Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................................................................... 1
1. Einleitung 2
2. Call-In-Quizfernsehen in Deutschland. 4
3. Beispielsendungen 7
3.1 Das „kabel eins Filmquiz“ 7
3.2 Das „ProSieben Night-Loft“ 10
4. Analyse 14
5. Fazit 17
6. Literaturverzeichnis. 18
6.1 Monographien 18
6.2 Aufsätze. 18
6.3 Digitale Medien. 19
7. Anhänge. 21
Screenshots aus den Beispielsendungen 21
Anhang 0
1. Einleitung
Die aktive Einbeziehung des Rezipienten in das Fernsehprogramm ist nicht neu. Ob TED-Abstimmungen, Telespiele oder Lebensberatung - die telefonische Zuschauerbeteiligung gibt es im deutschen Fernsehen schon seit den sechziger Jahren. Dabei haben sich zwei Arten von telefonischer Zuschauerinteraktionen entwickelt: Die kollektive Interaktion, in der sich alle Zuschauer an einer Art Wahl beteiligen können und die individuelle Interaktion, in der ein oder wenige Zuschauer über die Telefonleitung direkt in einer Sendung zugeschaltet werden. Trotz technischer Neuerungen ist das Prinzip dieser Art der Interaktivität im traditionellen Fernsehen doch immer gleich geblieben: Die Zuschauerbeteiligung mittels telefonischen Rückkanals reicht in der deutschen Fernsehgeschichte schon bis in die sechziger Jahre zurück. Die erste deutsche Fernseh-Show, in der eine individuelle Zuschauerinteraktion via Telefon möglich war, nannte sich „Der goldene Schuss“. In dieser Sendung schossen über das Telefon zugeschaltete Fernsehzuschauer mithilfe einer an eine Fernsehkamera montierte Armbrust auf ein Ziel (vgl. Hallenberger u.a. 1991, 98). Die Sendung erreichte hohe Zuschauerzahlen, das Konzept „machte Deutschland als ‚Exportland’ für Game Shows bekannt“ (ebd., 42). 1994 wurde ein ähnliches Konzept in verschiedenen deutschen, primär auf Jugendliche ausgerichteten TV-Shows verarbeitet. In den als interaktiv angepriesenen Game-Shows „X-Base“ (ZDF), „Games World“, „Super!!!“ (beide Sat.1) und „Die Hugo-Show“ (Kabel 1) konnten Anrufer mittels Tastentelefon an einem Spiel bzw. Videospiel in der Sendung teilnehmen (vgl. Schwarzer 1995, 151 ff). Die Shows wurden allerdings - teils schon nach kurzer Zeit - wieder abgesetzt. Call-In-Formate, also derartige Sendungen, in denen Anrufer in eine Sendung durchgeschaltet werden und mit den Moderatoren sprechen können, wiesen „keine große Tradition bzw. Verbreitung auf“ (Nieland, /Ruhrmann 1997, 89). Viele Sendungen wurden nach kurzer Zeit wieder abgesetzt, lediglich die WDR-Sendung „Domian“ und Call-In-Angebote in Musiksendungen wie „Most-Wanted“ auf MTV waren beliebt (vgl. ebda). Die telefonische Einbeziehung der Fernsehzuschauer war praktisch immer schon, und ist auch heute noch wenig interaktiv: Werden die Fernsehzuschauer aufgefordert während einer TV-Show beim Sender anzurufen, so schaffen es doch nur verschwindend wenige im Verhältnis zur Anruferzahl tatsächlich bis ins Fernsehen, um für wenige Sekunden ein bisschen Promi- nenz zu erlangen.
Dieser Erkenntnis zum Trotz heißt dieselbe alte und sehr begrenzte Form von Interaktivität seit dem Start von 9Live im Jahr 2001 „Mitmachfernsehen“ (neunlive.de 2006). Noch nie gab es so viele kritische Stimmen gegen TV-basierte, telefonische Gewinnspiele. Andererseits trugen telefonische Mehrwertdienste auch noch nie zuvor in solch einem Maß zur Refinanzierung des Fernsehprogramms bei.
Im Rahmen dieser Arbeit werfe ich einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen der Call-In-Quizshows in der deutschen Fernsehlandschaft. Anhand zweier Beispiele von Call-In-Quizshows stelle ich dieses Format vor, um herauszufinden, wie solche Sendungen funktionieren. Handelt es sich bei diesem Format wirklich um Mitmachfernsehen? Oder wird hier das Programm nicht mehr zur Unterhaltung der Fernsehzuschauer gestaltet, sondern mit di- versen Tricks nur versucht, eine möglichst hohe Anruferrate zu erzielen?
2. Call-In-Quizfernsehen in Deutschland
Den Trend zum Call-In-Quizfernsehen setzte der Privatsender 9Live (vormals Frauensender TM3, Sendergründung 2005), als er am 1. September 2001 auf Sendung ging. Ca. 55% des Programms setzt sich aus interaktiven Spielshows zusammen. Als „Mitmachfernsehen“ bezeichnet 9Live selbst diese Quizsendungen, in denen Zuschauer eine kostenpflichtige Rufnummer wählen und sich somit an Gewinnspielen beteiligen können. Daraus erzielt der Sender größtenteils seine Erlöse und macht sich somit weitgehend unabhängig von Werbung. Ein gutes halbes Jahr nach dem Start von 9Live, im März 2002, schrieb der Sender in seiner siebenjährigen Geschichte erstmals schwarze Zahlen (vgl. neunlive.de 2006). Das ist kaum ver-wunderlich, da beim Sender „pro Monat bis zu 20 Millionen Anrufe eingehen und das Programm kaum etwas kostet.“ (Tietz 2004, 102)
Was 9Live hier vormachte, schien verbunden mit dem Einbruch im deutschen Werbemarkt eine viel versprechende Geschäftidee für alle privaten deutschen Fernsehanstalten zu sein. Tatsächlich setzten immer mehr Sender auf TV-basierte, telefonische Mehrwertdienste, unter anderem Call-In-Quizsendungen, als zusätzliche Quelle der Refinanzierung (vgl. ecin.de 2006).
