Inhalt
1. Einleitung. 4
2. Was bleibt vom Menschen nach dem Tod? 5
2.1 Unsterblichkeit der Seele. 5
2.2 Auferstehung des Fleisches. 7
2.3 Göttlicher Lebensgeist als unsterbliche Seele 9
3. Wo sind die Toten? - Der Weg zum ewigen Leben 12
3.1 „Purgatorium“ oder „Seelenschlaf“ als mögliche Zwischenstationen
zwischen irdischem Tod und allgemeiner Auferstehung. 13
3.2 „Auferstehung im Tod“ oder „Gemeinschaft Christi mit den Lebenden und
den Toten“ als persönliche Auferstehung 15
3.3 Das Jüngste Gericht und sein Ausgang als endgültige Entscheidung üben
den Verbleib der Toten. 20
4. Das Leben nach dem Tod 30
4.1 Schrecken, Hoffnung oder Trost im irdischen Leben. 30
5. Literatur 35
2
1. Einleitung
Der Tod markiert die Grenze zwischen dem, was wir noch wahrnehmen können, und dem, was wir nur zu hoffen vermögen. Alles, was jenseits der Todesgrenze liegt, entzieht sich unserer irdischen Wahrnehmung und ist gerade deshalb ein ständiges und bleibendes Thema in der Theologie. Darum möchte ich mich in dieser Arbeit näher mit diesem Thema und besonders mit der Frage „Wo sind die Toten?“, wie sie sich Jürgen Moltmann in seiner Eschatologie „Das Kommen Gottes“ stellt, beschäftigen. Hierzu möchte ich zunächst seine Gedanken vorstellen und abschließend meine eigenen Gedanken dazu formulieren. Zuerst werde ich mich mit seinen Überlegungen über die Vorraussetzungen zum ewigen Leben beschäftigen. Also damit, was vom Menschen nach seinem irdischen Tod bleibt um sich auf den Weg zum ewigen Leben zu machen. Moltmann nennt hier die zwei Denkmodelle von der Unsterblichkeit der Seele und der Auferstehung des Fleisches, die ich näher betrachten möchte
In einem zweiten Abschnitt wird es dann um die Vorstellungen vom Weg selbst, seinen möglichen Stationen und seinem Ziel gehen. Hier werde ich zunächst Moltmanns Gedanken zum Purgatorium und dem Seelenschlaf, als mögliche „Zwischenstationen“ bis zur allgemeinen Auferstehung betrachten und mich dann den Vorstellungen einer individuellen Auferstehung zuwenden. Im dritten Abschnitt meiner Arbeit werde ich mich dann mit dem Ausgang des Gerichts als endgültige Entscheidung über den Verbleib der Toten beschäftigen. Abschließend werde ich mich dann noch einmal kritisch mit Moltmanns Überlegungen insgesamt auseinandersetzen und diese im Hinblick darauf betrachten, in wie weit sie die Frage nach dem Verbleib der Toten beantworten sowie die Hoffnungen und Befürchtungen, die hiermit verbunden sind, aufnehmen.
4
2. Was bleibt vom Menschen nach dem Tod?
Nachdem sich Jürgen Moltmann in seiner Eschatologie „Das Kommen Gottes“ im ersten Kapitel mit der „Eschatologie heute“ beschäftigt hat, wendet er sich im zweiten Kapitel der personalen Eschatologie zu. Der erste Paragraph betrachtet hier zunächst den Zusammenhang zwischen dem irdischen Leben und dem Tod sowie der damit verbundenen Frage, ob das Leben alles war. Ausgehend von dieser Frage, die die Menschen immer wieder zum Denken eines Lebens nach dem Tod anregt, geht Moltmann dann im zweiten Paragraph auf die zwei Vorstellungen von der „Unsterblichkeit der Seele“ und der „Auferweckung des Fleisches“ ein. Beide Vorstellungen finden sich in der europäischen Geistesgeschichte nebeneinander und vermischen sich in den Gedanken der Menschen genauso wie in den christlichen Glaubensbekenntnissen. Auf Grund dieser Beobachtung möchte Moltmann „zunächst den Unterschied der beiden Vorstellungen herausstellen und danach die Neufassung des Unsterblichkeitsgedankens in der christlichen Auferstehungshoffnung entwickeln.“ 1
2.1 Unsterblichkeit der Seele
Moltmann gliedert seine Überlegungen zur Unsterblichkeit der Seele in drei Abschnitte, die jeweils ein Denkmodel dieser Grundvorstellung aufgreifen. Das erste Denkmodel ist das des griechischen Philosophen Plato, der die Seele als „die dem Göttlichen zugewandte Seite des Menschen“ 2 betrachtet. Während der Körper den Menschen in seinem Streben nach dem Göttlichen nur einschränkt und hindert, kann ihn die Seele zum Göttlichen führen. Sie existiert bereits vor der Geburt des Menschen und kann auch durch den Tod nicht vernichtet werden. Der Tod trennt lediglich die Seele vom Körper und befreit sie somit von ihm. Der Körper an sich ist ein Gefängnis für die Seele. Distanziert sich der Mensch schon im Leben von allem körperlichen und wendet sich der Seele zu, kann er bereits hier das Göttliche finden. Bei Plato wird der Tod zum Fest der Seele und das Ziel des Lebens ist die Leidenschaftslosigkeit als Befreiung von den Affekten des Körpers.
1 Moltmann, Jürgen, Das Kommen Gottes.75.
2 A.a.O. 76.
5
Unklar bleibt bei Moltmanns Darstellung jedoch, wo die menschliche Seele in Platons Modell vor und nach der Lebenszeit des ihr zugedachten Menschen verweilt und ob eine Seele nur einmal an einen Körper gebunden wird oder ob Platons Denkmodel auch eine Seelenwanderung impliziert.
