Widmung
Wir widmen diese Arbeit unserer langjährigen Freundschaft.
Danksagung
Im Rahmen dieser Diplomarbeit benötigten wir externes Wissen. Aus diesem Grund wollen wir uns bei folgenden Personen und Organisationen für deren Unterstützung bedanken: - Bei unserem Betreuer Herrn Professor Kraus - Bei der Firma Steiner GmbH aus Tirol - Bei Herrn DI Bruno Hersche - Bei der Raiffeisen Organisation Steiermark
- Bei den beiden Herren Ing. Bernd Hofer und Ing. Alfred Wachter von der STEWEAG/STEG - Frau Petra Löffler von der Generali Versicherung AG - Bei unseren Familien
Ein herzliches Dankeschön seitens der Verfasser an die genannten Personen bzw. Organisationen!
Martin Dietrich, Michael Ussar
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI
TABELLENVERZEICHNIS VII
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS. VIII
1 EINLEITUNG 1
1.1 AUSGANGSSITUATION 1
1.2 AUFBAU 1
2 KRISENBEGRIFF UND ABGRENZUNG 4
2.1 DAS WORT KRISE UND DESSEN URSPRUNG. 4
2.2 ARTEN VON KRISEN AKTUELLE KRISENSZENARIOS. 6
2.3 ABGRENZUNG ZU ÄHNLICHEN BEGRIFFEN. 8
2.3.1 Störung 8
2.3.2 Risiko. 8
2.3.3 Katastrophe 9
2.3.4 Konflikt 9
2.3.5 Engpass 10
3 KRISE ALS BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHES PROBLEM 12
3.1 BEGRIFF DER UNTERNEHMENSKRISE, ARBEITSDEFINITION 12
3.2 ARTEN DER UNTERNEHMENSKRISE 15
3.2.1 Darstellung nach gefährdeten Unternehmenszielen 15
3.2.2 Unternehmenskrise als Prozesse. 17
3.2.3 Zeitdruck und Krise. 19
Krise und Vorhersehbarkeit , 22
3.2.4
3.3 URSACHEN BZW. AUSLÖSER VON UNTERNEHMENSKRISEN 23
3.3.1 Qualitative Ursachenforschung 24
3.3.2 Quantitative Ursachenforschung 25
3.3.3 Endogene Ursachen 26
3.3.4 Exogene Ursachen. 26
i
Martin Dietrich, Michael Ussar
3.4 AUSWIRKUNGEN VON UNTERNEHMENSKRISEN BEZUG ZUR WIRTSCHAFTLICHKEIT. 27
3.4.1 Destruktive Auswirkungen. 28
3.4.2 Konstruktive Auswirkungen. 29
4 KRISENMANAGEMENT ALS BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE DISZIPLIN 30
4.1 BEGRIFF DES KRISENMANAGEMENTS UND DER ZUSAMMENHANG MIT KRISE. 30
4.2 ABGRENZUNG ZUM RISIKOMANAGEMENT. 32
4.3 ARTEN DES KRISENMANAGEMENTS 32
4.3.1 Krisenmanagement als Prozess. 33
4.3.2 Krisenmanagement als Institution. 37
4.3.3 Krisenmanagement als System 38
4.3.4 Alternative Einteilungsmöglichkeiten 40
4.4 AUFTRETENDE PROBLEME 41
5 KRISENPLAN. 43
5.1 DEFINITION 43
5.2 AUFBAU DES KRISENPLANS. 44
5.3 INHALT DES KRISENPLANS 45
5.3.1 Expertenteam. 46
5.3.2 Kompetenzen 47
5.3.3 Organisation. 47
5.3.4 Krisenszenarien. 49
5.3.5 Kommunikation PR Maßnahmen 50
5.3.6 Dokumentation des aktuellen Vorgehens 53
6 WISSENSMANAGEMENT. 54
6.1 EINLEITUNG 54
6.2 WISSEN 55
6.2.1 Definition Wissen 55
6.2.2 Strukturierungsebenen von Wissen 59
6.2.2.1 Strukturierung nach der Wissensart. 60
6.2.2.2 Strukturierung nach dem Wissensgebiet 62
6.2.2.3 Strukturierung nach dem Unternehmensbezug 63
ii
Martin Dietrich, Michael Ussar
6.3 DEFINITION WISSENSMANAGEMENT 64
6.4 NUTZEN VON WISSENSMANAGEMENT 67
6.5 STRATEGIEN ZUR WISSENSGENERIERUNG 68
6.5.1 Strategien zur Wissensgenerierung. 68
6.5.2 Wissensträger 70
6.5.2.1 Definition Wissensträger. 70
6.5.2.2 Personelle Wissensträger. 71
6.5.2.3 Materielle Wissensträger 73
6.5.2.4 Kollektive Wissensträger. 75
6.5.3 Wissensverfügbarkeit 75
6.5.3.1 Inventarisierung von Wissen 76
6.5.3.2 Der Wissenstransfer 77
6.5.3.3 Gestaltung der Wissensbasis von Unternehmen 79
6.5.3.4 Organisationales Vergessen in Unternehmen. 81
6.6 FEHLER IM WISSENSMANAGEMENT. 82
6.7 FAZIT WISSENSMANAGEMENT 84
7 PLANUNG UND UMSETZUNG EINER WISSENSDATENBANK. 85
7.1 DEFINITIONEN UND EINLEITENDE ERLÄUTERUNGEN 85
7.1.1 Wissensmanagementsysteme, Organizational Memory Systeme 85
7.1.2 Zwecke von Wissensmanagementprojekten in der Praxis, technische Lösung bzw.
computergest ütztes Wissensmanagement. 85
7.1.2.1 Das elektronische Gedächtnis in Unternehmen 87
7.1.2.2 Exkurs: Symbolisiertes Wissen und formale Semantik. 88
7.1.2.3 Exkurs: Promote von BOC. 89
7.1.3 Definition Datenbank 90
7.1.4 Motivation für den Einsatz eines Datenbankverwaltungssystems. 90
7.1.5 Datenbankentwurf 93
7.1.6 Datenmodellierung und das relationale Modell 95
7.1.6.1 Einordnung der Datenmodelle 96
7.1.6.2 Das relationale Modell. 96
7.1.6.3 Schwachpunkte von relationalen Modellen. 97
7.1.7 Normalisierung. 98
iii
Martin Dietrich, Michael Ussar
7.1.8 Knowledge Discovery in Databases. 99
7.1.8.1 Clustering 100
7.1.8.2 Assoziationsregeln in Verbindung mit der Ähnlichkeitssuche 100
7.2 DIE WISSENSDATENBANK - HAUPTAUFGABEN, ANFORDERUNGEN, SPEKTRUM 101
7.2.1 Ziele einer Wissensdatenbank und Abgrenzung zu normalen Datenbanken. 102
7.2.2 Dimensionen einer Wissensdatenbank 103
7.2.3 Komponenten eines Wissensdatenbanksystems. 104
7.2.4 Methodologie / Prozess der Einführung einer Wissensdatenbank. 106
7.2.5 Füllen einer Wissensdatenbank - Wiederverwendung existierender Wissensquellen
107
7.3 ARBEITEN MIT DER WISSENSDATENBANK 108
7.3.1 Benutzerrollen in einer Wissensdatenbank 108
7.3.2 Abfragen von Wissen. 111
7.4 INHALTE EINER WISSENSDATENBANK 113
7.5 CHECKLISTEN. 116
7.6 GEFAHRENPOTENTIALE SOWIE ABSCHLIEßENDE GEDANKEN 119
7.6.1.1 Gefahrenpotentiale. 119
7.6.1.2 Verfügbarkeit der Wissensdatenbank. 119
7.6.1.3 Weitere Anwendungsgebiete einer Wissensdatenbank. 120
7.6.1.4 Allgemeine Gedanken bei der Erstellung und Nutzung einer Wissensdatenbank. 121
7.7 CONCLUSIO 124
8 PRAKTISCHE UMSETZUNG: KRISE FEUER 128
8.1 EINLEITUNG 128
8.2 URSACHEN FÜR FEUER SOWIE WEITERE DEFINITIONEN 131
8.3 PRÄVENTIVMAßNAHMEN. 132
8.3.1 Brandschutzarten allgemein. 132
8.3.2 Aufgrund von Gesetzen. 133
8.3.2.1 Arbeitsstättenverordnung 136
8.3.2.2 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) 145
8.3.2.3 Allgemeine Arbeitnehmerschutzverordnung (AAV) 146
8.3.3 Aufgrund von Auflagen von Versicherungen 148
8.3.3.1 Allgemeine Vorschriften. 149
iv
Martin Dietrich, Michael Ussar
8.3.3.2 Exkurs: Praktische Problembeispiele bei Versicherungen im Brandfall. 149
8.3.3.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Banken und EVU 150
8.3.3.4 Kurzfazit 151
8.3.4 Aufgrund freiwilliger Maßnahmen. 151
8.4 BRANDBEKÄMPFUNG 153
8.4.1 Allgemeine Aspekte 155
8.4.1.1 Alarmierungen. 155
8.4.1.2 Nutzung der Brandschutzordnung. 155
8.4.1.3 Brandlöschung 156
8.4.1.4 Erste Hilfe 158
8.4.1.5 Kooperation mit Feuerwehr, Rettung und Polizei - Der Krisenstab. 158
8.4.1.6 Fragestellungen. 159
8.4.2 Bedingungen der Versicherung. 159
8.4.3 Fazit des Abschnitts. 160
8.5 NACHBEREITUNG UND BEHEBUNG DES BRANDSCHADENS SOWIE
VERBESSERUNGSMAßNAHMEN 160
8.5.1 Schäden 160
8.5.1.1 Brandursachenforschung 160
8.5.1.2 Bewertung von Schäden und Hilfe für die Mitarbeiter 161
8.5.1.3 Behebung der Schäden 162
8.5.2 Entsorgung 163
8.5.3 Kooperation mit der Versicherung und der Polizei sowie Umgang mit diversen
Stakeholdern. 164
8.5.3.1 Versicherung 164
8.5.3.2 Polizei. 164
8.5.3.3 Sonstige Stakeholder 164
8.5.4 Verbesserungsmaßnahmen, lessons learned 165
8.6 CONCLUSIO DES PRAXISBEISPIELS. 170
9 ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSBETRACHTUNG. 171
LITERATURVERZEICHNIS 173
INTERNETQUELLEN 181
v
Martin Dietrich, Michael Ussar
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Mindmap über die Arbeit.