Die drei großen Sender der ProsiebenSat1 AG integrierten von 9Live produzierte Quizspiele in ihr werktägliches Nachtprogramm (vgl. sevenoneintermedia.de 2006). Zwischen April 2004 und Juni 2005 bekam jeder Sender seine eigene Call-In-Show: das „kabel 1 Filmquiz“, die „Quiz Night“ (Sat.1) und das „ProSieben Night-Loft“, die mit nächtlicher Sendedauer von jeweils ein bis eineinhalb Stunden bis heute fester Bestanteil des Programms geblieben sind (vgl. wunschliste.de 2006). Jede Show ist - wenn auch nur vage - auf die jeweiligen Klientel der einzelnen Sender ausgerichtet. So heißt die Kabel-Eins-Sendung „kabel eins Filmquiz“ und beinhaltet ab und zu filmbezogene Rätsel, da Kabel Eins von seinen Zuschauern als Spielfilm-Sender wahrgenommen wird. Auch RTL startete Anfang 2004 das „RTL Nachtquiz, eine Call-In-Show (vgl. quotenmeter.de), die allerdings bald wieder abgesetzt wurde. RTL sah angeblich ein, dass dem Zuschauer nicht mehr zuzumuten sei als die Votings- und Call-In-Optionen innerhalb alternativer Sendungen der RTL-Gruppe (vgl. medienfo- rum.nrw.de).
Kleinere Privatsender und Spartenkanäle nahmen gleichartige Telefon-Gewinnspiele sogar mit ins Tagesprogramm auf. Bevor der Sportkanal DSF anfing, sein eigenes Call-In-Quiz zu senden, konnte er in seiner Sendergeschichte noch nie Gewinn verzeichnen. Seit dem Sendestart von „Das Sportquiz“ im August 2003, das täglich in drei Folgen gesplittet rund sechs Stunden läuft, „verdient das DSF durch Call-in-Shows einen ‚siebenstelligen Betrag’ und dürfte das Jahr erstmals mit Gewinn abschließen können.“ (Tietz 2004, 103) Viva Plus machte es DSF gleich, kurz nachdem der Musiksender vom amerikanischen Viacom-Konzern aufgekauft wurde. Am 11. Juli 2005 wurden 17 Sendungen durch eine von der Münchner Produktionsfirma Call Active zugelieferte Telefon-Quizsendung ersetzt (vgl. sueddeutsche.de 2006). Somit werden auf Viva Plus inzwischen täglich neun Stunden Call-In-Quiz im Stile von 9Live ausgestrahlt. Vormittags läuft die „Viva PLUS Quiz - Tagschicht“, nachmittags die Sendung „call4cash“ und abends bis in die Nacht hinein gibt es die „Viva PLUS Quiz - Nachtschicht“ (vgl. wikipedia.de 2006).
Zuletzt sprang Das Vierte auf den Zug auf. Der „Spielfilmsender“ startete im September 2005 auf dem vormaligen Sendeplatz von Giga, ein Kanal für Computer-affine Jugendliche, sein Programm (vgl. blm.de 2006a). Anfangs lief Giga noch als 3-stündiges Fensterprogramm auf dem Vierten. Ab dem 1. April 2006 aber wurde die Jugendsendung durch eine ebenso lange Call-In-Quizsendung, dem „Hollywood Quiz“, ersetzt (vgl. dwbl.de 2006). Auch Tele 5, unter demselben Namen wie der damalige Cartoon-Sender im April 2002 erstmals auf Sendung gegangen, bezeichnet sich trotz mehrstündiger Call-In-Shows ebenfalls als Spielfilmsender. Allerdings wurde ab September 2005 die Call-In-Schiene gekürzt und stattdessen Spielfilme in der Primetime gezeigt, um sich als Spielfilmsender erneut zu positionieren. Call-In-Quiz sollte es weiterhin im Mittags- und Nachmittagsprogramm geben (vgl. blm.de 2006b): Von montags bis freitags zwischen 13 Uhr und 16:05 Uhr laufen die drei Telefonquizsendungen „Bei Anruf - Spiel!“, „Schlau & Reich“ und „Die Stunde der Gewinner“ (vgl. tele5.de 2006).
Der Anteil telefonischer Mehrwertdienste, so genannter „Call-Media“, machte im Jahr 2004 ca. 3-8% an den Gesamterlösen der TV-Vollprogramme aus, bei den Spartenprogrammen sogar ca. 30% (vgl. goldmedia.bytespring.de 2006).
Parallel zum Anstieg des Programms, das sich über Call-Media finanziert, nahm auch die Zahl der Beschwerden über „nicht nachvollziehbare oder unlautere Spielmethoden der TV-Sender“ (alm.de 2006) zu. Die Landesmedienanstalten reagierten im November 2005 mit „Anwendungs- und Auslegungsregeln der Landesmedienanstalten für die Aufsicht über Fernseh-Gewinnspiele (GewinnSpielRegeln)“ (ebda). Insgesamt ist zu beobachten, dass die Quizspiele seither etwas transparenter und fairer geworden sind. Dennoch werden die Regeln der LMA zu oft ignoriert oder umgangen.
Arbeit zitieren:
Ines Sundermann, 2006, Mitmachfernsehen oder Geldmach-TV? Eine Analyse von Call-In-Quizshows im deutschen Fernsehen, München, GRIN Verlag GmbH
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