Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 3
1.2.Intertextualtätstheorien......................................................................................................... 4
1.3. Bachtin vs. Kristeva 4
1.4. Text und Subtext 4
2.1. Aleksandr Blok 5
2.2. Anna Achmatova 6
2.3. Symbolismus vs. Akmeismus 6
2.4. Die Zeit vor dem ersten Treffen 7
3.1.Bloks „Madrigal“ 8
3.2. Hispanisierung durch die Stilisierung 8
3.3. Formale Ebene von „Madrigal“ 9
3.4. Heilige und Hure 9
3.5. Achmatovas Antwort-Gedicht 10
3.6. Der Dichter als Sonne 10
3.7. Prozorovas Analyse 11
3.8. Formalen Ebenen von Achmatovas Gedicht 12
3.9. Theatralisch Inszenierung vs. Flucht nach draußen 13
4.1. Was ist eine Poetik? 14
4.2. Achmatovas Poetik 14
4.3. „Schatten Bloks“ in Achmatovas Poetik 15
4.3. Bloks Poetik 15
4.4. Ergebnisse der Gegenüberstellung 16
Literaturverzeichnis 18
2
1.Einleitung
Gegenstand der Hausarbeit ist ein Vergleich der Poetiken zweier Dichter. Dies erfolgt am Beispiel von Bloks „Krasota strašna, Vam skažut“ und Achmatovas „Ja prišla k poėtu v gosti“, das als Antwort auf Bloks Gedicht entstanden ist. Zwar sind die Gedichte im Abstand von einem Jahr geschrieben - Bloks Gedicht ist bereits 1913 fertig - dennoch sind beide Gedichte mit dem Besuch Achmatovas in Bloks Wohnung im Dezember 1913 in der „Oficerskaja“-Straße verbunden.
Achmatova ist sicherlich eine der wenigen Dichter/innen, die ihr Widmungsgedicht persönlich bekommt. Denn an dem besagten Dezembertag 1913 besucht die noch recht unbekannte 24-jährige Anna Achmatova den großen, berühmten und von ihr schon seit langem verehrten Poeten Aleksander Blok. Sicherlich ein sehr aufregendes Erlebnis für die junge Dichterin. Achmatova bringt einige seiner Bücher mit, um sie signieren zu lassen. Nachdem die ersten Bücher recht unpersönlich und zurückhaltend mit „Für Achmatova - Blok“ signiert werden, schreibt Blok in das dritte Band das Widmungsgedicht „Krasota strašna, Vam skažut“, welches Achmatova später „Madrigal“ nennt 1 . Als Antwort auf „Madrigal“ schreibt die Dichterin 1914 das Gedicht „Ja prišla k poėtu v gosti“ und widmet es Aleksandr Blok .
Zum ersten Mal gemeinsam werden die beiden Gedichte in der ersten Ausgabe der Literaturzeitschrift „L´jubov´ k trem apel´sinam“ im Jahre 1914 veröffentlicht. Blok, der damals Redakteur der lyrischen Abteilung dieser Zeitschrift ist, wünscht sich eine gemeinsame Veröffentlichung der beiden Gedichte. Es ist ihm wichtig, dass diese Gedichte in einem „Aufruf - Antwort“ - Verhältnis zu einander stehen, so betrachtet und auch so publiziert werden. Dadurch wird unmittelbar die Korrespondenz deutlich, in der die beiden Gedichte miteinander stehen. Nach dem Literaturwissenschaftler Toporov sind diese beiden Widmungsgedichte auch der offizielle Beginn des „poetischen Dialogs“, den Achmatova und Blok in den nächsten Jahrzehnten führen 2 .
1 Toporov, V.N.: Achmatova i Blok. (K probleme postroenija poeticeskogo dialoga: „blokovskij“ tekst Achmatovoj.). Berkeley 1981 S. 35.
2 Toporov, V.N.: Achmatova i Blok.
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1.2.Intertextualtätstheorien
Doch was macht diesen „poetischen Dialog“ aus? Um sich dessen bewusst zu werden, bedarf es der Klärung des Begriffs der „Intertextualität“. Dafür beziehe ich mich auf die Artikel von Renate Lachmann 3 und Manfred Pfister 4 . Zwar ist der Begriff der „Intertextualität“ relativ neu, doch das gezielte Einsetzen dieser ist es keinesfalls.
Schon seit der Antike beziehen sich die Texte auf andere Texte. Der Terminus der „Intertextualität“ entsteht in den späten sechziger Jahren aus der Aufarbeitung durch Julia Kristeva, die sich in einem Rückgriff auf ein theoretisches Konzept von Michail Bachtin mit dem Begriff der „Dialogizität“ beschäftigte.
