und kann außer dieser gleißenden, strahlenden Helle überhaupt gar nichts mehr sehen. Er ist zu Tode erschrocken und zittert. Er zuckt zusammen, als er plötzlich eine Stimme hört: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Das ist keiner seiner Begleiter, der da zu ihm spricht. Er hat eine dumpfe Ahnung, die ihn in Panik versetzt. Trotzdem fragt er ängstlich: „Wer redet da mit mir?“ „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Die letzten Wochen und Monate laufen vor Saulus innerem Auge in rasender Geschwindigkeit vorbei. Die Menschen, die er in dunkle Gefängnisse eingekerkert hat. Die Schreie der Männer und Frauen, wenn er sie foltern ließ. Oh, nein, er hat wirklich Unrecht gehabt!!!“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Die Person Paulus: Dieses Kapitel zeichnet die Lebensgeschichte des Paulus von seiner Herkunft und Tätigkeit als Pharisäer über sein Damaskuserlebnis bis hin zu seinen Missionsreisen nach.
2.Paulus und seine Briefe: Hier werden der antike Briefaufbau analysiert sowie die Unterscheidung zwischen echten und unechten Paulusbriefen und deren zentrale theologische Inhalte erläutert.
Schlüsselwörter
Paulus, Saulus, Damaskuserlebnis, Missionsreisen, Apostel, Briefe, Rechtfertigung, Glaube, Pharisäer, Briefaufbau, Christentum, Theologie, Antike, Evangelium, Gemeinde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische Person des Paulus, seine Bekehrung und seine missionarische sowie schriftstellerische Bedeutung für das frühe Christentum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die Biografie des Paulus, seine drei großen Missionsreisen, den Aufbau antiker Briefe und die grundlegenden theologischen Thesen des Apostels.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Menschen Paulus sowie seine Rolle und seine Botschaften, die den Glauben seiner Zeit revolutionierten, genauer zu untersuchen und nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine exegetische Herangehensweise, ergänzt durch die Analyse von Primärquellen (Briefe) und Sekundärliteratur (theologische Fachliteratur).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie (Kapitel 1) und die Analyse der paulinischen Korrespondenz (Kapitel 2), inklusive Form- und Inhaltsanalyse der Briefe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Paulus, Missionsreisen, Rechtfertigung, Briefe, Bekehrung und Theologie bilden den Kern der terminologischen Ausrichtung.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen echten und unechten Paulusbriefen?
Die Unterscheidung erfolgt zur theologischen Einordnung, da die sogenannten unechten Briefe als Pseudepigraphie verfasst wurden, um die Autorität des Apostels zu wahren.
Welche Rolle spielt das „Damaskuserlebnis“ in der Argumentation?
Es wird als entscheidender Wendepunkt dargestellt, der die gesamte spätere Missionstätigkeit des Paulus und seine Theologie begründet.
Was ist die Bedeutung des „Praeskripts“ für antike Briefe?
Das Praeskript ist der förmliche Briefeingang und enthält Absender, Empfänger und Grußformeln, die für das Verständnis der paulinischen Korrespondenz essenziell sind.
- Citar trabajo
- Heidi Christina Kohlstock (Autor), 2003, Paulus - durch Glauben gerecht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66237