Universität Leipzig
Theorie und Praxis von sportlichen Bewegungen ohne Bindung an eine Sportart II
Allgemeine Bewegungs- und Trainingswissenschaft
Lateralität beim Menschen - Evolution, Gesellschaft, Sport
Andreas Fischer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Die Evolution der Händigkeit ... 4
3. Gesellschaft und Händigkeit ... 5
4. Die Gehirnhemisphären ... 7
5. Die Händigkeit ... 8
6. Die Beinigkeit / Füßigkeit ... 10
7. Der contralaterale Transfer ... 13
8. Literatur ... 15
1. Einleitung
Lateralität ist der Oberbegriff für alle Kennzeichen von Symmetrie und Asymmetrie bei paarig angelegten Organen. Dabei existieren verschiedene Formen und Ausprägungen der Seitigkeit, die mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten bezeichnet werden. Einige möchte ich an dieser Stelle kurz vorstellen. Der wohl bekannteste Begriff in diesem Zusammenhang ist der der Seitigkeitsphänomene, welcher die Symmetrie / Asymmetrie in Bezug auf die Erscheinungsformen Händigkeit, Füssigkeit oder Beinigkeit, Drehseitigkeit, Augigkeit, Ohrigkeit und Hirnigkeit (Hemisphärendominanz) umfasst. Des Weiteren wird unter anderem differenziert in funktionelle Seitigkeit, welche die Symmetrie / Asymmetrie in Bezug auf Arm-, Hand- und Fußbewegungen beschreibt sowie in Seitenpräferenz, Seitenkonkordanz und Seitendiskordanz, wobei die letztgenannten Begriffe Seitenübereinstimmung (Rechtshänder gleich Rechtsfüßer) und gekreuzte Seitigkeit (Rechtshänder und Linksfüßer) bedeuten. Schließlich existiert die Form der sensorischen Seitigkeit, auch Wahrnehmungslateralität, die die Symmetrie oder Asymmetrie hinsichtlich des Hören und Sehen beschreibt.
Ich werde mich in der folgenden Arbeit insbesondere mit der Kategorie der Seitigkeitsphänomene auseinandersetzen aber auch auf evolutionäre und gesellschaftliche Aspekte der Seitigkeit beziehungsweise Lateralität eingehen.
2. Die Evolution der Händigkeit
Für die Entstehung des Phänomens Händigkeit beziehungsweise Rechthändigkeit existieren verschiedene Theorien. Eine davon ist die so genannte Kampftheorie. Danach benutzten die Urmenschen ihre rechte Hand zur Waffenführung und schützten mit ihrer linken Hand, mit der später auch das Schild getragen wurde, ihr Herz. Aus dieser Aufgabenteilung der Hände oder Seiten entwickelte sich, nach dieser Erklärungsweise, welche auf Carlyle beziehungsweise Pyre-Smith zurückgeht, die rechte Hand im Laufe der der Zeit als die Gewandtere.
Fundierter sind die Annahmen zur Entstehung der Händigkeit, die auf die Benutzung von Werkzeugen der Urmenschen zurückgehen. Zunächst wird angenommen, dass der frühgeschichtliche Mensch beidhändig war und sich eine Seitenpräferenz erst mit der Fortentwicklung des Menschen, das heißt mit der Erfindung von Werkzeugen und Entwicklung von Handwerken, herausgebildet hat. Blau und Wile nahmen an, dass der Nutzer eines Werkzeuges dieses so verwenden musste, wie es der Hersteller oder Erfinder vorgesehen hatte, also gezwungen war, dessen Seitenpräferenz zu übernehmen. Danach gilt es als sicher, gestützt durch zahlreiche Untersuchungen an derartigen Werkzeugen, dass bei den Menschen der Bronzezeit (3000 bis 1000 v. Chr.) die Rechtshändigkeit vorherrschend war1.
Weitere Erklärungsversuche sagen zum Beispiel aus, dass sich die rechte Hand als Arbeitshand durchgesetzt hat, da die Mütter schon seit frühester Evolution ihre Kinder mit dem linken Arm, also an den beruhigenden Herzschlag, gehalten haben. Aber auch die primäre Dominanz einer Hirnhälfte, die als vererbbar gilt sowie eher abwegig klingende Theorien wie die Richtung der Erddrehung oder die Sonnenstände werden als Erklärungsversuche ins Feld geführt2.
[...]
1 Vgl. K. Fischer 1988, S. 23
2 Vgl. K. Fischer 1988, S. 21
Arbeit zitieren:
Andreas Fischer, 2004, Lateralität beim Menschen - Evolution, Gesellschaft, Sport, München, GRIN Verlag GmbH
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