1.3. Bachtin vs. Kristeva
Es gibt grundsätzlich zwei Kategorien von Intertextualitätstheorien. Bachtin, ein russischer Sprach- und Literaturtheoretiker, ist der Ansicht, dass „jede Äußerung untrennbar mit Dialog und Zitat verbunden ist“ 5 . Seiner Ansicht nach ist die Sprache von Heterogenität gekennzeichnet und die von uns benutzten Wörter mit „den Intentionen und Akzenten anderer Sprecher“ 6 bereits angereichert. Bachtins Theorie ist eindeutig nicht intertextuell, sondern intratextuell.
Nach Kristeva ist jeder Text ein „Mosaik von Zitaten“ und „jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes“ 7 . Zwar geht sie anfangs von Bachtins Theorie der „Dialogizität“ aus, führt aber mit der Umarbeitung, oder wie Manfred Pfister es bezeichnet „Umakzentuierung“, dieser Theorie auch den Terminus „Intertextualität“ ein. Demnach haben alle Texte die Eigenschaft sich vom Autor zu trennen und mit anderen Texten in einen Dialog zu treten. Somit tritt für Kristeva „an die Stelle des Begriffs der Intersubjektivität (...) der Begriff der „Intertextualität“ 8 .
1.4. Text und Subtext
Die Beziehung zwischen dem Akmeismus und Bachtin bzw. seinem Kreis von Literaturtheoretikern entstehet erst zu Beginn der 60er Jahre. Nach Renate Lachmann führt vor al-
3 Lachmann,Renate: Bachtins Dialogizität und die akmeistische Mythopoetik als Paradigma dialogisierter Lyrik. (in Stierle, Karlheinz; Warning, Rainer (Hgg.): Das Gespräch, München 1984, S.489-515.).
4 Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität. (in Broich, Ulrich; Pfister, Manfred (Hgg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Tübingen 1985, S. 1-30.).
5 Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie : Ansätze - Personen - Grundbegriffe / hrsg. Von Ansgar Nünning. - 2., überarb. und erw. Aufl. - Stuttgart ; Weimar . Metzler, 2001 S.241.
6 Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, S. 241.
7 Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, S. 241.
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lem die Lyrik von Achmatova und Mandelstam und eine „Neulektüre der Schriften des Bachtinkreises“ 9 zu dem „Kontakt zwischen den ergänzenden und stark überlappenden Positionen“ 10 . Die Akmeisten entwickeln eine neue „Arbeitsmethode“, bei der sich der Text an anderen, vorausliegenden Texten orientiert und der fremde Text (Subtext), die Funktion des „fremden Wortes“ übernimmt. Dabei kann der Subtext sowohl ein sprachliches, als auch ein nicht sprachliches System wie Kunst und Architektur sein 11 . Somit bezieht sich der Begriff der Intertextualität nicht nur auf Texte, sondern weitet sich auch auf andere Bereiche der Kunst aus.
Doch wollen wir wieder zum „poetischen Dialog“ zwischen Achmatova und Blok zurück kommen, der mit diesen beiden Gedichten begann. Die zentrale Fragestellung der Hausarbeit ist: „ Wie nehmen sich die Dichter vor und nach dem Besuch wahr? In wie fern hat die Zugehörigkeit der Dichter zu zwei miteinander rivalisierenden Schulen Einfluss auf die spätere Freundschaft der beiden Dichter?“ Um dies zu klären und die Beziehung zwischen den beiden besser verstehen und erklären zu können, beschäftigen wir uns als erstes mit den Dichtern und ihren Lebensläufen.
2.1. Aleksandr Blok
Aleksander Blok (1880-1921), geboren und gestorben in St. Petersburg, ist ein führender Vertreter des russischen Symbolismus. Der Symbolismus lehnt jegliche naturalistische und realistische Traditionen ab. Der Gegenstand der Kunst ist die Transzendenz, das eigentliche Sein. Die Symbolisten glauben an den „magischen“ Charakter der Sprache, und verwenden Symbole aus der Mythologie und dem Mittelalter. Mit dieser Mythospoetik und Psychopoetik wird das Eindringen in neue Dimensionen des seelischen und erotischen Seins angestrebt 12 . Wie Lauer beschreibt, wird „das Streben, das Gute im Schönen zu finden zum wichtigsten Impuls der symbolistische Kunst“ 13 .
8 Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, S. 241-242.
9 Lachmann, Renate: Bachtins Dialogizität und die akmeistische Mythopoetik als Paradigma dialogisierter Lyrik. S.490.
10 Lachmann, R.: Bachtins Dialogizität und die akmeistische Mythopoetik als Paradigma dialogisierter Lyrik, S.490.
11 Lachmann, R.: Bachtins Dialogizität und die akmeistische Mythopoetik als Paradigma dialogisierter Lyrik, S.491.
12 Lauer, Reinhard: Geschichte der russischen Literatur (Von 1700 bis zur Gegenwart), München
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Natalie Schnar, 2001, Ein Besuch in Versen - Achmatovas 'Ja prila k poetu v gosti' als Antwort auf Bloks 'Kra-sota strana, Vam skaut' - Ein Vergleich der beiden Poetiken, Munich, GRIN Publishing GmbH
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