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5.3 Sprache in der Kirche 9
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Das Mittelalter gilt in der heutigen historischen Forschung als das „finstere Zeital- ter“. Es wurde bestimmt von Hexenverfolgungen, Kreuzzügen und von der streng gegliederten ständischen Gesellschaft. Die Bezeichnung finster richtet sich sehr oft auch auf die Bereiche Literatur, Wissenschaft und Dichtung. Und sehr oft trifft die These, dass das Mittelalter für die Weiterentwicklung dieser genannten Bereiche nicht sehr von Nutzen war, auch zu. Doch es gibt eine Epoche innerhalb des Mittel- alters, auf die diese These auf gar keinen Fall zutrifft. Gemeint ist die Renaissance. Die Renaissance gilt als die Zeit der Wiederbelebung antiker Kulturen und Sprachen und als Wiedergeburt des in der Antike verbreiteten Denkens. Sie wirkte sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens im ausgehenden Mittelalter aus. Die Zeit ab 1500 gilt heute auch als „Wendezeit zwischen Mittelalter und Neuzeit“. 1 Sie führte einen Wandel in der Gesellschaft, der Literatur und auch in der Kirche herbei, der für die sich anknüpfende Neuzeit von herausragender Bedeutung war. Inmitten dieser Re- naissance prägte vor allen Dingen die Reformation von Martin Luther im Jahr 1517 und auch die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg 1452 2 den Ver- lauf des alltäglichen Lebens und damit auch die Situation innerhalb der Gesellschaft in Europa.
Diese Arbeit untersucht, auf welche Bereiche des Lebens die Renaissance Einfluss genommen hat. Um einen Überblick bewahren zu können, unterteilt sich diese Ar- beit nach einer kurzen Erläuterung des Begriffes Renaissance in mehrere Kapitel. So beschäftigt sich ein Teil mit der Gliederung der Gesellschaft, ein weiterer wird sich mit der Entwicklung der Sprachen im Mittelalter auseinandersetzen. Neben der Be- trachtung der Gebiete Kunst, Bildung und Literatur soll auch das Freizeitverhalten der Menschen im ausgehenden Mittelalter untersucht werden. Und auch die Analyse der Rolle der Frau und die der Position der Kirche in der Renaissance wird durchge- führt.
1 Sprandel, Rolf: Gesellschaft und Literatur im Mittelalter, Paderborn 1982. S. 245. Künftig zitiert als
Sprandel: Gesellschaft.
2 Pleticha, Heinrich: Johannes Gutenberg, in: Deutsche Geschichte, Das ausgehende Mittelalter 1378-
1517, Band 5, Gütersloh 1982. S. 370.
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Als Basis liegen dieser Arbeit viele erhaltene Schriftstücke bekannter Literaten und auch Herrscher zu Grunde, aus denen sich Aussagen über das alltägliche Leben zur Zeit der Renaissance herausfiltern lassen.
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Der Begriff Renaissance kommt aus dem Lateinischen und Französischem und be- deutet ins Deutsche übersetzt „ Wiedergeburt“ . Bezeichnet wird damit die Zeit von etwa 1350 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Renaissance bezieht sich auf das Wiederaufleben antiker Kulturtraditionen, das um 1350 in Italien seinen Ursprung fand. Der kulturgeschichtliche Begriff Renaissance bezeichnet die Übergangphase zwischen Mittelalter und Neuzeit. So findet er sich in fast allen Wissenschafts- und Kulturbereichen dieser Zeit wieder. Weltliche Probleme und Erscheinungen, sowie das Interesse am menschlichen Individuum treten in den Vordergrund. Die Humanisten versuchten in der Auseinandersetzung mit der Philosophie der Antike das Ideal der menschlichen Bildung und pragmatisch-tugendhaften Haltung wieder zu gründen. Durch die literarischen Werke von Dante, Petrarca und Boccaccio entwickelte sich in Italien das Ideal des „ uomo universale“ . Also das Ideal des Menschen, der sich seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten bewusst ist und diese zu perfektionieren weiß.
Die Renaissance zeigte auf den Gebieten der Wissenschaft und Kunst eine Befreiung vom religiösen Dogmatismus und die Hinwendung zum Menschen und seiner „ irdi- schen“ Möglichkeiten. So blieb sie in ihren politischen Formen, weitgehend denen des mittelalterlichen Europas verhaftet. 3 Zur Anwendung kam der Begriff Renaissance in seiner heutigen Bedeutung im Mit- telalter noch nicht. Erst mit der Herausgabe des Werkes „ Die Kultur der Renaissance in Italien“ 1860 durch Jacob Burckhardt wurde die Renaissance mit einem festste- henden Inhalt gefüllt. Erst seitdem bezieht sich der Begriff auf den bereits genannten
3 Ullman, B.L.: Renaissance – das Wort und der ihm zu Grunde liegende Begriff, in: Buck, August
(hrsg.): Zu Begriff und Problem der Renaissance, Darmstadt 1969. S. 263-279.