Abbildung 2: Zusammenhang von Krise, Konflikt, Störung und Katastrophe.
Abbildung 3: Die Phasen der Unternehmenskrise ,
Abbildung 4: Anfang, Wendepunkt und Ende von Unternehmenskrisen nach Pohl
Abbildung 5: Krise und Vorhersehbarkeit nach Töpfer.
Abbildung 6: Krisen-Ursachenkomplexe nach Töpfer
Abbildung 7: Wirkungen von Unternehmenskrisen.
Abbildung 8: Klassifikation des Krisenmanagements im engeren und weiteren Sinne
Abbildung 9: Zusammenhang zwischen Krisen und Krisenmanagement
Abbildung 10: Die Phasen des Krisenmanagements.
Abbildung 11: Die 5 Phasen der Krisenvorsorge und -bewältigung.
Abbildung 12: Problematik des Krisenmanagements
Abbildung 13: Wissenspyramide
Abbildung 14: Vom Zeichen zum Wissen
Abbildung 15: Wissenstreppe nach North
Abbildung 16: Wissen - Strukturierung nach Wissensart
Abbildung 17: Wissen - Strukturierung nach Wissensgebiet.
Abbildung 18: Wissen - Strukturierung nach dem Unternehmensbezug.
Abbildung 19: Bausteine des Wissensmanagements nach dem Modell von Probst
Abbildung 20: Die vier Arten der Wissenserzeugung/-transformation nach Nonaka/Takeuchi
Abbildung 21: Wissenslandkarte
Abbildung 22: Wissenstransfer
Abbildung 23: Formen des organisationalen Vergessens
Abbildung 24: Schichten des elektronischen Gedächtnisses
Abbildung 25: Phasen des Datenbankentwurfs.
Abbildung 26: Wichtige Begriffe relationaler Datenbanken
Abbildung 27: Knowledge Discovery in Databases
Abbildung 28: Datenbank versus Wissensdatenbank
Abbildung 29: Spektrum Wissensdatenbanksystem
Abbildung 30: Architektur eines Wissensdatenbanksystems.
vi
Martin Dietrich, Michael Ussar
Abbildung 31: Richtlinien für Management und Methodik. 106
Abbildung 32: Auszug aus einem Thesaurus. 112
Abbildung 33: Übersicht Checklisten (Beispiel) 118
Abbildung 34: Wissensbilanz eines innovativen Softwareunternehmens. 123
Abbildung 35: Wissensdatenbank-Pyramide 125
Abbildung 36: Todesspirale einer elektronischen Wissensbasis. 127
Abbildung 37: Brandalarmplan. 141
Abbildung 38: Alarmplan für Mitarbeiter. 142
Abbildung 39: Brandschutzplan. 145
Abbildung 40: Einteilung der gefährlichen Arbeitsstoffe 146
Abbildung 41: Ablaufschema eines Brandereignisses 154
Abbildung 42: Brandverlauf bei Kabeln 155
Abbildung 43: Merkblatt für Feuerwehren (Sicherheitsabstände bei Feuerlöscharbeiten) 157
Abbildung 44: Mindmap über das Praxisbeispiel „Feuer“ 167
Abbildung 45: Mindmap von Unterzweig „Definitionen und Erklärungen“ 168
Abbildung 46: Mindmap vom Zweig „Prävention“ 169
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Inhalte eines Krisenplans 46
Tabelle 2: Krisen-PR-Instrumente 52
Tabelle 3: Vergleich VW und Microsoft. 54
Tabelle 4: Definition von „Wissen“ in der Literatur. 56
Tabelle 5: Brandschutzrechtliche Grundlagen auf landesrechtlicher Ebene. 134
Tabelle 6: Brandschutzrechtliche Grundlagen auf Bundesebene (Gewerbeordnung und
Verordnungen) 134
Tabelle 7: Brandschutzrechtliche Grundlagen auf Bundesebene (Chemikaliengesetz und
Verordnungen) 135
Tabelle 8: Brandschutzrechtliche Grundlagen auf Bundesebene
(ArbeitnehmehmerInnenschutzgesetz und Verordnungen) 135
vii
Tabelle 9: Brandschutzrechtliche Grundlagen auf Bundesebene (Elektronikgesetz und
Verordnungen) .................................................................................................................. 136 Tabelle 10: Gliederung einer Brandschutzordnung ......................................................................... 141 Tabelle 11: Abstände für Löschmittel.............................................................................................. 158
Abkürzungsverzeichnis
AAV Allgemeine Arbeitnehmerschutzverordnung ASchG ArbeitnehmerInnenschutzgesetz AStV Arbeitsstättenverordnung EVU Energieversorgungsunternehmen IKT Informations- und Kommunikationstechnologie TRGS Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRVB Technischen Richtlinien vorbeugenden Brandschutz
viii
Einleitung Martin Dietrich, Michael Ussar
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Krisenmanagement wird in der Regel intuitiv von den Beteiligten betrieben. Wie man die Aktionen professionalisieren kann, zeigen die Verfasser in der vorliegenden Arbeit. Wissensmanagement ist so wie Krisenmanagement auch, ein aktuelles Thema. Da die Gesellschaft verstärkt wissensintensive Dienstleistungen anbietet und nachfragt, gilt es das bestehende Wissen zu bewahren, zu dokumentieren und weiterzugeben.
Der Konnex zwischen beiden Teildisziplinen der Betriebswirtschaftslehre besteht in Form einer Wissensdatenbank. Sollte eine Krise eintreten, wissen die Betroffenen zwar durch das Krisenmanagement, was sie zu tun haben, doch fehlen ihnen die kleinen Details bzw. Informationen, damit sie diese Aktionen zielgerecht umsetzen können. Diese Informationen kann ihnen u.a. eine Wissensdatenbank liefern.
Eine Wissensdatenbank benötigt einen Input. Wie man 1 diesen Input bekommt, wie man ihn zu Output transferiert und alle weiteren Herausforderungen beherrscht, zeigt uns das Wissensmanagement.
Das Ziel dieser Arbeit ist die Steigerung des Bewusstseins für diese beiden Teildisziplinen zum einen und die Darstellung des Nutzens einer Wissensdatenbank zum anderen.
1.2 Aufbau
Die vorliegende Arbeit ist in 9 Kapiteln unterteilt. Das erste Kapitel beschreibt einleitend die Ausgangssituation und den Aufbau der Arbeit.
1 In dieser Arbeit wird aus Gründen der Lesbarkeit einheitlich die maskuline Form verwendet, gemeint sind jedoch im-
mer alle Geschlechter.
1
Einleitung Martin Dietrich, Michael Ussar
Im zweiten Kapitel wird der Begriff Krise näher erläutert. Um ein Trennschärfeproblem zu vermeiden, wird dieser Begriff zu ähnlichen Begriffen abgegrenzt.