Der zweite Gedankengang, den Moltmann aufgreift, ist der der modernen Metaphysik, die die Seele als „eine feine, ätherische, gottähnliche Substanz im Menschen“ 3 denkt. Als Repräsentanten dieses Gedankens führt er Johann Gottlieb Fichte an, der von drei verschiedenen Identitäten in jedem Menschen ausgeht - dem „empirischen Ich“, dem „moralischen Ich“, das Teil des empirischen ist, und dem „transzendentalen Ich“. Während das empirische Ich von den Erscheinungen der Welt und des Lebens zerstreut wird, ist das transzendentale Ich in sich selbst unwidersprüchlich und der Ausgangspunkt einer Lebensaufgabe für den Menschen, die darin besteht eine Übereinstimmung zwischen dem empirischen und dem moralischen Ich anzustreben. Das moralische Ich des Menschen als Teil des empirischen Ichs ist der Motor, der den Menschen nach der Erfüllung dieser Aufgabe streben lässt - es ist dem Menschen also unmöglich nicht danach zu streben. Allerdings ist es nicht das Erfüllen dieser Aufgabe selbst, sondern das bloße Streben nach der Erfüllung, das den Menschen unsterblich macht. Nach Moltmanns Schilderungen von Fichtes Denkmodell kann der Tod das Streben nach Übereinstimmung nicht abbrechen, da dies die ewige Annäherung an das Göttliche ist und vollendet werden soll. „Entspricht das empirische Ich dem reinen Ich, dann ist der Mensch mit sich selbst einig. Er ist dann ungreifbar, unverwundbar, unsterblich.“ 4 Stirbt der Mensch vor der Erfüllung seiner Aufgabe, wird die Übereinstimmung nach dem Tod dadurch erreicht, das das empirische Ich nicht mehr ist und die Verwirrungen des Lebens das Streben nicht mehr einschränken. Jeder Mensch wird also seine Aufgabe irgendwann erfüllen. Daraus lässt sich folgern, dass eine Übereinstimmung schon im Leben das Leben zwar angenehmer macht, weil es ein Leben in dem Wissen um die göttliche Identität ist, nicht aber die Unsterblichkeit garantier, da diese letztlich jedem zuteil wird.
Moltmann betont bei diesem Gedankengang besonders die Aussage Fichtes „Der Mensch soll stets einig mit sich selbst sein.“ 5 Dies unterscheidet Fichte von Platon und bildet einen Gegenpol zur Forderung der Enthaltsamkeit und Askese in der Stoa.
3 A.a.O. 77.
4 A.a.O. 79-80.
5 A.a.O. 79.
6
Nicht Enthaltsamkeit und Abwehr gegen alles Körperliche ist hier Ziel des Menschen, sondern das Streben nach der wahren Identität in der Einheit von Körper und Seele. Als dritten möglichen Gedankengang im Bezug auf die Unsterblichkeit der Seele führt Moltmann den von Ernst Bloch an, der die „materialistische Vorstellung vom noch ungewordenen »Existenzkern«“ 6 vertritt.
Der Mensch besitzt nach Bloch einen „exterritorialen Existenzkern“, der nicht nur unsterblich ist, sondern sogar über Leben und Sterben entscheidet. Der Tod kann nur das treffen, was noch nicht sein wahres Wesen erreicht hat. Der Existenzkern selbst als das „wahre Ich“ des Menschen kann also vom Tod nicht berührt werden, da er sein wahres Sein für eine bessere Zukunft aufbewahrt. Lediglich die verwirklichte Existenz des Menschen, die nach diesem Kern strebt, ihn aber noch nicht erreicht hat kann sterben. Die Lebenseinstellung, die nach Moltmann aus dieser Vorstellung folgt, ist ein Leben, das aus der Hoffnung auf die Zukunft lebt, in der der Existenzkern sich offenbaren wird, sich aber nicht der Gegenwart an sich hingibt, sondern sich lediglich als Experiment versteht. „Mit dieser experimentellen Lebenshaltung lebt man nicht wirklich, gibt man sich nicht aus, liebt man das Leben nicht so, daß mit dem Tod alles aus ist, sondern hält sein Bestes zurück und bewahrt sich auf die Zukunft auf.“ 7 Eine Hoffnung auf einen noch nicht seienden Schutzkreis lehnt Moltmann also ab, nicht jedoch einen Rückzug, der sich in der alleinigen Hoffnung auf Gott gründet, wenn er sagt „Ich sehe kein non omnis confundar im Rückzug auf den »Schutzkreis des Noch-nicht-Lebendigen«, sondern nur im Entwurf auf Gott: »In te, Domine, speravi«.“ 8
2.2 Auferstehung des Fleisches
Bevor sich Moltmann genauer den Ursprüngen der Vorstellungen von der leiblichen Auferstehung zuwendet, grenzt er diese von der vorher dargestellten Vorstellung der unsterblichen Seele ab. Der Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele als Einsicht, die auf etwas Unsterblichen im Menschen vertraut und den Tod akzeptiert und vorwegnimmt, steht die Auferstehung der Toten als Hoffnung gegenüber, die darauf vertraut, dass Gott die Toten lebendig macht und auf die Überwindung des Todes wartet.
Moltmann betont in diesem Abschnitt wiederholt besonders die Wertschätzung des irdischen Lebens, die sich aus der Vorstellung einer leiblichen Auferstehung ergibt,
6 A.a.O. 80.
7 A.a.O. 82.
8 Ebd.
7
Arbeit zitieren:
Maja Lengert, 2006, Wo sind die Toten? Auferstehung, Gericht und ewiges Leben in Jürgen Moltmanns "Das Kommen Gottes", München, GRIN Verlag GmbH
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