Gliederung
1. Die Autorin und ihr Werk Seite 1
2. Analyse des Gedichts Economía doméstica
2.1 Pragmatik Seite 2
2.2 Semantik Seite 4
2.3 Das lyrische Ich als Frau Seite 7
2.4 Syntaktik Seite 7
3. Die weibliche Poetik Rosario Castellanos Seite 8
4. Literatur nur für Frauen Seite 10
5. Bibliografie Seite 11
1. Die Autorin und ihr Werk 1
Rosario Castellanos wurde am 25. März 1925 in Mexiko Stadt geboren und verbrachte ihre Kindheit und einen Teil Ihrer Jugend auf der Hacienda der Eltern in Comitán, einer ländlichen Gegend. Ihr Vater war ein autoritärer Landbesitzer. Schon als Kind musste sie die Erfahrung machen, was es bedeutete, als Frau geboren zu sein: Ihr ein Jahr jüngerer Bruder wurde Zeit seines kurzen Lebens immer bevorzugt, und auch nach seinem frühen Tod im Alter von sieben Jahren ließen die Eltern Rosario spüren, dass sie den Status, den der Bruder genoss, niemals erreichen konnte. Als sich die Familie durch Landreformen gezwungen sah, nach Mexiko Stadt umzuziehen, war Rosario darüber nicht wirklich unglücklich wie Norma Alarcón in ihrer Dissertation feststellt: "[…] it helped her to escape the ritualistic and repetetive character of women's lives in the province." (Alarcón 1983: 33). In der Stadt begann sie dann mit dem Studium der Literatur und Philosophie. Mit dem Tod ihrer Eltern 1948 begann zugleich ihre literarische Schaffensphase. Heute gilt Castellanos als die erste professionelle Schriftstellerin Mexikos.
Ihre Arbeit umfasste viele verschiedene Gattungen, darunter Romane, Dramen, Erzählungen, Essays, eine Kolume für die Zeitung "Excélsior" sowie natürlich Gedichte. Themen ihres lyrischen Werkes sind vor allem Verknüpfungen von Liebe, Zerstörung und Einsamkeit. Aber auch die Situation der mexikanischen Frau behandelt sie oft in ihren Texten. Ihre Arbeit spiegelt in gewisser Weise auch ihre Suche nach der eigenen Identität wider: Sie verarbeitet damit unter anderem Erlebnisse aus der Kindheit und befasst sich mit den Motiven der Gewalt und Unterdrückung.
In dem Gedichtband "Poesía no eres tú", der 1972 – zwei Jahre vor ihrem Tod – erschien, veröffentlichte sie unter anderem das Gedicht "Economía doméstica", welches ich auf den folgenden Seiten näher untersuchen möchte. Neben der Analyse der pragmatischen, semantischen und syntaktischen Aspekte lege ich dabei den Schwerpunkt auf die Darstellung des lyrischen Ichs als Frau und veranschauliche die Gründe, welche die Dichterin dazu veranlassten, aus der weiblichen Perspektive zu schreiben.
1 Die biografischen Angaben sind aus den folgenden Sekundärliteraturen entnommen:
Norma Alarcón (1983)
Kindlers Neues Literaturlexikon
Autorenlexikon Lateinamerika
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2. Analyse von "Economía doméstica"
2. 1. Pragmatik
"Economía doméstica" ist ein zehnstrophiges Gedicht, in dem ein erwachsenes weibliches lyrisches Ich seine typische Rolle, in die es gedrängt wurde, beschreibt und auftretende Konflikte zur Sprache bringt.
Die Anwesenheit der Sprecherin ist sehr deutlich markiert, was man an der großzügigen Verwendung von Verben und diversen Pronomen in der ersten Person Singular erkennt, wie zum Beispiel im ersten Vers "He" oder "Así arreglé mi casa." (V4). Der Großteil der Markierungen findet sich jedoch erst ab Vers 23, wenn das lyrische Ich von sich selbst erzählt: Die Verben "coloqué" (V 23), "eché" (V 24), "digo" (V 33) sowie "olvido" und "muestro" (V 34) und das Reflexivpronomen in "me distraje" (V 27) zusammen mit den Possessiv- und Objektpronomen in "que me dio mi madre" im letzten Vers machen hier eindeutig klar, dass es einen Sprecher gibt, der von sich erzählt. Von Vers 2 bis 21 gibt das lyrische Ich die "regla de oro, el secreto del orden" (V 1) wieder und, außer wie oben schon beschrieben in Vers 4, ist hier keine personale Deixis erkennbar. Dass die Sprecherin erwachsen ist, erkennt man vor allem daran, dass sie von "mi casa" (V4) erzählt. Als Kind hätte sie wohl mehr von "nuestra casa" gesprochen. Außerdem spricht die Verwendung des Begriffes "nostalgia" (V 27) für ein erwachsenes lyrisches Ich, denn erstens haben Kinder meist nicht so eine starke Sehnsucht nach der Vergangenheit, die man mit Nostalgie beschreiben würde, und zweitens ist allein der Begriff keiner aus der Kindersprache. Als weiblich konstatiert lediglich das Adjektiv "Orgullosa" (V 35) die Sprecherin, ansonsten sind im Gedicht keine direkten Verweise auf eine Frau als Sprecherin gegeben. Zu den indirekten Verweisen, die das lyrische Ich als weiblich darstellen, komme ich ausführlicher in Punkt 2.3. Aus der Sprechsituation heraus wird noch deutlich, dass das lyrische Ich jemand ist, den innere Unruhe plagt. In den Versen 22 bis 33 erkennt man, dass es trotz der "regla de oro" einige Dinge gibt, mit der die Sprecherin nicht umzugehen weiß und dass dies sie beunruhigt: "Esto me desazona" (V33). Nach außen hin ist alles geregelt und geordnet, doch im Inneren sind Gefühle vorhanden, die die äußere Ordnung gefährden würden und das lyrische Ich deshalb aus dem Konzept bringen. In der "regla de oro", die sie von Ihrer Mutter bekommen hat, wird nichts über derartige Emotionen gesagt, das heißt, sie muss sie unterdrücken, um nicht aus ihrem vorgegebenen Rollenmuster zu fallen. Die Rolle, die sie verkörpern soll, ist die der typischen Hausfrau, die sich um das Heim
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Arbeit zitieren:
Eva Deinzer, 2005, Analyse des Gedichts "Economía doméstica" von Rosario Castellanos mit besonderer Betrachtung der weiblichen Poetik der Autorin, München, GRIN Verlag GmbH
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