Das dritte Kapitel ist eine Erweiterung des zweiten Kapitels und zeigt die betriebswirtschaftlichen Dimensionen. Arten, Ursachen und Konsequenzen von Unternehmenskrisen werden an dieser Stelle ausführlich beschrieben.
Den logischen Abschluss der Kapitel zwei und drei bildet das vierte Kapitel. Das Krisenmanagement wird in seiner Eigenschaft und seinem Umfang beschrieben. In diesem Kapitel findet sich der erste praktische Bezug in dieser Arbeit: Es werden die Probleme des Krisenmanagements in der Praxis näher erörtert.
Der Krisenplan ist als eigenständiges Instrument des Krisenmanagements Hauptthema des fünften Kapitels. Das Kapitel zeigt dem Leser, was ein Krisenplan ist und wozu er dient. Das sechste Kapitel beschäftigt mit einem neuen Thema: Wissensmanagement. Die Definitionen von Wissen und von Wissensmanagement sowie deren Ausprägungen und Besonderheiten bilden den Schwerpunkt dieses Kapitels. Wie im vierten Kapitel rundet auch hier ein Praxisbezug das Kapitel ab.
Die Wissensdatenbank ist der Fokus des siebenten Kapitels. Das Kapitel erklärt u.a. den Aufbau, die Ausprägungen und die Probleme bei Wissensdatenbanken.
Die praktische Umsetzung erfolgt im achten Kapitel anhand der Krise „Feuer“. In diesem Kapitel wird anhand der gesetzten Ausgangssituation auf die Inhalte von Wissensdatenbanken - mit Schwerpunkt auf die rechtlichen Inhalte - eingegangen. Mindmaps am Ende des Kapitels zeigen die wichtigsten Inhalte.
Im Schlusskapitel wird ein retrospektiver Blick auf die anderen Kapitel geworfen. Es zeigt das Resümee der Verfasser über die Arbeit. Eine Mindmap zeigt den „roten Faden“ dieser Arbeit:
2
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
2 Krisenbegriff und Abgrenzung 3
Schenkt man dem inflationären Wortgebrauch Glauben, so erleben wir eine Zeit der Krisen. Der Begriff umfasst die persönliche Sphäre ebenso wie weltweite Krisenerscheinungen mit alle nur erdenklichen Schattierungen zwischen diesen beiden Extrema. 4 Nicht jeder fasst diesen Begriff jedoch in derselben Art und Weise auf, weshalb am Anfang auch eine Erläuterung dieses Terminus und eine Abgrenzung zu ähnlich klingenden Begriffen sinnvoll erscheinen.
2.1 Das Wort Krise und dessen Ursprung
Eine theoretische Erfassung des Begriffs „Krise“ zeigt nicht nur die Vielfalt der Ansatzpunkte auf, sondern auch die Verwirrung um den für unterschiedliche Phänomene und Ansätze verwendeten Begriff.
Die etymologische Abstammung des Wortes „Krise“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen. Als eine Abstammung der beiden Wörter „krinein“ (prüfen, entscheiden) und „krisis“ (ursprünglich Meinung, Beurteilung oder Entscheidung, später mehr im Sinne von Zuspitzung) bezeichnet sie eine „schwierige Situation bzw. eine Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt“. 5 Im Allgemeinen deutschen Sprachgebrauch allerdings ist der Ausdruck negativ behaftet und meint eine gefährliche Lage, in der eine Entscheidung notwendig ist. Der Begriff der Krise ist sowohl in der Medizin als auch in der Soziologie ein besonderer Begriff. 6 Im medizinischen Bereich wurde der Begriff vor allem durch Hippokrates geprägt, der die Krise als eine entscheidende Phase im Krankheitsverlauf und damit als die entscheidende Situation zwischen Leben und Tod definierte. Gerade diese metaphorische Eignung machte sich Thukydides zu eigen, indem er den Begriff verwendete, um politische Situationen und kriegerische Auseinandersetzungen zu umschreiben. In der Dramaturgie wurde bereits in der griechischen Zeit der Begriff der „Krise“ verwendet, um die schicksalhaften Höhepunkte der Handlungen zu beschreiben. 7
3 Verfasst von Martin Dietrich.
4 vgl. Krystek (1987), S. 3f.
5 vgl. Brockhaus (1990), S. 517. Zitiert nach: Dreyer (2001), S. 4.
6 vgl. http://www.Lexikon-definition.de/Krise.html (abgerufen am 20.7.2005).
7 vgl. Prisching (1986), S. 19.
4
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
Im späten 17 Jahrhundert hielt der Begriff der Krise auch im deutschsprachigen Raum Einzug. Anfangs wurde er verwendet, um Störungen in gesellschaftlichen Bereichen zu bezeichnen. 8 Die Ausdehnung des Begriffs erfolgte anfangs nicht über die ökonomische, sondern über die politische Sprache. So wurden anfangs außenpolitische und militärische Ereignisse, die sich zu einer Entscheidung zuspitzten, als Krise bezeichnet.
Als erste Wirtschaftswissenschaft beschäftigte sich die Volkswirtschaft mit dem Thema Krise. Als Wirtschaftskrise wurde anfangs überwiegend der konjunkturelle Übergang vom Auf- zum Abschwung bezeichnet. Diese eingegrenzte Auffassung des Begriffs wurde mit der Zeit ausgedehnt. Mittlerweile zählt man Kursstürze, Massenarbeitslosigkeit, Firmenzusammenbrüche, Geldwertinstabilitäten etc. zu den Begleiterscheinungen einer Wirtschaftskrise. 9 Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Mit der Entstehung von Wirtschaftskrisen werden vor allem die Fehlentwicklung in der Wirtschaftspolitik, Rohstoffverknappung, Naturkatastrophen oder die Folgen der Globalisierung in Verbindung gebracht. 10
Die betriebswirtschaftliche Krisenforschung setzte erstmals Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein, als man sich infolge der Weltwirtschaftskrise verstärkt mit dem Problem der Sanierung und der Liquidation von Unternehmen beschäftigte. Dennoch war weiterhin die Volkswirtschaftslehre, die sich mit Fragen der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität beschäftigte, Vorreiter in der Krisenforschung. Durch das Wirtschaftswachstum in den späten 50er und frühen 60er Jahren verlor die Betriebswirtschaft kurzzeitig wieder das Interesse an der Thematik. Erst mit den Rezessionsjahren 1966/67 und mit den Ölkrisen in den 70er Jahren (1973/74, 1978/79) wurde eine Ausei-nandersetzung mit dem Thema Krisenmanagement unumgänglich. 11
Aus juristischer Sicht wird der Begriff der betrieblichen Krise im deutschen GmbH-Gesetz geregelt, wonach sie als ein Zustand eines Unternehmens definiert wird, in dem ordentliche Kaufleute sich veranlasst sehen, dem Unternehmen weiteres Eigenkapital zuzuführen. 12
8 vgl. Clasen ( 1992), S. 67 f.
9 vgl. Prisching (1986), S. 18ff.. Zitiert nach: Kraus, Scheff, Gutschelhofer (1994), Seite 28f.
10 vgl. http://oekomomische_krise.lexikona.de/art/oekomomische_krise.html (abgerufen am 21.7.2005).
11 vgl. http://www.krisennavigator.de/akfo4-d.htm (abgerufen am 21.7.2005).
12 vgl. Grüber (2001), S. 11.
5
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
Alle Deutungsversuche, die sich mit dem Begriff der Krise verbinden lassen, können auf drei wesentliche Ansätze zusammengefasst werden: 13
- Der systemtheoretische Ansatz erachtet die Krise als ein Problem, dass das System als Ganzes oder Teile davon gefährdet, wobei die Gefährdung des Subsystems nicht notwendigerweise auch eine Gefährdung des gesamten Systems mit sich ziehen muss. Als Ursachen sind sowohl systeminterne als auch systemexterne Einflussfaktoren vorstellbar. Die Krise liegt vor, wenn das Repertoire an Steuerungsmechanismen nicht ausreicht, um ein Problem lösen zu können. 14
- Der entscheidungstheoretische Ansatz betrachtet die Krise als Entscheidungsprozess. Neben dem Zeitdruck werden vor allem auch die Gefährdung wesentlicher Ziele durch die Krise und das Überraschungsmoment in Verbindung mit deren Auftreten als charakteristische Bestandteile gesehen. 15
- Der strukturtheoretische Ansatz stellt die Krise als eine Strukturkrise dar, in der System und Umwelt nicht mehr kompatibel sind. 16 2.2 Arten von Krisen & aktuelle Krisenszenarios
Mittlerweile hat sich der Begriff der Krise in nahezu alle Bereiche des Lebens eingebürgert. Neben dem soziologischen, medizinischen und psychologischen Bereich ist der wirtschaftswissenschaftliche Zweig einer der häufigsten Anwender des Terminus geworden. Kaum jemand kann aus der Menge von unterschiedlichen Sachverhalten, die alle mit dem Begriff der Krise in Verbindung gebracht werden, noch eine klare Abgrenzung vornehmen. So kann man in unterschiedlichen Lebensbereichen verschiedene Typen von Krisen unterscheiden: 17
13 vgl. Krystek (1987), S. 3f.
