Leben und Sterben im Ghetto Warschau
von Thorsten Laumann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2 - 3
2. Warschau nach der Kapitulation 3
2.1 Die Machtübernahme der Deutschen 3 - 5
2.2 Die Juden in Warschau 5
3. Entstehung des Ghettos 5 - 7
4. Die deutsche Ghettopolitik 7 - 8
5. Im Ghetto 8
5.1 Hunger, Krankheit und Tod 8 - 10
5.2 Ghetto-Kinder und der Schmuggel 10 - 11
5.3 Das Ghetto als Wirtschaftsfaktor 12 - 13
5.4 Kunst, Kultur und Religion 13 - 14
6. Das Ende des Ghettos 14
6.1 Die Deportationen 14 - 15
6.2 Vom Widerstand bis zur Auflösung 15 - 17
7. Quellen aus dem Warschauer Ghetto 17
7. 1 Das Ringelblum-Archiv 17
7.2 Der Stroop-Bericht 18
8. Schlussbemerkung 18 - 19
9. Anhang 20
10. Quellen- und Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
Der Ausdruck "Warschauer Ghetto" gilt heute als ein feststehender Begriff, der sich in jedem Lexikon finden lässt. Doch hinter diesem feststehenden Begriff verbirgt sich eine lange Geschichte. Eine Geschichte, die bis in das Mittelalter zurück reicht. Denn schon im 14. Jahrhundert lebten nachweislich viele Juden in der heutigen polnischen Hauptstadt, die über Jahrhunderte hinweg von einem schweren Schicksal ereilt wurden. So kam es zum Beispiel bereits im Jahre 1454 zu einem Pogrom in Warschau, als der Franziskanermönch und Bußprediger Johannes Capistrano zu einem Aufstand gegen die Juden aufrief. Am 22. Januar 1775 ließ der Kronmarschall Lubormirski die Juden aus Warschau vertreiben und ihre Wohnungen ausplündern . Damit seien aber nur zwei Fälle der Judenvertreibung aus Warschau genannt. Viele Fälle dieser Art ließen sich problemlos hinzufügen.
Dagegen entwickelte sich die polnische Stadt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert zu einem anerkannten jüdischen Kulturzentrum. An unzähligen Schulen wurde Jiddisch und Hebräisch gelehrt, das jüdische Theater erlebte seine Blütezeit und Juden entwickelten sich zu angesehenen Persönlichkeiten. Doch dieses Aufkommen des Judentums hielt nicht lange an. Mit dem Einmarsch der deutschen Nationalsozialisten in Polen und der Kapitulation Warschaus am 28. September 1939 endete es endgültig . Adolf Hitler sah die Juden als eine minderwertige Rasse an und so wurden sie in Warschau, wie auch in vielen anderen großen Städten des eroberten Generalgouvernements, in den Ghettos "konzentriert". Dort wurden die Juden unter lebensunwürdigen Bedingungen untergebracht, bis sie in die Vernichtungs- und Arbeitslager deportiert werden sollten. Doch die Nazis kamen mit der Masse der zu deportierenden Juden nicht mehr zurecht. Das Warschauer Ghetto wandelte sich somit von einer Zwischenlösung zu einer langfristigen Angelegenheit .
Wie der Alltag der Juden im Ghetto Warschau aussah, untersucht diese Arbeit. Nach einem Einblick in die allgemeine Situation des besetzten Warschaus, konzentriert sich der Hauptteil dieser Arbeit auf das Leben und Sterben im Ghetto.
Parallel zur chronologischen Untersuchung sollen die Aspekte von Kunst und Kultur, Überlebenssicherung und Schmuggel beleuchtet werden. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf den berühmten Aufstand im Ghetto Warschau gelegt, der im April und Mai 1943 stattfand und gleichzeitig das Ende der Ghettoexistenz bedeutete. Zum Abschluss dieser Untersuchungen stehen dann das "Ringelblum-Archiv" und die Berichte des SS-Brigadeführers Jürgen Stroop im Mittelpunkt, die für die heutige Forschung über das Ghetto Warschau von herausragender Bedeutung sind und auch für diese Arbeit sehr viel Quellenmaterial liefern.
Da von den Juden, die im Warschauer Ghetto ihr Dasein fristeten, sehr viele Schriftstücke erhalten sind, wird sich diese Arbeit auf sehr viele Erfahrungs- und Augenzeugenberichte stützen.
2. Warschau nach der Kapitulation
2.1 Die Machtübernahme der Deutschen
Die Entscheidung, dass die polnische Hauptstadt Warschau vor den deutschen Belagerern kapitulieren solle, fassten die polnischen Militärbehörden und Vertreter der Zivilbevölkerung am 25. September 1939. Denn bereits seit dem 8. September belagerten die Deutschen Soldaten Warschau und seit dem 21. September 1939 stand die Stadt unter ständigem Beschuss durch die deutsche Luftwaffe und durch Panzerkolonnen . Einige Tage später, am 28. September 1939, setzte Generalleutnant Tadeusz Kutrzeba dann um 13.15 Uhr auf dem Fabrikgelände der Firma "Skoda" in Raków bei Warschau seine Unterschrift unter die Kapitulationsurkunde. Die "bedingungslose Kapitulation" war damit besiegelt. Das polnische Militär zog noch am Abend des 29. September aus der Hauptstadt ab, so dass am Sonntag dem 1. Oktober 1939 die deutschen Truppen der zehnten Division der achten Armee offiziell in Warschau einmarschieren konnten. Doch nach den Angaben mehrer Augenzeugen seien die Deutschen bereits am 30. September 1939 in Warschau eingezogen. So vermerkte der Literaturkritiker Karol Irzykowski in seiner Chronik des Krieges: " ... es kamen Lastwagen, einige davon mit einer schwarzen Plane bedeckt; in den Wagen saßen auf erhöhten Sitzen deutsche Soldaten, und es schien mir, als spiegelte sich Triumph in ihren Mienen, was ja auch zu ihrer äußerlich erhöhten Stellung passte... ."
[...]
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Thorsten Laumann, 2001, Leben und Sterben im Ghetto Warschau, Munich, GRIN Publishing GmbH
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