Bei der Suche nach einer Definition von Massenkultur, Popkultur, Popular-oder Populärkultur, Pop-Art-Kultur oder einfach nur Pop, und der Gewissheit einer vorhandenen Klassifikation von „hoher“ und „niederer“, so würde ich die Popkultur intuitiv der niederen zuschreiben. Doch um was handelt es sich eigentlich wenn wir von Popkultur sprechen? Walter Nutz setzt den Begriff Popularkultur gleich mit Volkskultur, weil seiner Betrachtungsweise nach alle Kulturgüter die eine Gesellschaft hervorbringt unter diesem Etikett zu vereinen sind. „Der Mensch und die Akzeptanz `seiner` Kulturgüter, d.h. was er und seine Mitmenschen `akzeptieren`, schafft seine Kultur , so dass sie auch als `massenhaft`, als `popular` messbar wird, vor allem dann, wenn die popularen Angebote `massenhaft` akzeptiert und nicht nur produziert werden.“ 1 Roger Behrens hingegen lässt in seinen Arbeiten mehr oder weniger offen, was er unter dem Begriff Popkultur genau versteht. „Die Definition von Pop besteht in der Definition des Definitionsproblems: dass Pop begrifflich nicht eindeutig zu fassen ist, weil es sich nicht um ein eindeutiges Phänomen handelt; dass Pop also nicht definierbar ist, ist selbst schon Pop = Definition von Pop.“ 2 Auch wenn die Herangehensweise der beiden sich gravierend voneinander unterscheidet, so lässt sich doch in ihren Werken ein gemeinsamer Aspekt finden, der für den Entwurf einer Theorie der Popkultur wichtig ist: die Massenmedien. Die den Massenmedien zugrunde liegenden Technologien und eine neue Aufbereitung von Informationen gelten als Grundvoraussetzung für eine Konstitution der modernen Popkultur. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Betrachtung
2.1 Rolle der Technik bei der Popularkultur
2.2 Kultur im Fernsehen
3. Kulturtheoretische Überlegungen
3.1 Unterhaltung als Maxime
3.2 Kultur als Ware
3.3 Entwicklung zum Massenmensch
3.4 „Freizeitpassivität“
4. Popkultur = Auflösung der Nationalkulturen? – Ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Relevanz und den kulturellen Einfluss des Fernsehens als Leitmedium in modernen westlichen Gesellschaften der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Medium zur kulturellen Nivellierung beiträgt oder ob es als Forum gesellschaftlicher Kommunikation fungiert.
- Definitionsproblematik von Pop- und Massenkultur
- Die Rolle der Massenmedien als technologische Basis der Popkultur
- Kritische Theorie der Kulturindustrie und Massenproduktion
- Mediale Einflussnahme auf Individualität und Freizeitgestaltung
- Diskurs um die Auflösung nationaler Kulturen durch globale Medien
Auszug aus dem Buch
3.1 Unterhaltung als Maxime
Für Neil Postman ergibt sich eine gravierende Trennung zwischen dem Medium Fernsehen und seiner Technik. Auch wenn die Technik überall gleich sein mag, so verändert sich deren Bedeutung und Einfluss in unterschiedlichen Kulturen. In Staaten, in denen die Entfaltung der, dem Fernsehen innewohnenden Potentiale durch z.B. regressive staatliche Zwangsmaßnahmen verhindert wird, dort sind auch die sozialen Auswirkungen, die mit dem Medium Fernsehen einhergehen auf ein Minimum reduziert.
Das Fernsehen in Postmans Heimat Amerika habe sich jedoch, bedingt durch eine freiheitliche Demokratie und eine relativ freie Marktwirtschaft komplett der „Superideologie“ Unterhaltung verschrieben. Die Präsentation einer großen Vielfalt von Themen, die jedoch nur minimale Anforderungen an das Auffassungsvermögen stellen, wecken in den Zuschauern Gefühle und befriedigen diese. „Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.“
Postman sieht sogar in den Nachrichten, die man nicht ernst zu nehmen brauch, keine Bildungsformate, sondern ausschließlich einen weiteren Rahmen in dem Unterhaltung geliefert wird. Die Sendungen werden nicht konzipiert damit man sie liest (Zeitung) oder hört (Radio), sondern damit man sie sieht. Das Medium, dass die Wirkungsweise von Bildern als Maxime hat, muss den Gehalt von Ideen unterdrücken um den Ansprüchen optischer Anziehungskraft zu genügen, so Postman. Die große Resonanz die dem Fernsehen entgegengebracht wird, verändert somit die verschiedenen gesellschaftlichen Diskurse, da sie dem Diktat der Unterhaltung unterworfen sind sobald sie sich auf dem Bildschirm des Leitmediums präsentieren. „Wo früher der Buchdruck den Stil im Umgang mit Politik, Religion, Wirtschaft, Bildung, Recht und anderen wichtigen Angelegenheiten der Gesellschaft vorschrieb, gebietet heute das Fernsehen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Schwierigkeit, Begriffe wie Popkultur oder Massenkultur exakt zu definieren, und stellt das Fernsehen als zentrales Untersuchungsfeld vor.
2. Allgemeine Betrachtung: Dieses Kapitel beleuchtet den technischen Aufstieg des Fernsehens zum Leitmedium und analysiert die kulturelle Bedeutung der Programme im Alltag der Zuschauer.
3. Kulturtheoretische Überlegungen: Hier werden zentrale kritische Positionen zur Kulturindustrie und Medialisierung durch Autoren wie Postman, Adorno und Anders erörtert.
4. Popkultur = Auflösung der Nationalkulturen? – Ein Fazit: Das Fazit wägt zwischen der pessimistischen Sicht einer durch Medien verursachten kulturellen Nivellierung und der positiven Deutung des Fernsehens als kulturelles Forum ab.
Schlüsselwörter
Popkultur, Massenmedien, Fernsehen, Kulturindustrie, Freizeitpassivität, Massenmensch, Kritische Theorie, Unterhaltung, Medienwirkung, Konsumgesellschaft, Nationalkultur, Medialisierung, Kulturkritik, Postman, Adorno.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Fernsehens auf moderne westliche Gesellschaften und die damit verbundenen kulturtheoretischen Fragestellungen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Medialisierung des Alltags, die Mechanismen der Kulturindustrie, das Fernsehen als Unterhaltungsmedium und die gesellschaftliche Rolle der Massenkultur.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche gesellschaftliche Relevanz das Fernsehen besitzt und ob es zur Auflösung von Nationalkulturen beiträgt oder als offenes „kulturelles Forum“ zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis medienwissenschaftlicher und kulturkritischer Texte sowie soziologischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert kulturtheoretische Positionen, wie Unterhaltung als Superideologie, das Fernsehen als Ware sowie die Entstehung des passiven Massenmenschen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kulturindustrie, Freizeitpassivität, Massenkultur und die kritische Distanz zur technischen Medialisierung.
Wie bewertet der Text die Rolle von Adorno?
Adorno wird als Kritiker angeführt, der das Fernsehen und die Kulturindustrie als feindliche Instrumente betrachtet, die das Individuum manipulieren und die Mündigkeit untergraben.
Was versteht man unter dem Begriff „Freizeitpassivität“?
Der Begriff beschreibt den Zustand, in dem Freizeitaktivitäten wie Fernsehkonsum lediglich der passiven Unterhaltung dienen, statt einen echten kreativen oder kritischen Ausdruck des Einzelnen zu ermöglichen.
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- Simon Hebler (Author), 2005, Popkultur und Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66521