14 vgl. http://www.krisennavigator.de/akfo4-d.htm (abgerufen am 23.7.2005).
15 vgl. Hanzekovic (2005), S. 9.
16 vgl. http://www.krisennavigator.de/akfo4-d.htm (abgerufen am 23.7.2005).
17 vgl. Neubauer (2003), S. 19.
6
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
- Staatskrisen: Sie können ganze Staaten oder Teile davon betreffen und führen in ihrer letzten Eskalationsstufe zu kriegerischen Auseinandersetzungen.
- Wirtschaftskrisen: Wirtschaftliche Probleme, die volkswirtschaftliche Dimensionen annehmen.
- Unternehmens- bzw. Finanzkrisen: Eine bedrohliche Situation für ein Unternehmen, die eine wirtschaftliche Schwächung bis hin zum Konkurs bedeuten kann. - Krisen in Projekten: Derartige Krisen betreffen nur bestimmte Projekte des Unternehmens, deren Erfolg gefährdet ist.
Global gesehen gibt es weiterhin eine Fülle potentieller Krisenherde, deren Anzahl stetig zu wachsen droht. Doch dem ist nicht zu hundert Prozent zuzustimmen. Auch wenn die ökonomischen Probleme eher zugenommen haben, so ist dennoch das subjektive Empfinden der Bevölkerung durch die ständige Präsenz der Negativschlagzeilen in den Medien zusätzlich sensibilisiert worden, was den Eindruck steigender Krisenanfälligkeit erweckt. 18 Aktuelle Krisenszenarien sind vor allem folgende: 19 - die ständig steigende Weltbevölkerung 20
- der zunehmende Gegensatz zwischen Industrie- und Entwicklungsstaaten - Umweltbedrohungen (Naturkatastrophen...) - Verknappung und Verteuerung der Ressourcen - währungspolitische Instabilitäten - ...
18 vgl. Kraus, Scheff, Gutschelhofer (1994), Seite 36
19 vgl. Kraus, Scheff, Gutschelhofer (1994), Seite 36f.
20 Gegenwärtig liegt die jährliche Wachstumsrate der Weltbevölkerung bei 1,3 Prozent. Bis 2050 wird die Zahl der
Menschen nach einer Prognose der Vereinten Nationen von 2003 auf 8,9 Milliarden steigen; vgl. Microsoft Encarta
Enzyklopädie Professional (2005).
7
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
2.3 Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Viele Begriffe ähneln ihrem Inhalt nach dem Begriff der „Krise“, jedoch müssen nicht alle Instabilitäten im persönlichen und wirtschaftlichen Umfeld als solche bezeichnet werden. Eine Abgrenzung zu Begriffen mit ähnlichem Inhalt ist deshalb Teil dieses Abschnitts.
2.3.1 Störung
Als Störung wird eine Beeinträchtigung des Betriebsablaufes (Maschinen, maschinelle Anlagen usw.) bezeichnet, die entweder endogen oder exogen (oder beides) verursacht wird. Der Unterschied zu einer Krise ist gegeben, da eine Störung im Gegensatz zur Krise einerseits nur als negative Abweichung zu verstehen ist und andererseits keinen existenzbedrohenden, gesundheits- oder be-standsgefährdenden Charakter impliziert. Es handelt sich um kleinere, häufig auftretende Schäden bzw. Beeinträchtigungen des Betriebsablaufs, die teilweise durch Versicherungen gedeckt sind und keinen Einsatz eines Krisenmanagements oder eines über dem natürlichen Betriebslösungspotential liegenden Handlungsbedarfs erfordern.
Beispiele hierfür wären Diebstähle, kleinere Mängel des Produktes bzw. der erbrachten Leistung oder verspätete Lieferungen. 21
2.3.2 Risiko
Als Risiko wird die Möglichkeit eines eintretenden Schadens bezeichnet. Im Vorfeld besteht jedoch keine Gewissheit, ob, wann, wo und mit welcher Intensität der Schaden eintritt. Man hat jedoch eine bestimmte Vorstellung vom künftigen negativen Ereignis und dessen Eintrittswahrscheinlichkeit. 22 Demnach handelt es sich um ein Wahrnehmungsphänomen, das sich durch objektive Verfahren beschreiben lässt. 23 Der Unterschied zur Krise liegt darin, dass beim Risiko zwar ein Gefährdungspotential vorliegt, jedoch noch kein Schaden eingetroffen ist.
21 vgl. Dreyer (2001), S. 8.
22 vgl. Dreyer (2001), S. 8.
23 vgl. Grossmann, Kulmhofer (2004), S. 15.
8
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
Beispiele für verschiedenste Risiken wären das Marktrisiko, das Betriebsrisiko oder das rechtliche Risiko. 24
2.3.3 Katastrophe
Bei einer Katastrophe ist es bereits zum Schadensfall gekommen. Sie charakterisiert ein Schadensereignis, welches „deutlich über die Ausmaße von Schadensereignissen des täglichen Lebens hinausgeht und dabei Leben und Gesundheit zahlreicher Menschen, erheblicher Sachwerte und die lebensnotwendigen Versorgungsmaßnahmen für die Bevölkerung erheblich gefährdet oder einschränkt“. 25
Während sich eine Krise positiv und negativ entwickeln kann, ist bei einer Katastrophe bereits eine akute (negative) Krise ausgebrochen und damit bereits die Wendung zum Schlimmen vollzogen. Zumeist ist eine Katastrophe mit einem verheerenden bzw. tödlichen Ausgang verbunden. 26 Sie zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie im örtlichen und zeitlichen Bereich mit den dort vorhandenen gewöhnlichen Mitteln nicht bewältigt werden kann und zusätzliche Ressourcen beansprucht. 27 Im allgemeinen Sprachgebrauch werden mit Katastrophe häufig Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, Wirbelstürme, Erdbeben, Flutwellen, Tsunamis etc. in Verbindung gebracht. 28
2.3.4 Konflikt
Das ursprünglich aus dem Lateinischen stammende Wort Konflikt (confligere = zusammenstoßen, kämpfen) 29 bezeichnet eine Spannungssituation, in der zwei oder mehrere Parteien unterschiedliche Interessen vertreten oder versuchen, unvereinbare Handlungspläne zu verwirklichen, was heftige Auseinandersetzungen zur Folge hat. Der Unterschied zur Krise liegt vor allem in der zeitlichen Be-
24 vgl.Dreyer (2001), S. 8.
25 siehe http://katastrophe.lexikona.de/art/katastrophe.html (abgerufen am 27.7.2005).
26 vgl. Krystek (1987), S. 9.
27 vgl. Grossmann, Kulmhofer (2004), S. 116.
28 vgl. Dreyer (2001), S. 9.
29 vgl. http://www.markus-berthold.de/kommunikation/konflikt/kdefinition.htm (abgerufen am 27.7.2005).
9
Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
trachtungsweise. Während mit einem Konflikt eine alltägliche Auseinandersetzung gemeint ist, die permanent wiederkehrt und häufig von Dauer ist, versteht man unter der Krise eine nicht alltägliche und schwer zu bereinigende Situation, die jedoch als zeitlich begrenzter Prozess angesehen werden kann. Die Mehrzahl der Konflikte in Unternehmen führt jedoch nicht zu Krisen in eben diesem Sinne. 30
2.3.5 Engpass
Als Engpass wird in wirtschaftlichen Belangen eine Knappheit von Ressourcen verstanden, die eine Unterauslastung der Produktionsanlagen zur Folge hat. 31
Sie sind mehr oder minder vorhersagbar und zeichnen sich nicht durch Informationsdefizite aus. 32 Die folgende Grafik zeigt die oben angeführten Abgrenzungen zusammenfassend auf einen Blick:
30 vgl. Krystek (1987), S. 8.
31 vgl. http://www. Lexikon-definition.de/Engpass.html (abgerufen am 27.7.2005).
32 vgl. Hanzekovic (2005), S. 11.
