Die Kultkritik im Hoseabuch
von: Benjamin Kirchler
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 2
2. DER AUFBAU DES HOSEABUCHES 3
3. HOSEA, EIN FREIER PROPHET 4
4. HOSEA UND SEINE ZEIT / DER HISTORISCHE HINTERGRUND 5
5. DER BAALSKULT 8
6. KULTKRITIK IM HOSEABUCH UND DEREN VERSINNBILDLICHUNG IN DER FAMILIÄREN SITUATION DES PROPHETEN 9
7. GERICHTSANDROHUNG UND HEILSZUSAGE 11
8. FAZIT / GEGENWARTSBEZUG 12
9. LITERATURVERZEICHNIS 15
1. Einleitung
Der Prophet Hosea kann als einer der markantesten Repräsentanten des werdenden Judentums gesehen werden. In den ihm zugeordneten Schriften blickt er zurück auf Vergangenes, mahnt in der Gegenwart und verkündet die zukünftigen Geschicke des Volkes Israel. Er findet dafür sehr klare und deutliche Worte und besonders seine Kritik am Baalskult liefert gesellschaftlichen Sprengstoff. Hosea äußert mutig seinen Standpunkt. Er handelt als Gottesmann und als solcher richtet sich seine Kritik nicht nur gegen den Baalskult, sondern auch gegen die herrschende Oberschicht, wie etwa die Priester, den König, ja sogar die Institution des Königtums wird angegriffen.
In der folgenden Hausarbeit soll die Zeit, in der das Hoseabuch entstanden ist, genauer betrachtet werden. So wird deutlich, warum gerade zum damaligen Zeitpunkt Hosea als Prophet von Gott berufen wird, sein Wort zu verkünden. Um einen tieferen Einblick zu erhalten, ist es wichtig zu erläutern, welche persönlichen Implikationen das ’Prophet sein’ auf das Leben Hoseas hatte. Ferner ist es notwendig zu verstehen, was der Begriff der Prophetie ursprünglich bezeichnet und wie die verschiedenen Prophetentypen voneinander abgegrenzt werden können. Wie bereits angedeutet, ist Hosea eine sehr unbequeme Gestalt des Alten Testaments und zu Recht werden Propheten auch ’Rufer wider den Strom’ genannt, da sie zwar konform zu den Geboten Jahwes stehen, aber innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung als Nonkonformisten gelten. Des weiteren soll eine Darstellung der geschichtlichen und religiösen Umstände, in denen der Prophet wirkte, erläutert und reflektiert werden. Mit diesem Wissen eröffnet sich ein breiterer Verständnishorizont, der zur Lektüre dieser Arbeit notwendig ist. Im Lichte dieses Wissens sollen die prophetischen Gerichtsworte, aber auch seine Heilszusage untersucht werden.
Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab, in welchem besonderes Gewicht darauf gelegt werden soll, welche Botschaft das Hoseabuch für die aktuelle Zeit liefert. Es soll ein Gegenwartsbezug geschaffen werden, der aufzeigt, in welcher Verbindung der Prophet Hosea noch heute mit uns steht und welche Fragen, Impulse und Kritik seine Botschaft an uns heranträgt.
2. Der Aufbau des Hoseabuches
Das Hoseabuch ist Teil des Dodekaprophetons (Zwölfprophetenbuch). Es gilt mit dem Buch Amos als Beginn der Schriftprophetie in Israel und teilt sich in vierzehn Kapitel. Die Einheitsübersetzung setzt zwischen Kap. 1-3 und Kap. 4-14 eine Zäsur, wohingegen in der Forschung alternative Thesen der Aufteilung zu finden sind. Häufig trifft man auf einen dreiteiligen Aufbau, der zwischen den Kap.1-3 / 4-11 / 12-14 eine Trennlinie zieht. Da das Hoseabuch eine Anthologie darstellt, der es an deutlichen Gliederungssignalen fehlt, ist eine Aufteilung schwierig. Deshalb soll hier der These des dreiteiligen Aufbaus gefolgt werden, die eine thematische Unterteilung vornimmt. Die Buchüberschrift Hos 1,1 legitimiert Hosea als Prophet Gottes und hebt den Zeitbezug des Propheten hervor, in dem vier Könige des Südreiches und nur ein König des Nordreiches erwähnt werden. Die Überschrift zielt so auf spätere judäische Leser ab.
Die Kapitel Hos 1,2-3,5 beschäftigen sich mit der Ehe des Propheten. Hier wird die familiäre Situation Hoseas zur sinnbildlichen Veranschaulichung der völkischen Lage symbolisch in Bezug gesetzt und mit Strafe bedroht. Den anfänglichen Drohworten folgt eine Heilsverkündung, die durch die Läuterung des Volkes, symbolisiert durch den Ehebruchprozess, erreicht werden kann und von der Liebe Gottes zu seinem Volk kündet. Diese Liebe spiegelt sich nochmals in Hos 3 wieder, wo die Wiederannahme der treulosen Frau Israel angekündigt wird, nicht ohne allerdings in V.4 die Strafe einer langen könig- und fürstenlosen Zeit auszusetzen. Während Hos 1 als Fremdbericht in der 3. Person wiedergegeben wird ist Hos 3 als Selbstbericht verfasst und deutet so auf Hosea selbst als Verfasser hin.
Kapitel 4-11 kommt der Charakter einer programmatischen Schrift zu. Gott geht mit seinem Volk ins Gericht und gleich einer Anklageschrift werden Israels Verfehlungen benannt. Diese sind z.B. fehlende Gotteserkenntnis, Fluchen, Morden, Stehlen, Ehebrechen, Diebstahl, um nur einige zu nennen. Die Fehlorientierung des Volkes wird deutlich und Gott tritt nicht nur als Ankläger, sondern auch als Richter auf, der die Strafe verhängt.
In Hos 4-11 spiegelt sich somit die Hoffnungslosigkeit der Situation wieder, die durch das ’Nicht-umkehren-wollen’ des Volkes bedingt wird. Das von Gott gesprochene Gerichtswort „Doch er muß wieder zurück nach Ägypten, Assur wird sein König sein, denn sie haben sich geweigert umzukehren“ (Hos 11,5) 1 verkündet einen zweiten Exodus, der unabwendbar ist. Dennoch schließt Kap. 11 hoffnungsvoll mit einem Heilswort, das eine erneute Rückführung des Gottesvolkes verheißt und damit einen neuen Bund Israels mit seinem Gott prophezeit.
[...]
1 Die Bibel: Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Freiburg u.a. : Herder 1991. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit beziehen sich sämtliche Bibelzitate auf diese Ausgabe und werden auf Grund dessen nach der gängigen Form: Buchname, Kapitelnummer, Versziffer zitiert.
Arbeit zitieren:
Benjamin Kirchler, 2006, Die Kultkritik im Hoseabuch, München, GRIN Verlag GmbH
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