II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Auswirkungen auf Politik und Infrastruktur der Stadt 2
2.1 Die Unterbringung der Kongressteilnehmer 4
3. Warum dauerte der Kongress so lange? 5
3.1 Verständigungsschwierigkeiten 6
3.2 Das Postwesen 8
3.3 Einfluss auf das Leben in der Stadt 9
4. Bedeutung des Kongresses 11
5. Zusammenfassung 12
6. Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
Unter dem Begriff Westfälischer Friede findet sich in fast jedem Lexikon eine Erläuterung. Dabei wird jedoch meistens nur auf die wesentlichen Vertragspunkte eingegangen oder es werden die Stichworte Augsburger Religionsfriede, Dreißigjähriger Krieg und Reichsverfassung genannt. 1 Anlässlich der Jubiläen zum 300- und 350-jährigen Bestehen des Friedensschlusses gab es viele Publikationen für den Bereich Osnabrück und Münster, die von Ausstellungskatalogen bis zu kleinen Faltblättern reichten. Insofern trifft auf dieses Gebiet nicht die Aussage von Gerhard Schormann zu, dass bisher „viel zu wenig Regionaluntersuchungen über die Kriegauswirkungen auf die Wirtschaft im ländlichen Bereich vorliegen“. 2 Vielmehr gilt es, für diesen Bereich aus einer Fülle von Informationen die wesentliche und wissenschaftlich fundierte Literatur herauszufinden. Das Standardwerk ‚Der Westfälische Frieden’ von Fritz Dickmann, war eine der Hauptquellen für diese Hausarbeit. 3 Sie beschäftigt sich mit dem Einfluss, den das Kongressleben auf die Stadt und ihre Einwohner hatte. Dabei werden das alltägliche Leben und die Infrastruktur, sowie die Umgebung der Stadt betrachtet. Im Folgenden sollen kurz die für Osnabrück bedeutungsvollsten Regelungen, die im Friedensvertrag fixiert wurden, angesprochen werden. Auch wenn sich die vorliegende Analyse im Wesentlichen mit den Wirkungen des Kongresses auf die Stadt Osnabrück beschäftigt, so wird auch Münster immer wieder eine Rolle spielen, da die Verhandlungen parallel liefen und sich gegenseitig beeinflussten. Grundlage für die Verhandlungen war der Friedenspräliminarvertrag, in dem festgelegt wurde, dass es einen Universalfriedenskongress in Osnabrück und Münster geben sollte. Auf diesen Vertrag konnten sich schwedische, französische und die kaiserliche Diplomaten 1641 in Hamburg verständigen. 4 Ab 1643 reisten die Gesandten nach Osnabrück und Münster, wo der Kongress am 4.12.1644 begann. Nachdem es einige frühere Termine gegeben hatte, die nicht eingehalten worden waren, hatte man sich auf diesen geeinigt. Bis 1645 kam es auf dem Kongress jedoch zu keinen großen Fortschritten. Dies änderte sich mit der Niederlage des
1 Brockhaus Enzyklopädie. 17. Auflage, Band 20, Wiesbaden 1974. S. 260.
2 Schormann, Gerhard: Der Dreißigjährige Krieg. 2. Auflage, Göttingen 1993. S. 129.
3 Dickmann, Fritz: Der Westfälische Frieden. Münster 1965.
4 Galen, Hans (Hrsg.): Der Westfälische Frieden. Krieg und Frieden, Greven 1987. S.11.
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Kaisers in der Schlacht bei Jankau. 5 Der Kaiser geriet militärisch immer mehr unter Druck und befürchtete, noch mehr zu verlieren, wenn er sich nicht auf ernst gemeinte Verhandlungen einließe. 6 Daraufhin ließ der Kaiser am 29.8.1645 alle Reichsstände, die sonst an Reichstagen teilgenommen hatten wie zu einem Reichstag zum Friedenskongreß einladen. 7 Das schwächte die Position des Kaisers und freute Spanien und Frankreich, da dadurch ihre Positionen gestärkt wurden. 8 Da die Reichsstände bei zu treffenden Entscheidungen auf ihre üblichen Beratungsformen wie „Fürstenkurie und Städtekurie“ zurückgriffen dauerte eine Übereinkunft entsprechend lange.