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Krisenbegriff und Abgrenzung Martin Dietrich, Michael Ussar
Abbildung 2: Zusammenhang von Krise, Konflikt, Störung und Katastrophe 33
33 Quelle: Krystek (1981), S. 9.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
3 Krise als betriebswirtschaftliches Problem 34
Das folgende Kapitel befasst sich mit dem Begriff der Unternehmenskrise. Nach einer anfänglichen Arbeitsdefinition werden verschiedene Merkmale von Unternehmenskrisen, deren Arten und Ursachen beschrieben. Zum Schluss dieses Kapitels wird noch auf mögliche Frühwarnsysteme und eine kritische Betrachtung der Sinnhaltigkeit, sich mit dem Thema Krisenmanagement auseinander zu setzen, eingegangen.
3.1 Begriff der Unternehmenskrise, Arbeitsdefinition
Nachdem sich Abschnitt 2.1 „Das Wort Krise und dessen Ursprung“ bereits mit der Entstehung des Krisenbegriffs beschäftigt hat, wird im Folgenden versucht, den dehnbaren Begriff der Krise auf eine betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise zu reduzieren und eine Arbeitsdefinition für die weiterhin verwendete Unternehmenskrise zu erarbeiten.
Töpfer legt bei der Abgrenzung in seinem Werk die Betrachtungsweise auf den mit Eintritt der Krise einhergehenden Imageverlust und den zukünftigen Markterfolg. Mittelbar kann es jedoch auch in dieser Betrachtung zu einer Existenzgefährdung kommen. Er definiert die Krise als „einen Zustand, der auf einem Ereignis bzw. einer Ereignisfolge basiert und der den Normalzustand eines Unternehmens über ein bestimmtes Maß hinaus übersteigt. Dabei wird eine Toleranzschwelle überschritten und ein für das Unternehmen ungewöhnliches Niveau erreicht.“ 35
Nach Grüber sollte die Unternehmenskrise als ein langwieriger Prozess gesehen werden, „der irgendwann zu einem Kulminationspunkt in Form ernster Ertrags- und dann Liquiditätsprobleme führt. Jede Unternehmenskrise hat nämlich ihren Ausgangspunkt in einer wie auch immer gearteten Fehlentwicklung.“ 36 Die Ansicht, dass verbunden mit einer Unternehmenskrise das Fortbestehen eines Unternehmens bedroht wird, teilt er mit vielen Kollegen. So bezeichnet etwa Höhn die Unternehmenskrise als eine das Leben und den Bestand der Unternehmung bedrohende Situation, „...bei
34 Verfasst von Martin Dietrich.
35 siehe Töpfer (1999), S. 16.
36 siehe Grüber (2001), S. 11.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
der das Überleben zur Kernfrage wird.“ 37 Schiefer definiert sie als „eine Bedrohung für die Unternehmen, die bis an die Grenze der Existenz gehen kann.“ 38
Die Definition der Unternehmenskrise nach Krystek setzt einige vorab zu erwähnende Elemente voraus: 39
- eine nachhaltige - und demnach nicht nur vorübergehende - Existenzgefährdung für die gesamte Unternehmung, die ungeplant und ungewollt ist
- die Ambivalenz des Ausganges, die von einer erfolgreichen Bewältigung bis hin zur Insolvenz in den Extremszenarien alles mit einschließt - die Gefährdung wichtiger Ziele des Unternehmens durch die Krise
- der Charakter der Krise, der sich einerseits durch eine zeitliche Begrenzung und andererseits durch die subjektive Wahrnehmung äußert - die Steuerungsproblematik von Krisen
In Abhängigkeit dieser Elemente definiert er Unternehmenskrisen als „ungeplante und ungewollte Prozesse von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit sowie mit ambivalentem Ausgang. Sie sind in der Lage, den Fortbestand der Unternehmung substantiell und nachhaltig zu gefährden oder sogar unmöglich zu machen. Dies geschieht durch die Beeinträchtigung bestimmter Ziele...Zu solchen dominanten Zielen zählen insbesondere die Aufrechterhaltung einer jederzeitigen Zahlungsmöglichkeit sowie im mittel- und langfristigen Bereich die Erreichung eines Mindestgewinns und letztendlich auch die Fähigkeit des Aufbaus und Erhalts minimaler Erfolgspotentiale.“
37 siehe Höhn (1974), S. 1
38 siehe Schiefer (1974), S. 12.
39 vgl. Krystek (1987), S. 6.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
Dreyer fügt in seinen Ausführungen vor allem noch die hohe Betroffenheit der beteiligten Personen, deren Entscheidungs- und Handlungszwang aufgrund eines erheblichen Zeitdrucks und das hohe Maß an Unsicherheit aufgrund mangelnder Beeinflussbarkeit und Informationsdefizite dazu. 40 Die bislang angeführten Definitionsversuche der Unternehmenskrise zeigen deutlich die Problematik auf, den Begriff eindeutig einzugrenzen. Aufgrund der Dehnbarkeit des Begriffs kann er in vielerlei Hinsicht interpretiert werden. Um in weiterer Folge von einem klar eingegrenzten Begriff sprechen zu können, wählen die Verfasser eine Definition, die als Arbeitsdefinition in den weiteren Betrachtungen der Arbeit dienen soll: 41
- die Sichtweise der Unternehmenskrise schließt die Definitionen privater und volkswirtschaftlicher Natur aus
- die Sicht der Krise wird nicht ausschließlich als existenzbedrohend im Sinne von Insolvenzgefahr und Zahlungsunfähigkeit angesehen, sondern vielmehr als Zustand, in dem wesentliche Teile und Werte des Unternehmens (Systems) unmittelbar bedroht oder dessen Fortbe-stand gefährdet werden
- unter einer Unternehmenskrise wird zudem eine ungeplante und ungewollte Abweichung vom relativen Normzustand verstanden, welche jedoch erst beim Erreichen eines für das Unternehmen außergewöhnlich negativen Niveaus eintritt
- die Krise ist somit das Überschreiten einer Toleranzschwelle bzgl. der wie auch immer gemessenen maßgeblichen Bezugsgrößen von Unternehmen
- die Krise wird charakterisiert durch eine hohe Unsicherheit, einen enormen Zeitdruck, In-formationsdefizite, einen höheren Informationsbedarf, direkte Betroffenheit der Akteure und ungewissem Ausgang
40 vgl. Dreyer (2001), S. 4.
41 vgl. Lugger (2005), 1. Einheit, Folie 35.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
- es handelt sich um eine komplexe Problemsituation, die sehr überraschend eintritt, einen hohen Handlungsbedarf impliziert und für die keine Erfahrungswerte vorliegen
3.2 Arten der Unternehmenskrise
Nach der Erarbeitung der Arbeitsdefinition der Unternehmenskrise werden im nächsten Schritt mögliche Einteilungen von verschiedenen Stufen der Krise vorgenommen. Auch hier zeigt sich wie schon bei der Abgrenzung des Krisenbegriffs die Vielfalt der Ansatzmöglichkeiten. Die differenzierte Betrachtungsweise des Krisenphänomens impliziert gleichsam unterschiedliche Einteilungsweisen. Versucht man die Einteilung in Zusammenhang mit dem Zeitdruck, der von der Krise ausgeht, vorzunehmen, kann man zwischen einer latenten Krise und einer akuten Krise (bei etwas differenzierter Betrachtung auch von einer potentiellen Krise) unterscheiden. Unterscheidet man nach den betroffenen Unternehmenszielen, ist eine Einteilung in strategische Krise, Erfolgs- und Liquiditätskrise möglich. Zusätzlich wäre auch eine Unterteilung in Prozesse bzw. Entwicklungen als Unterscheidungskriterium möglich, ebenso eine Aufspaltung nach dem Grad der Beeinflussbarkeit oder nach der Vorhersehbarkeit von Krisen.
3.2.1 Darstellung nach gefährdeten Unternehmenszielen 42
Wählt man zur Differenzierung die bedrohten Unternehmensziele, muss man zwischen einer Strategiekrise, einer Ergebniskrise und einer Liquiditätskrise unterscheiden, wobei neben der zeitlichen Abfolge vor allem auch die Intensität der Krise zunimmt. Im gleichen Zuge verringert sich die Möglichkeit des Unternehmens, geeignete Gegenmaßnahmen setzen zu können. 43 3.2.1.1 Strategiekrise
Die strategische Krise ist die erste Phase einer Unternehmenskrise. Sie setzt bei einer Gefährdung der Erfolgspotentiale des Unternehmens ein. 44 Diese Gefährdung ist jedoch entweder noch nicht real
42 vgl. Grüber (2001), S. 16ff.