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Zeitraum und seitdem verbinden Historiker mit dem Wort Renaissance die Wieder- geburt der Antike im Mittelalter. 4 In der Renaissance selbst sprachen Wissenschaftler von der Idee des „ Roma renas- cens“ , also von der Wiedergeburt Roms. Diese Idee hatte schon der Schriftsteller Martial in einer seiner antiken Schriften genannt, wobei er sich auf das Johannes- evangelium berief. Machiavelli griff diesen Begriff auf und verband damit die Wie- derkehr des „ Goldenen Zeitalters“ nach dem Ende des „ finsteren Mittelalters“ . 5 Und dieses Ende sollte dadurch herbeigeführt werden, dass sich die Menschen, die zur Zeit der Renaissance lebten, ihre Vorfahren der Antike als Vorbild nahmen und versuchten, sie nachzuahmen. Doch wichtig war es auch, bereits Vorhandenes nicht einfach wieder aufzunehmen, sondern auch weiterzuverarbeiten. August Buck nennt das die „ produktive Erinnerung und nicht bloße Wiederaufnahme“ . 6 Auch Erasmus von Rotterdam hat sich mit dem Thema der Wiedergeburt befasst. Für ihn bedeutete die „ renascentia“ ein Leben nach ursprünglicher christlicher Ge- sinnung. Wobei ihm besonders die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche sehr wich- tig war. 7
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Das Mittelalter gilt heute auch als die „ ständestaatliche Epoche“ . 8 Der Grund dafür ist, dass die europäische Gesellschaft des Mittelalters aus drei Ständen bestand. Da- zu zählten die Stände des Adel, des Klerus und der Bürger. Zudem gab es Menschen wie zum Beispiel Bettler, die außerständisch leben mussten. Die Zugehörigkeit zu einem Stand erwarben die Menschen des Mittelalters entweder durch ihre Geburt oder durch soziale Qualifikationen. Verbunden mit der Zugehörigkeit zu einem Stand war die soziale Stellung einer Person in der Gesellschaft. 9
4 Dresden, Sem: Humanismus und Renaissance, München 1968. S. 221. Künftig zitiert als: Dresden: Humanismus.
5 Dresden: Humanismus. S. 223. Und auch: Buck, August: Zu Begriff und Problem der Renaissance, Eine Einleitung, in: Buck, August (hrsg.): Zu Begriff und Problem der Renaissance, Darmstadt 1969. S. 2. Künftig zitiert als: Buck: Problem.
6 Buck: Problem. S. 4.
7 Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Werke, hrsg. von A. und H. Holborn, München 1933. S. 145. Künftig zitiert als: Erasmus: Werke.
8 Heimann, Heinz-Dieter: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, Stuttgart 1997. S. 96. Künf- tig zitiert als: Heimann: Einführung.
9 Heimann: Einführung. S. 98.
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Doch dieses System der „ Drei-Stände-Gesellschaft“ verlor während der Renaissance stark an Bedeutung. Infolge der Verstädterung und dem damit verbunden Auf- schwung des Handels wuchs die Zahl der wohlhabenden Bürger immer stärker an. Nicht selten kam es vor, dass Bürger auf Grund ihrer finanziellen Stärke eine größe- re Macht ausüben konnten als der jeweilige Territorialherr. Dadurch erfolgte eine Verschiebung innerhalb der Gesellschaft. 10 Die Ständeverordnung wandelte sich immer mehr von einer praktischen zu einer rein formalen Verordnung. Dagegen kam eine Zwei-Ständeordnung auf, die bereits in der Antike genutzt wor- den war. Die Rede ist von der Trennung der Gesellschaft in zivilisierte und unzivili- sierte Menschen. Ein Modell, dass auf Aristoteles zurückgeht. Denn Aristoteles sprach bereits von dem „ zoon politikon“ , dem staatenbildenden Wesen, als wahrem Wesen der Gesellschaft. Zur Zeit der Renaissance fand dieses aristotelische Gesell- schaftssystem großen Zuspruch, da die Verstädterung der Territorien im vollen Gan- ge war und der gemeinschaftsbildende und staatenbildende Mensch im Mittelpunkt stand. 11 Ein Merkmal für die Veränderung der Gesellschaftsform war auch die Ver- schiebung des Adels vom Land in die Städte. In der Renaissance arbeitete der Adel sogar mit dem wohlhabenden Bürgertum zusammen, was es in den Jahrhunderten des frühen Mittelalters niemals gegeben hätte. 12
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Das Bild der bürgerlichen Frau im Mittelalter und in der Renaissance unterscheidet sich grundlegend. Galt das weibliche Geschlecht im Mittelalter noch als ein unbe- holfenes und ungebildetes Wesen, vertraten die Humanisten der Renaissance die Ansicht, dass die Frau dem Mann geistig gleichgestellt sein solle. So wurden ab dem
16. Jahrhundert allerorts Mädchenschulen eingerichtet, an denen die Frauen Lesen
und Schreiben, die lateinische Sprache und auch naturwissenschaftliche Fächer er-
10 Hale, John: Die Kultur der Renaissance in Europa, München 1994. S. 411-412. Künftig zitiert als: Hale: Kultur.
11 Hale: Kultur. S. 415.
12 von Martin, Alfred: Soziologie der Renaissance, Physiognomik und Rhythmik einer Kultur des Bürgertums, Frankfurt am Main 1949. S. 28-30. Künftig zitiert als: Martin: Soziologie.
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Thorsten Laumann, 2001, Die Auswirkungen der Renaissance auf das alltägliche Leben im ausgehenden Mittelalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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