2. Die Auswirkungen auf Politik und Infrastruktur der Stadt
Bevor die Entscheidung fiel, den Kongress in Münster und Osnabrück stattfinden zu lassen, war über viele andere Städtepärchen nachgedacht worden. Einige Vorschläge dazu waren die Städte Köln-Hamburg, Mainz-Frankfurt oder Worms-Speyer 9 , die sich letztendlich allerdings nicht durchsetzen konnten. Die Entscheidung für zwei Kongressorte wird damit begründet, dass sich die Katholiken und Protestanten nicht (bewusst oder unbewusst) gegenseitig belästigen sollten. So sollte der konfessionelle Kleinkrieg zwischen den Diplomaten und ihrem Personal vermieden werden. 10
Als zweite Begründung wird angeführt, dass die Angelegenheiten des Kaisers mit den Reichsständen und Schweden, sowie die zwischen dem Kaiser und Frankreich separat zu klären seien. Dabei wurde aber betont, dass trotz der örtlichen Trennung die beiden Kongresse als einer anzusehen seien. Als weiterer Vorteil für diese Städte ist sicherlich auch die Nähe zueinander, die, anders als das Städtepaar Kölntrennte. 11 Hamburg, nur eine knapp halbtägige Reise voneinander
5 Lundkvist, Sven: Die schwedischen Friedenskonzeptionen und ihre Umsetzung in Osnabrück., in:
Historische Zeitschrift, Band 26, München 1998. S. 351.
6 Diese Befürchtungen schlugen sich immer mehr in den Anweisungen an seinen Hauptgesandten
Trautmannsdorff nieder, der weit reichende Handlungsfreiheiten bekam.
7 Schilling, Heinz: Das Reich und die Deutschen. Aufbruch und Krise Deutschland 1517-1648. Berlin
1994. S. 451.
8 Duchhardt, Heinz: Der Westfälische Friede. Ein Schlüsseldokument der neueren Geschichte., in:
Kaster, Karl Georg; Steinwascher, Gerd (Hrsg.): „…zu einem stets währenden Gedächtnis“. Die
Friedenssäle zu Münster und Osnabrück und ihre Gesandtenporträts. Bramsche 1996. S.16.
9 Von Dickmann (Der Westfälische Frieden. Münster 1965.) werden auch noch die Varianten
Frankfurt-Köln, Hamburg-Lübeck genannt.
10 Duchhardt: S.12.
11 Schilling: S. 451.
3
Gegen die ausgewählten Städte sprach, dass sie bisher über keinerlei Erfahrungen mit einer Versammlung dieser Größenordnung verfügten. Da dies die bisher größte Diplomatenversammlung Europas war, hätten höchstens die Reichtagsstädte etwas von dem Organisationsaufwand und den logistischen, infrastrukturellen und sicherheitspolitischen Problemen ahnen können. 12 Die Reichskonvente waren von der gastgebenden Stadt mit Hilfe des Reichsmarschalls organisiert worden. Auf diesen durften die Verhandlungsstädte jedoch nicht zurückgreifen, da es sich nicht handelte. 13 um einen Reichskonvent
Nachdem die Entscheidung für die westfälischen Schwesternstädte gefallen war, wurden die Städte und die Verbindungsstraßen für neutral erklärt. 14 Das hatte zur Folge, dass die Schweden, die Osnabrück seit 1633 besetzten, abziehen mussten. Die Stadt profitierte von dem Abzug der Truppen insofern, als dass sie nun die vormals rund 600 Mann starke Garnison nicht mehr zu versorgen hatte. 1633 mussten außerdem 40.000 Reichstaler an die Schweden gezahlt werden, damit diese die Stadt nicht brandschatzten. Somit hatten die Osnabrücker erhebliche wirtschaftliche Einbußen erlitten. Mit dem Rückzug war allerdings auch verbunden, dass der bisher von den Soldaten ausgeführte Wachdienst nun wieder von der Bürgern der Stadt ausgeführt werden musste, was nicht reibungslos verlief. Dies brachte jedoch keine schwerwiegenden Beeinträchtigungen für den Kongress mit sich. 15
Was den Kongress allerdings beeinflusste war die finanzielle Situation des Gastgebers. Viele Protestantenfamilien waren wegen des Bischofs Wilhelm aus der Stadt geflüchtet, wodurch diese weiteren finanziellen Schaden nahm, da ihr Steuereinnahmen fehlten. 16 Eine weitere Einnahmequelle für Steuern war zuvor der Handel gewesen. Dies war vor allem deshalb gewinnbringend, da alle Waren sowohl beim Import, als auch beim Export in die Stadt besteuert wurden 17 . Doch aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen konnte nicht ausreichend Handel betrieben werden wie zu Friedenszeiten. Dadurch stiegen auch die Lebensmittelpreise, worüber sich die Gesandten beschwerten. Zeitweise waren die finanziellen Mittel der
12 Duchhardt: S.13.
13 Bosbach, Franz: Die Kosten des Westfälischen Friedenskongress. Eine strukturgeschichtliche
Untersuchung. Münster 1984. S. 109.
14 Schilling: S. 451.
15 Bußmann, Klaus; Schilling, Heinz (beide Hrsg.): 1648 Krieg und Frieden in Europa, 26.
Europaratsausstellung, Ausstellungskatalog, Münster/Osnabrück 1998. S. 277.
16 Philippi: S. 158.
17 Philippi: S. 161.
Arbeit zitieren:
Birte Wachtel, 2005, Osnabrück - Stadt des Westfälischen Friedens, München, GRIN Verlag GmbH
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