43 Die folgende Untergliederung nach Müller wird aufgrund seiner Eignung zur Erklärung des Krisenprozesses ausführ-
licher behandelt. siehe dazu auch Punkt 3.2.3.5 „Typologie nach R. Müller“.
44 Die Erfolgspotentiale eines Unternehmens sind vor allem produkt- und marktspezifische Faktoren wie die Wahl des
Produktes bzw. Marktes, die Preisgestaltung, Qualität, Marketing etc. Zusätzlich gehören auch mittelbare Faktoren
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
oder bereits eingetreten, wobei die negativen Auswirkungen noch nicht als besorgniserregend wahrgenommen werden. Beispielsweise verlassen einige wenige Spezialisten den Betrieb, Marktanteile und Aufträge sind rückläufig oder die Fehlerquote in der Produktion steigt an. Da zu diesem Zeitpunkt die Ergebnisse des operativen Geschäftes noch nicht negativ beeinflusst werden, wird dieses Stadium der Krise häufig nicht ernst genommen bzw. nicht erkannt. 3.2.1.2 Erfolgskrise
Als Konsequenz einer nicht bewältigten strategischen Krise folgt die Ergebnis- bzw. Erfolgskrise. Die Auswirkungen aus dem fehlenden Gegensteuerungsprozess sind am sich verschlechternden Ergebnis bemerkbar. Umsätze und Erträge beginnen einzubrechen, die erwarteten Gewinne und Rentabilitäten können nicht mehr erreicht werden und erstmals auftretende Verluste deuten auf den Ernst der Lage hin. Mit der Fortdauer der Krise verringern sich gleichsam die Möglichkeiten des Unternehmens gegensteuern zu können. Bis die Gründe für die schlechte Entwicklung gefunden werden und die Gegenmaßnahmen zu wirken beginnen, vergeht meistens eine erhebliche Zeit, währenddessen die Erfolgspotentiale des Unternehmens weiterhin schrumpfen. 3.2.1.3 Liquiditätskrise
Werden auch diese ziemlich deutlichen Signale ignoriert 45 oder nicht wahrgenommen, befindet sich das Unternehmen auf dem besten Wege in die Liquiditätskrise. Sind auch die letzten Reserven an Eigenmitteln erschöpft und ist die Überschuldungsgrenze überschritten, kann das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und muss Insolenz anmelden. Die Entwicklung von der Erfolgskrise hin zur Liquiditätskrise vollzieht sich meist sehr rasch und der Handlungsspielraum zu diesem Zeitpunkt ist nur noch sehr gering. Einen Überblick über diese drei Arten der Krise verschafft folgende Grafik:
wie die Unternehmensstrategie, das Know-how, die Mitarbeiter oder die Unternehmenskultur zu den Erfolgspotentia-
len eines Unternehmens. vgl. Leitsmüller (1994), S. 19.
45 Viele Manager verschließen bewusst die Augen vor negativen Entwicklungen und bessern die Bilanzen durch Auflö-
sen von Rückstellungen (sofern dies möglich ist) und stiller Reserven auf, um ihr Gesicht vor der Geschäftsführung
und den Investoren zu wahren bzw. den Eindruck einer heilen Welt aufrecht zu erhalten.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
3.2.2 Unternehmenskrise als Prozesse
Bei der bereits ausführlich beschriebenen Definition der Krise wurde der Prozesscharakter der Krise bereits deutlich hervorgehoben. Prozesse stellen dabei allgemeine Entwicklungen bzw. Veränderungen der bestehenden Elemente und deren Beziehung zueinander dar. Für diese Art der Darstellung gibt es viele Ansätze, von denen einige näher analysiert werden.
46 Quelle: Müller (1982), S. 27.
47 Es sei erwähnt, dass diese Einteilung keinen zwingenden Verlauf einer Krise darstellt. Ein Unternehmen kann sich
auch in einer Erfolgskrise befinden, ohne sich jemals zuvor in einer strategischen Krise befunden zu haben.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
3.2.2.1 Darstellung durch die Knotenpunkte Anfang, Wendepunkt und Ende Entsprechend der Definition der Krise als zeitlich begrenzte Ereignisfolgen mit ungewissem Ausgang beschreibt sie Pohl formal durch die drei Punkte Anfang, Wendepunkt und Ende. Der als Anfang bezeichnete Punkt stellt den Zeitpunkt dar, an dem die Basisziele des Unternehmens erstmals gefährdet sind, der Wendepunkt den ambivalenten und ungewissen Charakter der Krise und die beiden Endpunkte den Verlauf der Krise hin zu einem endgültigen positiven oder negativen Ausgang für das Unternehmen.
Abbildung 4: Anfang, Wendepunkt und Ende von Unternehmenskrisen nach Pohl 48 3.2.2.2 Darstellung nach Zeitraum und Wirkungsintensität
Eine weitere Variante der Unterteilung von Krisenprozessen erfolgt über die Intensität und den Zeitraum. Der Zeitraum zwischen Anfang und Ende einer Krise kann in seinen extremsten Ausprägungen sehr kurz, aber auch sehr lang sein. Oftmals steht die Intensität der Krise in einem direkt proportionalen Verhältnis zur Dauer, jedoch ist dies nicht zwingend der Fall. In diesem Bezug ist auch das
48 Quelle: Pohl (1977), S. 76.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
Merkmal der ständig rückläufigen Handlungsmöglichkeiten im zeitlichen Ablauf der Krise zu erwähnen. 49
3.2.2.3 Darstellung als Entwicklungsverlauf unterschiedlicher Unternehmenstypen Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema liefert Argenti, der in einer empirischen Untersuchung verschiedene gescheiterte Unternehmen und deren Weg des Scheiterns in der Unternehmenskrise untersuchte. Als Indikator dient in seinem Beispiel die Größe Corporate Health, die sich aus verschiedenen quantitativen Kennzahlen errechnet und in fünf Abstufungen (von „fantastic“ bis „failure“) unterteilt wird. Seine Auswertungen brachten drei typische Verläufe von Unternehmen zum Vorschein: Typ 1 bezeichnet Unternehmen, die während der gesamten Zeit ihres Bestehens keine ausreichend stabile Basis entwickeln - und deren Corporate Health Wert nie über ein sehr schwaches Niveau hinaus kommt. Typ 2 charakterisiert Unternehmen, die nach ihrer Einführung sehr schnell eine gute Entwicklung, danach aber einen ebenso schnellen Abwärtstrend verzeichnen. Typ 3 stellt Unternehmen dar, die nach einer sehr positiven Entwicklungsphase stufenweise an Erfolg einbüßen und letztendlich nach erfolglosen Gegensteuerungsmaßnahmen wieder verschwinden. 50
3.2.3 Zeitdruck und Krise
Bei einer Unterscheidung nach dem Grad der Wahrnehmung bzw. Intensität und dem damit verbundenen Zeitdruck sind verschiedenste Modelle entwickelt worden, von denen einige näher betrachtet werden. 3.2.3.1 Typologie nach Röthig 51
Die klassischste Unterteilung in diesem Zusammenhang stammt von Röthig, der die beiden Phasen latente Krise und akute Krise unterscheidet. Demnach liegt eine akute Unternehmenskrise vor, wenn das vorhandene Potential zur Problembewältigung nicht mehr ausreicht, um die Krise damit lösen zu können. Dahingegen ist in der Phase der latenten Krise noch ein höheres Problembewältigungspo- 49 vgl.Röthig (1976), S. 13.
50 vgl. Argenti (1976), S. 153.
51 vgl. Röthig (1976), S. 13f.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
tential als Problemlösungsanforderungen vorhanden. Durch die rückläufigen Handlungsmöglichkeiten im Verlauf der Krise nehmen die Anforderungen im Verlauf der latenten Krise ständig zu. 3.2.3.2 Typologie nach Britt 52
Britt unterteilt den Krisenprozess in drei Phasen. In der ersten Phase handelt es sich um eine Fehlentwicklung, die in weiterer Folge negative Konsequenzen mit sich bringt. Er betont, dass es sich hierbei um einen Normalzustand handelt, mit dem sich die meisten Unternehmen täglich auseinandersetzen müssen. In weiterer Folge geht diese Fehlentwicklung über in die Krisenphase, die durch den zunehmenden Zeitdruck, die überraschenden Entwicklungen und die Bedrohung des Unternehmens gekennzeichnet ist. Ist dem Unternehmen ein Gegensteuern hin zu einer positiven Entwicklung nicht mehr möglich, endet der Verlauf mit einer Katastrophe, die mit einer Vernichtung des Unternehmens gleichzusetzen ist. Im Falle einer positiven Lösung endet der Verlauf des Krisenprozesses mit der Bewältigungsphase. 3.2.3.3 Typologie nach Rödl
In seiner Auseinandersetzung mit dem Krisenprozess unterscheidet Rödl in Anlehnung an Britt drei Phasen der Krise: die latente Krise, die subakute und die akute Krise. Dabei verwendet er als Unterscheidungsmerkmal die Krisenintensität. Bei der latenten Krise ist der Auslöser der Krise zwar schon vorhanden, wird jedoch aufgrund der nicht vorhandenen Störung des Betriebsablaufes noch nicht erkannt. Bei der subakuten Krise kommt es zu ersten Störfällen im Unternehmen, die in der dritten Phase zum Ausbruch der Unternehmenskrise führen. Werden zu diesem Zeitpunkt keine wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Krise unternommen, ist die Insolvenz des Unternehmens die Konsequenz. 3.2.3.4 Typologie nach Löhneysen 53
Ähnlich wie in den oben erwähnten Ansätzen beschreibt Löhneysen die Entwicklung des Unternehmens von der Normalsituation hin zur akuten Krise, wobei er als Zwischenstufe die potentielle
52 vgl. Britt (1973), S. 439.
