Universität Potsdam
Institut für Anglistik/ Amerikanistik
Konzepte von Landeskunde
Multilingualität und Sprachenpolitik in der Schweiz
Antje Kurzmann
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung ... 2
1. Sprachen in der Schweiz ... 3
1.1. Geschichtliche Entwicklung ... 3
1.2. Gegenwärtige Sprachenverteilung ... 3
1.4. Das Deutsche und das Rätoromanische ... 6
2. Sprache(n) und Politik ... 7
2.1. Definition des Begriffes Sprach(en)politik ... 7
2.2. Zuständigkeiten in der Schweiz ... 8
2.3. Sprachregelungen der Schweiz ... 9
2.3.1. Sprachenfreiheit ... 10
2.3.2. Territorialitätsprinzip ... 11
2.3.3. Allgemeines zu den Sprachen in der Bundesverfassung ... 12
3.Vorschulbildung und Sprache(n) in der Schule ... 13
3.1. Vorschulbildung ... 13
3.2. Sprache(n) in der Schule ... 14
3.3. Einführung von Fremdsprachen ... 14
4. Mehrsprachigkeit - Der Mythos vom multilingualen Schweizer ... 19
5. Eigenheiten der Schweiz ... 22
5.1. Der Röstigraben ... 22
5.2. Der Polentagraben ... 23
5.3. Immersionsunterricht ... 23
6. Fazit ... 25
7. Literaturverzeichnis ... 27
8. Abbildungsverzeichnis ... 29
9. Abkürzungsverzeichnis ... 29
0. Einleitung
Der Tagesspiegel titelte am 1. Mai 2005:
„Der Turmbau zu Brüssel – Das neue Euroland spricht in 20 Sprachen. Oder wird Englisch zur heimlichen Amtssprache? Zwischenbilanz nach einem Jahr Erweiterung“ (Fetscher 2005, 25).
Europa wird immer größer und damit immer vielfältiger, sowohl aus kultureller wie auch aus sprachlicher Perspektive. Mittlerweile umfasst die Europäische Union 25 Länder und besitzt damit 20 Amtssprachen (vgl. ebd.). Ganz aktuell ist die Diskussion der europäischen Bildung mit den dazugehörigen Schlagwörtern der Multilingualität und Multikulturalität. Ist es Ziel eine Sprache für alle BürgerInnen Europas festzulegen oder soll jedes Land seine Sprache(n) beibehalten? Die sprachlich-kulturelle Pluralität stellt die Obersten Europas vor ein Problem. Niemand will, dass „seine“ Sprache wegrationalisiert wird und trotzdem wollen sich alle irgendwie verständigen. Bildung und Erziehung in einem Europa, das schon jetzt sehr stark von Migration und dazugehöriger Mobilität geprägt ist und es auch in Zukunft noch sein wird, sollte und ist teilweise schon fokussiert auf kulturelle und sprachliche Vielfalt. Das zusammenwachsende Europa steht vor der Aufgabe jedem Land und jeder Sprache gerecht zu werden. Eine Aufgabe, mit der sich die Schweiz schon lange auseinandersetzt. Die Schweiz ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein relativ kleines Land, doch es besitzt „viel“ Sprache oder genauer gesagt Sprachpotential. „Formal, historisch und politisch [ist die Schweiz] vier-, jedoch infolge verschiedener Einwanderungswellen vielsprachig.“ (Allemann-Ghionda 1994a, 11). Wie die Schweiz sich der Aufgabe einer mehrsprachigen Bildung in einem vielsprachigen Land stellt, soll in dieser Arbeit veranschaulicht werden. Außerdem wird die Theorie der Realität gegenübergestellt. Zeigt die Praxis, was in Gesetzen verlangt wird? Wer hält sich an die Grundsätze und wie werden sie umgesetzt? Es erfolgt zuerst ein Überblick über die Sprachen der Schweiz, gefolgt von der Erläuterung der aktuellen Sprachenpolitik. Dann widmet sich die Arbeit der Vorschulbildung und Sprache(n) in der Schule. Im Anschluss wird der Mythos des polyglotten Schweizers der Realität gegenübergestellt. Um in der Praxis zu verbleiben, werden an dieser Stelle einige Besonderheiten der Schweiz aufgezeigt. Zum Abschluss der Arbeit wird ein Fazit gezogen.
1. Sprachen in der Schweiz
Im Folgenden wird zuerst ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung der Sprachen in der Schweiz gegeben. Im Anschluss wird der Status Quo aufgezeigt. Dies beinhaltet das Aufzeigen der aktuellen Sprachverteilung, die Präsentation der Entwicklung und Zusammensetzung der Nichtlandessprachen und das Angeben der Entwicklungstendenzen aller Sprachen in der Schweiz. Am Schluss wird die Bedeutung des Deutschen und des Rätoromanischen näher erläutert.
1.1. Geschichtliche Entwicklung
Bis 1798 galt die Schweiz offiziell als einsprachiges Land, mit der Amtssprache Deutsch. Jegliche andere Sprache wurde nicht anerkannt und hatte somit keine Chance offizielle Sprache zu werden. Obwohl jeweils die deutschsprachigen Menschen in die Regionen der Anderssprachigen zogen, setzten sie ihre Sprache durch und stellten die regional ansässige Sprache in der Hierarchie unter sich. Sogar 1481 als das mehrheitlich französischsprachige Freiburg in den Schweizerischen Bund eintrat, war Deutsch die Hauptsprache und hatte sehr großes Ansehen, so dass gerade die Menschen aus der oberen Schicht schnell ihre Namen eindeutschten. Erst als 1798, aufgrund der Französischen Revolution, die gesamte Machtstruktur der Alten Eidgenossenschaft zerbrach, wurde auch die Sprachenfrage neu geregelt. In der nun folgenden Helvetischen Republik wurden die anderssprachigen Kantone als gleichwertig anerkannt. Diese Ansätze der Schweiz, hin zu einem mehrsprachigen Staat, verfestigten sich als 1848 der moderne Bundesstaat entstand. Zu diesem Zeitpunkt wurde dann auch das Rätoromanische als Nationalsprache anerkannt (vgl. Dürmüller 1996, 11ff.).
1.2. Gegenwärtige Sprachenverteilung
Im Jahr 2000 sprachen fast zwei Drittel der gesamtschweizerischen Bevölkerung Deutsch und stellten damit den größten Bereich dar. Die zweitgrößte Mehrheit der Schweizer ist französischsprachig und die drittgrößte italienischsprachig. Das Rätoromanische ist nur sehr schwach vertreten, nicht einmal 1 % der Bevölkerung spricht diese Sprache. In Abbildung 1 wird ersichtlich, wie sich diese Sprachgruppen regional verteilen. Es zeichnen sich ziemlich deutliche Grenzen zwischen den einzelnen Sprachregionen ab. Deutsch genießt, wie auch schon in der geschichtlichen Entwicklung der Sprachen ersichtlich, eine Vormachtstellung.
[...]
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Antje Kurzmann, 2005, Multilingualität und Sprachenpolitik in der Schweiz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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