53 vgl. Löhneysen (1982), S. 102ff.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
und die akute Krise unterscheidet. Während in einer potentiellen Krise erste Anzeichen auf eine Gefährdung der Basisziele des Unternehmens hindeuten, nehmen sie in der latenten Krise bereits reale Formen an. Für das Unternehmen erkennbar sind die tatsächlichen Auswirkungen erst in den ökonomischen Ergebnissen, die sich in der akuten Krisenphase niederschlagen. 3.2.3.5 Typologie nach R. Müller 54
Die Unterteilung von Müller in eine strategische Krise, eine operative Krise und eine Liquiditätskrise wird in Unterabschnitt 3.2.1 „Darstellung nach gefährdeten Unternehmenszielen“ genauer behandelt.
3.2.3.6 Typologie nach Krystek 55
Unter dem Aspekt des Aggregatzustandes und der Beeinflussbarkeit von Unternehmenskrisen nimmt Krystek eine Unterteilung des Krisenprozesses in die vier Phasen potentielle, latente, akut/beherrschbare und akut/nicht beherrschbare Krise vor. Als ein Quasi-Normalzustand bezeichnet die potentielle Krise eine mögliche bzw. noch nicht real eingetretene Unternehmenskrise. Setzt man schon hier bei der Vorbeugung an, kann aufgrund der hohen Steuerbarkeit der Ausbruch der Unternehmenskrise oftmals verhindert werden. Die latente Krise ist für das betroffene Unternehmen ohne gezielte Methoden der Früherkennung noch nicht wahrnehmbar. Die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs einer Unternehmenskrise ist in diesem Stadium bereits sehr hoch. Aufgrund der noch immer in hohem Maße vorhandenen Handlungsalternativen und der fehlenden Handlungszwänge sind Präventivmaßnahmen zu diesem Zeitpunkt ideal einsetzbar. Erst in der dritten, akuten Phase wird die Krise von den meisten Unternehmen wahrgenommen. Die Intensität der destruktiven Wirkung erhöht sich jedoch in gleichem Maße wie die Bandbreite an Handlungsalternativen sich verringert. Solange das Krisenbewältigungspotential des Unternehmens für die Bewältigung der Krise ausreicht, tritt das Unternehmen nicht in die letzte Phase der Unternehmenskrise ein. Gelingt es dem Unternehmen nämlich nicht, die Krise erfolgreich bekämpfen zu können, entwickelt sie sich in einer Intensität, die für das Unternehmen nicht mehr beherrschbar ist und unweigerlich zum Untergang des Unternehmens führt.
54 vgl. Müller (1982), S. 25ff.
55 vgl. Krystek (1981), S. 98ff.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
Die vorgestellten Ansätze sollen nur als ein kleiner Querausschnitt an Unerteilungsmöglichkeiten gesehen werden. Ferner ist eine Abweichung von den beschriebenen Phasen bzw. eine untypische Entwicklung der Krise durchaus möglich. 3.2.4 Krise und Vorhersehbarkeit 56,57
Der Grad der Vorhersehbarkeit einer Krise ist ein Ansatz, den Töpfer als Basis für seine Unterteilung zugrunde legt. Hierbei unterscheidet er grob in die beiden Kategorien vorhersehbare und nicht vorhersehbare Unternehmenskrisen. Die Vorhersehbarkeit an sich ist jedoch ein sehr subjektiver Begriff, denn genau genommen ist jede Krise vorhersehbar.
Nicht vorhersehbare Krisen lassen sich in sachlicher und zeitlicher Hinsicht weiter untergliedern. In sachlicher Hinsicht ordnet man Phänomene, die den Normalzustand überschreiten, aber gegenwärtig noch nicht im Handlungsvermögen der Akteure liegen, ein und in zeitlicher Hinsicht bereits denkbare Phänomene, deren Eintrittszeitpunkt im Vorfeld nicht bestimmt werden kann. Als nicht vorhersehbar werden nach Töpfers Definition Naturkatastrophen sowie plötzliche Ereignisse wie Flugzeugabstürze oder Feuer angesehen. Diese allesamt zu den exogenen Krisenursachen 58 zählenden Variablen gilt es nun zu endogenisieren, um sie auch rechtzeitig erkennen zu können. Alle potentiellen Krisenfelder des Unternehmens müssen hinsichtlich ihrer negativen Wirkung erkannt und der Prozess der Krisenvermeidung eingeleitet werden.
Wählt man zur Unterteilung der Krise die Vorhersehbarkeit, ergibt sich automatisch folgende Chronologie der Aufgabengebiete des Krisenmanagements, die im Anschluss grafisch dargestellt werden: 59
- die Aufdeckung und Ausschließung potentieller Krisenfelder als essentielle und oberste Priorität
56 vgl. Töpfer (1999), S. 20ff.
57 Einen ähnlichen Ansatz wie Töpfer findet man auch bei Prof. Sam Black, der die beiden Arten „Known Unknowns“
und „Unknown Unknowns“ als potentielle Krisen sieht, deren Unterscheidung sich mit der von Töpfer (vorhersehbar
bzw. nicht vorhersehbar) deckt. vgl. Black (1997), S. 197ff.
58 vgl. Unterabschnitt 3.3.3 „Endogene Ursachen“ und vgl. Unterabschnitt 3.3.4 „Exogene Ursachen“.
59 vgl. Töpfer (1999), S. 22.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
- ist eine Aufdeckung nicht möglich, gilt es, die Konzentration auf sich anbahnende Krisen im Vorfeld zu lenken
- ist auch dieses Vorgehen aussichtslos, bleibt als letzte Alternative die Vorbereitung auf den Krisenfall, indem die Aktivitäten ausschließlich auf die Vermeidung der negativen Folgen der unvermeidbaren Krise auszurichten sind
3.3 Ursachen bzw. Auslöser von Unternehmenskrisen
Zu den Auslösern von Unternehmenskrisen zählt eine Vielzahl möglicher Ursachen. Es ist deshalb nicht sinnvoll, alle möglichen Ursachen aufzuzählen - wenn dies überhaupt möglich ist - sondern stattdessen einen kurzen Einblick in deren Bandbreite zu liefern. Mit einer genaueren Betrachtung
60 Quelle: Töpfer (1999), S. 21.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
der Ursachen beschäftigt sich Kapitel 8 „Praktische Umsetzung: Krise Feuer“, in dem ein Krisenszenario von Energieversorgungsunternehmen und Banken beschrieben wird. Dieser Abschnitt zeigt die Forschungsrichtungen in der Krisenursachenforschung und die häufigsten Ursachen der Krise. Unter Krisenursachenforschung in einem betriebswirtschaftlichen Sinn versteht man die Ermittlung und Darstellung von Ursachen-Wirkungs-Komplexen, die als Erklärung für das Entstehen von Unternehmenskrisen in allgemein gültiger Form dienen können. 61 Sie dient als Grundlage zur Früherkennung und Prävention von Krisen.
Auch wenn sich die verschiedenen Ansätze sehr stark zu unterscheiden scheinen, so lassen sie sich in zwei Forschungsrichtungen unterteilen: - qualitative Krisenursachenforschung - quantitative Krisenursachenforschung.
3.3.1 Qualitative Ursachenforschung
Die qualitative Ursachenforschung versucht mit Hilfe von statistischen Auswertungen bzw. Umfragen Hinweise auf die Ursachen der Krise zu bekommen. Dazu zählen u.a. Umfragen bei Unternehmensberatern, Interpretationen von individuellen Krisenverläufen und dergleichen. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie aufgrund der Expertenmeinungen und Analyse der individuellen Krisenverläufe eine größere Chance hat, zu den tatsächlichen Krisenursachen vorzudringen. Untersuchungen zur qualitativen Krisenursachenforschung brachten eine Vielzahl möglicher Ursachen von Unternehmenskrisen. Die am häufigsten genannten Ursachen aus den bekanntesten Untersuchungen sind folgende: 62 - Unerfahrenheit, Fahrlässigkeit - Unfähigkeit der Mitarbeiter bzw. des Managements - Betrug, Fahrlässigkeit, Vorsatz
61 vgl. Töpfer (1985), S. 159ff.
62 vgl. Krystek (1987), S.45ff.
24
Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar - Produktmisserfolg - Gründungsfehler - Finanzierung, Kapitalmangel - Rechtsform - Standort - Rechnungswesen - Höhere Gewalt - Konkurrenz - Konjunkturverlauf - Planungs- und Kontrollsystem - Unternehmensentwicklung - Technologiewandel - …
Diese Liste erhebt keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigt jedoch sehr deutlich die Fülle an möglichen Faktoren, die zu einer Krise führen können. Sowohl im innerbetrieblichen Bereich (Absatz, Finanzierung, Personal…), als auch im zwischen- (Banken, Kunden, Lieferanten, Konkurrenz…) und im überbetrieblichen Bereich (Konjunktur…) sind Ursachen für Unternehmenskrisen angesiedelt.
3.3.2 Quantitative Ursachenforschung
Im Gegensatz zur qualitativen Krisenursachenforschung versucht der quantitative Ansatz anhand von statistischen Daten wie Unternehmensbranche, Rechtsform, Unternehmensgröße und -alter Ursachen für das Scheitern der Unternehmen herausfiltern zu können. Gerade für Banken, deren Notwendigkeit des Ratings sowohl von Privatpersonen, als auch von Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben ist, sind diese Daten sehr wertvoll, dienen sie schließlich als Basisinformationen für ihr Rating der einzelnen Unternehmen. Die Branche des Unternehmens ist aufgrund der Insolvenzanfälligkeit, die in einzelnen Branchen sehr stark variieren kann, ein wesentlicher Faktor. Mit zunehmender Haftungsbeschränkung aufgrund der Rechtsformwahl steigt das Risiko ebenso wie bei zunehmender Unternehmensgröße, die anhand der Mitarbeiterzahl oder des Umsatzes gemessen werden
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
kann. Das Alter des Unternehmens deutet auch auf seine Insolvenzanfälligkeit hin, wobei junge Unternehmen wesentlich gefährdeter sind als etablierte ältere Unternehmen. 63 Auch wenn diese Faktoren einen Hinweis auf die Krisenanfälligkeit von Unternehmen liefern können, dienen sie bestenfalls als Symptome und nicht als tatsächliche Ursachen von Krisen. Die Resultate der Krisenursachenforschung weisen auf eines der Wesensmerkmale von Unternehmenskrisen hin, nämlich auf die mit der Entstehung der Krise verbundene Komplexität. Die Ursachen der Krise sind zumeist vielschichtig und liegen in verschiedenen Bereichen. So kann vereinfacht von endogenen und exogenen Bereichen unterschieden werden.
3.3.3 Endogene Ursachen
Als endogener Bereich wird der gesamte innerbetriebliche und unternehmensinterne Bereich bezeichnet, der schwerpunktmäßig Unternehmenskrisen generiert. Die Ursachen für endogene Krisen liegen vor allem in folgenden Bereichen: 64
- Führungsfehler (Führungsstil, Fehleinschätzungen, falsche Planung…) - zu geringe Eigenkapitalbasis (niedrige Kreditwürdigkeit, hohe Zinsbelastung…) - Mängel im Produktionsbereich (Maschinenfehler, Qualitätssicherung…) - Mängel im Personalwesen (schlechtes Betriebsklima, fehlende Personalplanung…) - Mängel im Absatz- bzw. Beschaffungsbereich - …
3.3.4 Exogene Ursachen
Unter exogenen Ursachen wird der gesamte überbetriebliche, externe Bereich verstanden, auf den das Unternehmen kaum Einfluss nehmen kann. So zählen u.a. die konjunkturelle Entwicklung, technologische bzw. andere strukturelle Veränderungen und Änderungen des Marktumfeldes (veränder-
63 vgl.Krystek (1989), S. 41.
64 vgl. Dreyer (2001), S. 10.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
tes Konsumverhalten der Bevölkerung, Trendsänderungen, negative Berichterstattung und PR etc.) zu den wesentlichen Einflussgrößen exogen verursachter Krisen. 65
Abschließend soll die Theorie der Verursachung nach Töpfer als grafisches Beispiel die komplexen Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge der Unternehmenskrise verdeutlichen, wobei endogene und exogene Ursachen in einer Grafik zusammengefasst werden.
3.4 Auswirkungen von Unternehmenskrisen & Bezug zur Wirtschaftlich-
keit
Krisen sind für die Unternehmen unausweichlich mit Kosten verbunden. Die sich daraus resultierende Frage muss also lauten, inwiefern vorbeugende Maßnahmen zur Verringerung des Risikos getroffen werden sollen und welche Kosten dafür als akzeptabel anzusehen sind. Dabei ist festzuhalten, dass nicht alle Krisenfaktoren kategorisch verhindert werden können, da die sich daraus ergebenden Kosten explodieren würden. 67 Vielmehr ist der Grenznutzen für jede Art von Präventivmaßnahmen zu berechnen und den potentiellen Schadensfällen, die durch Krisen hervorgerufen werden können (inklusive deren Eintrittswahrscheinlichkeit) entgegenzustellen.
65 vgl. Dreyer (2001), S. 10.
66 Quelle: Töpfer (1985), S. 162.
67 vgl. Grossmann, Kulmhofer (2003), S. 3ff.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
Die Auswirkungen von Krisen sind sowohl unternehmensintern (endogen) als auch unternehmensextern (exogen) wahrzunehmen. Andererseits können sie einen konstruktiven, aber auch einen destruktiven Charakter aufweisen, wie folgende Grafik zeigt:
3.4.1 Destruktive Auswirkungen
Wirkt sich eine Krise negativ aus, hat dies sowohl negative Konsequenzen für das Unternehmen als auch für dessen Umfeld. Endogen betroffen sind beispielsweise die Eigenkapitalgeber, die Mitarbeiter des Unternehmens oder das Management. Exogen betroffen sind die Fremdkapitalgeber, der Staat, die Kunden, die Lieferanten oder die Konkurrenz. 69 Neben den Auswirkungen für das interne und externe Umfeld ist das Unternehmen für sich auch gefährdet. Besonders der Ruf, das Image oder die Marke leiden sehr an Negativschlagzeilen, was sich in weiterer Folge auf den Börsenkurs, wenn das Unternehmen an der Börse gelistet ist, und damit auf den Wert des Unternehmens auswirkt.
68 Quelle: Dreyer (2001), S. 14.
69 Diese Aufzählung soll nur die mögliche Auswirkung auf das Umfeld verdeutlichen. Das Ausmaß der exogenen de-
struktiven Wirkung hängt vor allem von der Unternehmensgröße ab, wobei gilt, dass mit zunehmender Unterneh-
mensgröße das Ausmaß an exogen destruktiver Wirkung ansteigt.
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Krise als betriebswirtschaftliches Problem Martin Dietrich, Michael Ussar
3.4.2 Konstruktive Auswirkungen
Ist es dem Unternehmen möglich, die Krise zu überwinden und die Gelegenheit zur Erneuerung und Verbesserung zu nutzen, können auch die Stakeholder einen positiven Nutzen aus der Entwicklung für sich verbuchen. So können die Arbeitnehmer ihren Job behalten, die Investoren sich über steigende Aktienkurse freuen und der Staat Steuermehreinnahmen durch höhere Gewinne nach vollzogenem Turnaround lukrieren.
Besonders gilt anzumerken, dass sich in der heutigen Zeit kein Unternehmen mehr leisten kann, eine vollkommen risikoaverse Einstellung zu besitzen. Nur durch Einsatz bestimmter Risiken gelingt es Unternehmen, flexibel zu bleiben, notwendige Innovationen durchzuführen und drohende Strukturprobleme abzuschwächen. 70
70 vgl. Albach (1984), S. 35 ff. Zitiert nach: Krystek (1987), S. 83.
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Martin Dietrich, Michael Ussar, 2006, Die Wissensdatenbank als Grundlage des Krisenmanagements, München, GRIN Verlag GmbH
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